Bichon Frisé im Rasseportrait

26344
0

Bichon Frisé im Rasseportrait

Bichon Frisé

Familienhunde
Herkunft Frankreich Lebenserwartung 15 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 9: Gesellschafts- und Begleithunde Funktion Familienhunde
Größe Mini Hunderassen Häufige Krankheiten Patellaluxation, Grauer Star
Gewicht ca. 5 kg Felllänge mittellang
Charakter/Wesen aufmerksam, wachsam, selbstbewusst, freundlich, verspielt Fellfarbe weiß
Besonderheiten

haart wenig

Herkunft und Rassegeschichte

Der Bichon Frisé entstammt einer uralten Familie von Begleithunden, die unter dem Namen Bichons zusammengefasst werden. Die Wurzeln der Bichon-Rassen lassen sich so deutlich wie sonst selten bei Hunderassen bis in die Antike nachverfolgen. In den Hafenstädten des Mittelmeers waren sie die geschätzten Begleiter der Damen aus besserem Hause. Sie galten als wertvolle Geschenke. Schon Aristoteles beschrieb vor 2.400 Jahren einen „melitäischen Hund, der von auffällig kleinem Wuchs sei“. Zahlreiche weitere Schriften, Kunstwerke wie ein Vasengemälde aus dem Jahr 100 v. u. Z. oder Plastiken aus Stein belegen die Existenz und hohe Wertschätzung dieser kleinen Hunderasse seit Menschengedenken.

Die Bichons sind die Kleinhunde des antiken Mittelmeerraums, der zu jener Zeit den Weltkreis der Kulturen Ägyptens, Griechenlands und Roms markierte. Parallel hierzu gab es bereits Schoßhunde in China, Japan oder bei den Inkas. Diese waren und sind aber mit den Bichons nicht näher verwandt. Die kleinen Hunde waren in erster Linie die Begleithunde der besseren Gesellschaft, hielten aber auch Ratten, Mäuse und anderes Ungeziefer klein. Darüber hinaus hatten sie als Wächter die Funktion einer heutigen Alarmanlage. Der römische Historiker und Naturwissenschaftler Plinius berichtet von der heilsamen Wirkung dieser Hunde bei Magenleiden und natürlich auch allgemein als Bettwärmer und lebende Wärmflasche. Ähnliche Funktionen der Bichons sind aus dem Mittelalter überliefert.

Die Menschen hatten also offensichtlich schon sehr früh und in den verschiedensten Kulturen das Bedürfnis nach einem Hund als Begleiter, als Partner der Psyche. Im Mittelalter bis in die Neuzeit hinein waren Bichons wertvolle Geschenke, die der Adel untereinander austauschte. So kamen sie in die ganze Welt. Der Bichon Frisé ist eng mit dem Malteser, der ebenfalls ein rein weißes Fell hat, verwandt. Seit etwa hundert Jahren werden die Bichons in verschiedene Rassen aufgeteilt. Das Besondere am Bichon Frisé ist seither die korkenzieherartige Drehung seiner Haare. 1924 wurde er erstmals in Belgien registriert. 1933 erhielt er einen offiziellen Standard, 1978 wurde er vom Welthundeverband FCI als Hunderasse anerkannt.

Beschreibung

Der Bichon Frisé ist ein kleiner niederläufiger Hund mit einem markanten Fell. Es ist dünn, seidig, sehr locker und vor allem korkenzieherartig gedreht. Damit sieht er manchmal aus, als käme er gerade aus der Trockenhaube nach der Dauerwelle beim Frisör. Seine Fellfarbe ist immer rein weiß. Hie und da sieht man eine Tendenz zur Champagnerfarbe. Es besitzt allerdings kaum Unterwolle. Ein Haarwechsel zwischen Winter- und Sommerfell findet daher nicht statt. Zuweilen wird er deshalb als Allergikerhund angeboten. Hierfür gibt es aber keinerlei wissenschaftlichen Nachweis, vielmehr haben Untersuchungen belegt, dass es unter den Hundehaaren keine nennenswerten Unterschiede hinsichtlich der Allergene gibt. Dass die Rasse weniger haart, ist ein angenehmer Effekt. Dafür muss das Fell aber regelmäßig gekämmt werden. Das Gewicht eines Bichon Frisés liegt bei etwa 5 Kilogramm. Seine Widerristhöhe soll 30 Zentimeter nicht überschreiten.

Charakter und Wesen

Bichon Frisé WelpeDer Bichon Frisé ist ein gelernter Begleiter des Menschen. Anders als die kleinen Terrier, die erst in jüngerer Vergangenheit von ausgemachten Arbeitshunden zu Begleitern umgeschult wurden, kennt der Bichon Frisé die Aufgaben als Gesellschafts- und Begleithund bereits seit tausenden Jahren. Er hat keine Ecken und Kanten, die seine Passion, seiner Familie Freude zu bereiten, einschränken. Er will für und mit seinen Menschen leben.

Der putzige Hund ist ein cleveres, neugieriges und intelligentes Kerlchen, das immer wieder überrascht und uns zum Schmunzeln bringt. Auch sollte man die Geschicklichkeit dieser Hunde nicht unterschätzen. Viele Berichte besagen, dass man dem Havaneser recht leicht kleine Kunststücke beibringen kann. Er ist sehr wachsam aber kein Kläffer. Trotzdem ist er nicht überaktiv oder gar nervös. Bichons sind von einem fröhlichen Wesen und immer wieder zu einem Spielchen, gerne auch mit den Kindern aufgelegt. Von manchen Hundefreunden werden Schoßhunde wie die Bichons gerne belächelt und zuweilen gar als „Fehlentwicklung“ unserer heutigen Gesellschaft gesehen. Doch weit gefehlt. Sie haben eine äußerst wichtige Funktion und einen hohen Nutzen; denn solche Hunde tun schlicht unserer Psyche gut.

Haltung

Der Bichon Frisé kommt sehr gut in der Stadt und in einer Wohnung, auch selbst in einer kleinen Etagenwohnung im höheren Stockwerken zurecht. Er ist freundlich zu Kindern und lässt sich auch problemlos mit anderen Tieren halten. Natürlich braucht er tägliche Runden in der Natur, um sich wohlzufühlen und sein ausgeglichenes, freundliches Wesen voll entfalten zu können. Er geht sehr gerne spazieren und zeigt hier eine erstaunliche Ausdauer. Ansonsten ist er sehr anspruchslos, wenn er seine Bezugspersonen hat und ein wenig abwechslungsreiche Beschäftigung. Lediglich sein Fell bedarf regelmäßiger Pflege, damit es nicht verfilzt. Der Bichon Frisé ist ein hervorragender Begleiter, der auch mit dem teils hektischen Großstadtleben bestens zurecht kommt. Zudem ist er schlicht praktisch. Man kann ihn problemlos überall mitnehmen – natürlich gute Erziehung vorausgesetzt.

Erziehung

Der Bichon Frisé lässt sich sehr gut erziehen. Aber auch er muss erzogen werden. Sein putziges, drolliges, freundliches Wesen lässt allzu schnell übersehen, dass er konsequente Führung und Erziehung wie jeder Hund braucht. Und er nimmt diese Verantwortung durch Herrchen und Frauchen gerne an. Seine hervorragende Eignung als Familien- und Großstadthund und sein freundliches Wesen sollten nicht damit verwechselt werden, dass der kleine Vierbeiner weniger Erziehung bräuchte. Ganz im Gegenteil, seine hohe Intelligenz und Gelehrigkeit fordern geradezu die konsequente Führung durch seine Menschen, die – wie bei anderen Hunden auch – schon als Welpe beginnen sollte. Das fällt uns bei ihm zuweilen schwer, aber nicht, weil er nicht lernen könnte oder wollte. Vielmehr lassen wir Menschen uns gerne von diesem kleinen Gesellen als „putziges Wollknäuel“ verzaubern und verhätscheln ihn dann.

Pflege und Gesundheit

Der Bichon Frisé muss nur gekämmt, aber nicht getrimmt werden. Die Fellpflege kann man gut nutzen, um die Bindung zwischen ihm und Herrchen oder Frauchen zu festigen. Er sollte schon als Welpe an die regelmäßige Fellpflege gewöhnt werden. Man sollte bei Bedarf Haare, die die Augen stören, schneiden.

Rassetypische Krankheiten

Der Bichon Frisé ist eine gesunde Hunderasse. Die Kniescheibe ist allerdings nicht selten von der Erbkrankheit Patellaluxation betroffen. Daher sollte man beim Welpenkauf darauf achten, dass beide Elternteile PL-frei sein (PL 0/0). Ferner gehört der Katarakt (Grauer Star) zu den Erkrankungen, die bei den Bichons verbreitet sind.

Ernährung/Futter

Die Rasse ist sehr genügsam und stellt keine besonderen Ansprüche an die Ernährung.

Lebenserwartung

Der Bichon Frisé hat eine Lebenserwartung von 15 Jahren.

Kauf

Wenn du einen Bichon Frisé Welpen kaufen willst, solltest du das nur bei einem Züchter vor Ort tun, der idealerweise dem Verband Deutscher Kleinhundezüchter e.V. im VDH angeschlossen ist. Seriöse Züchter dokumentieren ihren Wurf detailliert etwa mit Fotos und stehen gerne Rede und Antwort. Vorsicht: Bei dieser kleinen Hunderasse gibt es leider sehr viele zwielichtige Anbieter aus Hinterhofzuchten oder Hundefabriken im Ausland, die sich mit dem Welpenhandel ein paar schnelle Euros verdienen wollen. Ein seriös gezüchteter Bichon Frisé-Welpen kostet etwa 1.000 – 1.200 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.