Giardien beim Hund erkennen und behandeln

Verfasst von Laura Hartmann
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Kleiner Hund liegt auf einem Kissen und blickt nach vorne.

Giardien (Giardia duodenalis, auch bekannt als G. intestinalis oder G. lamblia) sind mikroskopisch kleine, einzellige Parasiten, die weltweit vorkommen. Sie werden als der wahrscheinlich häufigste Endoparasit bei Hunden und Katzen angesehen. Diese hochansteckenden Parasiten siedeln sich vor allem im Dünndarm des Hundes an, wo sie sich an die Schleimhaut heften und die normalen Verdauungsvorgänge stören können.

Die durch Giardien verursachte Infektion bei Hunden wird als Giardiose bezeichnet. Typische Symptome einer Giardien-Infektion sind vor allem wiederkehrende, schleimige bis wässrige Durchfälle, oft begleitet von Gewichtsverlust und Erbrechen, obwohl viele infizierte Hunde keine Krankheitszeichen zeigen. Als wahrscheinlich häufigster Endoparasit bei Hunden sind sie weltweit verbreitet, wobei junge, alte oder immungeschwächte Tiere am stärksten gefährdet sind, schwere Symptome zu entwickeln.

Sind Giardien gefährlich für den Hund?

Wie gefährlich Giardien für den Hund sind, hängt stark von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere vom Alter und dem Immunzustand des Tieres.

Viele Hunde, die mit Giardien infiziert sind, zeigen überhaupt keine Krankheitszeichen (verlaufen symptomfrei). Sie scheiden aber dennoch die infektiösen Zysten mit ihrem Kot aus und stellen somit ein Ansteckungsrisiko für andere Tiere dar.

Wenn Symptome auftreten, äußern sich diese meist durch wiederkehrenden, schleimigen bis wässrigen Durchfall. Dieser kann übelriechend, schaumig, gelblich oder grünlich sein und manchmal Blutbeimengungen enthalten. Weitere mögliche Symptome sind Gewichtsverlust, verminderter Appetit, Erbrechen, Bauchschmerzen (Koliken, Blähungen), Abgeschlagenheit (Lethargie), Wachstumsverzögerung bei jungen Tieren oder Fieber.

Hund liegt auf einem Kissen und schläft.Fieber beim Hund
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Besonders Welpen und junge Hunde (unter einem Jahr), alte Tiere sowie immungeschwächte oder bereits erkrankte Hunde sind am stärksten gefährdet, schwere Symptome und Komplikationen zu entwickeln. Bei jungen Hunden können anhaltende Durchfälle schnell zu einem gefährlichen Flüssigkeitsverlust (Dehydrierung) führen, der im Extremfall einen Kreislaufkollaps nach sich ziehen kann. Solche Fälle erfordern eine sofortige tierärztliche Behandlung.

Die Schwere der Erkrankung (Giardiose) wird auch von anderen Faktoren wie Stress, zusätzlichen Darm-Infektionen oder dem spezifischen Giardien-Stamm beeinflusst.

Giardien stellen für gesunde erwachsene Hunde oft keine unmittelbare Gefahr dar, da die Infektion symptomlos verlaufen kann. Für vulnerable Gruppen wie Welpen, Senioren und immungeschwächte Hunde können Giardien jedoch zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen, insbesondere durch schwere und anhaltende Durchfälle, die eine tierärztliche Behandlung dringend erforderlich machen. Die Überlebensrate bei Giardieninfektionen ist in den meisten Fällen gut, aber bei den Risikogruppen besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen, einschließlich Tod.

Symptome Giardien

Viele mit Giardien infizierte Hunde zeigen überhaupt keine Krankheitszeichen und verlaufen symptomfrei. Wenn Symptome auftreten, wird die Infektion als Giardiose bezeichnet. Diese äußert sich primär im Magen-Darm-Trakt. Das häufigste klinische Anzeichen ist Durchfall, der oft akut und plötzlich einsetzt.

Die Merkmale des Durchfalls können variieren:

  • oft dünnbreiig bis wässrig
  • kann schleimig sein
  • häufig übelriechend
  • kann wiederkehrend oder intermittierend auftreten und über Wochen oder Monate andauern
  • kann fettig aussehen und eine gelbliche oder grünliche Färbung haben
  • kann Blutbeimengungen enthalten, wobei Meläna (verdautes Blut) selten ist

Weitere mögliche Symptome einer Giardien-Infektion sind:

  • Gewichtsverlust, der in schweren oder chronischen Fällen beträchtlich sein kann. Dies kann sogar bei normaler Nahrungsaufnahme geschehen
  • verminderter Appetit
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen, Blähungen oder Koliken
  • Abgeschlagenheit oder Lustlosigkeit (Lethargie). Die meisten Hunde sind jedoch hellwach und aufmerksam.
  • Wachstumsverzögerung bei jungen Tieren
  • Fieber kann vorkommen, ist aber bei den meisten betroffenen Tieren nicht vorhanden

Was sind die Ursachen für Giardien?

Die Infektion bei einem Hund wird durch die Aufnahme der Giardien-Zysten verursacht. Giardien haben einen Lebenszyklus mit zwei Stadien: dem beweglichen Stadium (Trophozoiten) im Darm und dem infektiösen Dauerstadium (Zysten), das mit dem Kot ausgeschieden wird.

Ein Hund bekommt Giardien, indem er diese infektiösen Zysten aufnimmt. Nur wenige Zysten (bereits 10–100) reichen aus, um eine Infektion auszulösen.

Die Giardien-Zysten sind sehr widerstandsfähig und können in der Umwelt lange überleben, insbesondere in Wasser und feuchten Umgebungen, wo sie mehrere Monate infektiös bleiben können. Im Hundekot selbst bleiben die Zysten etwa eine Woche ansteckend. Nach der Ausscheidung sind die Zysten sofort infektiös.

Wie kann sich der Hund mit Giardien anstecken?

An Orten, an denen viele Hunde zusammenkommen (zum Beispiel in Tierheimen, Hundepensionen, Hundeschulen, Hundeparks oder in Zuchtstätten), ist das Ansteckungsrisiko aufgrund der höheren Tierdichte und möglichen Kontamination der Umgebung besonders hoch.

Ein Hund kann sich auf verschiedene Weise mit Giardien anstecken:

  • Trinken von kontaminiertem Wasser (zum Beispiel Pfützen, Seen oder Flüsse)
  • Aufnehmen von kontaminiertem Boden
  • Fressen von kontaminierter Nahrung oder Gegenständen
  • direkter Kontakt mit Kot oder mit Kot verschmutztem Fell
  • Reinfektion durch Ablecken, wenn Zysten auf ihrem Fell, ihren Pfotenballen oder am Hinterteil vorhanden sind

Es ist wichtig zu wissen, dass sowohl kranke Hunde mit Symptomen als auch die symptomfreien Träger Giardien-Zysten ausscheiden und somit andere Tiere anstecken können. Diese scheinbar gesunden Hunde stellen ein großes Ansteckungsrisiko dar.

Diagnose: wie werden Giardien festgestellt?

Giardien beim Hund werden in der Regel anhand einer Kombination aus der Krankengeschichte, den Symptomen und speziellen Tests auf Giardien im Kot diagnostiziert. Da viele Hunde, die mit Giardien infiziert sind, keine Krankheitszeichen zeigen, ist es wichtig, positive Testergebnisse immer im Zusammenhang mit den klinischen Symptomen des Tieres zu interpretieren.

Tierärztinnen und Tierärzte haben verschiedene Methoden zur Verfügung, um Giardien im Kot des Hundes nachzuweisen. Standardmäßig werden zunächst immunologische Schnelltests durchgeführt. In schweren Fällen oder bei Verdacht auf andere Erkrankungen, können zusätzlich eine Untersuchung des Blutbilds oder des biochemischen Profils durchgeführt werden.

Da infizierte Tiere die Zysten nicht kontinuierlich, sondern nur zeitweise (intermittierend) ausscheiden, kann ein negatives Ergebnis bei einer einzelnen Kotprobe eine Giardien-Infektion nicht zuverlässig ausschließen. Sollten die Giardien beim Schnelltest in der Tierarztpraxis nicht nachweisbar sein, wird die Kotprobe im Verdachtsfall in ein Labor geschickt. Dort kann die Probe mit genaueren Testmethoden untersucht werden.

Um auf Nummer Sicher zu gehen, solltest du den Kot deines Hundes über mehrere aufeinanderfolgende Tage sammeln. Die Untersuchung dieser Sammelkotprobe erhöht die Nachweiswahrscheinlichkeit.

Die Wahl der Methode kann die Nachweiswahrscheinlichkeit beeinflussen. Bei negativem Ergebnis und anhaltenden Symptomen oder bei hohem Verdacht (zum Beispiel bei Welpen oder Senioren) sollten wiederholte Tests oder andere sensitivere Methoden in Betracht gezogen werden.

Die Untersuchung einer Kotprobe kann auch andere Parasiten identifizieren, die Durchfall verursachen oder verschlimmern könnten. Sollten die Symptome auch nach negativen Giardien-Tests anhalten, wird der Tierarzt weitere diagnostische Schritte einleiten, um die Ursache abzuklären.

Wie werden Giardien behandelt?

Giardien werden in der Regel mit Medikamenten behandelt. Da eine Giardien-Infektion oft hartnäckig und ein Wiederauftreten möglich ist, ist es besonders wichtig, während und nach der Behandlung auf Hygienemaßnahmen zu achten.

Medikamentöse Therapie

Es gibt bewährte Medikamente zur Bekämpfung von Giardien. Die am häufigsten verwendeten Wirkstoffe sind Fenbendazol und Metronidazol. Wenn ein Medikament nicht die gewünschte Wirkung zeigt, kann ein anderes aus einer anderen Wirkstoffklasse versucht oder eine Kombination eingesetzt werden. Nach der medikamentösen Behandlung wird oft eine erneute Kotuntersuchung empfohlen, um den Behandlungserfolg zu kontrollieren. Bei fortbestehenden Symptomen trotz Behandlung, sollten andere Ursachen für den Durchfall abgeklärt werden.

Unterstützende Maßnahmen

Bei dehydrierten Hunden kann eine Flüssigkeitstherapie notwendig sein, um den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt auszugleichen. Eine Anpassung der Ernährung kann während, aber auch nach der Behandlung hilfreich sein. Giardien bevorzugen Kohlenhydrate – eine Reduzierung oder ein Verzicht, kann das Wachstum der Zysten hemmen. Leicht verdauliche, proteinreiche Kost hilft dem geschädigten Darm Nährstoffe aufzunehmen. Auch Probiotika können in manchen Fällen unterstützend wirken.

Hygienemaßnahmen

Reinfektion ist eine der häufigsten Ursachen für ein vermeintliches Therapieversagen. Die ausgeschiedenen Zysten sind sofort ansteckend und können in feuchter Umgebung lange überleben. Daher ist es während und nach der Behandlung wichtig, den Kot deines Hundes sofort aufzusammeln und sicher zu entsorgen. Die Umgebung des Hundes, einschließlich Oberflächen, Böden, Liegeplätze, Decken und Spielzeug, muss gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Achte darauf alles gut abzutrocknen und feuchte Bedingungen zu vermeiden. Kuscheldecken und –Kissen, Betten, Stofftiere und andere Textilien sollten bei mindestens 65°C gewaschen werden. Futter- und Trinknäpfe sollten täglich gründlich, am besten mit kochendem Wasser, gereinigt und gut abgetrocknet werden.

Zu Beginn und zu Anfang der Behandlung sollte der Hund gebadet werden, um Zysten aus dem Fell zu entfernen. Verwende dafür ein geeignetes Hundeshampoo und säubere vor allem den Analbereich gründlich. Das Kürzen des Fells im Analbereich kann die Reinigung erleichtern.

Sind Giardien für den Mensch ansteckend und können auf ihn übertragen werden?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Giardien beim Hund als Zoonose, also als Infektionskrankheit, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden kann, ein. Dabei ist sowohl eine Übertragung von Mensch zu Mensch als auch vom Tier auf den Menschen möglich. Da die meisten Giardien-Stämme bei Hunden wirtsspezifisch sind und sich von den humanen Stämmen unterscheiden, ist die Übertragung von Tieren auf den Menschen weitaus seltener, als die Übertragung von Mensch zu Mensch.

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Die konkrete Höhe der Ansteckungsgefahr für Menschen wird als noch nicht eindeutig geklärt angesehen. Verschiedene Studien zur Übertragung zwischen Hund und Mensch haben widersprüchliche Ergebnisse geliefert und zwischen den Zysten von Hund und Mensch wurden Laborunterschiede festgestellt.

Die Übertragung von Giardien vom Hund auf den Menschen ist grundsätzlich möglich, aber unwahrscheinlich. Trotz des generell als gering eingestuften Risikos wird für gewisse Risikogruppen Vorsicht empfohlen. Insbesondere Personen mit Immunschwäche, ältere Menschen und Kleinkinder sollten besondere Hygienemaßnahmen ergreifen, wenn sie mit einem infizierten Hund oder dessen Kot in Kontakt kommen.

Wie kann man Giardien beim Hund vorbeugen?

Hunde stecken sich mit Giardien an, indem sie die Zysten des Parasiten schlucken. Dies geschieht meist durch die Aufnahme von kontaminiertem Wasser, Futter, Erde oder über den Kontakt mit kontaminierten Gegenständen. Auch der direkte Kontakt mit Kot anderer Hunde kann eine Ansteckungsquelle sein. Schon eine geringe Anzahl von Zysten (10-100) kann eine Infektion auslösen.

Im Alltag sind vor allem einige grundsätzliche Hygienemaßnahmen entscheidend, um eine Ansteckung oder Wiederansteckung zu verhindern.

  • Hundekot aufsammeln
    Eine der wichtigsten Maßnahmen ist das sofortige Entfernen und sichere Entsorgen des Hundekots. Der Kot sollte in Plastikbeuteln gesammelt und verschlossen im Restmüll entsorgt werden. Konsequentes Aufsammeln senkt den Infektionsdruck nachhaltig.
  • Umgebung sauber halten
    Die Umgebung des Hundes muss regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Oberflächen (vor allem wenn mit Kot in Berührung gekommen sein könnten) sollten täglich gereinigt werden.
  • Hygiene am Futterplatz
    Futter- und Trinknäpfe sollten täglich gereinigt werden. Am besten erfolgt die Reinigung mit kochendem Wasser, gefolgt von gründlichem Abtrocknen. Futterreste sollten direkt nach dem Fressen entsorgt werden.
  • Baden und Fellpflege
    Regelmäßiges Baden und eine gründliche Reinigung des Analbereichs kann helfen, Zysten aus dem Fell zu entfernen.
  • Aus Pfützen trinken vermeiden
    Generell sollte vermieden werden, dass der Hund aus Pfützen trinkt oder potenziell kontaminiertes Wasser oder Futter aufnimmt. In Umgebungen mit hoher Tierdichte, wie Hundeschulen, Tierpensionen oder Tierheimen, ist besondere Vorsicht geboten.
  • Gesunde Darmflora
    Probiotika und eine kohlenhydratarme, möglichst leicht verdauliche und nährstoffreiche Ernährung kann vor, während und nach einer Giardieninfektion unterstützend wirken.

Laura Hartmann

Laura Hartmann, Tierärztin

Die erfahrene Tierärztin ist spezialisiert auf Ultraschalluntersuchungen und Kardiologie. Darüber hinaus verfügt sie über die Zusatzqualifikation GPCert Cardio. Sie leitet die Medivet Tierarztpraxis in Teltow.

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