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Deutsche Dogge im Rasseportrait

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Deutsche DoggeHerkunft und Rassegeschichte

Die Deutsche Dogge ist die älteste Rasse der modernen Hundezucht Deutschlands. Vielen gilt sie seither als der Apoll unter den Hunden – nach der griechischen Gottheit. Und tatsächlich ist die Deutsche Dogge ein Hund von besonderer Anmutung und einmaliger, beeindruckender Ausstrahlung und Eleganz. Der Ursprung dieser Rasse liegt nur zum Teil in Deutschland. Schon im 16. Jahrhundert sollen Doggen in England, wie in historischen Quellen beschrieben „durch Kreuzung des Mastiffs mit den irischen Windhunden“ entstanden sein. Für eine britische Abstammungslinie spricht auch die Bezeichnung als „Dogge“, das alte englische Wort für Hund, aus dem das heutige „Dog“ entstand. Allerdings wurde dieser Typ Hund bereits in der Antike gezüchtet und auf Steintafeln abgebildet.

Auch auf dem Festland Europas wurden die alten Bullenbeißer-Schläge regelmäßig mit Windhunden und Jagdhunden verpaart, da sich diese Kreuzungsergebnisse ganz hervorragend für die großen Hetzjagden des Adels auf Schwarzwild, Bären und Wölfe eigneten. Nach und nach entstand eine eigene Rassen mit Molosser-, Windhund- und etwas Jagdhund-Blut. Der Wiener Kynologe Leopold Fitzinger unterscheidet 1867 drei Varianten der Dogge: die gemeine Dogge, die englische und die dänische. Noch heute werden Deutsche Doggen in einigen Sprachen „großer Däne“ genannt. Moderne Analysen der Genetiker bestätigen die Auffassungen der alten Kynologen über die Vorfahren und ordnen sie sogar eher den Windhunden denn den Molossern zu.

1888 wurde in Berlin der Deutsche Doggen Club gegründet. Er ist der erste und älteste Rassehundezuchtverein Deutschlands. Die moderne Deutsche Dogge sollte nun ein repräsentativer Begleiter und Beschützer werden. Darüber hinaus sollte sie noch eleganter werden. So wurde der Standard diesen Vorstellungen angepasst. Es gelang eine ausgesprochen elegante und harmonische Mischung dieser so unterschiedlichen Ursprungsarten. Die Deutsche Dogge vereint die Eleganz und Schnelligkeit der Windhunde mit der Kraft und Lässigkeit der Molosser.

Beschreibung

Die Deutsche Dogge ist ein extrem großer und mächtiger aber zugleich sehr eleganter und sensibler Hund. Ein Rüde erreicht eine Widerristhöhe von 80 cm, nicht selten sogar mehr. Hündinnen sind etwas kleiner. Die Deutsche Dogge hat eine einzigartige Ausstrahlung. Der Tiermaler und Hundekenner Richard Strebel schwärmt schon 1914 von den Züchtern der Deutsche Dogge, die: „… haben uns hier einen Hund geschaffen, der wohl ohne Übertreibung als das Vollendetste an Größe, Ebenmaß, Kraft und eleganter Bewegung angesehen werden kann, was je an Hunden geschaffen wurde.“ Leider wird dieser Respekt bei der Doggenzucht nicht immer aufgebracht. Ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit wird sie für Extremzuchten, den so genannten Gigantismus, sowie für Spiele mit Defektgenen für seltene Fellfarben missbraucht; Gene, die zugleich schwere Krankheiten hervorbringen können.

Während um 1900 hinsichtlich der Widerristhöhe für Rüden noch von 76 – 80 cm gesprochen wird, heißt es im heute gültigen FCI-Standard „mindestens 80 cm“ und zwar ohne klare Begrenzung nach oben. Das lässt die Deutsche Dogge zur zweifelhaften Ehre des größten Hundes der Welt kommen. Der war laut Guinness Buch der Rekorde der Deutsche Doggen-Rüde „Gibson“ mit 108 cm Höhe. Das war im August 2004. Gibson erreichte immerhin noch ein Alter von knapp 7 Jahren, allerdings die letzten Jahre nur noch auf 3 Beinen. Sein Rekord wurde immer weiter nach oben geschraubt.

„Zeus“ aus Michigan/USA schaffte eine Höhe von 112 cm und starb mit nur 5 Jahren, angeblich bereits an Altersschwäche – zweifelhafte Rekorde auf Kosten des Wohls der Hunde. Die Deutsche Dogge ist beeindruckend genug auch ohne solche zweifelhaften Extreme. Ihre souveräne und elegante Erscheinung wird auch durch das seidige Fell unterstrichen. Es ist ein sehr kurzes, eng auf dem muskulösen Körper anliegendes Fell mit einem leichten Glanz. Die Farben sind gelb oder schwarz, blau, gestromt oder gefleckt.

Charakter und Wesen

Obwohl die Deutsche Dogge eine imposante, für manchen gar Angst einflößende Erscheinung ist, so hat sie im Inneren einen sehr feinfühligen, sanftmütigen Charakter, der von einer einfühlsamen Hand konsequent wie kompetent geführt sein will. Von Charakter und Größe her ist die Deutsche Dogge kein Hund für Anfänger. Sie gehört ausschließlich in die Hand erfahrener Hundehalter, die sich zudem voll auf das Tier einlassen können und wollen. Dann gibt es wohl kaum einen begeisternderen Begleiter als diesen Hund. Reichskanzler Otto von Bismarck, der sein Leben lang von Deutschen Doggen begleitet wurde, bewunderte ganz offen die Intelligenz und die Fähigkeiten seiner Doggen und soll gesagt haben: „Ich habe große Achtung vor der Menschenkenntnis meines Hundes – er ist schneller und gründlicher als ich.“

Die Deutsche Dogge hat eine sehr hohe Reizschwelle für Aggressivität. Trotzdem muss man im Bewusstsein halten, dass sie eine enorme Kraft hat. Sie ist immer nur theoretisch angeleint, denn, sollte es darauf ankommen, kann sie sich immer losreißen. Daher ist eine fachkundige Erziehung und Haltung von entscheidender Bedeutung. Die Deutsche Dogge ist sehr wachsam aber kein Kläffer. Wenn sie bellt dann in sonorigem Bass. Eine nicht allzu große Deutsche Dogge aus einem gesunden Wurf, ist der Traum eines Hundefreundes.

Haltung

Die Haltung der Deutschen Dogge ist sehr aufwändig und teuer. Futter in gebotener Qualität und Menge, eventuelle Tierarztkosten und Medikamente, direkte und indirekte Kosten für Transport und vieles mehr erfordern einen finanziell gut gestellten Halter. Will eine Deutsche Dogge auf dem Sofa Platz nehmen, so braucht sie gleich den ganzen Zweisitzer, mindestens. Bewährt haben sich hier Möbel aus solidem Kunstleder. Die Deutsche Dogge sollte nicht in einer kleinen Etagenwohnung gehalten werden, besser ist ein Haus mit Garten. Idealerweise sollte man in einer ländlichen Gegend wohnen. Hektische Innenstädte sind nicht der Platz, wo sich diese Großhunde wohl fühlen. Auch treffen Hund und Halter hier nicht selten auf Ablehnung und sogar offene Anfeindungen.

Das sollte bedacht werden. Die Deutsche Dogge ist ein großer Hund, der viel Bewegung haben will. Man sieht sie jedoch kaum einmal auf der Straße, obwohl sie mit 1.200 Welpen im Jahr an neunter Stelle der Hitliste der meist verkauften Hunde im VDH steht, noch vor Hunderassen wie Berner Sennenhund oder Chihuahua, die man viel häufiger im Straßenbild sieht. Oft werden diese Riesen nur noch eingesperrt, wenn sie einmal dem Welpenalter entwachsen und – schlecht sozialisiert und erzogen – für den hundeunkundigen Halter nicht mehr zu führen sind. Die Deutsche Dogge ist kein Zwingerhund. Sie ist im Grunde ein Familienhund und will und braucht den liebevollen Anschluss an ihre menschliche Familie. Sie ist intelligent und sensibel. Man sollte nicht zuletzt auch daran denken, was zu tun ist, wenn dieser große, zuweilen 90 kg schwere Hund einmal krank ist und getragen werden muss. Die Anschaffung einer Deutschen Dogge sollte daher reiflich überlegt sein.

Erziehung

Die Deutsche Dogge ist kein Anfängerhund. Alleine ihre Kraft und potenzielle Gefährlichkeit erfordern eine fachkundige, liebevolle Sozialisation, Erziehung und Führung bereits bei Welpen. Sie ist sensibel und intelligent und verzeiht so schnell keine Fehler des Halters. Sie lässt sich gerne führen und erziehen, aber nicht mit irgendwelchen Zwangsmitteln. Viele Mittel der normalen Hundeerziehung greifen bei der Deutschen Dogge nicht, schlicht weil sie zu stark ist. Die Leine hält im Zweifelsfall selbst der stärkste Mann nicht. Durch Überzüchtung und einseitig auf Äußerlichkeiten ausgerichtete Zuchtauswahl gibt es heute, wenn auch selten, Exemplare mit idiopathischer Aggressivität, die dann praktisch unlösbare Probleme für eine Erziehung darstellen.

Pflege und Gesundheit

Fellpflege

Das Fell bedarf keiner besonderen Pflege. Es empfiehlt sich eine Gummibürste mit Noppen sowie ein Striegel. Die kurzen Haare bleiben gerne in Teppichen, Decken, Polstermöbeln oder im Auto hängen.

Rassetypische Krankheiten

DKM (Herz), Magendrehung, Wobbler-Syndrom, ED, HD, Spondylose, Allergien. Die Zucht mit Farben, die auf Erbkrankheiten wie Merle oder dem Harlekin-Gen beruhen (Blautiger, Grautiger, Schwarz-weiß gefleckte), bringen für Individuum und Population zusätzliche gesundheitliche Probleme mit sich.

Ernährung/Futter

Die Deutsche Dogge vertilgt große Mengen an Futter. Zugleich muss dieses Futter in der Wachstumsphase, die bis zu zwei Jahre andauert, sehr hochwertig und gezielt zusammengesetzt sein. Um Magendrehung zu vermeiden sollte ein höhenverstellbarer Ständer für Futternäpfe eingesetzt werden. Beim Fressen geht es sehr rustikal zu. Nach dem Fressen muss sowohl der Hund als auch der Fressplatz gesäubert werden.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung der Deutschen Dogge ist von dem extrem niedrigen Niveau 2004 mit 6 Jahren und 6 Monaten auf 7 Jahre leicht angestiegen, so berichtet es die Statistik des britischen Kennel Clubs. Als Faustregel gilt: Je größer und je ausgefallener in der Fellfarbe desto niedriger ist die Lebenserwartung. Bereits mit 8 Jahren gilt eine Deutsche Dogge heute offiziell als Oldie. Ohne Gigantismus, gesund gezüchtet könnte sie eine Lebenserwartung von 10 – 12 Jahren haben.

Deutsche Dogge kaufen

Man sollte nur Welpen kaufen, die von Eltern mit maximal 80 cm Widerristhöhe stammen und die Farben gelb, gestromt,  schwarz, gefleckt haben. Darüber hinaus sollte man auf die Vermeidung von Inzucht achten, um einen gesunden Deutsche Dogge Welpen zu bekommen. Man sollte sich wissen, wie alt die Ahnen der Welpen wurden. Hundekundige Interessenten finden Doggen bei einer der Nothunde-Initiativen und können ihnen ein liebevolles Zuhause bieten. Die Haltung von Deutschen Doggen ist sehr kostenintensiv. Die Anschaffungskosten kann man demgegenüber vernachlässigen.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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