Do Khyi im Rasseportrait

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Do Khyi Tibet Dogge

Do Khyi

Wachhunde
Herkunft Tibet Lebenserwartung 10 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer - Molosser - Schweizer Sennenhunde Funktion Wachhunde
Größe Große Hunderassen Häufige Krankheiten keine
Gewicht unbekannt Felllänge mittellang
Charakter/Wesen unabhängig, treu, ruhig Fellfarbe verschieden
Besonderheiten

alte Hunderasse

Herkunft und Rassegeschichte

Der Do Khyi ist ein großer, den Molossern ähnelnder Hund aus Tibet. Er zählt zu den ältesten Hunderassen der Welt. Lange war seine Heimat Tibet von der Außenwelt isoliert. Dort lebte der Do Khyi, welcher in Europa und den USA auch Tibet Dogge oder Tibet Mastiff genannt wird.

Do Khyi bedeutet „angebundener Hund“. Er war der Wachhund und Schutzhund für die Klöster, Großbauern und größeren Anwesen. Außerdem bewachte er die Lager der nomadisch lebenden Hirten der Hochebenen und beschützte die Herden. Für die Karawanen, die mit wertvollen Waren durch den Himalaya zogen, war er ebenfalls ein verlässlicher Wachhund. Unter diesen extremen klimatischen Verhältnissen entstanden so äußerst genügsame und widerstandsfähige Hunde.

Die alte Tibetdogge war ein großer, wehrhafter Hund, mit dem sich kein Wolf oder Schneeleopard anlegen wollte. Sein schützendes Fell verleiht ihm eine bären- oder löwenhafte Ausstrahlung. Es war früher aber bei weitem nicht so üppig wie bei den heutigen Ausstellungshunden. Um die Rasse rankten sich schon in der Antike Legenden. So sprach man von einer indischen Dogge, die halb Hund und halb Löwe sein solle. Später nahm man an, dass der Do Khyi Stammvater der Molosser und Doggen wäre. Das ist inzwischen allerdings widerlegt. Der echte Do Khyi verkörperte eine eigenständige, asiatische Linie. Er ist also genetisch nicht näher mit den Molossern verwandt. Das wird durch eine umfassende Gen-Analyse aus dem Jahr 2017 bestätigt.

Der neue Do Khyi ist dagegen ein Mischling. Er wurde besonders in China und den USA von einigen Züchtern, durch Einkreuzen von Mastiffs und Doggen, zu einem regelrechten Riesen gezüchtet. Vor 30 Jahren nur Insidern bekannt, wurde die Rasse im prosperierenden China binnen zehn Jahren zu einem Mode- und Statusartikel. Die neuen Super-Reichen schmücken sich mit dem legendenumwobenen Hund aus Tibet – genauer, wen sie dafür halten. Daher wurde der neue Do Khyi zum teuersten Hund der Welt. Doch diese Tiere, die hier für sechsstellige Summen gehandelt werden, sind kaum lauf- und lebensfähige Giganten. So entstanden aus dem vielleicht robustesten Hund der Welt, binnen weniger Jahre, gesundheitlich stark beeinträchtigte Tiere.

In Europa ging es dem alten Do Khyi nicht viel besser. 1979 begann seine offizielle Zucht auf Basis von nur einem Dutzend Hunden aus den Randgebieten Tibets. Es war eine ausgesprochen gesunde Zuchtbasis, allerdings eine äußerst kleine. Der Kynologe Hans Räber mahnt schon 1993 in seiner Enzyklopädie der Rassehunde:

Trotzdem ist der weitere Weg zur durchgezüchteten Rasse nicht ohne Gefahren: Die relativ kleine Zuchtbasis und die darauffolgende enge Zucht wird allfällig vorhandene genetische Defizite unbarmherzig aufdecken. Auch drängen gewisse Ausstellungsrichter die Züchter, Riesenwuchs und Faltenbildung in Augen- und Fangpartie zu forcieren.

Genau das passierte in einigen Zuchten. Heute ist die Tibetdogge in vielen Fällen eine von Inzucht gebeutelte und zugleich übertypisierte Hunderasse. Das bringt natürlich negative Folgen für Fitness und Gesundheit. Sehr schade, ist der echte Do Khyi doch in seinem Wesen ein ganz besonderer, vom Charakter und seiner Erscheinung äußerst spannender Hund. Dazu bedurfte es keiner „Verbesserungen“ durch die moderne Rassehundezucht mit ihrem Ausstellungswesen. 1961 wurde die Rasse durch die FCI anerkannt und in Deutschland wird sie vom 1967 gegründeten Internationalen Klub für Tibetische Hunderassen im VDH betreut. Es fallen lediglich ein bis zwei Dutzend Welpen pro Jahr unter dem Dach des VDH.

Beschreibung

Der Do Khyi ist ein großer, imposanter, Ehrfurcht einflößender und zugleich bedächtiger, wie ein lieber Onkel daherkommender Hund. Seine Kraft liegt in der Ruhe und umgekehrt. Er ist also ein in sich ruhender Hund, der zunächst einmal alles beobachtet. Der Do Khyi hat ein dickes, langes Stockhaar. Das soll die Farben tiefschwarz, mit oder ohne lohfarbenen Abzeichen oder gold in allen Schattierungen von gelbgold bis rotgold, haben. Der offizielle FCI-Standard beschreibt seine Erscheinung:

Mächtig, schwer, gut gebaut, mit guter Knochenstärke. Imposant;  mit würdevollem und erhabenem Auftreten. Zeigt eine Verbindung von majestätischer Stärke, Robustheit und Ausdauer; tauglich zur Arbeit unter allen klimatischen Bedingungen. Die Rasse entwickelt sich langsam, Hündinnen sind erst mit 2 – 3 Jahren, Rüden frühestens mit 4 Jahren ausgereift.

Als Widerristhöhe werden mindestens 66 Zentimeter für Rüden und 61 für Hündinnen verlangt. Zum Gewicht macht der Standard keine Angaben. In der Praxis sieht man auf Ausstellungen jedoch zuweilen überschwere Exemplare mit Hang zum Gigantismus. Übermäßige Faltenbildung bei extrem tief liegenden Augen und ebenso übermäßiger Lefzenbildung ist ebenfalls ein Problem.

Charakter und Wesen

Der Do Khyi ist ruhig, souverän, cool. Doch darunter verbirgt sich höchste Wachsamkeit. Das geht einher mit der Bereitschaft, seine Familie jederzeit zu verteidigen. Die Tibetdogge ist ein Wächter und Beschützer – und das im klassischen Sinne. Aber er tut auch der menschlichen Psyche gut. Sein Wesen beschreibt der offizielle Standard so: „Unabhängig mit Schutzinstinkt. Respekt einflößend. Höchst ausgeprägte Treue seiner Familie und seinem Territorium gegenüber.“ Der Wachhund aus Tibet braucht eine hundeerfahrene Hand und zudem ein großes, eingefriedetes Grundstück. Er ist kein ausgesprochener Wohnungshund, aber emotional eng mit seinen Menschen verbunden und nimmt dann auch gerne auf dem Sofa Platz.

Der große Hund ist ausgesprochen kinderlieb, weshalb er sich sogar als Therapiehund eignet. In seinem Wesen verkörpert er äußerst spannende Gegensätze von archaischer Kraft und Wildheit mit einem sanftmütigen, treuen, ja verspielten Charakter. Wer einmal seinem Charme verfallen ist, will sich hiervon kaum noch trennen. Die Rasse ist hochintelligent und trotz der Eigenwilligkeit, mit der nötigen Portion liebevoller Konsequenz und viel Hundeverstand, sehr gut erziehbar. Der Do Khyi ist auch mit anderen Haustieren verträglich und sieht sich gerne in Begleitung eines Artgenossen. Es ist herrlich, eine solche Do Khyi Gruppe bei ihrer Arbeit zu beobachten.

Haltung

Der Do Khyi ist aus seiner Sicht in der Haltung äußerst anspruchslos. Für sich braucht er nicht viel außer Platz und die enge Anbindung an seine Familie. Aus unserer Sicht heißt das: Die Tibet Dogge ist kein Hund für eine Haltung nur in der Wohnung und kein Hund für die Stadt. Ideal ist deshalb ein alleine stehendes Haus mit sehr großem Grundstück, das zudem sicher eingefriedet sein sollte – sein Revier. Der Do Khyi ist es gewohnt, Herden und große Anwesen zu bewachen und zu behüten und Eindringlinge – wie er jeden Fremden interpretiert – fern zu halten. Das kann im dicht besiedelten, hektischen Deutschland zu Missverständnissen führen. Diese Rahmenbedingungen muss man für seinen Do Khyi bereit halten, sonst ist eine Haltung unverantwortlich.

Ein Do Khyi akzeptiert, ja behütet feinfühlig alle Zwei- und auch Vierbeiner, die er als zu seiner Herde oder Familie gehörig sieht. Und er braucht einen klaren Chef. Er ist ein hervorragender Wächter und Beschützer bei Tag wie Nacht. Wenn er selten einmal im tiefen Bass bellt, so nie ohne Grund. Ansonsten geht er gerne mit auf ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen in der Natur. Eine sehr gute Erziehung sollte die Grundlage sein, so benimmt er sich in allen denkbaren Situationen anstandslos.

Erziehung

Die Erziehung eines Do Khyi unter den Bedingungen des heutigen Mitteleuropas ist eine ganz spezielle Herausforderung, die nur bei passenden äußeren Rahmenbedingungen gelingen kann. Dabei hinterfragt der große Hund für sich selbst immer wieder den Nutzen irgendwelcher Erziehungsübungen. Es muss Herrchen und Frauchen Spaß machen, sich mental mit diesem auch mental starken Hund zu messen, was immer wieder eine Herausforderung ist.

Herrchen und Frauchen müssen viel Hundeverstand und noch viel mehr Einfühlungsvermögen haben, um ihn zu führen. Dann aber können enge, wundervolle Beziehungen entstehen. Über die Erziehung hinaus kann die Rasse auch für verschiedene Einsatzgebiete ausgebildet werden. So macht er sich gut in verschiedenen Disziplinen des Hundesport. Er ist ein guter Fährtensucher und macht sich sogar als Rettungshund. Sein einzigartiges Wesen, seine meditative Erscheinung empfehlen ihn für den Einsatz in verschiedenen Bereichen der Therapie von Kindern bis ins höchste Alter.

Pflege und Gesundheit

Der Do Khyi selber ist pflegeleicht und anspruchslos. Regelmäßig das Fell kräftig durchbürsten reicht. Nur einmal im Jahr, im Frühjahr, hat er Fellwechsel und braucht etwas mehr Pflege.

Rassetypische Krankheiten

Ein gesund und ohne Inzucht gezüchteter Do Khyi erfreut sich einer sehr robusten Gesundheit. Leider sind jedoch eine Reihe erblich bedingter Krankheiten in der Population verbreitet. 

Ernährung

Der Do Khyi stellt keine besonderen Anforderungen an seine Ernährung.

Lebenserwartung

Die Hunderasse soll eine Lebenserwartung von gut 10 Jahren haben. Belastbare Daten liegen aber nicht vor.

Do Khyi kaufen

Die Anschaffung eines Do Khyi Welpen solltest du nur in Erwägung ziehen, wenn du über die entsprechende Hundeerfahrung, Fachkunde und Haltungsbedingungen verfügst. Zudem solltest du  dich gut mit der Gesundheit sowie den zuchtbedingten Risiken bei diesen Hunden vertraut gemacht haben. Um allzu starke Inzucht zu vermeiden, solltest du darauf achten, dass im Stammbaum kein Ahne doppelt erscheint. Wenn das alles stimmt, hast du gute Chancen mit einem so tollen Hund wie dem Do Khyi wunderbare gemeinsame Jahre verleben zu können. Ein Do Khyi Welpe kostet um 2000 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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