Broholmer im Rasseportrait

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Broholmer

Steckbrief

Wachhunde
Herkunft Dänemark Lebenserwartung ca. 10 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer - Molosser - Schweizer Sennenhunde Funktion Wachhunde
Größe Riesige Hunderassen Häufige Krankheiten Hüftdysplasie, Ellbogendysplasie, Herzerkrankungen
Gewicht 40-70 kg Felllänge kurz, dicht
Charakter/Wesen ruhig, gutmütig, freundlich, wachsam, gemütlich Fellfarbe gelb, rot, schwarz
Besonderheiten

gesunde Alternative zur Deutschen Dogge

Rassenmerkmale und Erscheinungsbild

Wie sieht ein Broholmer aus?

Der Broholmer ist ein großer, sehr eleganter und sportlicher Molosser aus Dänemark. Er beeindruckt schon aus der Ferne durch seine Größe und seinen kraftvollen Körperbau. Sein heutiger Name stammt von Schloß Broholm auf Fünen, einer der dänischen Hauptinseln in der Ostsee. Der Broholmer war der Lieblingshund des dänischen Königs Frederik VII., der im 19. Jahrhundert herrschte. Seine imposante Erscheinung ist Respekt einflößend aber weder plump noch grob. Der Kopf ist massiv jedoch freundlich mit einer cleveren Ausstrahlung. Alles wirkt harmonisch. Sein Fell ist kurz und dicht anliegend, mit dicker Unterwolle. Als Farben sind Gelb mit schwarzer Maske, Gold-Rot und Schwarz laut Standard zugelassen. Weiße Abzeichen an der Brust, an den Pfoten wie an der Rutenspitze sind zulässig. Der Broholmer ist eine besonders elegante Erscheinung unter den Molossern.

Wie groß ist ein Broholmer?

Rüden haben eine Widerristhöhe von etwa 75 Zentimetern, Hündinnen etwa 70. Das Gewicht soll bei Rüden um die 50 bis 70, bei Hündinnen um die 40 bis 60 Kilogramm liegen.

Wie alt wird ein Broholmer?

Zu seiner Lebenserwartung liegen keine belastbaren Daten vor. Exemplare aus seriöser Zucht sollten durchschnittlich gut 10 Jahre alt werden.

Wesenszüge und Charaktereigenschaften

Welche Eigenschaften hat ein Broholmer?

Das Gemüt des Broholmer ist fromm wie ein Lamm. Es gibt kaum etwas, das diesen großen Vierbeiner aus der Fassung bringen könnte. Seine Zucht legt größten Wert auf dessen Verhaltensbewertung. Nur Hunde, die sich vom Wesen her eindeutig bewähren, kommen in die Zucht. Ein Broholmer soll ruhig, gutartig, freundlich, dennoch wachsam sein. Er muss sehr großes Selbstvertrauen zeigen. Und das hat er auch. Mit etwas Konsequenz erzogen, ist er ein rundum unkomplizierter Hund. Als Familienmitglied zeigt er sich ausgesprochen liebenswert. Er sucht die Nähe zu seinen Menschen. Ihnen ist er ein verlässlicher Beschützer. Bei akuter Bedrohung seiner Menschen wird er versuchen, die Gefahr von diesen fernzuhalten, indem er den Aggressor mit seinem Körper stellt, ihn jedoch nicht weiter angreift. Sein ruhiges, gelassenes Temperament macht ihn für Kinder zu einem treuen, freundlichen Gefährten, der alles verzeiht. Mit anderen Haustieren verträgt er sich bestens, in der Regel zumindest. Fremden gegenüber ist er zunächst abwartend. Er muss sie erst einmal beobachten und prüfen. Aufgrund seiner Kraft ist er nicht unbedingt ein Hund für Anfänger. Der Broholmer ein echt cooler Typ, ein faszinierender Hund!

broholmerHerkunft & Geschichte

Wo kommt der Broholmer ursprünglich her?

Der Broholmer hat eine sehr lange Geschichte. Große Molosser waren sehr lange Zeit in ganz Europa verbreitet. Sie waren aber bei weitem nicht so massig wie ein heutiger Mastiff, vielmehr sportlich, schnell, ausdauernd und zugleich mit enormer Kraft und Mut ausgestattet. Bis zur Entwicklung der modernen Schusswaffen musste der Jäger schon sehr nah an ein Wildschwein kommen, um es erlegen zu können. Hier kamen diese Hunde ins Spiel. Sie mussten das Wildschwein hetzen und stellen bis der Jäger eben nahe genug herankommen konnte. Wildschweine sind sehr wehrhaft und im Kampf auf Leben und Tod äußert gefährliche Gegner. Die Saupacker, wie diese historischen Molosser auch genannt wurden, mussten körperlich und mental auf dem höchsten Stand sein. Der Adel schmückte sich darüber hinaus mit den großen Molossern als Bodyguards und Statussymbol. Auf großen Anwesen dienten sie zudem als Wach- und Schutzhunde. Solche Hunde gab es mit fließenden genetischen Grenzen vornehmlich in England, Deutschland, Frankreich, Italien und eben auch Dänemark. Lange Zeit wurden sie als „Dänische Doggen“ angesprochen und so insbesondere von den Deutschen Doggen abgegrenzt. Der Comte de Bylandt stellt sie in seinem 1895 erschienenen fast 2.000 Seiten umfassenden Werk über die Hunde der Welt direkt nebeneinander. Auf der einen Seite die Deutsche Dogge, daneben den „Dansk Hund“ der dort ebenso „Dänische Dogge“ als auch „Broholmer“ genannt wird. Er zeigt auch eine Zeichnung dieser Hunde aus der Zeitschrift „Chasse et Pêche“ von 1888. In ihrer Beschreibung ähneln sich beiden Hunderassen sehr. Die Dänische wird als etwas leichterer Hund dargestellt. Genau zu dieser Zeit erlebte der Broholmer jedoch eine Phase des Niedergangs. Nicht in seinen Qualitäten als Hund vielmehr in seiner internationalen Beliebtheit. Seine Funktion als Saupacker war durch die modernen Gewehre nicht mehr gefragt. Als repräsentativer Begleiter lief ihr die etwas größere Deutsche Dogge den Rang ab. Diese wird in Frankreich, Großbritannien und den USA seither als „Großer Däne“ bezeichnet und erfreute sich großer Beliebtheit. Ausgehend vom Grafen Sehested von Broholm und dessen Familie blieben einige Dänen diesem ihrem eigenen, großen Hund jedoch treu. 1886 wurde ein Standard entworfen, der fast 100 Jahre später zum offiziellen Standard bei der Anerkennung des Broholmers durch die Fédération Cynologique Internationale werden sollte. Das war am 25.Mai 1982. In der Zwischenzeit hatte der Broholmer noch weitere Rückschläge einzustecken gehabt. Wie bei vielen großen Hunden war sein Bestand durch den II.Weltkrieg fast vollständig erloschen. Die Dänen setzten dann unter der Federführung des Dansk Kennel Klubs und des Broholmerselskabets ein Programm zur Rettung dieser fantastischen Hunderasse auf. Auch in Deutschland gibt es inzwischen einen gute Handvoll Züchter unter dem Dach des VDH. Inzwischen fallen in Deutschland zwischen 10 und 20 Welpen im Jahr. Man kann dieser Hunderasse angesichts ihres attraktiven Äußeren und vor allem wegen ihres überzeugenden Wesens nur wünschen, dass sie sich nach und nach festigen und eine weitere Verbreitung erringen kann.

Pflege, Gesundheit und Krankheiten

Wie viel Pflege braucht ein Broholmer?

Die Pflege eines Broholmer stellt keinen nennenswerten Aufwand dar.

Gibt es beim Broholmer rassetypische Krankheiten?

Trotz der kleinen Zuchtbasis ist der Broholmer durch die sehr verantwortungsvolle Betreuung seines Zuchtverbandes eine relativ gesunde Hunderasse. Wie bei den meisten Großhunden sehen wir Hüft- oder Ellbogendysplasie. Augen- und Herzkrankheiten können beim Broholmer vermehrt auftreten.

Welches Futter ist für einen Broholmer am besten?

Besonders in der Wachstumsphase eines Broholmers bedarf es einer gut bedachten Fütterung. Vom Züchter erhältst du die nötigen Informationen. Ein Broholmer braucht viel und hochwertiges Futter. Hilfreich ist ein hochgestellter Futternapf, um dem Risiko von Magendrehung entgegenzuwirken. Auf das Gewicht sollte immer genau geachtet werden. Gerne kannst Du ihn auch Barfen.

BroholmerÜberlegungen vor der Anschaffung

Wo kann man einen Broholmer kaufen?

Die Anschaffung eines Broholmers solltest du dir langfristig und gut überlegen. Schließlich ist es ein großer Hund, der viel Einfluss auf die Gestaltung deines ganzen Lebens haben wird. Zudem ist er sehr selten. Du solltest dich also frühzeitig nach einem Züchter umschauen und hier persönliche Kontakte knüpfen. Zu Bedenken ist auch, dass im Interesse einer gesunden Entwicklung dieser Hunderasse von den Welpenkäufern erwartet wird, dass sie ihre Hunde etwa röntgen lassen und für die Zucht zur Verfügung stellen – alles sinnvolle Maßnahmen zur Rettung des Broholmers, die du als Freund dieser Hunderasse nur unterstützen kannst. Du solltest Dich voll auf diese Hunderasse einlassen – es lohnt sich.

Erziehung und Haltung

Passt ein Broholmer zu mir?

Der Broholmer ist schon aufgrund seiner Größe kein einfach zu haltender Hund. Von seinem Wesen her stellt er ausgesprochen geringe Ansprüche. Ein täglicher Spaziergang, einmal in der Woche gebürstet, das war es schon. Er braucht keinen großen Garten, aber ein Garten ist schon hilfreich. Eine Etagenwohnung im x-ten Stock wäre nicht passend. Er sollte möglichst Paterre wohnen, Treppen steigen tut ihm besonders als Junghund nicht gut wie bei den meisten Großhunden. Mit Hitze kann der Broholmer umgehen, sollte dann aber nicht gefordert werden. Der Broholmer ist ein cooler Partner und kein Objekt für Leistungsjunkies oder Menschen, die diesen repräsentativen Hund für die eigene Aufwertung missbrauchen wollen. Nichtzuletzt deshalb ist von seiner Haltung in der Großstadt eher abzuraten. Man sollte ein ausreichendes Budget haben, um viel gutes Futter und im Zweifelsfall auch die Tierarztrechnungen bezahlen zu können. Schließlich sollte man vor einer Anschaffung bedacht haben, was zu tun ist, wenn der Hund einmal krank ist und 70 Kilogramm möglicherweise getragen werden wollen. Man sollte sich vor Augen halten, dass die Leine bei einem ausgewachsenen Broholmer lediglich symbolisch Kontrolle darstellt. Der Broholmer hat locker die Kraft, das andere Ende der Leine beliebig zu manövrieren. Aber er will es nicht, zumindest dann nicht, wenn er wenigstens Grundelemente einer guten Erziehung genossen hat. Der Broholmer ist sehr leicht zu erziehen. Lediglich seine zuweilen dargelegte Sturheit muss man hie und da mit konsequenter Milde brechen. Er will Herrchen und Frauchen folgen und tut das auch sehr zuverlässig. Es ist elementare Pflicht eines Broholmer-Halters schon beim Welpen auf eine konsequente Erziehung zu achten. Allein eine solche echte Bindung von Hund und Herrchen oder Frauchen und nicht die Leine ermöglicht die wunderbaren Spaziergänge in der Natur, die gemeinsam mit diesem coolen Vierbeiner zu Balsam für die Seele des Hektik gewohnten Menschen unserer heutigen Zeit werden.

Interessantes, Wissenswertes & Extras

Der Broholmer ist eine noch viel zuwenig bekannte Hunderasse. Dieser große und zugleich elegante Molosser mit seinem herrlichen Wesen ist eine gesunde Alternative zu der leider unter vielen Missständen der Zucht leidenden Deutschen Dogge.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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