Dobermann im Rasseportrait

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Dobermann

Steckbrief

Wachhunde
Herkunft Deutschland Lebenserwartung derzeit nur 7 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer - Molosser - Schweizer Sennenhunde Funktion Wachhunde
Größe Große Hunderassen Häufige Krankheiten robust (von DCM abgesehen)
Gewicht 32 - 45 KG Felllänge kurz
Charakter/Wesen selbstsicher, arbeitsfreudig, entschlossen Fellfarbe Schwarz oder Braun mit rostrotem Brand
Besonderheiten

Diensthunderasse; Population leider von einer schweren Herzkrankheit gebeutelt

Rassenmerkmale und Erscheinungsbild

Wie sieht ein Dobermann aus?

Der Dobermann ist ein ausgesprochen eleganter, sportlicher Hund. Er ist mittelgroß, kräftig und muskulös gebaut. Man sieht ihm geradezu an, dass er sehr temperamentvoll ist. Der offizielle Standard ergänzt:

Durch die elegante Linienführung seines Körpers, die stolze Haltung, das temperamentvolle Wesen und den Ausdruck von Entschlossenheit, entspricht er dem Idealbild eines Hundes.

Diese Aussage ist keineswegs übertrieben. An seiner Erscheinung gibt es nichts zu mäkeln. Ihn hier verbessern zu wollen, wäre ein nicht von Erfolg beschiedenes Unterfangen. Du hast regelrecht das Bedürfnis, mit diesem Hund etwas zu unternehmen. Der Dobermann bringt ein Gewicht bei Rüden von 40 bis 45 und bei Hündinnen von 32 bis 35 Kilogramm auf die Waage. Davon ist jedes Gramm das eines arbeitsfreudigen Athleten. Auf das Gangwerk wird besonderer Wert gelegt. Es soll elastisch, elegant, wendig, frei und raumgreifend wirken. Das Haar ist kurz, hart und dicht. Es liegt fest und glatt an und ist gleichmäßig über die ganze Oberfläche verteilt. Unterwolle ist nicht statthaft. Der Dobermann wird in zwei Farbvarietäten gezüchtet: Schwarz oder Braun mit rostrotem, scharf abgegrenztem und sauberem Brand.

Wie groß ist ein Dobermann?

Seine Widerristhöhe soll bei Rüden zwischen 68 und 73 und bei Hündinnen zwischen 68 und 73 Zentimetern liegen.

Wie alt wird ein Dobermann?

Das Problem dieses in Erscheinung und Leistungsfähigkeit so attraktiven wie makellosen Hundes liegt in seinem Inneren. Durch langjährige Versäumnisse der Zucht hat sich in der Population die erbliche Veranlagung für die tödliche Herzkrankheit DCM wie eine Seuche verbreitet. So ist das Durchschnittsalter des Dobermanns nach einer britischen Studie von 2018 auf nur etwas über 7 Jahre gesunken. Normal wären etwa 12 Jahre. Diese gesundheitliche Belastung ist heute der Wermutstropfen. Gerade bei einem so agilen Hund ist es besonders tragisch, wenn er aufgrund seiner Herzschwäche nicht mehr kann wie er will. Hier solltest du bei der Anschaffung eines Welpen sehr sorgfältig vorgehen und nur vor Ort bei einem Züchter kaufen, der offen mit diesem Thema umgeht.

Wesenszüge und Charaktereigenschaften

Welche Eigenschaften hat ein Dobermann?

Der Dobermann ist eine der zehn offiziell anerkannten Diensthunderassen in Deutschland. Er paart Wehrhaftigkeit, Kraft, Eleganz und Schnelligkeit in besonderer Weise. Er ist zudem sehr lern- und arbeitswillig. Er braucht das Arbeiten zusammen mit Herrchen und Frauchen, um sich wohl zu fühlen. Er ist kein Couch-Potatoe. Gleichwohl kann er sehr schmusig sein und nach getaner Arbeit auch mal die Couch im Wohnzimmer in Beschlag nehmen. Durch seine Anlagen als Diensthund kann er sehr gut erzogen und ausgebildet werden. Ja, er braucht eigentlich immer eine Ausbildung. Dobermänner – in seriöser Zucht fachgerecht sozialisiert – sind wesensfest und verlässlich. So anhänglich und kinderlieb er in der eigenen Familie ist, so misstrauisch verhält er sich gegenüber Fremden. Das territoriale Denken ist ausgeprägt. Daher sollte ein Dobermann bei seiner Erziehung schon sehr früh an den Umgang mit anderen Haustieren gewöhnt werden. Später in der Ausbildung muss er eine gute Leinenführigkeit und disziplinierten Umgang mit fremden Hunden verinnerlichen. Der offizielle Standard beschreibt sein Wesen wie folgt:

Die Grundstimmung des Dobermanns ist freundlich friedlich, in der Familie sehr anhänglich. Gefordert werden ein mittleres Temperament und eine mittlere Schärfe. Weiterhin wird eine mittlere Reizschwelle gefordert. Bei einer guten Führigkeit und Arbeitsfreude des Dobermanns ist auf Leistungsfähigkeit, Mut und Härte zu achten. Bei angepasster Aufmerksamkeit gegenüber der Umwelt ist auf Selbstsicherheit und Unerschrockenheit besonders Wert zu legen.

Der Dobermann ist ein beeindruckender Partner des Menschen. Artgerecht geführt ist er ein hervorragender Familienhund. Aber vor dem Hintergrund seiner extrem hohen Leistungsfähigkeit ist er nicht unbedingt für einen Anfänger zu empfehlen.

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Herkunft & Geschichte

Wo kommt der Dobermann ursprünglich her?

Der Dobermann ist eine gezielt herausgezüchtete Hunderasse. Heute ist er mit seinen hervorragenden Qualitäten weltweit bekannt und anerkannt. Einen besonderen Namen hat er sich als Schutz-, Wach– und Polizeihund gemacht. Genau zu diesem Zweck wurde er vor 150 Jahren in der thüringischen Stadt Apolda erstmals herausgezüchtet. Seinen Namen trägt er von Friedrich Louis Dobermann. Der schlug sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Hundefänger und Steuereintreiber in Apolda durch. Es ist überliefert, dass Herr Dobermann aus Hunden der Region einen scharfen Schutz-, Wachhund und optimalen Gendarmenhund gemixt haben soll. Allerdings gibt es auch Hinweise, dass Hunde vom Typ des heutigen Dobermanns schon immer in dieser Region anzutreffen waren. Ob nun mehr alte Pinscher oder Schäferhunde oder andere, etwa Doggen, zu den Ahnen dieser neuen Hunderasse zählen, ist ebenfalls umstritten. Auf der genetischen Karte der Hunderassen von Heidi G. Parker sehen wir den „Dobermann Pinscher“, so heißt er in den USA, direkt neben dem Riesenschnauzer und dem Rottweiler. Das würde gut passen. Otto Göller schließlich, ein kommerzieller Züchter aus der Region, formte und etablierte den Dobermann als stabile Hunderasse. Es hat sich gelohnt. Der Dobermann zählt zu den beliebtesten Hunderassen und das nicht nur in Deutschland. Nach wie vor ist er ein ganz hervorragender Diensthund. Sein Schwerpunkt hat sich heute auf den Hundesport verlagert, wo er regelmäßig absolute Spitzenleistungen zeigt. 1895 erfolgte die Anerkennung der Dobermann-Rasse in Deutschland. 1955 erfolgte die endgültige Anerkennung durch den Welthundeverband FCI. Der Dobermann ist eine Hunderasse, die in Deutschland begründet wurde und deren weltweit gültiger Standard hier betreut wird. Er wird durch den Dobermann-Verein mit Sitz in München züchterisch vertreten. Leider hat dieser Verein maßgeblich zu verantworten, dass die seit 1949 veröffentlichten Hinweise auf die in der Dobermann-Population verbreitete, erblich bedingte Herzkrankheit DCM ignoriert werden. In München, quasi direkt vor der Haustür des Dobermann-Vereins, weist der Tiermediziner Professor Kraft von der Ludwig-Maximilians-Universität 1989 eindringlich auf DCM hin. Professor Weiss und weitere Wissenschaftler aus Großbritannien und den USA haben in den letzten Jahren umfangreiche Studien dazu veröffentlicht. Erst 2020 kamen Studien der US-Universitäten Arizona und North Carolina State hinzu. Alle mit demselben, eindeutigen Ergebnis. Der Dobermann ist nach wie vor einer der leistungsfähigsten deutschen Arbeitshunde. Aber er hat eben durch die Versäumnisse der Zucht im Schnitt fünf seiner Lebensjahre verloren. Unter dem Dach des VDHs fallen jährlich zwischen 500 und 800 Welpen des Dobermanns.

Beliebte Mixe

Mixe von Dobermann mit anderen Hunderassen oder Mischlingen sind nicht selten. Sie sind jedoch als problematisch einzustufen, da das hohe Potenzial des Dobermanns unbedingt als Gegenpol die ihm angezüchtete hohe Reizschwelle und Kontrollierbarkeit erfordert.

Pflege, Gesundheit und Krankheiten

Wie viel Pflege braucht ein Dobermann?

Der Dobermann ist sehr pflegeleicht.

Gibt es beim Dobermann rassetypische Krankheiten?

Die Gesundheit des Dobermanns ist im Prinzip extrem robust und unproblematisch. Leider konnten sich durch Fehler und Ignoranz in der Zucht erblich bedingte Krankheiten in der Dobermann-Population weit verbreiten. Der Dobermann hat eine Veranlagung für das Wobbler-Syndrom, bei dem schwere Schädigungen des Rückenmarks in der Halswirbelsäule festzustellen sind. Beim Dobermann tritt darüber hinaus das Kongenitale Vestibularsyndrom, eine Erbkrankheit des Innenohrs mit Gleichgewichtsstörungen und Taubheit, gehäuft auf. In mehr als der Hälfte der Population verbreitet und die wohl bedeutendste Erbkrankheit ist aber die nach ihm benannte Dobermann-Kardiomyopathie, eine Ausprägung von DCM (dilatative Kardiomyopathie). Das ist eine genetisch bedingte Erkrankung des Herzmuskels, in deren Folge sich das Herz schwach schlägt und sich erweitert. Plötzlicher Herztod bei scheinbar kerngesunden Hunde ist eine der möglichen Folgen. Der Dobermann leidet häufiger als jede andere Hunderasse an DCM.

Welches Futter ist für einen Dobermann am besten?

Die Ernährung des Dobermanns ist unproblematisch. Du solltest darauf achten, dass er nicht zu dick wird. Aufzucht und Wachstumsphase bedürfen wie bei allen größeren Hunden fachkundiger Anleitung in der Ernährung. Der Dobermann eignet sich gut zum fachgerecht ausgeführten Barfen.

Aktivitäten

Wie viel Bewegung braucht ein Dobermann?

Wer einen Dobermann halten will, sollte die Voraussetzungen für seine Haltung mitbringen: Zeit, Platz, Möglichkeiten und Lust an sportlicher Betätigung im weitesten Sinne. Um welchen Sport es sich handelt, ist zweitrangig. Der Dobermann liebt Bewegung und wird Dich mit Begeisterung beim Joggen, Reiten, Radfahren begleiten. Darüber hinaus will er Herausforderungen im Hundesport oder in Ausbildungen und professionellen Arbeitseinsätzen aller Art.

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Überlegungen vor der Anschaffung

Wo kann man einen Dobermann kaufen?

Als Käufer eines Dobermanns solltest du immer auf einen positiven Nachweis achten, dass die Elterntiere keine Träger von den o.a. Defektgenen, insbesondere DCM, sind. Ansonsten geben die Zuchtzulassungsbedingungen des Dobermann-Vereins eine gute Gewähr, dass du einen fitten, sportlichen und mental gesunden Hund erhältst. Du solltest immer bedenken, dass der Dobermann zwar ein guter Familien-, aber deshalb noch kein Wohnungshund ist. Er will arbeiten und laufen. Ein gesunder Dobermann kann leicht ein Alter von 12 Jahren und mehr erreichen und dabei bis in hohe Alter erstaunlich leistungsfähig bleiben. Auch im Tierheim und bei Dobermann in Not Initiativen kannst du deinen Hund finden.

Erziehung und Haltung

Passt ein Dobermann zu mir?

Bei einem Dobermann musst du regelrecht das innere Bedürfnis haben, mit ihm zu arbeiten. Es muss dir Spaß machen, deinen Dobermann konsequent zu erziehen und darüber hinaus auszubilden. Er braucht ein starkes Herrchen oder Frauchen mit viel Hundeverstand. Stark meint in erster Linie Willensstärke und Einfühlungsvermögen. So können wunderschöne, erfüllte Mensch-Hund-Teams erwachsen. Der Dobermann braucht keine Zwangsmittel für eine gute Erziehung. So etwas zeugt nur vom Unvermögen seines Menschen. Der Dobermann ist ein idealer Begleiter, mit dem du durch dick und dünn gehen kannst. Er kann sich überall bestens benehmen. Im Auto nimmst du ihn am besten in der ausreichend dimensionierten Hundebox aus Aluminium mit. Der Dobermann ist nicht ohne weiteres Hund für die Großstadt zu empfehlen. Sicher, gut sozialisiert und erzogen wird er auch hier sich zu benehmen wissen. Der Dobermann ist kein Hund für eine Etagenwohnung. Es liegt ihm durchaus, auf einem ländlichen Anwesen auf einem weitläufigen Hof nach dem Rechten zu schauen. Das ist für ihn kein Gegensatz zu der innigen und treuen Verbindung zu seinen Menschen, die er über alles liebt. Der Dobermann verkörpert alle guten Eigenschaften eines Dienst- und Arbeitshundes. Sein Temperament braucht unbedingt fachkundige Lenkung und Schranken. Der Dobermann geht mit Herrchen oder Frauchen, dem er vertraut, eine tiefgründige Partnerschaft ein und meistert so alle Herausforderungen. Ein Dobermann will nach der Erziehungsphase ausgebildet werden. Hierzu solltest du dich am besten einem Hundesportverein anschließen oder dich nach speziellen Hundeschulen oder Hundetrainern umschauen.

Interessantes, Wissenswertes & Extras

Der Dobermann ist ein beeindruckender Freund des Menschen. Leistungsfähigkeit und Eleganz beeindrucken gleichermaßen. Die Partnerschaft mit ihm erleben zu dürfen, ist ein Geschenk der Natur. Leider ignorieren weite Teile der Züchterschaft eine heimtückische Herzkrankheit in seiner Population.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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