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Kangal im Rasseportrait

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Kangal: Anatolischer HirtenhundHerkunft und Rassegeschichte

Der Kangal ist ein in der Türkei, speziell Anatolien, verbreiteter, großer und sehr kräftiger Herdenschutzhund. Der Kangal wird offiziell als Anatolischer Hirtenhund oder türkisch als Coban Köpegi bezeichnet. Die ursprüngliche Bezeichnung lautet Karabash. In Deutschland sind diese Hunde unter „Kangal“ bekannt. Das ist der Name einer einflussreichen adeligen Familie in der türkischen Provinz Shivas, die schon sehr früh begann, den Karabash professionell zu züchten.

Die eigentlich Karabash (Schwarzkopf) genannten Hunde wurden nun mit dem Namen der Züchterfamilie als Kangal bezeichnet. Der Karabash oder Kangal ist in den Bergregionen der Türkei heimisch. Dort bewacht und behütet er die Schafherden. Er macht diese Arbeit vollkommen selbstständig, nicht selten wochenlang von Menschen getrennt, und muss eigenmächtig entscheiden, wie er sich Fremden gegenüber verhält. Diese großen und äußerst kräftigen Hunde können ihre Herde auch gegen Bären und Wölfe verteidigen. Das Bewachen und Beschützen des Eigentums und seiner Menschen zählt ebenfalls zu ihren Aufgaben.

Legendär sind die Genügsamkeit und Robustheit der Rasse, die auch bei magerer Kost, die oft nur aus menschlichen Agrarabfällen besteht, erhalten bleiben. Es sind archaische Tiere, die vermutlich schon mit der Einführung der Viehhaltung vor etwa 10.000 Jahren entstanden sind. Ein Kangal lässt sich nichts vormachen, denn er hat ein klares Verständnis seiner Rolle. Typischerweise liegt er an einer erhöhten Stelle neben oder innerhalb seiner Herde, sodass er alles in der Umgebung gut beobachten kann. Seine Herde, seine Hirten und dessen Familie sind ihm heilig. Ihnen ist er treu und liebevoll ergeben. Gegenüber Fremden hingegen ist er misstrauisch. Deshalb zögert er nicht, zuzuschlagen, wenn er Verhalten als feindlich interpretiert. So beschützt er als Herdenschutzhund seit Menschengedenken die Viehherden und die einsam gelegenen Anwesen der Hirten, Bauern und Großgrundbesitzer Anatoliens.

Diese überaus nützliche, ja zum Funktionieren eines Lebens im weiten, einsamen Land geradezu notwendige Funktion, passt nicht in eine engräumige hektische Gesellschaft des heutigen Mitteleuropa. Es gibt kaum ein Grundstück, das so groß ist, dass es dem Kangal als Arbeitsraum reichen würde. Er ist andere Maßstäbe von den menschenleeren Bergen Anatoliens gewohnt. Zudem wird eine wachsame Rasse wie der Kangal in der heutigen Zeit schnell als gefährlich und aggressiv verurteilt. Während noch vor ein oder zwei Generationen die Besitzer eines größeren Grundstücks stolz darauf waren, dass ihr Hund verlässlich und im Ernstfall scharf sei, ist eine solche Eigenschaft für den heutigen Hund nicht erwünscht. Und so findet man ihn fast überall auf den Listen vermeintlich gefährlicher Hunde – und leider allzu oft in den Tierheimen.

Der Kangal ist ein Urtyp des Hundes, dem der Mensch in seiner Entwicklung viel zu verdanken hat. Als Hunderasse ist er seit langem bekannt, beschrieben, ja verehrt. In der modernen Rassehundezucht wurde er aber erst im August 1989 von der FCI anerkannt. In Deutschland wird der Anatolische Schäferhund von Züchtern betreut, die ohne eigenen Verein unmittelbar dem Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) angeschlossen sind.

Beschreibung

Der Kangal ist ein großer, imposanter und zugleich eleganter, athletischer, beweglicher Hund. Anders als etwa ein Mastiff wurde er nie auf Kraft und Größe im Ausstellungsring gezüchtet. Seine Kraft und Größe sind „Natur“ pur und jederzeit einsatzfähig. Sein Schädel erinnert ein wenig an die Konturen der Molosser, die auch zu seinen Verwandten zählen. Dabei zeigt der Hirtenhund eine hellwache, sehr aufmerksame Mimik. Er ist ein ruhiger aber scharfer Beobachter, was man ihm buchstäblich ansieht.

Der Kangal hat ein kurzes, zuweilen auch halblanges, dichtes, doppeltes Haarkleid, das ihn sowohl bei Kälte als auch Hitze hervorragend schützt. Die mittelgroßen Ohren werden flach anliegend und hängend seitlich am Schädel getragen. Früher wurden sie kupiert. Die Rute ist in Ruhestellung nach oben hin leicht eingerollt. Offiziell sind alle Fellfarben erlaubt. In der Regel ist der Kangal aber hellbraun bis hellgrau und trägt am Kopf, besonders an den Ohren und am Fang, dunkelbraune bis schwarze Abzeichen. Rüden haben eine Widerristhöhe von 74 bis 81 Zentimetern, Hündinnen 71-79 cm. Als Gewicht werden bei Rüden 50 bis 65 Kilogramm, bei Hündinnen 40 bis 55 kg angegeben.

Charakter und Wesen

Der Kangal ist ein selbstständig agierender Wächter und Beschützer. Seine charakterlichen Qualitäten beschreibt der offizielle Standard so:

Ausgeglichen und kühn, ohne jegliche Aggressivität, unabhängig, sehr intelligent und führig. Stolz und vertrauenswürdig. Gegenüber seinen Herren ist der Anatolische Hirtenhund anhänglich und loyal, erwachsene Hunde sind Fremden gegenüber jedoch misstrauisch.

Gegenüber anderen Hunden ist ein Kangal meist dominant und eher unverträglich. Diese Wesenszüge bei einer großen Hunderasse, die sehr kräftig ist und ein großes Revier beansprucht, sind mit dem Leben im heutigen Deutschland kaum vereinbar. Es ist ein großes Erlebnis, mit einem solchen Hund eine enge Bindung eingehen zu können. Nur in ihrer natürlichen Umgebung können diese Tiere ihre hervorragenden charakterlichen Qualitäten zur Entfaltung bringen. Hier zeigt sich dieser großartige, souveräne Hund als fürsorglicher, treuer, anhänglicher Freund. Verfügt man aber nicht über die räumlichen und finanziellen Mittel, ihm in unseren Breiten ein wesensgerechtes Umfeld zu bieten, so ist es kaum möglich, den Kangal artgerecht zu halten.

Haltung

Der Kangal selbst ist äußerst anspruchslos. Er braucht keine Heizung, kein Spielzeug und auch kein Geschirr mit Leine. Er ist in seiner Ernährung so genügsam wie kaum ein anderes Tier. Das gilt ebenso für seine Unterbringung. Er kann problemlos das ganze Jahr über draußen verbringen – einen geeigneten Unterschlag vorausgesetzt. Dabei meint „geeignet“ hier dezidiert weder Zwinger noch gar Kette. Allerdings braucht er ein ausgesprochen großes Areal, das zu seinem Reich werden kann. Hier wird eine robuste Umfriedung mit einem soliden 2 Meter Stahlzaun empfohlen, denn der Kangal will sich frei in seinem Revier bewegen können.

Ein Kangal akzeptiert, ja behütet selbständig und selbstbewusst alle Zwei- und auch Vierbeiner, die er zu seiner Herde oder Familie zählt. Er braucht vor allem einen klaren Chef – unbedingt! Allen anderen gegenüber ist er zunächst misstrauisch bis ablehnend. Es erfordert eine enge Bindung und fachkundige Führung, um mit diesem Hund, dem im Zweifel immer Stärkeren, an der Leine spazieren zu gehen und dann etwa an einem aggressiv kläffenden Terrier problemlos vorbeiziehen zu können. Es geht, aber es setzt eine seriöse Zucht, gute Sozialisation und einen erfahrenen, einfühlsamen und zugleich ohne jede Unsicherheit durchgreifenden Halter voraus.

Der Kangal steht vermehrt auf den Listen angeblich gefährlicher Hunde und ist bei weitem kein Hund für Anfänger. Das wäre sogar verantwortungslos. Selbst in der Hand eines erfahrenen Kenners bedarf es zudem der äußeren Rahmenbedingungen für eine wesensgerechte Haltung. Im Allgemeinen ist die Haltung dieser Rasse in Deutschland eher schwierig.

Erziehung

Die Erziehung eines Kangals unter den Bedingungen im heutigen dichtbesiedelten Mitteleuropa ist eine ganz spezielle Herausforderung, die nur ausgewiesenen Experten mit passenden Rahmenbedingungen gelingen kann.

Pflege und Gesundheit

Der Kangal selber ist absolut pflegeleicht und anspruchslos. Zweimal im Jahr beim Fellwechsel sollte das Fell durchgebürstet werden.

Rassetypische Krankheiten

Der Kangal aus seriöser Zucht erfreut sich in jeder Hinsicht einer sehr robusten Gesundheit. Leider gibt es viele unseriöse Anbieter von Kangals, deren Hunde in ihrem Wesen gestört sind.

Ernährung

Der Kangal stellt keine besonderen Anforderungen an seine Ernährung. Er zählt wohl zu den Hunden mit den geringsten Ansprüchen in dieser Hinsicht.

Lebenserwartung

Der Kangal hat für seine Größe eine sehr hohe Lebenserwartung von 12 und teils mehr Jahren.

Kangal kaufen

Die Anschaffung eines Kangals solltest du nur in Erwägung ziehen, wenn du bereits Experte in puncto Hundehaltung bist. Kangal Welpen kosten um die 1000 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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