Labrador Retriever im Rasseportrait

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Labrador Retriever

Rassenmerkmale und Erscheinungsbild

Wie sieht ein Labrador Retriever aus?

Der Labrador Retriever ist ein mittelgroßer, harmonisch gebauter Hund. Heute ist er einer der weltweit beliebtesten Familienhunde sowie einer der leistungsfähigsten Arbeitshunde überhaupt. Er ist von Hause aus ein Jagdhund mit starkem Bezug zum Wasser. Er ist ein kräftiger und zugleich eleganter Hund ohne jede Übertreibung. Ein breiter Kopf mit deutlichem Stopp und die so genannte Otterrute gelten als typische Rassemerkmale. Der Standard beschreibt seine Erscheinung als:

Kräftig gebaut, kurz in der Lendenpartie, sehr rege, (welches übermäßiges Gewicht oder Substanz ausschließt); breiter Oberkopf; breit und tief in Brust und Rippenkorb; breit und stark in Lende und Hinterhand.

Der Labbi wird in 3 Farbschlägen gezüchtet, schwarz, schoko und gelb. Die mit kurzem, dichtem Fell bedeckte Rute zeigt einen sehr dicken Ansatz und verjüngt sich allmählich zur Rutenspitze hin. Das Haarkleid des Hundes ist stockhaarig, kurz, dicht, hart, nicht wellig und gut mit Unterwolle versehen.

Wie groß ist ein Labrador Retriever?

Es hat eine Widerristhöhe bei Rüden von 56 bis 57 Zentimetern und bei Hündinnen um 55 Zentimetern. Ein Gewicht wird nicht vorgegeben.

Wie alt wird ein Labrador Retriever?

Die Lebenserwartung eines Labrador Retrievers liegt nach Angaben des American Kennel Clubs bei 10 bis 12 Jahren.

Wesenszüge und Charaktereigenschaften

Welche Eigenschaften hat ein Labrador Retriever?

Der Labrador Retriever ist nicht ohne Grund binnen weniger Jahre zu einem ausgesprochen beliebten Hund geworden. Er hat einen überdurchschnittlich ausgeprägten Arbeitswillen für uns Menschen. Fachleute nennen es „will-to-please“. Zudem hat er noch die passenden Maße: nicht zu groß und nicht zu klein. Der Labrador bringt sogar das Kunststück fertig, neben seinen professionellen Arbeitsqualitäten auch noch ein ausgesprochen guter Familienhund zu sein. Das ist eine Seltenheit in der Welt der Hunde. Meist beißen sich extrem hoch entwickelte Arbeitsleistung und die Eignung als Schmuse-, Spiel- und Spazierpartner in einer Familie mit Kindern. Hier kommt wohl sein Molosserblut zur Wirkung. Bei aller Ernsthaftigkeit in der Arbeit ist er dem Menschen uneingeschränkt freundlich, ja herzlich zugewandt. Er sucht die innige Bindung zu seinen Menschen und gibt diese vielfach zurück. Er ist zu Späßchen und Spielen mit den Kindern aufgelegt. Er ist verträglich mit anderen vierbeinigen Hausgenossen. Er ist ein angenehmer Begleiter bei Spaziergängen, Wanderungen ja sogar beim Joggen oder – in Maßen – beim Radfahren. Der Labrador ist ein leicht zu führender Kamerad. Sein Standard beschreibt das Wesen dieses Retrievers als:

Ausgeglichen, sehr aufgeweckt. Vorzügliche Nase, weiches Maul; begeisternde Wasserfreudigkeit. Anpassungsfähiger, hingebungsvoller Begleiter. Intelligent, eifrig und willig, mit großem Bedürfnis seinem Besitzer Freude zu bereiten. Von freundlichem Naturell, mit keinerlei Anzeichen von Aggressivität oder deutlicher Scheue.

Ein Labrador Retriever will arbeiten und muss arbeiten. Ein gelangweilter Labbi kann seine überschüssige Energie dann in der Wohnung abarbeiten oder auch sonst recht unpässlich werden. Es macht sich gut, wenn du mit diesem Hund sehr aktiv durchs Leben gehst, sei es jagdlich, professionell oder im Hundesport. Aber keine Angst, du musst es nicht. Der Labbi ist auch geeignet für einen engagierten Anfänger.

Labrador im WasserHerkunft & Geschichte

Wo kommt der Labrador Retriever ursprünglich her?

Als Jagdhund ist er darauf spezialisiert, eine geschossene Ente aus dem Wasser zu apportieren. Der Labrador hat eine gute Portion Molosserblut in sich, was man ihm ein wenig ansieht, insbesondere aber sein Wesen besser verstehen lässt. Der Labrador kam vor etwa 200 Jahren von den kanadischen Inseln Neufundland und Labrador nach Europa. Er ist aber keine ursprünglich amerikanische Rasse. Seine Vorfahren kamen wahrscheinlich aus Portugal und England. An der rauen Küste des Nordatlantiks war er – zusammen mit seinem Vetter, dem Neufundländer – ein wichtiger Helfer der Fischer. Er machte sich ebenso bei der Jagd auf Wasservögel nützlich. Mit den Kabeljau-Schiffen kam der schon im 18. Jahrhundert immer wieder nach England. Dort erkannten Jäger sein Talent für das Apportieren aus dem Wasser. Kein anderer Hund apportiert so eifrig und zuverlässig die geschossene Ente selbst aus selbst eiskaltem Nass. Mit Weiterentwicklung der Schusswaffen wurden im 19. Jahrhundert Enten auch auf weite Distanz geschossen. Für die Hunde war es nun viel schwieriger, diese im Schilf zu finden und zu apportieren. Der richtige Job für den Labbi. Durch das Einkreuzen klassischer Jagdhunde sollten seine jagdlichen Fähigkeiten verbessert und erweitert werden. So wurde er zu einem allseitig einsetzbaren Jagdgebrauchshund entwickelt. Rein genetisch gesehen ist der Labrador Retriever allerdings kein klassischer Jagdhund. Vielmehr steht er den Molossern sehr nahe. Wahrscheinlich hat er sich in seiner Heimat Neufundland immer wieder einmal mit dem ebenfalls dort entstandenen Neufundländer verpaart. Zudem hat er das Doggenblut bereits aus Portugal mitgebracht. Seine Verwandtschaft mit den Molossern kannst du aus der genetischen Karte der Hunderassen von Heidi G. Parker nachsehen. Aber auch in seinem Wesen kommt diese Verwandtschaft zum Ausdruck. Die Wasserarbeit als seine Spezialität blieb ihm bis heute erhalten. Er ist der meistgebrauchte Apportierhund für Flugwild überhaupt. Ein trainierter Labrador kann sich genau merken, wohin ein geschossener Vogel gefallen ist, um ihn dann zielgerichtet zu apportieren. Zusammen mit seinem Bruder, dem Golden Retriever, steht er seit langem auf einem Spitzenplatz der beliebtesten Hunderassen Deutschlands. Das hat viele gute Gründe. 1954 erfolgte die Anerkennung der Rasse durch den Welthundeverband FCI. Heute fallen rund 2500 Welpen pro Jahr unter dem Dach des VDH.

Beliebte Mixe

Mixe mit Labrador Retrievern sind recht häufig. Das umgängliche Wesen und seine extrem hohe Leistungsbereitschaft und -fähigkeit, schließlich sein robuster Körperbau soll er immer wieder genetisch einbringen. Es gibt auch gezielte Mixe. So ist der Mix aus Pudel und Labrador, der Labradoodle der erste so genannte Designer-Dog weltweit.

Labrador-WelpePflege, Gesundheit und Krankheiten

Wie viel Pflege braucht ein Labrador Retriever?

Die Pflege eines Labrador Retrievers ist anspruchslos. Hie und da bürsten reicht.

Gibt es beim Labrador Retriever rassetypische Krankheiten?

Er ist eine robuste Hunderasse. Verbreitete Erbkrankheiten werden in der seriösen Zucht erfolgreich bekämpft. Leider wurde die Labrador-Population inzwischen faktisch in zwei Linien geteilt. Auf der einen Seite sehen wir die Arbeitslinie mit Jagdprüfungen. Auf der anderen Seite hat das Zuchtwesen Show-Linien herausgebildet. Diese vermeintlich schönen Hunde haben nicht selten einiges vom Retriever-typischen Charakter verloren und zeichnen sich durch wahllose Freundlichkeit als „Everybodys Darling“ aus. Besonders in England wird die Trennung in Gebrauchs- und Schau-Linie praktiziert. Die Show-Labradore sind in der Regel größer und viel mächtiger und insbesondere auch weniger robust und gesund. Ich persönlich würde keinen Hund aus einer Schau-Linie nehmen. Was soll überhaupt gut daran sein, einen Hund – wie der Name schon sagt – auf Show, auf Äußerlichkeiten zu züchten? Das führt immer auch tendenziell zur Missachtung seiner körperlichen und psychischen Gesundheit. Viel wichtiger ist sein Wesen und seine Fitness denn vermeintlich Schönheit. Prof. Distl von der Tiermedizinischen Hochschule Hannover zählt den Labrador zu den Rassen, bei denen erblich bedingte Epilepsie nachgewiesen ist. Hierauf solltest du ebenfalls achten. Trotz seiner hohen Beliebtheit ist der Labrador ein relativ gesunder und robuster Hund geblieben.

Welches Futter ist für einen Labrador Retriever am besten?

Ein Labrador Retriever ist beim Thema Ernährung in aller Regel unproblematisch. Du solltest streng darauf achten, dass er kein Übergewicht bekommt; denn er ist oft sehr verfressen. In seiner Population ist eine spezielle Genmutation verbreitet, die diese Neigung fördert. Das fand Eleanor Raffan, Forscherin an der Cambridge Universität, 2016 heraus:

Eine Variation des sogenannten POMC-Gens steht in Zusammenhang mit Gewicht, Fettleibigkeit und Appetit beim Labrador und bei Flatcoated Retrievern.

Der Labrador eignet sich natürlich auch zum Barfen – fachgerecht ausgeführt.

Aktivitäten

Wie viel Bewegung brauch ein Labrador Retriever?

Ein Labrador Retriever ist ein Jagdhund. Er hat noch weit mehr Fähigkeiten. Er arbeitet als Drogenspürhund, Minensuchhund oder Rettungshund und vor allem in seiner Königsdisziplin als Assistenzhund. Zusammen mit seinem Bruder, dem Golden Retriever, ist er der am häufigsten eingesetzte Begleiter für Menschen mit Handicap etwa Blinde oder Querschnittsgelähmte. Der Labrador Retriever ist ein Arbeitshund auf allerhöchstem Niveau. Er ist ein erprobter Helfer bei Zoll und Polizei etwa auf der Suche nach Schmuggelgut. Er hat schon unzählige Male dabei geholfen, Erdbeben- und Lawinenopfern das Leben zu retten.

Überlegungen vor der Anschaffung

Wo kann man einen Labrador Retriever kaufen?

Gerade beim Labrador solltest du dich vor Ort bei seriösen Züchtern umschauen. Du wirst hier beim Deutschen Retriever Club oder dem Labrador Club Deutschland sicher fündig. Bei diesen Vereinen kommen nur Hunde in die Zucht, die umfangreich auf verschiedene Erbkrankheiten untersucht wurden. Zudem müssen alle Zuchttiere bei diesen Vereinen einen Wesenstest bestanden haben. Die rapide gewachsene Beliebtheit des Labbis hat viele Anbieter auf den Plan gerufen, die das schnelle Geld machen wollen. Solche Vermehrer und Hundehändler achten nicht auf die Gesundheit und erst recht nicht auf das Wesen ihrer Produkte. Wer meint, seinen Labrador „preisgünstig“ über eine Online-Plattform per Handy und Lieferung frei Haus erstehen zu müssen, kauft gleich das besonders große (und teure) Risiko mit ein, einen kranken und mental gestörten Hund zu erhalten.

Erziehung und Haltung

Passt ein Labrador Retriever zu mir?

Willst du mit einem Labrador leben, solltest du auf jeden Fall bereit sein, täglich mit ihm zu arbeiten, mindestens eine größere Runde bei jedem Wetter zu gehen, gerade auch bei kaltem Regenwetter, seinem speziellen Wohlfühlwetter. Ansonsten ist seine Haltung unproblematisch. Du solltest kein Problem damit haben, wenn er sich wieder einmal in einen See gestürzt hat und dann pudelnass ins Auto soll. Dafür gibt es passende Kleidung und Ausstattung. Zum Transport empfiehlt sich eine professionelle Transportbox aus Aluminium. Beim Apportieren muss man aufpassen, dass er kein Junkie wird. Der extrem arbeitsfreudige, lernwillige Hund braucht anspruchsvolle Beschäftigung. Aber hier liegt auch sein Problem, besser das mögliche Problem seiner Menschen. Ein Labbi will und muss erzogen und artgerecht geführt werden. Trotz oder gerade wegen seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten erzieht er sich nicht im Selbstlauf. Führung ohne Konsequenz, ein Tagesablauf ohne Herausforderungen oder mindestens einem ausgedehnten Spaziergang, mangelnde Anbindung an seine Menschen frustrieren ihn. Dann kann er seinen Arbeitseifer schon mal an den Möbeln abarbeiten. Oder er entwickelt sich zu einem Apportier-Junkie. Das artet in Stress für Herrchen und Frauchen aber vor allem für ihn selbst aus. Ein Labrador braucht unbedingt sinnvolle, artgerechte Beschäftigung. Das ist im Kern die größte Herausforderung an seine Haltung. So macht er sich gut als Partner bei vielen Sportarten, etwa Agility oder Obedience. Der Labrador Retriever eignet sich ebenso als ganz normaler Begleiter und Familienhund für ein aktives Frauchen oder Herrchen. Auf der Grundlage einer respektvollen, emotionalen Bindung zu seinen Menschen ist er sehr flexibel. Er ist seiner Familie liebevoll zugewandt und oft bis ins hohe Alter verspielt. Vielleicht zählt auch dieser Widerspruch – einerseits seine hervorragenden Qualitäten als professioneller Arbeitshund, andererseits Eignung als verspielter Familienhund – zu der besonderen Faszination, die diese Hunderasse ausstrahlt.

Interessantes, Wissenswertes & Extras

Der Labrador Retriever ist – wie alle Retriever – ein Jagdhund. Er kann aber viel mehr. Er ist der Alleskönner unter den Hunden. Zugleich hat er ein überaus menschenfreundliches Wesen. Ein Labrador, durch Aufgaben ausgelastet und regelmäßig bei Wind und Wetter bewegt, ist ein idealer Familienhund und fantastischer Begleiter. Der Labbi ist die lebendige Verkörperung der Freundschaft von Mensch und Hund.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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