Pekingese im Rasseportrait

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PekingeseHerkunft und Rassegeschichte

Der Pekingese oder Pekinese ist eine uralte Begleithunderasse. Wer kennt diese kleinen, kurzbeinigen Hunde mit dem freundlichen kurzen Gesicht nicht? Auch in Deutschland sind sie zwar nie häufig, doch seit weit über hundert Jahren als Schoß- und Begleithund bekannt und hoch geschätzt. Die meisten kleinen Begleiter unter den Hunden stammen wie die Bichons aus dem Mittelmeerraum oder wie die – von kernigen Arbeitshunden umgeschulten – kleinen Terrier von den britischen Inseln. Der Pekingese stammt wie der Name schon andeutet aus China. Es existieren etliche teils uralte Kunstwerke, die Pekingesen zeigen. So bekannt er ist, so eindeutig sein Name, so umstritten seine genaue Herkunft. Die Engländer mit ihrem weltumspannenden Empire brachten den früher so genannten Peking Palasthund oder Löwenhund aus China mit nach Europa. Er war ein begehrtes Mitbringsel des Adels.

Im 19. Jahrhundert machten sie aus ihm dann einen modernen, sprich nach britischen Vorstellungen durchgezüchteten Rassehund und zugleich ein großes Geschäft. Denn diese Hunde waren auf Anhieb auch beim Bürgertum sehr begehrt. Es gibt viele Berichte, die auf alle möglichen Einkreuzungen hinweisen. Manche behaupten sogar, es wäre gar kein chinesischer Hund mehr, die Anteile von kleinen Spaniels, Bichons wie dem Löwchen, französischen Bulldoggen oder dem Mops würden überwiegen. Tatsache ist aber, dass die Erkenntnisse der modernen Genetik die asiatische Herkunft des Pekingesen bezeugen.

In einer umfassenden Gen-Analyse aus dem Jahr 2017 über mehr als 100 Hunderassen mit mehr als 13.000 Hunden durch ein Team von Genetikern um Heidi Parker, wird der Pekingese neben andere asiatischen Hunderassen wie dem Lhasa apso, Shih Tsu oder Tibet Spaniel gestellt. Den heutigen Pekingese plagen eh andere Probleme als seine Herkunft. Die Rassehundezucht der letzten Jahrzehnte hat ihm fürchterliches Leid angetan. Während die Hunde noch vor 50 Jahren – in zahllosen Fotos dokumentiert – eine klare Schnauze hatten, frei Sehen konnten ohne Glubschaugen und mit Beinen und Fell problemlos durch die Natur laufen konnten, sind die meisten heutigen Pekingesen fast schon als Krüppel zu bezeichnen. Namentlich Hunde aus dem Kreise der Champions des Ausstellungswesens werden von den deutschen oder britischen Tierärzteverbänden ganz offiziell als Opfer von Qualzucht benannt. „#Breed to Breeth“, Züchten zum Atmen, lautet der Twitter Hashtag dazu. Zwar wurde 2009 extra der geltende, offizielle Standard in Richtung Gesundheit überarbeitet, aber anscheinend schert es das Zuchtwesen kaum. Der Pekingese stammt aus China, doch die züchterische Oberhoheit, das Patronat über diese Rasse, beansprucht nach wie vor Großbritannien. 1966 erfolgte die offizielle Anerkennung dieser historischen Rasse durch die Fédération Cynologique. In Deutschland wird er von zwei Vereinen im VDH betreut. Nur um die 20 Welpen dieses einst viel beliebteren kleinen Begleiters fallen heute pro Jahr unter dem Dach des VDHs.

Beschreibung

Der Pekingese ist ein kleiner, niederläufiger Hund mit kurzer Schnauze und langem, seidigen Fell. Der heutige Ausstellungs-Pekingese wirkt wie ein plüschiger Wischmop. Um den extremen Auswüchsen der Zucht entgegen zu wirken, wurde 2009 extra der Standard des Pekingesen modifiziert. So heißt es offiziell zu seinem Erscheinungsbild:

Löwenartige Erscheinung mit aufmerksamem, intelligentem Ausdruck. Klein, ausgewogen, mäßig untersetzt mit viel Würde und Qualität. Jegliche Anzeichen von Atembeschwerden oder Unfähigkeit korrekt zu laufen, sind inakzeptabel und sollten streng bestraft werden.

Und später: „übermäßiges Haar muss bei der Bewertung durch den Zuchtrichter streng bestraft werden.“ Solche überaus sinnvollen – eigentlich für einen Tierfreund selbstverständlichen – Ermahnungen des Standards scheinen von einem Großteil der Züchtergemeinde und den Ausstellungsrichtern rund um den Pekingesen schlichtweg ignoriert zu werden. Bei den Fellfarben gibt es standardgemäß hingegen keine Probleme, denn alle Farben und Zeichnungen sind zulässig und gleichwertig mit Ausnahme von Albino und Leberfarbe. Bei mehrfarbigen Hunden sollen die Farben gleichmäßig verteilt sein.

Charakter und Wesen

Der Pekingese ist ein gelernter Begleiter des Menschen. Er ist ein besonders ruhiger Vertreter der Hundewelt. Das hat durchaus seinen Sinn, denn nicht jeder Hundefreund will auch gleich zum Freizeitsportler werden. Anders als beispielsweise die kleinen Terrier, die erst in jüngerer Vergangenheit von ausgemachten Arbeitshunden zu Begleitern umgeschult wurden, kennt der Pekingese die Aufgaben als Gesellschafts- und Begleithund bereits seit tausenden Jahren. Zudem ist er unter den Begleithunden einer von der ruhigen Sorte. Dabei ist er durchaus intelligent und aufmerksam.

In seinem kleinen Reich, einer Wohnung oder einem Haus, entgeht ihm nichts. Er kann und will eine enge emotionale Bindung zu Herrchen und Frauchen eingehen. Er kann zu einem äußerst innigen Partner und Freund seiner Menschen werden. Er ist absolut ideal für Singles, gerne auch in der Großstadt und gerne auch für ältere Personen, die keine große Wege mehr gehen wollen oder können. Der Pekingese selbst in kein Leistungssportler. Er ist mit täglichen gemütlichen Spaziergängen und ausreichen Gelegenheit zum Schnüffeln durchaus zufrieden. Von daher hat diese uralte, sehr charmante, kleine Hunderasse eine ganz klare Existenzberechtigung – wenn man überhaupt davon sprechen will – nur sollte das Thema Gesundheit, Lebensfreunde und Wohl auch für diese Hunde wieder ernst genommen werden.

Haltung

Der Pekingese kann sehr gut in der Stadt und auch in einer Wohnung, auch selbst in einer ganz kleinen Etagenwohnung im höheren Stockwerk, gehalten werden. Natürlich braucht er tägliche Runden in der Natur, um sich wohlzufühlen und sein ausgeglichenes, freundliches Wesen voll entfalten zu können. Ansonsten ist der kleine Hund sehr anspruchslos, wenn er seine Bezugsperson um sich hat. Lediglich sein Fell bedarf regelmäßiger Pflege. Der gesund gezüchtete Pekingese ist ansonsten sehr robust und völlig problemlos im täglichen Leben. Er ist auch ideal auf Reisen. Benehmen kann er sich allemal ganz hervorragend. Viele der heute angebotenen Exemplare, namentlich aus Championzucht, haben dieses Glück nicht. Sie haben ein allzu üppiges Seidenfell, das weder Schmutz noch Regen verträgt. Zudem stellt für die hervorsthenden, glubschigen Augen jedes Ästchen eine Verletzungsgefahr dar. Das Hauptproblem ist die wissentlich angezüchtete Atemnot durch die extrem platten Schnauzen und darüber sogar noch eine dicke Hautfalte. Die so erzeugte ständige Atemnot lässt die Hunde kein hundgerechtes Leben führen, bei Hitze schon mal gar nicht. Daher ist ein Großteil der heute angebotenen Pekingesen auch höchst pflege- und zudem besonders hinsichtlich der nötigen tierärztlichen Behandlungen extrem kostenintensiv.

Erziehung

Der Pekingese ist hellwach und lässt sich sehr gut erziehen. Er legt es nicht darauf an, sich mit Herrchen oder Frauchen zu streiten oder die mentalen Kräfte zu messen. Er sucht die harmonische, enge emotionale Bindung wie sie umgekehrt viele Menschen genauso suchen. Aber auch er muss erzogen werden. Sein putziges, ruhiges, freundliches Wesen lässt allzu schnell übersehen, dass auch er clever seine Interesse verfolgen kann und Führung und Erziehung braucht. Er nimmt diese Verantwortung durch Herrchen und Frauchen gerne an. Der Pekingese ist von daher als Anfängerhund bestens geeignet. Dem stehen die gesundheitlichen Belastungen durch die Verfehlungen der Zucht entgegen, die aus dem lieben Begleiter schnell ein aufwändiges Problemkind werden lassen.

Pflege und Gesundheit

Der heutige Pekingese braucht intensive Fellpflege und leider nicht selten auch häufige Besuche beim Tierarzt.

Rassetypische Krankheiten

Der heutige Pekingese ist eine der am meisten von Erscheinungen der Qualzucht betroffenen Hunderasse. Die Probleme liegen in der extreme Kurzschäuzigkeit (Brachyzephalie), hervorstehenden Glubschaugen, starker Nasenfalten, einem allzu üppigen, langen Fell sowie einem verkrüppelten Gangwerk. Ein weiteres Problem für die Gesundheit und das Wohl dieser lieben Hunde sind die vielen unseriösen Anbieter von Welpen im Internet.

Ernährung

Der Pekingese ist genügsam und stellt keine besonderen Ansprüche an seine Ernährung.

Lebenserwartung

Ein gesund gezüchteter Pekingese hat eine Lebenserwartung von 15 und mehr Jahren. Für das Show-Wesen optimierte Exemplare erreichen dieses Lebensalter leider nur eher selten.

Pekingese kaufen

Beim Kauf solltest du darauf achten, dass du den Welpen nur vor Ort bei einem Züchter kaufst, der dem VDH angeschlossen ist und insbesondere nicht zu sehr auf das Show-Wesen orientierte Hunde züchte.  Beide Elterntiere sollten eine deutliche Nase, keine Nasenfalten, keine Glubschaugen und kein allzu langes und üppiges Fellkleid haben und gut laufen können. Die Elterntiere sollten zudem fit und deutlich freiatmend sein. Bei Kleinhunden wie dem Pekingesen gibt es leider sehr viele Anbieter aus Hinterhofzuchten oder Puppy-Mills, die sich mit Welpenhandel per Internet ein paar schnelle Euros verdienen wollen. Für einen seriös gezüchteten Pekingese-Welpen muss man 1200 Euro rechnen.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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