Bernhardiner
Bernhardiner
Schutzinstinkt, bellt wenig
- Bernhardiner
- Bernhardiner
- Rassenmerkmale und Erscheinungsbild
- Wesenszüge und Charaktereigenschaften
- Welche Eigenschaften hat ein Bernhardiner?
- Wie gut versteht sich der Bernhardiner mit anderen Hunderassen?
- Ist der Bernhardiner ein Wachhund?
- Ist der Bernhardiner für Haushalte mit Kindern geeignet?
- Ist der Bernhardiner für Anfänger geeignet?
- Ist der Bernhardiner ein Familienhund?
- Wie lange kann man einen Bernhardiner alleine lassen?
- Herkunft & Geschichte
- Beliebte Mixe
- Pflege, Gesundheit und Krankheiten
- Bewegung und Auslauf
- Erziehung und Haltung
- Interessantes, Wissenswertes & Extras
- Ähnliche Hunderassen
- Quellen
Rassenmerkmale und Erscheinungsbild
Wie sieht ein Bernhardiner aus?
Der Bernhardiner, auch bekannt als Sankt Bernhardshund, gehört zu den wenigen Hunderassen, die wohl jeder kennt. Der Schweizer Nationalhund wird mit dem Fässchen um den Hals gesehen, der so Lawinenopfer rettete. Allerdings wurde aus den extrem widerstandsfähigen, im Hochgebirge der Alpen arbeitenden Hunden durch Fehlentwicklungen der Zucht riesige Kolosse, die kaum noch sich selbst tragen können.
Neben dem Mastiff zählt der Bernhardiner heute zu den schwersten Hunderassen der Welt. Durch solche Verirrungen der heutigen Zucht ist der Bernhardiner als Rettungshund mittlerweile völlig ungeeignet. Im Interesse des Tierschutzes und der Gesundheit dieser Hunde sollte man auf extreme Größe verzichten. Der Bernhardiner ist sowieso ein markanter Hund, den jedes Kind sofort erkennt. Er strahlt majestätische Ruhe und Gelassenheit aus.
Ursprünglich gab es den St.-Bernhardshund nur in Kurzhaar. Heute gibt es ihn in zwei Fellvarietäten: Die heute eher seltene Varietät Kurzhaar (Stockhaar) und die bekannte Langhaar. Letztere hat mittellanges, gerades Deckhaar mit reichlich Unterwolle. Als Grundfarbe gilt weiß mit kleineren oder größeren rötlich-braunen Platten oder Decken. Zudem hat er an Brust, Pfoten, Rutenspitze und Nasenband weiße Abzeichen sowie eine symmetrische dunkle Maske im Gesicht.
Wie groß ist ein Bernhardiner?
Der Standard schreibt als Mindestmaß für Rüden 70 cm und als Höchstmaß 90 cm vor, Hündinnen sind etwas kleiner und liegen bei 65 bis 80 Zentimetern. Hunde am oberen Limit sind gesundheitlich üblicherweise stärker belastet.
Wie alt wird ein Bernhardiner?
Der legendäre Barry wurde 14 Jahre alt, davon stand er 10 Jahre im aktiven Rettungsdienst auf dem Großen St. Bernhard. Das ist inzwischen anders, menschengemacht: Der Bernhardiner zählt heute zu den Hunden mit der niedrigsten Lebenserwartung. Die heutigen Kolosse erreichen gerade einmal 6 bis 8 Jahre. Nur selten erreichen sie ein Alter von 10 Jahren oder mehr. Ein gesund gezüchteter Bernhardiner mit einem Gewicht unter 70 Kilogramm ist hingegen ein robuster und genügsamer Hund – mit weniger Problemen, aber ebenfalls mit einem einmaligen Wesen.
Wann ist ein Bernhardiner ausgewachsen
Bernhardiner sind deutlich später ausgewachsen als kleine Hunde. Ihre volle Schulterhöhe erreichen sie ungefähr mit 15 bis 18 Monaten. Ihre vollständige geistige sowie körperliche Reife erlangen sie erst im Alter von zwei bis drei Jahren. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte ganz besonders auf gelenkschonende Bewegung geachtet werden, aber auch danach sollte sich die sportliche Betätigung im Rahmen halten.
Wie schwer wird ein Bernhardiner?
Es gibt Berichte von Bernhardinern, die über 120 Kilogramm wiegen. Dies ist allerdings in keiner Weise erstrebenswert. Ursprünglich wogen die Tiere „nur“ zwischen 50 und 70 Kilogramm und waren deutlich gesünder. Bernhardiner mit über 90 Kilogramm gelten aus Sicht vieler Tierärzte und Tierschützer als problematisch. Ihre Gelenke, das Herz und die Atemwege leiden unter der Masse.
In welchen Fellfarben gibt es Bernhardiner?
Die Grundfarbe des Bernhardiners ist weiß mit kleineren oder größeren roten Platten. Gestromtes Rotbraun und Braungelb werden toleriert. Vorgegeben sind weiße Abzeichen an Brust, Pfoten, Rutenspitze, Gesicht und Genick. Erwünscht sind außerdem ein weißer Kragen und eine symmetrische dunkle Maske rund um die Augen.
Wesenszüge und Charaktereigenschaften
Welche Eigenschaften hat ein Bernhardiner?
Bernhardiner sind ausgeglichen, ruhig und selbstsicher. Trotz ihrer imposanten Größe sind sie jedoch sensibel und haben ein sanftmütiges Wesen. Ihr Dickkopf ist arttypisch für diese Rasse, nicht nur vom Äußeren her. Davon abgesehen sind sie sehr zuverlässig und gutmütig, sogar Fremden gegenüber. Es gibt kaum einen Hund, der ein so tolerantes, ausgeglichenes Wesen hat.
Wie gut versteht sich der Bernhardiner mit anderen Hunderassen?
Gut sozialisierte Bernhardiner zeigen sich anderen Hunden gegenüber in der Regel gleichgültig bis freundlich. Sie suchen keinen Streit, stehen über den Dingen und lassen sich kaum provozieren. Aufgrund ihrer Masse ist im Umgang mit kleinen Hunden jedoch eine gewisse Vorsicht geboten.
Ist der Bernhardiner ein Wachhund?
Da er zeitweilig gerne draußen mit einer ordentlichen Hütte lebt, eignet er sich auch heute noch als Wach- und Schutzhund - er ist aber keineswegs ein Zwingerhund. Grundlage dafür ist der enge Anschluss an seine menschliche Familie, der im Mittelpunkt stehen muss. Denn er ist anhänglich und benötigt viel Kontakt sowohl Menschen als auch anderen Hunden gegenüber. Die enge Bindung an Herrchen und Frauchen ist auch die entscheidende Grundlage für seine Erziehung.
Ist der Bernhardiner für Haushalte mit Kindern geeignet?
Ja, der Bernhardiner lässt sich sogar von fremden Kindern streicheln. Es gibt kaum einen Hund, der so kinderlieb ist wie der vom Sankt-Bernhard-Pass. Nichts scheint ihn aus der Ruhe bringen zu können. Allerdings hat er einen
wachen Beschützerinstinkt. Seine Familie und sein Territorium verteidigt er kompromisslos und äußerst wirkungsvoll. Dabei verliert ein gesunder und gut sozialisierter Bernhardiner aber nie die Kontrolle.
Kinder müssen frühzeitig lernen, den Hund nicht zu bedrängen, nicht auf ihm herumzuklettern und sein Futter sowie die Schlafplätze zu respektieren.
Dann kann der Bernhardiner ein überaus verlässlicher und gelassener Kinderbegleiter sein, der stürmische Umarmungen besser wegsteckt als die meisten anderen Hunde.
Ist der Bernhardiner für Anfänger geeignet?
Bernhardiner sind keine Anfängerhunde, auch wenn sie sehr gelassen sind. Ihre Größe, das Gewicht und die Kraft erfordern erhöhte Anforderungen an die Haltung. Es bedarf an Erfahrung, um die Rasse zu lenken, gut zu sozialisieren und zu erziehen. Außerdem sind sowohl die Ernährung als auch die gesundheitliche Vorsorge und artgerechte Haltungsbedingungen anspruchsvoll. Ersthundehalter können hierbei schnell überfordert sein.
Ist der Bernhardiner ein Familienhund?
Der Bernhardiner ist ein sehr familienbezogener Hund. Er sucht engen Anschluss an seine Menschen und ist daher als Familienhund gut geeignet. Allerdings nur, wenn man über genügend Hundeerfahrung verfügt und die wohnlichen Voraussetzungen gegeben sind. Dazu zählt vor allem, dass der Hund nicht regelmäßig Treppensteigen muss. Dies belastet seine Gelenke unnötig. Zu berücksichtigen ist auch, dass der Transport im Auto schwierig ist und Hunde dieser Größe nicht überall gern gesehen sind.
Wie lange kann man einen Bernhardiner alleine lassen?
Bernhardiner sind sehr auf ihre Menschen bezogen. Langes Alleine bleiben mögen sie daher nicht. Wer mit einem jungen Hund Stück für Stück trainiert, ihn immer länger allein zuhause zu lassen, kann dies auf eine Länge von 4 bis 5 Stunden hinausreizen. Dies sollte aber die Höchstgrenze sein und nicht regelmäßig vorkommen, da die Hunde sonst psychisch leiden könnten.
Herkunft & Geschichte
Wo kommt der Bernhardiner ursprünglich her?
St.-Bernhardshunde lebten und arbeiteten in einem von Mönchen betriebenen Hospiz am Pass des Großen St. Bernhard in den Alpen. Historisch ist belegt, dass der bekannteste Vertreter seiner Rasse Barry - schweizerisch für Bärchen - mehr als 40 Menschen vor dem Schneetod bewahrt hat – natürlich ohne das Schnapsfass. Bernhardiner wie Barry gab es also wirklich und sie begründeten den legendären Ruf dieser Hunderasse. Der Ur-Bernhardiner wog allerdings nicht mehr als 40 oder höchsten 50 kg. Das ist nun 200 Jahre her.
Die alten Bernhardiner, die den Ruf der Rasse als unerschrockenen wie bedachten Lebensretter begründeten, waren Hänflinge gegenüber den Riesen heute. Sie würden auf den Hundeausstellungen nicht einmal als Bernhardiner zugelassen. Der Schweizer Kynologe Hans Räber warnte bereits vor mehr als 20 Jahren:
Die Hospizhunde werden von allen Chronisten als von außerordentlicher Größe beschrieben. Der berühmte Barry ist, verglichen mit den heutigen Bernhardinern, eher klein, die heutigen Kolosse mit 65 bis 80 kg Körpergewicht wären zum Gebirgsdienst auch gar nicht mehr tauglich.
In der Zwischenzeit sind diese Kolosse noch kolossaler geworden. Rüden von 100 kg und mehr sind keine Seltenheit. Mit schweren Folgen für die Gesundheit. Der offizielle FCI-Standard gibt zwar für Rüden 90 cm als Höchstmaß an - was eh schon zu groß ist - zieht aber ausdrücklich nach oben hin keine Grenze. Das ist katastrophal für die Zukunft diese alten Retter.
1884 wurde das Schweizerische Hundestammbuch eröffnet. Die allererste Eintragung hatte selbstverständlich ein Bernhardiner, Léon. 1887 wurde der St. Bernhardshund offiziell als schweizer Hunderasse anerkannt. Er gilt seither als Schweizer Nationalhund. Schon kurz darauf, 1891, wurde in Deutschland der 1. Spezialklub für Bernhardiner gegründet. Er ist heute der weltweit größte Verein für den Bernhardiner.
Gegen die Fehlentwicklung der Rassehundezucht haben sich die Freunde des Bernhardiners inzwischen engagiert. In der Schweiz wurde die Barry-Foundation zur Erhaltung der ursprünglichen Bernhardinerhunde vom Grossen St. Bernhard gegründet. Sie betreibt an der alten Wirkungsstätte der Bernhardiner das Barryland. Es zeigt nicht nur die Geschichte dieser Hunde, es werden auch Bernhardiner - und zwar die echten - gezüchtet. Das macht Hoffnung für die Zukunft dieser Hunderasse und ist allemal einen Besuch wert.
Sie betreibt an der alten Wirkungsstätte der Bernhardiner das Barryland. Es zeigt nicht nur die Geschichte dieser Hunde, es werden auch Bernhardiner - und zwar die echten - gezüchtet. Das macht Hoffnung für die Zukunft dieser Hunderasse und ist allemal einen Besuch wert. Besucher sind dort willkommen.
Beliebte Mixe
Mixe mit Bernhardinern sind sehr selten. Gelegentlich werden Bernhardiner mit anderen großen Rassen wie Neufundländer oder Leonberger verpaart, um bestimmte Merkmale – etwa ein leistungsfähigeres Herz-Kreislauf-System – zu stärken. Solche Verpaarungen gelten jedoch nur dann als verantwortbar, wenn sie in ein klares, gesundheitsorientiertes Zuchtkonzept eingebunden sind.
Pflege, Gesundheit und Krankheiten
Wie viel Pflege braucht ein Bernhardiner?
Die Fellpflege ist einfach: Regelmäßiges Bürsten reicht. Während des Fellwechsels zweimal im Jahr ist das Ganze etwas aufwändiger. Dann kann tägliches Bürsten sinnvoll sein. Zudem sollten die Augen, Ohren und eventuell vorhandene Hautfalten gelegentlich kontrolliert und gereinigt werden.
Gibt es beim Bernhardiner rassetypische Krankheiten?
Das gesundheitliche Hauptproblem des Bernhardiners ist die Extremzucht, die Zucht auf Gigantismus. Schon die Welpen und Junghunde solcher Zuchten wachsen zu schnell heran. So kommt es zu Koordinationsproblemen des Körpers. Epilepsie und andere Krankheiten begleiten den werdenden Riesen. So sinkt die Lebenserwartung dramatisch. Das enorme Wachstum und die damit verbundene schnelle Gewichtszunahme sind eine extreme Herausforderung für den Körper.
Der genetische Bauplan des Hundes ist nicht für solche Riesen ausgelegt. Auch die Köpfe wurden, so typisch sie aussehen mögen, ungesund mächtig gezüchtet, was schon bei der Geburt zu Problemen führen kann. Man sollte außerdem auf die Augen achten: Das Hängeauge oder Hängelid ist gerade bei besonders mächtigen Köpfen ein weit verbreitetes Problem, das lebenslang der Pflege bedarf und die Augen ernsthaft schädigen kann.
Prof. Distl von der Tiermedizinischen Hochschule Hannover zählt den Bernhardiner zu den Rassen, bei denen gehäuft Epilepsie vorkommt. Auch verschiedene Krebsarten wie das Osteosarkom scheinen gerne bei Bernhardinern vorzukommen. Zudem ist die Rasse stark von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hüftgelenksdysplasie wie auch anderen Krankheiten des Skeletts betroffen.
Welches Futter ist für einen Bernhardiner am besten?
Bei Welpen und Junghunden, die schnell heranwachsen, bedarf es fachkundiger Anleitung für eine richtige Ernährung. Dazu zählt vor allem eine moderate Fütterung mit einem hochwertigen Welpenfutter. Zu vermeiden ist ein zu schnelles Wachstum, das Skeletterkrankungen begünstigt.
Zugleich muss beim Bernhardiner auf kontrollierte Bewegung geachtet werden, nicht zu viel und nicht zu wenig. Beim erwachsenen Bernhardiner besteht das Risiko der Magendrehung. Ansonsten gilt wie bei jedem Großhund für das Futter: gut und in ausreichender Menge. Der Bernhardiner eignet sich auch zum Barfen – allerdings nur, wenn es sehr fachkundig durchgeführt wird.
Haart ein Bernhardiner stark?
Ja, insbesondere während des Fellwechsels haaren Bernhardiner stark und verlieren große Mengen an Unterwolle sowie Deckhaar. Regelmäßiges Bürsten reduziert die Haarmenge im Haushalt deutlich.
Bewegung und Auslauf
Wie viel Bewegung braucht der Bernhardiner am Tag?
Ein Bernhardiner stellt keine besonderen Anforderungen hinsichtlich Aktivitäten. Allerdings solltest du ihn bei Hitze in jeder Hinsicht schonen: körperlich als auch geistig. Es bedarf dennoch täglich moderater Bewegung, sonst rostet der Bernhardiner ein. Ideal sind mehrere kleine Spaziergänge. Leistungssport, Joggen oder neben dem Rad herlaufen sind ungeeignet.
Wie viel Platz benötigt ein Bernhardiner?
Ein Bernhardiner benötigt ausreichend Platz, um nicht ständig irgendwo anzuecken. Vor allem braucht er ein sehr großes und weiches, gelenkschonendes Hundebett. Zudem ist für ihn wichtig, dass sein Heim ebenerdig ist. Treppen sind zu vermeiden, dagegen wäre ein eingezäunter Garten mit ausreichend Schattenplätzen von Vorteil.

Erziehung und Haltung
Ist ein Bernhardiner leicht zu erziehen?
Um Freude mit seinem Bernhardiner zu haben, ist eine konsequente Erziehung vom Welpenalter an Grundvoraussetzung. 60 und mehr Kilogramm, die stur sind und bestenfalls lustlos Anweisungen befolgen, sind kein Spaß. Auch sollte man immer im Hinterkopf haben, dass der Bernhardiner im Zweifelsfall viel stärker ist als jeder selbst gut durchtrainierte Mann. Eine tiefe, innige Bindung zu Herrchen und Frauchen ist die Grundlage der Erziehung, niemals Härte oder Zwangsmaßnahmen.
Schon als Welpen muss er mit stoischer Konsequenz geführt werden. In der Jugend sind Bernhardiner oft sehr lebhaft und fordern die Führung durch ihre Menschen regelrecht heraus. Der Bernhardiner lässt sich aber gut erziehen. Sein gelassenes, gutmütiges Wesen verzeiht sogar diesen oder jenen Fehler. Doch ein fundierter Grundstock der Erziehung mit klaren Regeln für das tägliche Leben ist eine absolute Grundbedingung für seine Haltung.
Passt ein Bernhardiner zu mir?
Schon auf Grund seiner Größe und Kraft ist ein Bernhardiner kein Hund für Anfänger. Darüber hinaus ist seine Haltung - wie bei allen Großhunden - sehr aufwändig. Die extremen Ausmaße bringen einige Probleme mit sich. Das fängt beim Auto an. Und was passiert, wenn der erwachsenen Riese einmal krank ist oder altersbedingt zeitweilig nicht laufen kann?
Der Bernhardiner ist kein Hund für eine Etagenwohnung. Aber auch bei Haus und Garten sollte man bedenken, dass der Hund einfach mal eine Blumenrabatte umpflügen kann, ohne sich groß anstrengen zu müssen. Der Boden im Haus darf nicht glatt sein und der Hund sollte nicht häufig Treppen steigen müssen. Der Bernhardiner geht gerne spazieren; dabei ist er kein Sportler, lässt es vielmehr gemächlich angehen. Im Interesse seiner Fitness sollte man darauf achten, dass er täglich draußen bewegt wird.
Wie viel Training benötigt ein Bernhardiner?
Neben täglichen Spaziergängen profitiert ein Bernhardiner von gelegentlichen Trainingseinheiten, in denen Grundsignale, Leinenführigkeit, Rückruf und höfliches Verhalten gegenüber Besuchern geübt werden. Geistige Auslastung durch Nasenarbeit oder einfache Apportieraufgaben sind darüber hinasu sinnvoller als körperlich fordernde Sportarten.
Eignet sich ein Bernhardiner für die Haltung in einer Wohnung?
Ein Bernhardiner eignet sich nicht für eine Etagenwohnung. Treppensteigen sollte weitestgehend vermieden werden. Ideal ist ein nicht zu kleines Heim, das ebenerdig ist und einen direkten Zugang ins Freie ermöglicht. In diesem Fall ist bei angemessenem Auslauf und artgerechter Beschäftigung auch die Haltung in einer Wohnung möglich.
Passt der Bernhardiner eher aufs Land oder in die Stadt?
Ein Bernhardiner passt eher aufs Land. Dort profitiert er von ruhigeren Wegen, weniger Menschenandrang und mehr Platz, um sich sicher zu bewegen. In der Stadt können enge Bürgersteige, überfüllte Parks und öffentliche Verkehrsmittel für einen großen Hund schnell stressig sein. Zudem ist zu berücksichtigen, dass es in der Stadt im Sommer oft heißer ist als auf dem Land.
Sabbert der Bernhardiner viel?
Ja, viele Bernhardiner sabbern– insbesondere nach dem Trinken, beim Fressen, bei Aufregung oder hohen Temperaturen. Schuld daran sind ihre großen Lefzen und die anatomisch bedingte Neigung, Speichel zu sammeln. Halter müssen daher mit nassen Flecken auf Böden oder der Kleidung rechnen und sollten immer ein Handtuch in der Nähe haben, um das Maul gelegentlich abzuwischen.
Überlegungen vor der Anschaffung
Was kostet ein Bernhardiner?
Ein Welpe aus seriöser Zucht kostet in der Regel zwischen 1.200 und 2.000 Euro. Hinzu kommen überdurchschnittlich hohe Kosten für die Ausstattung wie z.B. ein XXL-Hundebett. Zudem sind die laufenden Zahlungen für das Futter nicht zu unterschätzen. Selbiges gilt auch für Tierarztkosten und eventuell notwendige Anpassungen am Auto. Bernhardiner sind daher eine finanziell herausfordernde Hunderasse.
Wo kann man einen Bernhardiner kaufen?
Vor dem Kauf eines Bernhardiners solltest du sehr gewissenhaft prüfen, ob du alle Voraussetzungen mitbringst, um gemeinsam viele schöne Jahre mit diesem Riesen verbringen zu können. Erst wenn das alles geklärt ist, sollte man sich nach einem Züchter umschauen und mit diesem lange vor dem Kauf Kontakt aufnehmen.
Besonderen Wert solltest du darauf legen, dass der Züchter Übertreibungen vermeidet. Die Hunde seines Zwingers sollten nicht groß und nicht zu schwer sein. Auch sollten die Köpfe nicht zu mächtig ausgeprägt sein. Darüber hinaus sollte man sich versichern lassen, dass bei den Vorfahren keine Epilepsie aufgetreten ist.
Klar sollte sein, dass ein Welpe nur direkt beim seriösen Züchter gekauft wird. Zahle lieber ein paar hundert Euro mehr für einen Welpen aus seriöser Zucht als auf ein Schnäppchenangebot einzugehen. Diese Euros haben gute Chancen, die beste Investition deines Lebens zu werden.
Interessantes, Wissenswertes & Extras
Wissenswertes über den Bernhardiner
Der Bernhardiner ist zurecht das Sinnbild des Hundes als Helfer in der Not. Die moderne Rassezucht machte aus ihm unförmige Kolosse, denen geholfen werden muss. Der St. Bernhardshund ist eigentlich ein Traumhund. Wir sollten ihm seine Gesundheit und Lebenserwartung nicht nehmen. Bitte achte darauf, dass er möglichst wie der alte, echte Bernhardiner ist. Besonders große und schwere Tiere sollten weder gezüchtet noch durch einen Kauf unterstützt werden.
Qualzucht beim Bernhardiner
Als Qualzucht gelten im Zusammenhang mit dem Bernhardiner züchterische Übertreibungen, die zu Atemnot, hochgradiger Gelenkbelastung, starker Hautfaltenbildung oder chronischen Augenproblemen führen. Sie beeinträchtigten das Wohl der Tiere massiv.
Dazu zählen besonders große, schwerfällige Körper, überdimensionierte Köpfe, starke Hängeaugen, tiefe Lefzen und stark ausgeprägte Faltenbildung.
Verantwortungsbewusste Züchter gehen bewusst einen Schritt zurück, wählen mittelgroße Tiere ohne Auffälligkeiten und achten in der Zuchtplanung auf Vitalität, Langlebigkeit und möglichst geringe Inzuchtgrade. So lässt sich der Bernhardiner als leistungsfähiger, gesunder Gebirgshund bewahren.
Ähnliche Hunderassen
- Berner Sennenhund:
Großer, dreifarbiger Arbeitshund aus der Schweiz mit freundlichem,
manchmal sensiblem Wesen. Er ist etwas leichter und beweglicher als der
Bernhardiner, aber weist ebenfalls eine relativ begrenzte Lebenserwartung
auf. - Neufundländer:
Schwerer, wasserliebender Rettungshund mit dichtem Fell und sanftem
Charakter. Zumeist ist er ruhiger und weniger territorial als der Bernhardiner,
zeigt aber gegenüber seiner Familie ebenfalls ein Schutzverhalten. - Leonberger:
Große, löwenartig wirkende Hunderasse mit viel Menschenbezogenheit, meist
sportlicher und ausdauernder als der Bernhardiner. Er zeigt häufig eine
ausgeprägte Kinderfreundlichkeit und ist ein Hund für aktive Familien. - Deutsche Dogge:
Sehr großer, hochbeiniger Begleithund mit beeindruckender Erscheinung,
aber dennoch sensibel. Die Rasse ist weniger robust als der Bernhardiner,
dafür deutlich schlanker und eleganter gebaut.
Quellen
- Bernhardiner Club Deutschland e.V.
- Verband für das Deutsche Hundewesen
- Sankt Bernhards-Klub e.V.
- Fédération Cynologique Internationale
Thomas Brodmann, Autor & Tierfotograf
Als freier Journalist und Fotograf ist Thomas auf Haustiere und Wildtiere spezialisiert - mit mittlerweile bereits über 20 Jahren Erfahrung. Er schrieb bereits für zahlreiche bekannte Tiermagazine und veröffentlichte 2017 sein Buch "Unser Hund fit und gesund", in dem er wertvolle Tipps rund um die Ernährung und Gesundheit von Hunden gibt.
