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Mischlingshunde oder Rassehunde?

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MischlingshundeDer Mischlingshund ist mittlerweile der Deutschen beliebteste „Hunderasse“. Fast zwei Millionen bei TASSO registrierte Mischlingshunde stehen etwa drei Millionen registrierten Rassehunden gegenüber. Doch was ist eigentlich die bessere Wahl – Mischlingshunde oder Rassehunde? Der Hundeexperte Christoph Jung wägt hier alle Argumente ab und erzählt seine persönlichen Erfahrungen.


Ein Mischling kann der beste Hund der Welt sein. Unter Welt versteht sich dabei deine ganz persönliche Welt. Der Hund muss zu Herrchen und Frauchen, bzw. der Familie passen und umgekehrt. Darauf kommt es an. Einer meiner drei Hunde, Zander, ist ein Mischling. Der Gentest ergab einen hohen Podenco-Anteil, aber auch einen Terrier-Anteil. Diesen Terrier-Anteil meinen wir bei Zander deutlich zu spüren, etwa in seiner Wichtigtuerei oder seiner wenn auch seltenen Streitsucht. Zander ist absolut clever, sehr lernfähig und lernbereit und könnte es hier locker mit einem Border Collie aufnehmen. Der gilt als die intelligenteste aller Hunderassen. Mit seinen inzwischen 13 Jahren ist Zander auch noch absolut fit. Den Tierarzt kennt er nur vom Impfen. Was will man/frau mehr? Zander würde als Rassehund meine Empfehlung bekommen: Sehr guter Begleit- und Familienhund (und auch Jagdhund) mit dem Hinweis, dass diese „Rasse“ vor Gesundheit nur so strotzt.

Mischlingshunde sind Überraschungspakete

Das Problem ist nur, dass es kein Rezept für solche Zanders gibt. Er ist so wie er ist als Individuum eine einmalige Mischung, eben ein Mischling. Das ist bei Rassehunden anders. Fast alle heutigen Rassen sind aus früheren Arbeitshunderassen entstanden, die in den letzten 150 Jahren quasi zum Begleiter umgeschult wurden. Der Mensch hat seit gut 30.000 Jahren die Hunde immer mehr zu Spezialisten werden lassen. Wie sich die Menschen in Berufe aufteilten, so die Hunde in Rassen. Für jede Aufgabe gab es spezielle Hunderassen.

Erst kürzlich hat man in Sibirien neben Resten von Schlitten gut erhaltene Skelette von Hunden gefunden, die man als Schlittenhunde ähnlich einem Siberian Husky identifiziert. Mit 8.000 Jahren sind es die ältesten bisher bekannten Rassehunde. Hunde wurden als Schlittenhund, Jagdhund oder Wachhund nicht nur vom Körperlichen her unterschieden. Besonders ihr Wesen wurde auf die jeweilige Aufgabe optimiert. Ein Prozess über tausende Jahre, der sich in den Rassen tief verankert hat. Es ist der große Vorteil eines Rassehundes, dass man recht genau abschätzen kann, was aus dem putzigen Welpen einmal wird, wenn er erwachsen ist – körperlich wie mental. So weiß ich, ob dieser Hund zu meinem Lebensentwurf, zu meinen Möglichkeiten und meinen Wünschen passt.

Hund und Mensch müssen zusammenpassen

Dass Herrchen, Frauchen und Hund gut zusammenpassen ist für beide Seiten wichtig. Rassehundezucht ist daher auch im Interesse des Tierschutzes. Aber halt! Die heutigen Verhältnisse in der Rassehundezucht sind es leider nicht. Zumindest nicht bei vielen Hunderassen. Wenn ein Mops röchelt statt atmet oder ein Dobermann durch einen erblichen Herzfehler mit sieben Jahren tot umkippt, so ist das ein Tierschutzskandal. Es ist aber kein notwendiges Übel der Rassehundezucht. Es geht auch anders. Das beweisen etliche Zuchtvereine, die gesunde, langlebige und wesensstarke Welpen hervorbringen.

Ein Mischling kann persönlich die beste Lösung sein

Mischlinge können für dich persönlich wie für den Hund durchaus die optimale Lösung darstellen. Im Tierheim hat man den Vorteil, den Hund ausgewachsen schon vor einer Anschaffung kennenlernen zu können. Man merkt, ob beide Seiten zusammenpassen. Dazu brauchst du aber auch Kenntnis der ehrlichen Vorgeschichte des Hundes. Und nur wenn beide dann real zusammenpassen, bedeutet es auch Glück für beide Seiten. Es ist nicht lustig, von einem Überraschungspaket zu sprechen.

So eine Überraschung wird nicht selten böse enden, wenn Hund und Mensch und dessen Lebenssituation nicht zusammen passen. Dann bedarf es viel Zeit, Hundeverstand und einer Hundeschule, wenn noch was zu retten ist. Solche schlechten Erfahrungen machen nicht die Runde. Es gibt auch gesundheitlich einige Argumente für Mischlinge. Sie sind geringer mit Inzucht belastet. Es kann den Heterosis-Effekt geben, der eine gesteigerte Vitalität bewirkt. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit von rassetypischen Erbkrankheiten geringer. Es gibt aber auch Risiken, etwa wenn der Mischling das Produkt von zwei Rassehunden ist, die körperlich und vom Wesen her nicht zusammenpassen. Und auch Mischlinge können Krankheiten erben.

Mischlingshund als Lösung für die Probleme in der Hundezucht?

Die Frage ist, warum überhaupt Hunde (oder Katzen oder andere Tiere) in Tierheimen landen müssen. Eigentlich wollen wir keine Tierheimtiere. Jedes Tier, das im Tierheim landet, ist eines zu viel. Aber es werden eher mehr. Und warum werden die lange bekannten Missstände in der Rassehundezucht nicht abgestellt? Zu beiden Problemen gibt es konstruktive, gut praktikable Lösungsvorschläge. Es ist eine gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Frage, dass diese Missstände nicht abgeschafft, ja, am Leben gehalten werden. Der Mischling als Konzept löst kein einziges Problem. Er befeuert nur eine längst etablierte Industrie, die den Mischlingsmarkt EU-weit bedient. Mischlingshund als Konzept endet darüber hinaus in einem Einheitshund.

Vielfalt ist gut

Ich finde es gut, dass es eine solche Vielfalt an unterschiedlichen Charakteren in der Welt der Hunde gibt, die durch die Hunderassen recht zuverlässig und kalkulierbar repräsentiert werden. Wenn ich einen Border Collie anschaffe, sollte ich auf einen hoch agilen, höchst intelligenten und anspruchsvollen Hund eingestellt sein, mit dem ich dann höchst spannende Dinge erleben kann – vorausgesetzt, ich bin selbst ebenso aktiv und habe Zeit und Lust, viel mit meinem Hund zu unternehmen.

Wenn ich einen Mops anschaffe, kann ich mit großer Sicherheit damit rechnen, dass ich einen höchst charmanten, problemlosen Begleiter erhalte, der mich nicht überfordert, mit dem ich auf völlig unkomplizierte Weise mein Leben teilen kann, auch in der hektischen Großstadt –  und gesunde Zucht einmal vorausgesetzt. Aber da gibt es unterschiedliche Meinungen, die alle respektable Gründe anführen können. Und das ist gut so. Etwa der irische Dramatiker und Nobelpreisträger George Bernard Shaw. Der liebte seine Mischlinge. Er vertrat den Standpunkt: „Ich mag ein wenig Promenadenmischung, egal ob beim Menschen oder beim Hund. Es ist für den Alltag das Beste.“

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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