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Mastiff im Rasseportrait

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MastiffHerkunft und Rassegeschichte

Der Mastiff, auch Old English Mastiff genannt, ist einer der gewaltigsten Hunde überhaupt. Er ist der Prototyp eines großen Molossers. Der Typ des Molossers ist seit Urzeiten bekannt und spielte in etlichen Kulturen der Antike eine beachtliche Rolle. Die Babylonier meißelten ihre Molosser in Granit. Sie dienten Herrschern wie Hammurabi als Kriegshunde. Molosser sind kräftige, schwere Hunde. Sie haben einen imposanten Kopf mit einer kurzen Schnauze und langen Lefzen. Die Ohren werden meist hängend getragen. So zur Beschreibung des Äußeren. Noch markanter sind jedoch die inneren Werte der Molosser, die hier im Abschnitt zum Wesen des Mastiffs beschrieben werden.

Nach den Überlieferungen der Antike in Wort und Bild sind die Hauptkennzeichen der Molosser seit tausenden von Jahren im Wesentlichen gleich geblieben. Auch die Palette seiner Aufgaben im Dienste des Menschen ist konstant geblieben. Er diente als Jagdhund auf großes und wehrhaftes Wild, als Wach- und Schutzhund und in vielen Heeren als Kriegshund. Der Hochadel schmückte sich mit den großen Molossern als Bodyguards. Große und kleine Molosser waren in ganz Europa verbreitet. In England aber wurde der Mastiff, auch „englische Dogge“ genannt, seit hunderten von Jahren als eigener Typ herausgezüchtet. Der Mastiff ist ein typischer Molosser, wie er wohl schon im alten Rom, bei den Babylonieren, den Kelten oder Germanen zu sehen war. Der heutige Mastiff ist allerdings deutlich größer und schwerer als seine Vorfahren.

Auch die Mastiffs der modernen Rassehundezucht waren anfangs leichter. In „Dogs of all Nations“ wird 77 kg (170 pounds) als Gewicht und 71 cm (inch) als Höhe angegeben. Das war 1915. Da konnte ein Mastiff noch ausdauernd laufen und erreichte locker 12 Jahre. Der erste Mastiff-Club wurde 1872 gegründet, der Old English Mastiff Club 1883. 2009 wurde der offizielle Standard des Mastiffs vom Kennel Club umfassend überarbeitet, um die Hunde vor weiteren Fehlentwicklungen in der Zucht zu schützen. In Deutschland ist der Mastiff sehr selten geworden, nicht zuletzt aufgrund der fachlich nicht zu rechtfertigenden Aufnahme in die Liste der gefährlichen Hunderassen.

Beschreibung

Der Mastiff beeindruckt schon aus der Ferne durch seine Größe und seinen massigen wie kraftvollen Körperbau. Seine imposante Erscheinung ist Respekt einflößend. Der Mastiff hat einen wuchtigen Kopf mit schwarzer Maske und einer leicht gefalteter Stirn. Die Lefzen hängen herunter, genau wie die Ohren. Sein Gesichtsausdruck ist freundlich und gelassen, sein Gesamteindruck jedoch imposant und beeindruckend. Sein Fell ist kurz und glatt. Es liegt eng an. Verschiedene Farbgebungen sind möglich, etwa sandfarben, gestromt, braun oder grau. Leider neigt der Mensch zum Extremen und der Mastiff blieb hiervon leider nicht verschont. So wurde er in den letzten Jahrzehnten immer größer und schwerer gezüchtet. Seinen Kopf machte man immer wuchtiger und verpasste ihm dazu noch reichlich Falten. Die Riesen konnten sich nicht mehr natürlich fortpflanzen, nicht mehr richtig laufen, ihre Lebenserwartung sank dramatisch.

Charakter und Wesen

Das Gemüt des Mastiffs ist fromm wie ein Lamm. Es gibt kaum etwas, das diesen Riesen aus der Fassung bringen könnte. Seine extrem hohe Reizschwelle, sowie die stoische Gelassenheit sind der notwendige Partner seiner enormen Kraft. Diese beiden Pole sind im Wesen des Mastiffs, wie aller Molosser, seit Jahrtausenden fest und zuverlässig verankert. Man konnte nie einen starken Hund gebrauchen, der selbst unter Stress seine Kraft unkontrolliert einsetzen oder gar gegen die eigene Familie richten würde. Mit der potenziellen Gefährlichkeit war immer die entsprechende Kontrollierbarkeit gepaart und züchterisch im Wesen verankert worden.

Da der Mastiff nun seit etlichen Generationen als Begleithund gezüchtet wird, hat das Gewicht der Gelassenheit und Kontrollierbarkeit noch einmal dazu gewonnen. Daher zeugt es nur von fachlicher Inkompetenz, wenn einige Bundesländer den Mastiff in die Liste der angeblich gefährlichen Hunderassen aufgenommen haben. Ein Mastiff aus seriöser Zucht ist, konsequent erzogen, ein ausgesprochen unkomplizierter Hund. Da gibt es etliche Hunderassen, die viel größere Anforderungen stellen. Hier und da ist der Dicke etwas dickköpfig. Da hilft nur gutes Zureden und Bitten, dann wird er für sein Herrchen oder Frauchen alles tun. Als Familienmitglied zeigt er sich ausgesprochen liebenswert.

Er sucht die Nähe zu seinen Menschen. Ihnen ist er ein verlässlicher Beschützer. Bei akuter Bedrohung seiner Menschen wird er versuchen, die Gefahr von diesen fernzuhalten, indem er den Aggressor mit seinem Körper stellt, ihn jedoch nicht weiter angreift. Sein ruhiges, gelassenes Temperament macht ihn für Kinder zu einem treuen, freundlichen Gefährten, der alles verzeiht. Mit anderen Haustieren verträgt er sich bestens. Fremden gegenüber ist er zunächst abwartend. Er muss sie erst einmal beobachten und prüfen. Begleithundeprüfung, nötige Wesenstests im Rahmen von Länderverordnungen nimmt er mit stoischer Gelassenheit.

Haltung

Der Mastiff ist schon aufgrund seiner Größe kein einfach zu haltender Hund. Von seinem Wesen her stellt er ausgesprochen geringe Ansprüche. Ein täglicher Spaziergang, einmal in der Woche gebürstet, das war es schon. Er braucht keinen großen Garten, aber ein Garten ist schon hilfreich. Eine kleine Etagenwohnung wäre nicht passend. Er passt auch nicht in jedes Auto. Bedenken sollte man, dass er zuweilen sabbert. Wenn er nass geworden ist, ist auch gleich das ganze Auto oder der Flur nass – wenn man nicht aufmerksam vorsorgt. Der Mastiff geht gerne ins Wasser und ist oft ein guter Schwimmer. Mit Hitze kann er umgehen, sollte dann aber nicht gefordert werden.

Kälte ist ihm allerdings viel lieber. Der Mastiff ist ein cooler Partner und kein Objekt für Leistungsjunkies. Man sollte auch Bedenken, dass Großhunde in unserer heutigen, angeblich so tierfreundlichen Gesellschaft, nicht selten auf große, zuweilen aggressive Ablehnung stoßen. Manche Menschen haben aus Unkenntnis schlicht Angst vor ihm. Nicht zuletzt deshalb ist von seiner Haltung in der Großstadt abzuraten. Man sollte ein ausreichendes Budget haben, um viel gutes Futter und im Zweifelsfall auch die Tierarztrechnungen bezahlen zu können. Schließlich sollte man vor einer Anschaffung bedacht haben, was zu tun ist, wenn der Hund einmal krank ist und 90 kg möglicherweise getragen werden wollen.

Erziehung

Man sollte sich vor Augen halten, dass bei einem ausgewachsenen Mastiff die Leine lediglich symbolisch Kontrolle darstellt. Der Mastiff hat locker die Kraft, das andere Ende der Leine beliebig zu manövrieren. Aber er will es nicht, zumindest dann nicht, wenn er wenigstens Grundelemente einer guten Erziehung genossen hat. Der Mastiff ist sehr leicht zu erziehen. Lediglich seinen Dickkopf muss man hier und da mit konsequenter Milde brechen. Er will Herrchen und Frauchen folgen und tut das auch sehr zuverlässig. Es ist elementare Pflicht eines Mastiff-Halters schon beim Welpen auf eine konsequente Erziehung zu achten. Allein diese und nicht die Leine ermöglicht die wunderbaren Spaziergänge in der Natur, die gemeinsam mit diesem coolen Vierbeiner zu Balsam für die Seele des Hektik gewohnten Menschen werden.

Pflege und Gesundheit

Die Pflege eines gesunden Mastiffs ist unproblematisch. Einmal pro Woche das Fell bürsten reicht.

Rassetypische Krankheiten

Der Gigantismus mit Exemplaren über 90 kg, zuweilen bis 120 kg bringt den ganzen natürlichen Bauplan des Hundes aus dem Lot. Schwere Schäden am Gangwerk sind nur eine der Folgen, zudem stark verkürzte Lebenserwartung. Die Unsitte der starken Befaltung an Kopf und Körper führt dort gerne zu chronischen Entzündungen. Wie bei den meisten Großhunden sehen wir Hüft- oder Ellbogendysplasie. Augen- und Herzkrankheiten können beim Mastiff vermehrt auftreten – immer gilt: je schwerer, desto größer das Risiko.

Ernährung/Futter

Er braucht viel und hochwertiges Futter. Besonders in der Phase des Wachstums bedarf es eines fachkundigen Ernährungsplans. Hilfreich ist ein hochgestellter Futternapf, um dem Risiko von Magendrehung entgegenzuwirken. Auf das Gewicht sollte immer genau geachtet werden.

Lebenserwartung

Die züchterischen Fehlentwicklungen, insbesondere der Trend zum Gigantismus haben diesem einst extrem robusten Hund viele Jahre seiner Lebenserwartung gekostet. Früher lag sie bei 12, heute bei 7 – 9 Jahren.

Mastiff kaufen

Die Anschaffung eines Mastiffs sollte langfristig und gut überlegt sein. Man sollte gewissenhaft prüfen, ob man alle Vorrausetzungen mitbringt, um gemeinsam viele schöne Jahre mit diesem Riesen verbringen zu können. Sucht man einen Welpen, so sollte man insbesondere darauf achten, dass die Hunde nicht zu massig gezüchtet wurden. Man sollte sich nach den Ahnen erkundigen, ihrem Aussehen, ihren Krankheiten, ihrem Lebensalter. Auch um einen wesensfesten Mastiff zu bekommen, sollte man sich nur direkt vor Ort bei einem seriösen Züchter umschauen. Aus Tierschutzgründen sollte man davon Abstand nehmen, Welpen von Eltern jenseits der 90 kg zu kaufen. Sehr vereinzelt gibt es auch einen Mastiff im Tierheim. Seriös gezüchtete Welpen kosten ca. 2000 Euro.

 

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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