Mastino Napoletano im Rasseportrait

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Mastino Napoletano

Mastino Napoletano

Wachhunde
Herkunft Italien Lebenserwartung unbekannt
FCI-Standard FCI Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer - Molosser - Schweizer Sennenhunde Funktion Wachhunde
Größe Große Hunderassen Häufige Krankheiten Entzündungen durch zu starke Befaltung
Gewicht 50-70 kg Felllänge kurz
Charakter/Wesen treu, wachsam, intelligent Fellfarbe grau, schwarz
Besonderheiten

keine

Herkunft und Rassegeschichte

Der Mastino Napoletano ist ein ganz besonderer Hund, der, wie der Namen schon andeutet, aus dem Süden Italiens stammt. In seiner Erscheinung ist er ebenso unverkennbar wie in seiner Geschichte. Er zählt zur Gruppe der Molosser und ist hier mit dem Mastiff, der Deutschen Dogge oder den Bulldoggen verwandt. Doch er stellt genetisch einen eigenen Zweig dar, zu dem – außer ihm selbst – lediglich der Cane Corso zählt. Das wurde 2017 durch eine umfassende Gen-Analyse über mehr als 100 Hunderassen mit über 13.000 Hunden durch ein Team von Genetikern um Heidi Parker herausgefunden. Das passt gut zur erzählten Geschichte des Mastinos.

Diese Hunde sollen, so beschreibt es der Schweizer Kynologe Hans Räber, in der Region um Neapel über viele Jahrhunderte von den Bauern, Handwerkern und Händlern gehalten worden sein. Hier verrichteten sie alle anstehenden Aufgaben. Sie mussten die Familien, deren Hab und Gut bewachen und beschützen. Sie halfen gelegentlich beim Treiben der Rinder, dienten aber auch als Prestigeobjekt ihrer Besitzer. Nicht selten ließen die Halter ihre Hunde miteinander kämpfen. Der Champion aus solchen Kämpfen brachte dem Halter soziales Ansehen; erlitt selbst jedoch nur Schaden. Denn das Wesen des Mastinos war immer ausgesprochen ruhig, sanftmütig und mit extrem hoher Reizschwelle.

Der Mastino Napoletano war sehr lange Zeit eine klar umschreibbare Hunderasse ohne aufgeschriebenen Standard. Erst 1949 wurde er von der offiziellen Rassehundezucht wahrgenommen. Piero Scanziani gilt als der „Vater der Mastini“.  Ihm ist es einerseits zu verdanken, dass diese einmalige, uralte Hunderasse in die moderne Zeit gerettet wurde. Andererseits hat die moderne Rassehundezucht dafür gesorgt, dass diese äußerst robusten Hunde mit kompakten Maßen zeitweise nur aus losem Wamme und Fell bestanden und sich kaum noch bewegen konnten. Zudem hat man in diese Rasse die Farbe „blau“ eingekreuzt, die auf einem Defektgen basiert. Die Zeiten extremster Qualzucht scheinen glücklicherweise vorbei zu sein.

Der Mastino Napoletano ist einer der vielen Abkömmlinge der Molosser, die schon in der Antike hoch angesehen und weit verbreitet waren. Sie dienten Herrschern wie Hammurabi als Kriegshunde. Molosser sind kräftige, schwere Hunde. Sie haben einen imposanten Kopf mit einer kurzen Schnauze und langen Lefzen. Der heutige Mastino Napoletano wird gerne als „Panzer der Antike“ bezeichnet. So spricht einiges dafür, dass er ein direkter Nachkomme der römischen Molosserhunde ist und als Kampfhund in den römischen Legionen diente.

1956 fand der Mastino Napoletano bei der FCI die offizielle Anerkennung. In Deutschland wird er vom Club für Molosser betreut. Es fallen unter dem Dach des VDH jedoch nur zwischen 20 und 60 Mastino Napoletano Welpen im Jahr. Zwar war der Mastino Napoletano in Deutschland schon immer sehr selten, doch gilt dies heute besonders angesichts der problematischen Aufnahme dieser Rasse in die „Liste der gefährlichen Hunderassen“ mancher Bundesländer.

Beschreibung

Der Mastino Napoletano beeindruckt schon aus der Ferne durch seinen beeindruckenden Körperbau. Besonders der massige Kopf sticht hervor. Es ist ein typischer Molosserkopf, trägt aber besonders ausgeprägte, fleischige Lefzen. Sein Gesichtsausdruck ist cool und gelassen, sein Gesamteindruck imposant. Sein Fell ist kurz und glatt.

Die moderne Rassehundezucht hat dem Mastino ein Übermaß an lockerer Haut verpasst, welches an Qualzucht grenzt. Man sollte schon alleine aus Tierschutzgründen darauf achten, dass die Haut eng anliegt und nicht allzu viele Falten und Runzeln vorhanden sind. Lediglich im Halsbereich und an der Wamme sollten leichte Falten erlaubt sein. Besonders dem Kopf wurde in den letzten Jahrzehnten eine Überfülle an Haut und Falten angezüchtet, teils so extrem, dass die Hunde vor lauter Falten kaum sehen können. Zudem ist starke Faltenbildung ein Hort für Infektionen und Juckreiz.

Die originalen Mastinos hatten niemals eine solche vermeintliche Pracht. Es sind Auswüchse einer nicht am Wohl der Tiere interessierten Zuchtszene. Man sollte darauf achten, dass die Augen kein herunterhängendes Lid (Ektropium) vorweisen. Mastinos sind immer einfarbig. Die originalen Mastinos hatten meist dunkelbraune bis schwarze Farben. Das sogenannte „grau“, das auf einem Defektgen beruht, wurde in diese Rasse erst später eingezüchtet. Als Widerristhöhe sind im Standard bei Rüden 65 bis 75 Zentimeter, bei Hündinnen: 60 bis 68 cm vorgesehen. Beim Gewicht gelten bei Rüden 60 bis 70 Kilogramm als Richtlinie, bei Hündinnen 50 bis 60 kg. Die originalen Mastinos waren jedoch kleiner und leichter. Beim Mastino soll die Körperlange die Körperhöhe übersteigen.

Charakter und Wesen

Das Gemüt des Mastino Napoletanos ist fromm wie ein Lamm. Er ist ein absolut cooler Typ. Es gibt kaum etwas, das diesen Hund aus der Fassung bringen könnte. Seine extrem hohe Reizschwelle wie seine stoische Gelassenheit sind der notwendige Partner seiner enormen Kraft. Diese beiden Pole sind im Wesen des Mastino Napoletanos, wie aller Molosser, seit Jahrtausenden fest verankert. Man konnte nie einen starken Hund gebrauchen, der seine Kraft unkontrolliert einsetzen oder gar gegen die eigene Familie richten würde. Mit der potenziellen Gefährlichkeit war immer die entsprechende Kontrollierbarkeit gepaart und züchterisch im Wesen verankert worden. Da der italienische Wachhund nun seit etlichen Generationen als Begleithund gezüchtet wird, ist die Gelassenheit und Kontrollierbarkeit im Wesen noch wichtiger geworden. Daher scheint es unbegründet, dass einige Bundesländer diese Rasse in die Liste der angeblich gefährlichen Hunderassen aufgenommen haben.

Ein Neapolitanischer Mastiff aus seriöser Zucht ist, konsequent erzogen, ein ausgesprochen unkomplizierter Hund. Hie und da ist der Dicke etwas stur. Da hilft nur gutes Zureden und Bitten, dann wird er für sein Herrchen oder Frauchen alles tun. Als Familienmitglied zeigt er sich ausgesprochen liebenswert. Er sucht die Nähe zu seinen Menschen und ist Ihnen ein verlässlicher Beschützer.

Bei akuter Bedrohung seiner Menschen wird er versuchen, die Gefahr von diesen fernzuhalten, indem er den Aggressor mit seinem Körper stellt, ihn jedoch nicht weiter angreift. Das alles erledigt er leise. Er bellt nur sehr selten. Sein ruhiges, gelassenes Temperament macht ihn für Kinder zu einem treuen, freundlichen Gefährten, der alles verzeiht. Fremden gegenüber ist er allerdings zunächst abwartend. Der Mastino Napoletano ist ein echt cooler Typ und faszinierender Hund.

Haltung

Der Mastino Napoletano ist schon aufgrund seiner Kraft kein einfach zu haltender Hund. Von seinem Wesen her stellt er ausgesprochen geringe Ansprüche. Ein täglicher Spaziergang, zuweilen das Fell bürsten, das war es schon. Einzig das Futter ist eine gewisse Herausforderung in Sachen Menge und Qualität. Er braucht keinen großen Garten, aber ein Garten ist schon hilfreich. Eine kleine Etagenwohnung im x-ten Stock wäre nicht passend. Der Mastino Napoletano ist ein cooler Partner, aber kein Begleiter für Jogger, Hunde-Sportler oder Leistungsjunkies.

Erziehung

Man sollte sich vor Augen halten, dass bei einem ausgewachsenen Mastino Napoletano die Leine lediglich symbolische Kontrolle darstellt. Der große Hund hat locker die Kraft, das andere Ende der Leine beliebig zu manövrieren. Aber er will es nicht, zumindest dann nicht, wenn er wenigstens Grundelemente einer guten Erziehung genossen hat. Der Mastino Napoletano ist sehr leicht zu erziehen. Lediglich seinen Dickkopf muss man hie und da mit konsequenter Milde brechen. Er will Herrchen und Frauchen folgen und tut das auch sehr zuverlässig. Es ist elementare Pflicht eines Mastino Napoletano-Halters schon beim Welpen auf eine konsequente Erziehung zu achten. Denn allein die Erziehung und nicht die Leine ermöglicht die wunderbaren Spaziergänge in der Natur, die gemeinsam mit diesem gelassenen Vierbeiner zu Balsam für die Seele des Hektik gewohnten Menschen werden.

Pflege und Gesundheit

Die Pflege eines gesund gezüchteten Mastino Napoletanos ist unproblematisch. Hie und da das Fell bürsten reicht.

Rassetypische Krankheiten

Die Unsitte der extrem starken Befaltung an Kopf und Körper führt oft zu chronischen Entzündungen. Sie sind für die Hunde meist ein Quell ständigen Juckreizes. Zuweilen behindert es sogar das Sehen. Solche Hunde benötigen eine zeit- und kostenintensive Pflege.

Ernährung

Er braucht viel und hochwertiges Futter. Hilfreich ist ein hochgestellter Futternapf, um dem Risiko von Magendrehung entgegenzuwirken. Auf das Gewicht sollte immer genau geachtet werden.

Lebenserwartung

Die züchterischen Fehlentwicklungen haben diesem einst robusten Hund viele Jahre seiner Lebenserwartung gekostet. Früher lag sie bei 12, heute eher bei 6 – 9 Jahren. Genaue Daten liegen jedoch nicht vor.

Mastino Napoletano kaufen

Die Anschaffung eines Mastino Napoletanos sollte langfristig und gut überlegt sein. Du solltest gewissenhaft prüfen, ob du alle Vorrausetzungen mitbringst, um gemeinsam viele schöne Jahre mit diesem starken Freund verbringen zu können. Auch finanziell ist die Haltung eine Herausforderung. Suchst du einen Welpen, so solltest du unbedingt darauf achten, dass die Hunde nicht zu massig und faltig gezüchtet wurden. Du solltest dich nach den Ahnen erkundigen, ihrem Aussehen, ihren Krankheiten, ihrem Lebensalter. Um einen wesensfesten Neapolitanischen Mastiff zu bekommen, solltest du dich nur direkt vor Ort bei einem seriösen Züchter umschauen. Aus Tierschutzgründen solltest du davon Abstand nehmen, Welpen von Eltern mit starker Faltenbildung zu kaufen. Ein seriös gezüchteter Mastino Napoletano Welpe kostet etwa 2.500 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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