Boerboel im Rasseportrait

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Boerboel

Steckbrief

Wachhunde
Herkunft Südafrika Lebenserwartung 7-9 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde Funktion Wachhunde
Größe Große Hunderassen Häufige Krankheiten keine bekannt
Gewicht 75-90 kg Felllänge kurz und glatt
Charakter/Wesen gelassen, wehrhaft Fellfarbe sandfarben, grau
Besonderheiten

enorme Stärke; oft Listenhund

Rassenmerkmale und Erscheinungsbild

Wie sieht ein Boerboel aus?

Der Boerboel, Africaans für Bauernhund, ist ein großer Molosser. Er ähnelt im Äußeren einem europäischen Bullmastiff. Diese Hunderasse aus Südafrika ist allerdings von der Fédération Cynologique Internationale, der Weltorganisation der Kynologie, nicht offiziell anerkannt. Der American Kennel Club hat ihn 2014 anerkannt und beschreibt einen Standard. Der Boerboel ist ein ausgesprochen kräftiger Hund. Ihn zeichnet ein breiter und blockiger Kopf mit kräftigen Kiefern und dicken Muskeln vom Nacken bis zum Rumpf aus. Seine Ohren sind groß und hängend. Seine Augen erscheinen ebenfalls groß, Selbstbewusstsein ausstrahlend. In seiner Bewegung soll der Boerboel der wendigste aller Mastiff-Typen sein. Es wird gefordert, dass Boerboels „einschüchternde, aber anspruchsvolle Wächter von Haus und Familie, die ihr Handwerk gelernt haben“ sind.

Wie groß ist ein Boerboel?

Seine Schulterhöhe soll bis zu 70 cm betragen. Hündinnen sind etwa kleiner. Sein Gewicht soll bei bis zu 90 KG liegen.

Wie alt wird ein Boerboel?

Als Lebenserwartung gibt der American Kennel Club 9 bis 11 Jahre an.

Wesenszüge und Charaktereigenschaften

Welche Eigenschaften hat ein Boerboel?

Der Boerboel ist ein extrem kraftvoller Hund. Das Wesen könnte ein kritischer Punkt sein. In Europa gezüchtete Molosser seiner Größe und Kraft zeichnen sich durchweg durch ein extrem ruhiges Gemüt aus. Diese extrem hohe Reizschwelle, dazu eine stoische Gelassenheit sind das notwendige Gegengewicht zu der enormen Kraft solcher Hunde. Diese beiden Pole sind im Wesen aller Molosser Europas seit Jahrtausenden fest und zuverlässig verankert. Man konnte nie einen starken Hund gebrauchen, der selbst unter Stress seine extreme Kraft unkontrolliert einsetzen oder gar gegen die eigene Familie richten würde. Mit der potenziellen Gefährlichkeit war immer die entsprechende Kontrollierbarkeit gepaart und züchterisch im Wesen verankert worden. Wie weit dies für den Boerboel gilt, kann hier nicht wirklich beurteilt werden. In seiner Rassebeschreibung spricht der American Kennel Club von einem „schlanken Rächer“ und „einschüchternden Wächter“ – Eigenschaften, die dieser Hund auf den großen, einsamen Agrarbetrieben Südafrikas sicher brauchte. Nicht zuletzt sollte er auf abgelegenen südafrikanischen Gehöften Haus und Bewohner vor wilden Raubtieren schützen. Daher fordert die Rassebeschreibung auch: „Sie sind dominant und selbstbewusst“. Wie weit das aber für ein sozialverträgliches und zugleich artgerechtes Leben im dicht besiedelten, von Restriktionen vollen Deutschland taugt, sei dahin gestellt. Sicher braucht ein Boerboel eine sehr erfahrene, verantwortungsbewusste Hand. Er gehört nicht in eine Anfängerhand, nicht einmal zum Gassi gehen. Zudem braucht er ein großes, eingefriedetes Grundstück, wo er seiner Arbeit als Wächter nachgehen kann.

Herkunft & Geschichte

Wo kommt der Boerboel ursprünglich her?

Die Molosser, aus denen der Boerboel hervorgegangen ist, kamen mit den ersten Siedlern aus England und den Niederlanden nach Südafrika. Auf den großen, abgelegenen Höfen in der Wildnis brauchte man diesen kräftigen Hund. Das warme Klima und die Weite seines Aufgabenbereichs verhinderte es glücklicherweise, dass der Boerboel denselben Weg nahm, wie viele seiner Verwandten. So wurden aus dem Mastiff oder dem Mastino Napoletano durch die moderne Rassezucht unbewegliche Giganten mit einem Füllhorn von Krankheiten und Gebrechlichkeiten. Davon blieb der Boerboel verschont. In der genetischen Landkarte der Genetikerinnen um Heidi Parker wird der Boerboel direkt neben den Cane Corso und den Mastino Napoletano gestellt. Ansonsten gibt es nicht viel wirklich seriöse Informationen zu seiner Entwicklung. 2010 wurde die Rasse vom South African und 4 Jahre danach vom American Kennel Club anerkannt.

Beliebte Mixe

Mixe mit Boerboels sind extrem selten. Solche Kreuzungen sind nicht unproblematisch. Die enorme Kraft dieser Hunde braucht unbedingt ein gefestigtes, ruhiges Wesen mit extrem hoher Hemmschwelle für Aggressionen. Bei einer Kreuzung ist das Risiko unverantwortlich groß, dass dieses Gleichgewicht aus dem Ruder gerät.

Pflege, Gesundheit und Krankheiten

Wie viel Pflege braucht ein Boerboel?

Die Pflege eines Boerboels ist unproblematisch. Einmal pro Woche das Fell bürsten reicht.

Gibt es beim Boerboel rassetypische Krankheiten?

Spezielle Krankheiten sind nicht bekannt.

Welches Futter ist für einen Boerboel am besten?

Der Boerboel braucht viel Futter. Besonders in der Phase des Wachstums bedarf es eines fachkundigen Ernährungsplans. Auf das Gewicht solltest du immer genau achten. Der Boerboel eignet sich gut zum Barfen.

BoerboelAktivitäten

Wie viel Bewegung braucht ein Boerboel?

Ein Boerboel stellt keine besonderen Anforderungen. Tägliches Gassi reicht ihm in der Regel – natürlich am liebsten in der Natur. Ansonsten bewacht er lieber sein Revier.

Überlegungen vor der Anschaffung

Wo kann man einen Boerboel kaufen?

Die Anschaffung eines Boerboels sollte langfristig und gut überlegt sein. Du solltest gewissenhaft prüfen, ob du alle Vorrausetzungen mitbringst, um gemeinsam viele schöne Jahre mit diesem extrem starken Riesen verbringen zu können. In Europa wirst du nur sehr wenige einigermaßen seriösen Züchter dieser Hunderasse finden. Zudem musst du bedenken, dass er in den meisten Listen von angeblich gefährlichen Hunderassen mit aufgeführt ist.

Erziehung und Haltung

Passt ein Boerboel zu mir?

Der Boerboel ist schon aufgrund seiner Größe kein einfach zu haltender Hund. Mit Blick auf sein Wesen solltest du ihn nur auf dem Land mit einem großen eingefriedeten Grundstück halten. Du solltest dir vor Augen führen, dass bei einem ausgewachsenen Boerboel die Leine lediglich symbolisch Kontrolle darstellt. Der Boerboel hat locker die Kraft, das andere Ende der Leine beliebig zu manövrieren – wenn er es will. Es ist elementare Pflicht eines Boerboel-Halters schon beim Welpen auf eine konsequente Erziehung zu achten. Allein diese und nicht die Leine ermöglicht die wunderbaren Spaziergänge in der Natur, die gemeinsam mit diesem coolen Vierbeiner zu Balsam für die Seele des Menschen werden können. Er ist selbstredend kein Anfänger- oder schlicht ein Familienhund.

Interessantes, Wissenswertes & Extras

Der Boerboel ist ein hervorragender, mutiger Wächter auf den abgelegenen Länderreihen Südafrikas. Hier bewährt er sich seit Jahrhunderten. Er ist aber kein Hund für den Enge und Hektik mitten in Europa.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


 

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