Bloodhound im Rasseportrait

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Bloodhound

Bloodhound

Jagdhunde
Herkunft Belgien Lebenserwartung 8-10 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 6: Laufhunde, Schweisshunde und verwandte Rassen Funktion Jagdhunde
Größe Große Hunderassen Häufige Krankheiten Augenerkrankungen
Gewicht 40-54 kg Felllänge kurz
Charakter/Wesen gutmütig, ruhig, freundlich, verträglich, eigensinnig Fellfarbe schwarz-braun
Besonderheiten

alte Hunderasse, seltene Hunderasse

Herkunft und Rassegeschichte

Der Bloodhound oder Hubertushund ist ein großer Jagdhund mit einzigartiger, markanter Ausstrahlung. Er stammt aus Belgien, wo er Chien de St. Hubert genannt wird. Er ist ein hochentwickelter Spezialist, der seinen Beruf in seinem englischen Namen trägt. „Blood“ steht für das Blut und die Fährte, besonders die Geruchsspuren des angeschossenen Wildes und „Hound“ steht für Jagdhunde bei der Hetzjagd; beim Bloodhound besonders auf Hochwild wie Hirsche.

In Deutschland wurde er früher zuweilen „Englischer Schweißhund“ genannt, doch er stammt  nicht von der Insel. Dieser Schweißhund wurde von Mönchen in den Ardennen Belgiens schon seit dem Mittelalter zu einer eigenen Hunderasse entwickelt. Die anderen mitteleuropäischen Schweißhunde werden heute meist „Bracken“ genannt. Der Hubertushund repräsentiert mit den Bracken eine der ältesten Hunderassen überhaupt. Für die Jagd, die für unsere Vorfahren über tausende von Jahren hinweg eine wichtige Lebensgrundlage war, waren Hunde mit einer besonders guten Nase und einem intelligenten Spürsinn von elementarer Bedeutung. Auch für die Verbrecherjagd waren Bloodhounds unverzichtbar.

Den Germanen war ein guter Schweißhund mehr wert als ein Pferd. Das bezeugt ein über 1000 Jahre alter Gesetzestext: die Lex Baiuwariorum. Später verloren die Bloodhounds an Bedeutung, denn nun jagte  der Hochadel das Hochwild nicht mehr mit riesigen Meuten und spezialisierten Schweißhunden. Ab dem 19. Jahrhundert jagte der Einzeljäger, wie noch heute, der einen vielseitigen Jagdhelfer bevorzugte. So verloren die Hubertushunde weitgehend ihre Rolle bei der Jagd. Schon seit mehr als 150 Jahren werden sie überwiegend für seine Liebhaber gezüchtet. Vero Shaw, Tiermaler und langjähriger Vorstand des britischen Kennel Clubs verfasste 1881 ein wegweisendes Buch über die damaligen Hunderassen Großbritanniens „The illustrated book of the dog“. Im extra Kapitel über den Bloodhound verweist er schon damals auf diese grundlegenden Veränderungen:

Auch wenn die Rasse von ihrer früheren Nützlichkeit vieles eingebüßt hat, so ist sie dennoch auch heute hoch angesehen.

Das gilt noch heute und zwar mit Recht. Der Bloodhound ist auch jetzt noch einzigartig, was die Leistungsfähigkeit seiner Nase angeht. Zudem hat er ein herrliches Wesen, das ihn auch als hervorragenden Begleithund auszeichnet. Er ist eine der ältesten Hunderassen der modernen Rassehundezucht sowie in der Hundezucht überhaupt. Der 1857 geborene „Driud“, der erste Bloodhound-Champion der modernen Zeit, zählt zu den allerersten Hunden im Zuchtbuch des späteren Kennel Clubs. In Deutschland wird er vom Saint Hubert Bloodhound-Club von Deutschland e.V. betreut. Dieser interessante, einmalige Hund ist leider eine seltene Hunderasse in unseren Breiten geworden. In der Regel fallen kaum einmal 20 Welpen im Jahr. Es gibt Jahre, in denen nicht ein einziger Bloodhound-Welpe unter dem Dach des VDHs registriert wird. Das ist schade, denn diese fantastische, historische Hunderasse hat viel mehr Interesse verdient.

Beschreibung

Der Bloodhound ist ein großer Hund mit etwa 62 bis 68 Zentimetern Widerristhöhe und einem Gewicht von 40 bis 54 Kilogramm. Rüden sind größer und schwerer als Hündinnen. Der Standard beschreibt seine Erscheinung so:

Sein Gebäude ist länglich, das heißt rechteckig. Seine Gesamterscheinung ist beeindruckend und voller Adel. Seine Haltung strahlt Würde aus. Kopf und Hals fallen durch die reich entwickelte, geschmeidige und dünne Haut auf, die in tiefen Falten herunterhängt. Seine Bewegungen sind imponierend, eher langsam und irgendwie rollend, wiegend, aber geschmeidig, elastisch und frei.

Sein Haarkleid soll seidig und glatt sein. Der Hubertushund soll laut Standard viel lose Haut und starke Faltenbildung an Kopf und Hals zeigen. Das führt leider oft zu Übertreibungen zulasten der Gesundheit der Hunde. Die historischen Hunde hatten keine lose Haut oder Falten. Als Fellfarben sind black and tan, liver and tan, red zugelassen.

Charakter und Wesen

Der Bloodhound hat ein bedächtiges, ruhiges, äußerst sanftmütiges Wesen, Bloodhounddas für uns Menschen Entschleunigung pur ausstrahlt. Im fehlt jegliche Nervosität. Allein seine Ausstrahlung tut „in der Seele gut“! Seine Ruhe behält er allerdings nur, solange er keine Fährte in der Nase hat. Der Bloodhound kann immer noch seiner angestammten Arbeit nachgehen und will es auch. Er hat einen starken Spurtrieb und ist ansonsten ein anschmiegsamer, gut führbarer Freund und Partner. Der offizielle Standard beschreibt sein Wesen treffend so:

Sanftmütig, ruhig, freundlich und umgänglich mit Menschen, besonders stark auf seinen Herrn geprägt. Verträglich gegenüber Artgenossen und anderen Haustieren. Eher zurückhaltend und eigensinnig. Gleichermaßen empfindsam auf Lob wie auf Tadel reagierend. Nie aggressiv. Seine Stimme ist sehr tief, aber ist kein Kläffer.

Der Hubertushund ist ein hoch leistungsfähiger Arbeitshund nach dem Motto „in der Ruhe und Zielstrebigkeit liegt die Kraft“. Dieses Wesen macht ihn auch zu einem guten Familienhund, der allerdings auch mal recht eigensinnig sein kann. In dieser Eigensinnigkeit liegt aber ein weiteres Element des besonderen Charmes dieser Hunde. Sie wird jederzeit durch das sanftmütige, treue Wesen dieser Hunde überlagert. Es macht ihn für Kinder zu einem idealen und unermüdlichen Spielpartner. Es gibt kaum eine andere Hunderasse, die ich so unbedenklich auch einmal ohne Aufsicht mit Kindern spielen lassen würde.

Haltung

Der Hubertushund ist recht anspruchslos in seiner Haltung. Idealerweise wohnt er mit in einem Haus auf dem Land mit Garten. Er ist kein Wohnungshund. Der Bloodhound ist ein ausgesprochen angenehmer Begleiter auf Spaziergängen und Wanderungen durch die Natur. Man muss nur seinen Jagdtrieb im Auge haben und die Körpersprache und die Denkweise dieses seit tausenden von Jahren auf die Spurarbeit optimierten Hundes genau kennen. So kann man ihn rechtzeitig abrufen und umgekehrt sogar ohne Leine problemlos laufen lassen.

Der Hubertushund ist immer noch ein Arbeitshund. Neben der Jagd leistet er hervorragende Arbeit im Rettungswesen, bei Zoll oder Polizei. Hie und da kann er auch mal sabbern, besonders wenn Fell und Falten zu üppig angezüchtet wurden. Zu den Rahmenbedingungen seiner Haltung gibt der Standard eine gute Auskunft:

Er war und ist heute noch ein Jagdhund, der wegen seiner hervorragenden Nase vor allem als Spürhund verwendet wird; er wird aber auch oft für das Auffinden der Fährte verwundeter Tiere, auf Schweißprüfungen und auch bei der Polizeiarbeit für die Suche nach verschwundenen Personen eingesetzt.

Erziehung

Der Bloodhound ist ein zutiefst freundlicher und lernwilliger Vierbeiner. Er macht es dem Menschen leicht, ihn zu erziehen und mit ihm zu arbeiten. Dieser Vierbeiner will und braucht Führung aber er ist kein Hund, der auf Befehle von Herrchen oder Frauchen wartet. Man kann ihn nicht abrichten. Er führt immer ein gewisses Eigenleben. A und O der Erziehung ist liebevolle Konsequenz und solche Regeln lernt er schnell. Er ist aber auch intelligent genug, jede Inkonsequenz zu erkennen und bei Bedarf auszunutzen. Somit muss die Führung auf der Basis inniger Bindung zwischen Hund und Halter erfolgen. Seinen Eigensinn darfst du keineswegs brechen wollen sondern ihn so respektieren und im Stillen deine Freude daran haben, wenn er mit cooler Miene sein Ding macht.

Pflege und Gesundheit

Der Bloodhound ist pflegeleicht. Hie und da bürsten reicht ihm aus.

Rassetypische Krankheiten:

Die großen, herunterhängenden Ohren sind zuweilen problematisch. Zu starke Faltenbildung und zu lose Haut sind zuweilen ein Problem. Auch die Augen stellen zuchtbedingt ein Risiko wegen der nicht selten schlaffen, zu weit herunterhängenden Augenlider dar. Da der Bloodhound heute eine sehr seltene Hunderasse darstellt, sollte man Inzucht im Auge behalten.

Ernährung

Der Bloodhound frisst gerne viel und schnell. Du musst das Risiko der Magendrehung im Auge behalten.

Lebenserwartung

Der Bloodhound hat eine geringe Lebenserwartung von nur 8 bis 10 Jahren.

Einen Bloodhound kaufen

Suchst du einen Bloodhound-Welpen solltest du dich lange vor der geplanten Anschaffung vor Ort mit einem der wenigen Züchter in Verbindung setzen, die dem Saint Hubert Bloodhound-Club angeschlossen sind. Ein Welpe kostet gut 2000 Euro

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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