Hundesuchhilfe Team Franken: Sandra Lieke im Interview

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Hundesuche

Wenn ein Hund verschwindet und nicht zurückkehrt, stehen seine Menschen vor einer beunruhigenden und belastenden Situation, die ihren Alltag umwirft. Die Suche nach dem geliebten Vierbeiner kann zu einer Herausforderung werden, da oft unklar ist, wo man beginnen soll. Familienmitglieder, Freunde und Bekannte werden zusammengetrommelt, Gebiete werden aufgeteilt, getragen vom gemeinsamen Ziel: Wir schaffen das! Doch ist das wirklich der optimale Weg?

Leider werden bei der Suche nach vermissten Hunden oftmals Fehler gemacht – meist aus Unwissenheit – die die Chancen auf eine erfolgreiche Rückkehr des Hundes erheblich mindern oder zumindest unnötig erschweren. Doch warum laufen Hunde überhaupt weg und wie gestaltet man die Suche effektiv? Wir haben mit mit Sandra Lieke gesprochen, die sich ehrenamtlich für das Hundesuchhilfe Team Franken engagiert. Seit Jahren berät und hilft sie Menschen, deren Hunde entlaufen sind. Bei Bedarf stellt sie notwendige Ausrüstung zur Verfügung, darunter Kameras und Lebendfallen, um entlaufene Hunde zu sichern. Unterstützt wird sie dabei von anderen ehrenamtlichen Helfern, die sich mit Herzblut dafür einsetzen, die Vierbeiner wohlbehalten nach Hause zu bringen. Sandra bringt eine tiefe Kenntnis der Hunde-Psychologie mit und sorgt durch kontinuierliche Weiterbildung für die Aktualität und Vertiefung ihres Wissens.

Sandra half bereits unserer Autorin Melanie Roloff, ihre entlaufene Hündin wiederzufinden. Was bei dieser Suche falsch angegangen wurde und wie die richtige Vorgehensweise einen viel schnelleren Erfolg bringen kann, erfahrt ihr im folgenden Gespräch.

Wie viele Hunde sicherst du pro Jahr?
Sandra Lieke: Da ich ehrenamtlich arbeite und noch einen Hauptjob habe, tue ich, was ich kann, in meiner Freizeit und konnte alleine in den vergangenen Jahren etwa 20 – 25 Hunde pro Jahr sichern. Ich habe aber auch ein großes Netzwerk von Menschen, mit denen ich über meinen Radius hinaus zusammenarbeite. Zusammen kommen wir auf rund 80 – 120 Einsätze pro Jahr im Raum Franken und Südthüringen.

Stichwort “ehrenamtlich”? Wie finanzierst du deine Arbeit und deine Ausrüstung?
Sandra Lieke: Das Equipment habe ich mir über die Jahre entweder aus eigener Tasche finanziert oder durch Spenden, die ich von den Hundebesitzer*innen erhalten habe. Mit meinem Team habe ich auch schon auf Flohmärkten verkauft, um von dem Erlös zum Beispiel eine neue Lebensfalle oder eine bessere Kamera zu kaufen. Von den Hilfesuchenden verlange ich höchstens eine Benzinkostenerstattung.

Was ist die treibende Kraft hinter deiner Arbeit?
Sandra Lieke: Es gibt nichts Schöneres als die Welle von Emotionen, die Freude, die Tränen und die Dankbarkeit, die einem entgegengebracht werden, wenn das Tier wieder im Kreis der Familie ist. Das ist für mich die beste Bezahlung.

Was sind die häufigsten Gründe, warum Hunde weglaufen? Kann man das überhaupt pauschal beantworten?
Sandra Lieke: Ja, kann man. Bei 80 – 90 % der Ausreißer handelt es sich um Auslandshunde, und der Großteil davon sind Hunde, die gerade neu hier angekommen sind. Alles ist ihnen fremd, sie kommen nicht zurecht und sind nicht für unsere Gesellschaft sozialisiert. Um sich da besser hineindenken zu können, gebe ich dir mal ein Beispiel:

Stell dir vor, man würde dich nackt ausziehen und dich in einem Kriegsgebiet aussetzen. Wie würdest du dich fühlen? Und was würdest du als Erstes tun?

Du hättest sicher wahnsinnige Angst und dein erster Impuls wäre Flucht. Ein Versteck suchen, um dich dann langsam immer weiter vom Kriegsgeschehen wegzubewegen. Genau so geht es den Hunden, die hier neu ankommen. Sie haben noch keinen Bezug. Weder zu uns, noch zur neuen Umgebung. Meist wissen wir nichts oder nicht viel über ihre Vergangenheit. War es ein Straßenhund? Hat er nur im Shelter gelebt? Und jetzt kommt er nach Deutschland und wir denken, er ist unendlich dankbar. Aber Hunde kenne keine Dankbarkeit. Sie können zwischen Ich fühle mich wohl oder unwohl unterscheiden.

Versteh’ mich nicht falsch, ich bin nicht dagegen, Hunde aus dem Ausland zu adoptieren, habe selber drei, aber Menschen haben da oft eine Erwartungshaltung, die der Hund zunächst nicht erfüllt. Das braucht Zeit. Als Erstes haben wir dem Hund etwas genommen, nämlich seine gewohnte Umgebung und manchmal auch seine Freiheit, wenn er beispielsweise auf der Straße gelebt hat. Vertrauen muss erst aufgebaut werden, und bis das so weit ist, befindet er sich im Fluchtmodus.

Das gilt aber nicht für die übrigen 10-20%, die heimischen Hunde. Warum büchsen die aus?
Sandra Lieke: Wenn Hunde – und das gilt für alle – weglaufen, dann deshalb, weil sie bei dem, was sie getan haben, gestört wurden und in Panik geraten sind. Zum Beispiel folgt der Hund einer Fährte und wird durch irgendetwas erschreckt. Ein Knall, ein aufspringendes Reh. Sein Flucht- und Überlebensmodus wird aktiviert und sein Instinkt sagt ihm: Lauf weg.

Oft erleben wir das an Silvester, wenn die Böller gezündet werden. Das kann mit jedem Hund passieren.

Ist es richtig, anzunehmen, dass ich als Hundehalter*in nicht versagt habe, wenn mein Hund wegläuft?
Sandra Lieke: Absolut! Du hast nicht versagt. Es ist das Wesen des Hundes, das dazu führt, dass er wegläuft. Du kannst Vorkehrungen treffen in Situationen, die vorhersehbar sind, beispielsweise den Hund immer angeleint lassen, wenn wir uns auf Silvester zubewegen. Aber in den meisten Fällen sind die Auslöser überraschend.

Von welcher Zeitspanne kann man ausgehen, bis sie wieder kommen, sollten sie das von alleine tun?
Sandra Lieke: Das ist unterschiedlich. Wenn sie von allein wieder zurückkommen, dann reden wir über eine Zeitspanne von wenigen Minuten bis 36 Stunden. Wichtig ist, an Ort und Stelle zu bleiben. Wo auch immer dein Hund zuletzt bei dir war, da schlägst du dein Lager auf.

Wenn er nicht gleich zurückkommt, rufe jemanden an, der dir lecker riechendes Futter bringt, heißen Speck oder Fleischbällchen. Der Geruch reicht weit und hängt lange in der Luft. Ist er nach 36 Stunden nicht wieder da, weißt du, dass andere Schritte einzuleiten sind.

Und da kommst du ins Spiel, nehme ich an.
Sandra Lieke: Haha, ja, ich oder irgendjemand, der diesen Job macht.

Sicher sind die meisten, so wie ich, sehr aufgewühlt und emotional, wenn sie dich anrufen. Was ist das Erste, das du ihnen sagst?
Sandra Lieke: Ruhe bewahren! Und dann, das Schwierige: Geht nicht los, um den Hund zu suchen.

Fast jeder fragt nochmal nach, um sicher zu sein, dass er sich nicht verhört hat. Aber ja, sie haben richtig gehört. Nicht suchen, sondern mir erstmal zuhören, um zu verstehen, wie ein Hund, der auf der Flucht ist, tickt.

Warum ist das aktive Suchen kontraproduktiv?
Sandra Lieke: Wer sich auf die Suche nach seinem Hund begibt, ist in der Regel sehr gestresst. Der Hund kann das riechen. Er mag den Geruch nicht. Er macht ihm Angst und treibt ihn weiter weg. Der nächste Punkt ist, dass du die Geruchsspur kontaminierst.

Was hat es mit der Geruchsspur auf sich, und warum kontaminiere ich sie? Ist es nicht gut, wenn ich bekannte Gerüche verbreite, damit mein Hund mich besser wiederfinden kann?
Sandra Lieke: Ja, wenn man es richtig macht, und nein, wenn man es falsch macht. Ein Hund zieht in der Regel Kreise oder Schleifen. Dieser Kreis kann in einem Radius von 300m sein oder aber von 25km. Aber diese Kreise können ihn mithilfe seiner eigenen Geruchsspur immer wieder zum Ausgangspunkt zurückführen.

Wie bei einer Blüte. Stell dir vor, dein Haus ist die Mitte und die Blütenblätter sind die Schleifen, die der Hund im Laufmodus zurücklegt. Sie können ihn immer wieder zum Haus zurückbringen. Trampeln jetzt, auf gut Deutsch gesagt, Menschen kreuz und quer durch seine eigene Duftspur, dann erschwert es ihm das Zurückfinden, weil sein Orientierungssinn über die Nase beeinträchtigt wird. Das Legen einer Duftspur ist eines der ersten Dinge, die wir tun sollten, aber mit System.

Wie lege ich so eine Duftspur richtig?
Sandra Lieke: Gehen wir mal davon aus, der Hund ist – wie in deinem Fall – aus dem heimischen Garten abgehauen. Als Erstes empfehle ich, heißen Speck (oder was Du im Haus hast) in alte Socken zu packen und in allen vier Himmelsrichtungen um dein Haus herum aufzuhängen, etwa 1,80 m Höhe und unerreichbar für andere Tiere. Dann kannst du eine Duftspur legen, ausgehend von jedem deiner Speckbeutel, also auch in alle vier Himmelsrichtungen.

Koche dazu eine starke Fertigfleischbrühe, lass sie einige Minuten richtig sprudelnd kochen. Pack ruhig auch Speck mit rein oder irgendwelche Fleischreste, die den Geschmack der Brühe noch verstärken. Dieser Sud ist die Basis deiner Duftspur. Ich packe das Gebräu in eine PET Flasche, steche zwei bis drei Löcher hinein, sodass immer ein paar Tropfen auf meinem Weg, den ich ablaufe, auf die Erde fallen.

Die Duftspur kann ruhig, wenn es die Gegebenheiten zulassen und keine Hindernisse im Weg stehen, 200 – 300m lang sein. Ganz wichtig: Sie darf nicht einfach irgendwo enden, sondern muss einen geschlossenen Kreis bilden, der den Hund zum Haus zurückführen kann.

Hund entlaufen Interview

Abgesehen vom Legen der Duftspur, was sind die allerersten Schritte, die du gemeinsam mit den Hundebesitzer*innen unternimmst bzw. welche Anweisungen bekommen sie von dir?
Sandra Lieke: Es ist wichtig, strategisch vorzugehen. Errichte bei dir daheim ein Lager mit warmen Decken, Wasser und Futter, das für den Hund zugänglich ist, sollte er zurückkommen, wenn du schläfst.

Dann werden folgende Stellen informiert:

Wenn es im weiteren Verlauf keine Sichtungen gibt, dann auch bei der Straßenmeisterei und der Bahn vorsprechen, um bei einem Totfund informiert zu werden. Dann erstellen wir einen Flyer.

Hund entlaufen Flyer

Diesen teilen wir dann in den sozialen Medien, auf privaten Accounts und in speziellen Gruppen (Tierheim, entlaufene Hunde etc.) sowie über diverse Messenger.

Zwei ganz wichtige Punkte:

1. Wir veröffentlichen bei Sichtungen nie die Adresse oder den Ort, wo der Hund gesehen wurde, um zu vermeiden, dass sich Leute aufmachen, um den Hund zu suchen oder einfangen zu wollen. Die Gründe dafür haben wir ja vorhin schon besprochen. Sollte jemand unter einem unserer Posts kommentieren, mit Angabe des Sichtungsortes, wird der Post von uns gelöscht.

2. Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass die Menschen nicht versuchen sollten, den Hund einzufangen oder zu verfolgen, auch bei der Polizei immer wieder darum bitten. Ich erinnere mich, in deinem Fall haben wir täglich dort angerufen und gebeten von Verfolgungsjagden mit Blaulicht abzusehen, damit die neue Schicht immer gleich Bescheid wusste.

Dann heißt es erstmal abwarten. Meiner Erfahrung nach dauert es nicht lange, bis erste Sichtungen gemeldet werden.

Wir hatten täglich bis zu 20 Anrufe. Was aber nutzt es mir, wenn ich weiß, wo mein Hund gesehen wurde, ich ihn dann aber dort nicht suchen darf?
Sandra Lieke: Ganz einfach. Wir erstellen eine Laufkarte, zu der auch die Hundebesitzer*innen online Zugang haben. Dort wird jede Sichtung markiert. Wir können so das Schema erkennen, nach dem der Hund sich fortbewegt. Den Radius, wo läuft er immer wieder hin? Kommt er näher zur Mitte zurück oder treibt es ihn weiter weg? Das ist wichtig für den nächsten Schritt, die Futterstellen.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass wir hier über die schwierigen Fälle reden. Entlaufene Hunde, die scheu und ängstlich sind. Es gibt natürlich Ausnahmen, wo die Hunde zutraulich sind. Bei diesen Hunden ist der ganze Aufwand nicht nötig, weil sie sich irgendwo einfangen lassen oder von selbst zu Menschen laufen, die sie dann im Tierheim abgeben können. Wir reden hier über die schwierigen Fälle.

Bitte erkläre uns die Idee der Futterstellen etwas genauer.
Sandra Lieke: Wenn der Hund an einem Ort oder einer bestimmten Gegend öfter gesichtet wird, bauen wir dort eine Futterstelle auf. Diese wird bestückt mit allem, wonach Hunde normalerweise ganz verrückt sind. Heißer Speck, heiße Fleischbällchen oder die Reste vom Schweinebraten mit Soße. Das wird heiß zur Futterstelle gebracht, auf einem Stück Pappe ausgebreitet und mit einer Art Haube aus einem Karton, unter dem ein Stöckchen liegt, um einen Spalt offen zulassen, versehen. Das hält Katzen und andere Wildtiere davon fern. Nur ein Hund wird sich die Mühe machen, die Konstruktion auseinanderzunehmen, um an das Futter zu kommen.

Das Fleisch wird morgens und abends ausgetauscht, bzw. wieder erwärmt. Futterstellen werden nicht nur an einer Stelle ausgelegt, sondern überall da, wo der Hund von mehreren und ggf. auch öfter gesehen wurde. Es können also durchaus fünf, sechs oder mehr sein. Wenn dann eine Futterstelle leer gefressen wurde, installieren wir eine Kamera, die mit dem Smartphone über eine App verbunden ist. Wenn es das gesuchte Tier war, das gefressen hat, dann wird es dorthin zurückkommen, und sobald wir das auf Kamera haben, können wir dort eine Lebendfalle aufstellen.

Angenommen, ich gehe aus dem Haus und treffe unverhofft auf den entlaufenen Hund, wie verhalte ich mich richtig?
Sandra Lieke: Mach dich klein. Geh’ in die Hocke, besser noch, leg dich auf den Boden und schau den Hund nicht an. Mach keine ruckartigen Bewegungen und rede leise mit dir selbst. Wenn du etwas zu essen dabei hast, kannst du versuchen, es in seine Richtung zu werfen, ganz ruhig, ohne Hektik. Wenn er näher kommt, bleib weiter ruhig. Glaube nicht, dass du ihn packen kannst. Er wird immer schneller sein als du.

Ich weiß, es ist frustrierend. Ich selbst habe schon stundenlang so dagelegen, der Hund bis auf einen halben Meter bei mir, und plötzlich hat er sich umgedreht und ist weggerannt. Das ist hart, aber wenn er geht, lass’ ihn gehen. Errichte dort eine Futterstelle. Die Wahrscheinlichkeit, dass er wieder kommt, ist groß. Und dann wird er vielleicht mutiger und zutraulicher beim nächsten Mal, weil er vorher nicht “gejagt” wurde.

Euer Suchsystem ist also immer gleich, aber doch ist jeder neue Vermisstenfall individuell?
Sandra Lieke: Auf jeden Fall. Das System ist immer dasselbe, aber es gibt es nicht nur schwarz und weiß, sondern viele Grauzonen. So unterschiedlich wie wir Menschen sind, so sind es auch die Hunde und jede Situation erfordert ein wenig Feinjustierung. Keine Suche gleicht der anderen zu 100%, aber mit der Erfahrung, die man sammelt, steigt auch die Sensibilität für den jeweiligen Fall.

Setzt ihr auch Betäubungsgewehre ein?
Sandra Lieke: Nur, wenn gar nichts anderes mehr geht, denn das bringt etliche Schwierigkeiten mit sich. Ein Einsatz dieser Art kann sowieso nur erfolgen, wenn der Hund immer wieder an einen bestimmten Platz kommt, denn sonst wüsste derjenige, der die Waffe trägt, ja nicht, wo er sich positionieren soll.

Eine solche Aktion ist mit hohen Kosten verbunden, etwa 800 – 1000€ pro Tag muss man einkalkulieren. Außerdem kann das für den Hund sehr gefährlich werden. Zum einen wissen wir nicht immer das genaue Gewicht des Hundes, was die Dosierung des Betäubungsmittels zu einem Drahtseilakt werden lässt. Zum anderen denken die Meisten, er bekommt die Spritze per Schuss verabreicht und fällt danach direkt um. Das ist aber nicht so. Der Hund läuft noch eine Weile, alles zwischen einem und sieben Kilometern ist denkbar. Das wiederum bedeutet, dass das Gebiet weiträumig gesichert werden muss. Wasser kann zur großen Gefahr werden, denn auch wenn der Hund noch nicht bewusstlos ist, sind seine Sinne dennoch getrübt, und er könnte ertrinken. Es ist also ein sehr großer Aufwand mit hohem Risiko.

Wie gehst du vor, wenn der Hund nicht gesichtet wird?
Sandra Lieke: Dann hole ich mir eine Kollegin dazu, die mit ihren ausgebildeten Bloodhounds auf Suche geht. So können wir zumindest das Gebiet eingrenzen, in dem sich der Hund aufhält oder ihn finden, falls er es nicht überlebt hat.

Was sind die Hauptsorgen, die sich die Besitzer*innen machen, wenn der Hund nicht zurückkommt und sind diese berechtigt?
Sandra Lieke: Was die Mehrheit fürchtet, ist, dass ihr Hund verhungert, verdurstet oder, im Winter, erfriert. Da kann ich sie dann beruhigen. Der Hund findet immer Nahrung. Im Müll, am Straßenrand oder auch Aas. Genauso wird er immer eine Wasserquelle finden. Bei Temperaturen bis -15 Grad mache ich mir zunächst keine Sorgen, wären es -20 Grad und kälter über mehrere Tage oder Wochen, dann könnte das unangenehm werden, aber das erleben wir hier ja selten.

Einer meiner ersten Fälle war Niko, ein 7kg-Hund. Der hat 8 Wochen bei Eis und Schnee draußen überlebt, bevor wir ihn heil nach Hause bringen konnten. Außerdem sollten wir die Hunde nicht unterschätzen. Ihr Überlebensinstinkt ist stark. Sie finden Unterschlupf zwischen Altpapier, in Ställen oder Scheunen, offenen Garagen, unter Baumwurzeln, in altem Laub oder zwischen Holzstapeln.

Was ist deiner Erfahrung nach die Hauptgefahr, über die wir uns wirklich Sorgen machen müssen?
Sandra Lieke: Der Straßenverkehr und Menschen, die nach dem Hund aktiv suchen. Letzteres müsste eigentlich an erster Stelle stehen, denn selbst mit einer Straße käme der Hund zurecht. Gefährlich wird es für ihn, wenn er sich gejagt oder gehetzt fühlt und in Panik ist. Dann kann er schnell vor ein fahrendes Auto rennen oder auf die Bahnschiene, wenn ein Zug kommt.

Einmal habe ich erlebt, dass ein Besitzer mit dem Fahrrad an der Bahnschiene entlanggefahren ist, um seinen Hund zu suchen. Es war ein heimischer Hund, der eine gute Bindung zu seinem Herrchen hatte. Der Ärmste hat die Duftspur seines Menschen aufgenommen und ist ihr über die Schiene gefolgt und wurde vom Zug erwischt. Man muss bei der Hundesuche auf viele Details achten und das Verhalten der Hunde verstehen.

Von allen Suchen, an denen du beteiligt warst, wieviele konnten nicht gefunden werden?
Sandra Lieke: Ich würde grob schätzen, etwa 10 %, vielleicht etwas weniger. Von diesen 10 % sind einige tot aufgefunden worden und ein weiterer Teil wurde nie gefunden.

Wenn ich einen Hund aus dem Ausland adoptiert habe oder generell einen Hund, der bisher nicht so ein tolles Leben hatte, und er läuft weg, ist tagelang oder auch Wochen draußen unterwegs. Da habe ich doch dann ein richtiges Problem, wenn er wiederkommt, weil er noch traumatisierte ist.
Sandra Lieke: Nein, das ist nicht der Fall. Der Hund, der zu dir zurückkommt, legt einen Schalter um, und ist genau der, der er war, als er weggelaufen ist.

Sandra Lieke verbindet ihre Arbeit mit bemerkenswertem Engagement. Ich durfte sie dabei erleben, wie sie uns während der sechstägigen Abwesenheit unserer Hündin unterstützte. Sandra war stets erreichbar, Tag und Nacht, sogar kurz vor Weihnachten, und bot uns in dieser herausfordernden Zeit eine ruhige und kompetente Unterstützung. Durch ihre Hilfe konnte unsere kleine Ausreißerin am Vorabend von Heiligabend sicher zu uns zurückkehren. Ein aufrichtiges Dankeschön an Sandra und all diejenigen, die sich für das Wohl anderer einsetzen!


Melanie RoloffMelanie Roloff ist dreifache Mutter, Ehefrau und Tierbesitzerin. Als leidenschaftliche Yogalehrerin und Hobbyautorin inspiriert sie Menschen mit ihren Geschichten. Gemeinsam mit ihrer Familie und ihren zwei Hunden Phaléne Lilly und Chihuahua Sammy, lebt sie in Bayern.


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