Bordeaux Dogge im Rasseportrait

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Bordeaux Dogge

Steckbrief

Wachhunde
Herkunft Frankreich Lebenserwartung 6-8 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer - Molosser - Schweizer Sennenhunde Funktion Wachhunde
Größe Große Hunderassen Häufige Krankheiten Ellbogendysplasie, Hüftdysplasie
Gewicht 45-60 kg Felllänge kurz
Charakter/Wesen freundlich, gelassen, intelligent, ruhig, gutmütig Fellfarbe falb
Besonderheiten

bellt wenig, leicht erziehbar

Rassenmerkmale und Erscheinungsbild

Wie sieht eine Bordeaux Dogge aus?

Die Bordeaux Dogge, original „Dogue de Bordeaux“, ist ein mittelgroßer bis großer Molosser aus Frankreich. Die Bordeaux Dogge ist eine imposante Erscheinung, trotz oder vielleicht gerade weil sie nicht so massig wie der Mastiff oder Bernhardiner daher kommt. Ohne jeden Zweifel sieht man ihr die Kraft an, die sie in majestätischer Gelassenheit präsentiert. Das Fell der Bordeaux Dogge soll dünn, kurz und beim Anfassen weich sein. Es soll „einfarbig in allen Abstufungen der Falbfarbe von mahagoni- bis isabellfarbig“. Weiße Flecken sind in geringer Ausdehnung auf der Brust und an den Enden der Gliedmaßen statthaft. Diese Einschränkung der Farbe ist ebenfalls dem Genpool der Bordeaux Dogge nicht gerade förderlich. All das führt dazu, dass die Bordeaux Dogge heute zu den kurzlebigsten Hunderassen überhaupt zählt.

Wie groß ist eine Bordeaux Dogge?

Der Standard sieht für Rüden eine Widerristhöhe von 60 bis 68 cm, für Hündinnen eine Widerristhöhe von 58 bis 66 cm vor. Als Gewicht heißt es bei Rüden „mindestens 50 kg“, bei Hündinnen „mindestens 45 kg“. Leider sieht der Standard keine Begrenzung des Gewichts nach oben vor. So sehen wir heute Exemplare mit 70 Kilogramm und mehr. Der Charme dieser Rasse – als eben nicht so extrem massiger und trotzdem imposanter Molosser – geht so ein Stück weit verloren. Insbesondere geht solcher Gigantismus zulasten der Fitness und der Gesundheit der Hunde. Der belgische Graf Bylandt gibt 1894 als Gewicht für den Rüden 54 – 60 KG an. Der deutsche Kynologe Richard Strebel berichtet 1905 von 54 – 55 KG als bestes Gewicht für einen Rüden und 45 – 46 KG für eine Hündin. Eine solche Gewichtsspanne täte auch den heutigen Bordeaux Doggen ausgesprochen gut.

Wie alt wird eine Bordeaux Dogge?

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Bordeaux Dogge ist mit 6 bis 8 Jahren leider ausgesprochen gering. Gesund gezüchtet müsste sie 4 Jahre älter werden. Es wird ihr also zuchtbedingt ein Drittel ihrer Lebenszeit genommen – statistisch gesehen. Es würde der Zucht gut tun, alles Menschenmögliche zu tun, um diesen Missstand zu korrigieren.

Wesenszüge und Charaktereigenschaften

Welche Eigenschaften hat eine Bordeaux Dogge?

Die Bordeaux Dogge ist vom Wesen her wie es ihre Erscheinung vermuten lässt: Souveräne Gelassenheit ist kennzeichnend. Ihre enorme Kraft hat sie bestens unter Kontrolle. Sie hat eine extrem hohe Reizschwelle und würde sich nie außerhalb einer echten Notsituation aufmandeln. Wenn, dann gibt sie zunächst lediglich ein bassiges „Wuff“ zum Besten. Spätestens jetzt wird es für einen Eindringling Zeit, das Weite zu suchen. Die Bordeaux Dogge ist ein sehr guter Behüter und Beschützer ihrer Familie. Sie ist ausgesprochen liebeswert und dem Menschen freundlich zugewandt. Ihre Familie liebt sie über alles. Sie ist ein toller Spielkamerad für die Kinder. Sie strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, was Balsam für uns nicht selten vom Stress des Alltags geplagte Menschen ist. Hektik ist der Bordeaux Dogge ein Fremdwort und das strahlt sie deutlich spürbar aus. Sie fordert als erwachsener Hund auch nicht ständig Unterhaltung oder Beschäftigung. Klar, wenn es darum geht, in der Natur spazieren zu gehen, ist sie mit Freude dabei. Aber sie nervt nicht. Die Bordeaux Dogge ist intelligent. Sie eine stille aber sehr genaue Beobachterin. Sie scheint sogar so etwas wie menschlichen Gerechtigkeitssinn zu haben, denn Ungerechtigkeiten mag sie nicht. Da ist sie sehr empfindlich.

Herkunft & Geschichte

Wo kommt die Bordeaux Dogge ursprünglich her?

Der Typ des Molossers ist seit Urzeiten bekannt und spielte in etlichen Kulturen der Antike eine beachtliche Rolle. Die Babylonier meißelten ihre Molosser in Granit. Sie dienten Herrschern wie Hammurabi als Kriegshunde. Molosser sind kräftige, schwere Hunde. Sie haben einen imposanten Kopf mit einer kurzen Schnauze und langen Lefzen. Die Ohren werden meist hängend getragen. So zur Beschreibung des Äußeren. Noch markanter sind jedoch die inneren Werte der Molosser, die unten im Abschnitt zum Wesen der Bordeaux Dogge beschrieben werden. Nach den Überlieferungen der Antike sind die Hauptkennzeichen der Molosser seit tausenden von Jahren im Wesentlichen gleich geblieben. Auch die Palette seiner Aufgaben im Dienste des Menschen ist lange Zeit konstant geblieben. Die Ahnen der Bordeaux Dogge dienten als Jagdhund auf großes und wehrhaftes Wild, meist als Saupacker. Sie mussten die gefährlichen Wildschweine stellen und packen, solange bis sie der Jäger mit der Saufeder, einem speziellen Speer, töten konnte. Hierzu gehörten Schnelligkeit, Ausdauer, viel Mut und Kraft. Die Bordeaux Dogge diente und dient auch heute noch als Wach- und Schutzhund. Im Mittelalter wurde sie für die Arenen des Tierkampfs missbraucht. Große und kleine Molosser waren schon immer in ganz Europa verbreitet. Die Bordeaux Dogge wurde als eigenständige Rasse mit der Entstehung der modernen Rassehundezucht kreiert. 1863 fand im Pariser Jardin d’Acclimatation die erste französische Hundeausstellung statt. Die Bordeaux Dogge wurde dort bereits unter ihrer heutigen Bezeichnung gezeigt. Der Name soll daher rühren, dass man diese Hunde am häufigsten bei den Metzgern der Stadt Bordeaux sah. Damals waren die Bordeaux Doggen allerdings noch nicht so groß, schwer und so faltig wie heute. Auch die heute verlangte Einfarbigkeit fehlte. Der 1883 in Paris prämierte Rüde „Bataille“ zum Beispiel hatte einen faltenfreien Kopf mit schwarzer Maske. Die Bordeaux Dogge hat oft unter den politischen Wirren der Menschheit zu leiden gehabt. Während der Französischen Revolution 1789 wurde sie fast ausgerottet, da sie als Hund der Wohlhabenden galt. In den beiden Weltkriegen hatten die Hunde so sehr zu leiden, dass ihr Bestand vom Untergang bedroht war. Seit den 1960er Jahren erlebt sie einen neuen Aufschwung. Zur Belebung der Rasse sollen kurzhaarige Bernhardiner eingekreuzt worden sein. In Deutschland wurde 1908 der erste deutsche Bordeaux Doggen Club gegründet. Hier musste die Zucht nach 1947 ganz neu aufgebaut werden.

Bordeaux doggeBeliebte Mixe

Mixe mit Bordeaux Dogge sind eher selten; zuweilen finden sie sich aber als Ahnin in Hunden, die als Old English Bulldog vermarktet werden.

Pflege, Gesundheit und Krankheiten

Wie viel Pflege braucht eine Bordeaux Dogge?

Die Fellpflege der Bordeaux Dogge ist einfach. Hie und da bürsten reicht.

Gibt es bei der Bordeaux Dogge rassetypische Krankheiten?

Die Bordeaux Dogge leidet wie viele große Hunde unter Ellbogen- und Hüftdysplasie. Auf Grund ihrer kurzen Schnauze verträgt sie Belastung bei Hitze nicht. Narkosen sind bei ihr besonders riskant. Zudem neigt sie zu Hängelidern, Entropium, Ektropium und Magendrehung.

Welches Futter ist für eine Bordeaux Dogge am besten?

Der Bordeaux Dogge muss besonders in der Wachstumsphase fachkundig ernährt werden. Auch ansonsten ist hochwertiges Futter angesagt. Das ist nicht nur gut für ihre Gesundheit. Wie die meisten Hunde mag sie einen fleischigen Rinderknochen und frisches Fleisch. Die Bordeaux Dogge eignet sich sehr gut zum Barfen.

Aktivitäten

Die Bordeaux Dogge sollte bei Hitze weder körperlich noch psychisch größer beansprucht werden. Ansonsten ist sie völlig problemlos.

Überlegungen vor der Anschaffung

Wo kann man eine Bordeaux Dogge kaufen?

Willst Du dein Leben mit einer Bordeaux Dogge teilen, solltest Du dich lange vor ihrer Anschaffung nach einem Züchter umschauen und hier Kontakte knüpfen. Der Züchter sollte dem VDH angeschlossen sein und seine Doggen auf die besonderen Risiken hinsichtlich der oben beschriebenen Probleme getestet haben. Das ist in der seriösen Zucht selbstverständlich. Zudem sollte keine Inzucht vorliegen, was Du anhand des Stammbaums abschätzen kannst; ideal wenn dort kein Name doppelt auftaucht. Du solltest schauen, wie alt die Ahnen geworden sind. Sind viele Ahnen bereits im jungen Alter gestorben, solltest Du dich nach einem anderen Wurf oder Züchter umschauen. Der Züchter sollte seinen Wurf per Foto gut dokumentiert haben. Du solltest Dir den Wurf zusammen mit der Mutterhündin, nach Absprache, vor Ort anschauen können.

bordeaux doggeErziehung und Haltung

Passt eine Bordeaux Dogge zu mir?

Die Bordeaux Dogge ist in ihrer Haltung etwas anspruchsvoller. Sie ist nicht für eine Etagenwohnung geeignet. Auch wenn sie alles andere als ein Hektiker ist, mag sie etwas Bewegungsfreiheit, zum Beispiel in einem Garten, sehr gerne. Hier verbringt sie mehrere Stunden mit Dösen und Beobachten. Sie braucht viel Platz, denn sie will sich frei bewegen können. Längere Spaziergänge und -allerdings nur kurze – Radfahrten schätzt sie. Sie braucht ihre tägliche Bewegung, ist aber kein Sportler. Bei Hitze sollte körperliche als auch psychische Anstrengung vermieden werden. Du solltest auch bedenken, dass so große und kräftige Hunde wie die Bordeaux Dogge in unserer heutigen, angeblich so tierfreundlichen Gesellschaft, nicht selten auf große, zuweilen aggressiv Ablehnung stoßen. Manche Menschen haben aus Unkenntnis schlicht Angst vor ihr. Du solltest ein ausreichendes Budget haben, um viel gutes Futter und im Zweifelsfall auch die Tierarztrechnungen bezahlen zu können.

Die Bordeaux Dogge lässt sich sehr gut erziehen, was die Grundregeln des Verhaltens angeht. Sie muss aber vom Welpenalter an gut erzogen werden, um dieses Kraftpaket immer führen zu können. Auf das Erlernen von Kunststücken, deren Sinn ihr nicht einleuchtet, verzichtet sie gerne. Mehr noch als bei den meisten anderen Hunden ist bei ihr ein inniges Vertrauensverhältnis zu Herrchen oder Frauchen die Basis für das Gelingen der Erziehung. Hinzu kommt Konsequenz, denn die Bordeaux Dogge ist schlau, merkt jede kleine Unstimmigkeit und weiß diese für ihre Zwecke zu nutzen. Die Bordeaux Dogge ist zugleich sehr sensibel. Ungerechtigkeiten vergisst sie nicht. Du musst immer im Hinterkopf haben, dass die Leine bei diesen Hunden lediglich mental Kontrolle darstellt. Die Bordeaux Dogge hätte locker die Kraft, das andere Ende der Leine beliebig zu manövrieren, wenn sie es darauf anlegen würde. Tut sie aber nicht.

Interessantes, Wissenswertes & Extras

Die Bordeaux Dogge wäre sicher erste Wahl für alle Molosser-Freunde. Vom Aussehen und Charakter vereint sie alle Vorteile dieses uralten Hundetyps – wenn eben nicht die eklatanten Missstände in ihrer Zucht wären.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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