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Hovawart im Rasseportrait

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HovawartHerkunft und Rassegeschichte

Der Hovawart trägt es im Namen: „Hova“ für Hof und „wart“ für Wächter. Der Hund als Wächter von Haus und Hof hat eine uralte Tradition in der Geschichte der Menschheit. Vielleicht konnte sich vor tausenden von Jahren das Privateigentum an Haus und Hof, Waren und Werkstätten erst mit Hilfe der Schutzfunktion der Hunde durchsetzen. Die vierbeinigen Hofwächter hatten schon bei den Germanen ein hohes Ansehen. Die verschiedenen Gesetzeswerke der späten Germanen spiegeln die geachtete Stellung der Hunde wider. Von den 24 Artikeln des Lex Baiuvariorum ist ein ganzer Artikel nur den Hunden gewidmet. Hier wird neben einem Dutzend weiterer Hunderassen auch der Hofhund als „Houvavart“ explizit angeführt. Der Houvavart wurde mit einem Wert taxiert, der bei 3 Schilling lag. Das war ein enormer Betrag, wenn man bedenkt, dass im selben Gesetzeswerk ein „mittelmäßiges“ Pferd mit gerade einmal einem halben Schilling bewertet wurde. Auch in verschiedenen Schriften des Mittelalters werden Hovawarts erwähnt.

Der heutige Hovawart steht in der gedanklichen und funktionellen Tradition dieser alten Hofhunde. Was seine genetische Abstammung angeht, so wird er mit diesen allerdings nicht mehr oder weniger verwandt sein als die anderen heimischen Hof- und Wachhunderassen auch. Eine direkte Abstammung zu dem alten Hovavart zu konstruieren, wäre nicht zulässig zumal man nicht weiß, wie diese Hunde überhaupt aussahen. Nach 1910 begann man, den neuen Hovawart mit vierbeinigem Leben zu füllen. In den zwanziger Jahren wurde er als Hunderasse etabliert. Dabei ging man im Grunde keinen anderen Weg als schon Rittmeister von Stephanitz bei der Begründung des Deutschen Schäferhundes gut zwanzig Jahre zuvor. Aus verschiedenen Hunden mit oder ohne Eintragung in ein Stammbuch bildete man den neuen Hovawart. Im Rassestandard der FCI  von 1998 wird ausgeführt: „Seit 1922 wurde diese Rasse unter Verwendung von typmäßig ähnlichen Hunden, die man auf Bauernhöfen noch vorfand, neu herausgezüchtet.

Außerdem wurden Einkreuzungen von Deutschen Schäferhunden, Neufundländern, Leonberger und weiteren Hunderassen in den ersten Jahren der Zucht vorgenommen. Durch starke Selektionsmaßnahmen wurde der ursprüngliche Gebrauchshundetyp wieder erreicht.“ Darüber hinaus wurde der ungarische Herdenschutzhund Kuvasz eingekreuzt, was für das Verständnis des Wesens der Hovawarts von Bedeutung ist. Im Zeitraffer wurde hier nachvollzogen, was bereits in tausenden Jahren zuvor überaus erfolgreich gemacht wurde. Vom Typus aber insbesondere vom Wesen her passende Hunde wurden verpaart. Entscheidendes Kriterium war die Leistung für den vorgesehenen Zweck, sozusagen das Championat der Arbeit. Es ist durchaus möglich, dass der heutige Hovawart durch diese Vorgehensweise von Erscheinung und Wesen her den alten Hovawarts unserer Vorfahren ähnelt, aber das ist Spekulation. Erst 1944 wurde das Zuchtbuch geschlossen. So wurde ein breiter Genpool als Grundlage dieser Hunderasse geschaffen was noch heute seiner Fitness und Gesundheit sehr dienlich ist.

Beschreibung

Der Hovawart ist ein großer, kräftiger und zugleich eher schlanker Hund. Beim Hovi sind heute drei Farbschläge erlaubt: blond, schwarzmarken (schwarz mit goldbraunen Abzeichen) und schwarz. Rüden haben eine Widerristhöhe von 63 bis 70 cm. Dabei ist der Hovawart angesichts seines Typs und seiner Größe schlanker als es unter seinem mittellangen bis langem, gewellten Haarkleid erscheint. So gilt ein Gewicht von 30 bis 45 kg bei Rüden als normal. Trotz dieses nicht so hohen Gewichtes ist er ein sehr kraftvoller, starker Hund. Schon allein wegen seiner Kraft und Größe gehört er nur in eine Hand mit Hundeerfahrung. Der Hovawart ist ein Arbeits-, Wach- und Schutzhund, der universell eingesetzt werden kann.

Charakter und Wesen

Der Charakter des Hovawarts fordert einen Menschen mit ausgeprägtem Hundeverstand. Er hat einen starken Willen, einen eigenen Kopf und ist sehr selbständig. Wahrscheinlich ein Erbe des Herdenschutzhunds Kuvasz, der zu seinen Ahnen zählt. Er ist selbstsicher und selbstbewusst zugleich. Der „will to please“ ist bei ihm nicht so stark ausgeprägt wie bei vielen anderen Arbeitshunderassen. Den muss sich Herrchen oder Frauchen erst noch erarbeiten und verdienen. Dann ist ein gut erzogener Hovawart ein ausgesprochen leistungsfähiger Allrounder und liebenswerter Freund. Er meistert die Rolle als alltagstauglicher Begleithund ebenso wie seine Herausforderungen im Hundesport oder sogar als Rettungs-, und Fährtenhund. Der Hovi hat eine sehr gute Nase. Ja, und der Hovawart ist auch ein ganz hervorragender Wach- und Schutzhund.

Er ist ein wehrhafter Beschützer seiner Familie und behütet sein Territorium mit Beflissenheit. Das Geschehen auf seinem Gehöft beherrscht er aus dem FF. Lautlos bewegt er sich im Gelände und stellt einen Eindringling unvermittelt aber beharrlich. Mit einer Funktion als Hofhund ist der Hovawart nicht ausgelastet zumal er heute kaum einmal ein hinreichend großes Areal zu behüten hat. Er ist intelligent und sucht die echte Partnerschaft zu Herrchen und Frauchen. Er ist sehr anhänglich und sensibel und strahlt zugleich etwas Urwüchsiges, Archaisches aus. Er will und sucht den Anschluss zur Familie. Als gut erzogener und geforderter Arbeitshund ist der Hovawart dann auch ein ganz hervorragender Familienhund. Er freut sich nicht selten über Liebkosungen und Streicheleinheiten wie ein kleines Schoßhündchen. Menschen, die er einmal ins Herz geschlossen hat, steht er ausgesprochen freundlich und sanft gegenüber. Wen er einmal kennengelernt hat, vergisst er nicht mehr. In jungen Jahren zeigt er seine Zuneigung zuweilen auch sehr stürmisch.

Haltung

Der Hovawart ist ein pflegeleichter Hund. Abgesehen vom Fellwechsel muss er nicht jeden Tag gebürstet werden, da sein Fell wegen des geringen Anteils an Unterwolle nicht zum Verfilzen neigt. Gut erzogen und geführt ist er ein hervorragender Begleiter. Trotzdem kann man ihn nicht ohne weiteres als Familienhund empfehlen. Überlegt man sich, zum ersten Mal einen Hovawart Welpen anzuschaffen, sollte man zunächst die ganz praktischen Herausforderungen bedacht haben, die alleine mit seiner Kraft und Größe zusammenhängen. Er ist kein Hund für Anfänger.

Erziehung

Der Hovawart entfaltet Kreativität und Beharrungsvermögen, um seine Vorstellungen von der Welt und ihrer Ordnung zu verwirklichen. Hier ist der Hundehalter mit aller Konsequenz, jedoch gepaart mit Geduld und Einfühlungsvermögen, gefordert. Und das bereits beim Welpen. Härte allein bringt beim Hovawart rein gar nichts. Wichtig ist es, das Vertrauen zu schaffen und erhalten, welches der Hovawart seinem Rudelchef gerne entgegenbringen will. Apropos Rudelchef: Ein Hovawart wird in aller Regel ganz gründlich austesten, wer denn nun diese Position einnehmen wird. Hier müssen sich Herrchen und Frauchen mit konsequenter Lässigkeit behaupten, dann wird er treu und brav folgen und die Führung durch seine Menschen problemlos akzeptieren.

Man sollte Zeit und Knowhow für eine intensive Erziehung und am besten gleich zudem Ausbildung mitbringen. Versäumt man Grundelemente der Erziehung, wird man mit ihm kaum ohne Stress Spazierengehen können. Dann erwächst aus seinem Selbstbewusstsein vielleicht sogar ein Führungsanspruch. Ansonsten ist der Hovawart das Idealbild des Partners Hund. Er will die Führung durch seine Menschen, ohne aber je unterwürfig zu sein. Der Hovawart behält den eigenen Kopf und seinen eigenen Willen. Manchen ist das vielleicht zuviel eigene Persönlichkeit. Doch kann gerade dieses Profil des Hovis eine hervorragende Grundlage einer respektvollen und intensiven Beziehung Mensch – Hund sein.

Pflege und Gesundheit

Fellpflege

Der Hovawart ist ein pflegeleichter Hund. Abgesehen von dem Zeiten des Fellwechsels, zweimal im Jahr, muss er regelmäßig aber nicht jeden Tag gebürstet werden, weil sein Fell wegen des eher geringen Anteils an Unterwolle nicht zum Verfilzen neigt.

Rassetypische Krankheiten

Der Hovawart gilt als durchweg gesunde Rasse. Erbkrankheiten wie eine beim Hovawart gehäuft auftretende Erkrankung des Knorpels am Kniegelenk (OCD) werden systematisch bekämpft. Hüftgelenksdysplasie (HD) – gerade bei größeren Hunden oft ein Problem –  hat man schon seit langem recht gut im Griff.

Ernährung/Futter

Hovawarte stellen keine besonderen Ansprüche. Er ist durchweg unkompliziert. Für einen Hund seiner Größe und Kraft braucht er wenig Futter.

Lebenserwartung

Hovawarte können bei guter Fitness 12 Jahre und nicht selten sogar mehr erreichen. Das ist für einen solch großen Hund eine gute Lebenserwartung.

Hovawart kaufen

Der Kauf von Welpen sollte nur bei einem eingetragenen Züchter aus dem VDH erfolgen. Für einen Welpen sollte man 800 bis 1000 Euro einplanen. Erwachsene Hovawart-Hunde kann man auch aus dem Tierheim oder bei einer Nothilfe holen und ihnen ein liebevolles Zuhause bieten.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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