Zoonosen: Wenn Krankheiten von Tier auf Mensch übergehen

Verfasst von Julia Zimdars
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Kuh steht auf einer Weide und wird von einer Hand am Kopf berührt, weitere Kühe stehen im Hintergrund.

Zoonosen haben innerhalb der letzten Jahrzehnte stark an Bedeutung gewonnen. Ein Grund dafür ist, dass der Mensch zunehmend in natürliche Lebensräume vordringt. Dadurch kommt es zu Übertragungen zwischen Wildtieren, Menschen und konventionell gehaltenen Tieren. Auch das Reisen über weite Distanzen, Massentierhaltung und Tiertransporte begünstigen die Ausbreitung von Zoonosen. Dass sich wegen dieser Entwicklungen auch Haustierbesitzer Gedanken um das Wohlbefinden ihrer Tiere und ihre eigene Gesundheit machen, ist nachvollziehbar. Ein Verständnis dafür, was Zoonosen sind und wie man mit ihnen umgeht, kann dabei helfen, Risiken realistisch einzuordnen.

Was ist eine Zoonose?

Eine Zoonose ist eine Infektionskrankheit, die auf natürlichem Weg zwischen Tieren und Menschen übertragen werden kann. Jedoch sind nicht alle Krankheiten, die unsere Haustiere bekommen können, Zoonosen. Viele Infektionskrankheiten betreffen ausschließlich die Tiere selbst und sind für uns Menschen ungefährlich.

Ausgelöst werden Zoonosen in den meisten Fällen durch Bakterien, Viren und Pilze, die auf verschiedene Art und Weisen übertragen werden können. Nur wenn ein Erreger sowohl Tiere als auch Menschen befallen kann, handelt es sich um eine Zoonose.

Wie können Zoonosen auf den Menschen übertragen werden?

Zoonosen können auf verschiedenen Wegen übertragen werden. Man unterscheidet zwischen direkter und indirekter Übertragung.

Direkter Kontakt mit Tieren

Eine direkte Übertragung von Zoonosen kann durch engen Kontakt mit Tieren vonstattengehen. Das kann über Bisse und Kratzer geschehen. Aber auch durch Streicheln, Kraulen, oder Ablecken können Erreger übertragen werden.

Ist es zu einem Biss oder einem Kratzer gekommen, sollte die Wunde versorgt werden. Besonders Katzenbisse sind dabei nicht zu unterschätzen, da ihre spitzen Zähne Erreger tief in das Gewebe befördern können. Eine gute persönliche Hygiene im Alltag mit Haustieren trägt dazu bei, Übertragungen zu verhindern.

Indirekte Übertragung

Eine indirekte Übertragung kann zum Beispiel mittels Vektoren geschehen. Das sind lebende Organismen, meist blutsaugende Gliederfüßler, die Erreger auf den Menschen übertragen können. Aber auch durch den Verzehr von kontaminierten tierischen Nahrungsmitteln können Zoonosen übertragen werden. Insbesondere Salmonellen und E.-coli Bakterien spielen hierbei eine Rolle. Wichtig ist es daher, keine rohen, tierischen Produkte zu sich zu nehmen und Fleisch gut durchzugaren.

Weil manche Zoonose-Erreger eine Zeitlang auch ohne Wirt überleben können, kann man sich auch über die Umgebung mit Zoonosen anstecken. Dies kann zum Beispiel durch Kontakt mit kontaminierten Oberflächen, Erde und Wasser geschehen. Ein Beispiel für eine über mit Gewässern übertragene Zoonose ist Leptospirose, deren Erreger vorwiegend durch den Urin von Ratten in Gewässer gelangen. Gerade wasserliebende Hunde laufen daher eher in Gefahr, mit den Erregern in Kontakt zu kommen.

Zoonosen beim Menschen: typische Symptome

Die Bandbreite an möglichen Symptomen ist vielfältig. Welche Beschwerden auftreten, hängt von der individuellen Erkrankung und ihrem Erreger ab.

Symptome, die Zoonosen auslösen können, sind zum Beispiel:

  • Hautveränderungen
  • Grippeähnliche Symptome
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Atemwegsbeschwerden
  • Neurologische Symptome

Jedoch sind die Symptome oft unspezifisch und können von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Wie bei allen anderen Infektionskrankheiten gilt daher, mit Selbstdiagnosen vorsichtig zu sein, und bei Beschwerden lieber eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen.

Personen, die zu Risikogruppen von Zoonosen gehören, sind Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Zu merken sind diese mit Hilfe der englischen Abkürzung „YOPI“ (young, old, pregnant, immunosuppressed). Eine gute Hygiene spielt bei ihnen daher eine besonders wichtige Rolle.

Zoonosen bei Hund und Katze

Hunde und Katzen zählen zu den beliebtesten Haustieren und leben im Alltag meist eng mit ihren Haltern zusammen. Hier erfährst du, welche Zoonosen sie potenziell haben können.

Häufige Zoonosen beim Hund

Zu den häufigsten Zoonosen beim Hund gehören:

  • Leptospirose
  • Giardiose
  • Toxokarose (Spulwurm)
  • Echinokokkose (Bandwurm)
  • Salmonellose
  • Dermatophytose

Viele Zoonosen, an denen Hunde erkranken können, lassen sich gut vorbeugen. So kann zum Beispiel eine Impfung gegen Leptospirose schützen und mit regelmäßigen Wurmkuren Parasiten vorgebeugt werden. Durch eine tierärztliche Kontrolle bei einem Verdacht auf Zoonose kann frühzeitig eine Behandlung eingeleitet werden.

Häufige Zoonosen bei Katzen

Bei Katzen kommen die folgenden Zoonosen häufig vor:

  • Katzenkratzkrankheit
  • Dermatophytose
  • Giardiose
  • Pasteurellose
  • Toxokarose (Spulwurm)
  • Toxoplasmose

Freigängerkatzen sind durch den Kontakt mit anderen Tieren, Beutetieren und der Umwelt, einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt als Wohnungskatzen. Letztere sind zwar seltener betroffen, können aber dennoch eine Infektionsquelle darstellen. So machen beispielsweise Pasteurellen, Bakterien, die Pasteurellose verursachen, einen natürlichen Teil der Mundflora bei Katzen aus.

Eine allgemeine Parasitenprophylaxe ist sowohl für Freigänger als auch für Wohnungskatzen wichtig, da Erreger auch über andere Tiere, Kleidung und Lebensmittel in die Wohnung gelangen können. Nicht zuletzt kann durch sorgfältige allgemeine und persönliche Hygiene gut vorgebeugt werden. Dazu gehört das regelmäßige Reinigen der Katzentoilette und das Händewaschen nach Tierkontakt.

Beispiele für bekannte Zoonosen

Vogelgrippe

Immer wieder wird über Ausbrüche von Vogelgrippe berichtet, und davor gewarnt, kranke oder tote Vögel anzufassen. Die Vogelgrippe, oder auch Aviäre Influenza, kommt in der Natur vor allem bei Wasservögeln vor.
Sie bilden das wichtigste Reservoir des Erregers. Mit Reservoir ist ein Tier gemeint, das einen Erreger bei sich trägt, aber selbst nicht, oder nur leicht durch ihn erkrankt. Auf diese Weise bleibt der Erreger dauerhaft am Leben und kann auf andere Tiere übertragen werden.

Da sich Influenzaviren jedoch häufig verändern, haben sich Subtypen der Vogelgrippe entwickelt, an denen auch Wasservögel schwer erkranken. Man unterteilt die Vogelgrippe nun in eine milde Form und eine gefährliche Form. Neben den Wasservögeln sind auch konventionell gehaltene Geflügeltiere besonders gefährdet. Da die Tiere in den Betrieben häufig auf engstem Raum gehalten werden, verbreitet sich das Virus entsprechend schnell. Eine Übertragung auf Menschen ist möglich, aber sehr selten.

Tollwut

Auch die Tollwut zählt zu den bekanntesten Zoonosen und ist weltweit verbreitet. Sie wird durch Lyssaviren ausgelöst, die über Kontakt von infektiösem Speichel mit Schleimhäuten oder verletzter Haut übertragen werden. In den meisten Fällen geschieht dies über den Biss eines infizierten Hundes. Eine Übertragung durch Wildtiere, wie zum Beispiel Füchse, Waschbären und Fledermäuse ist ebenfalls möglich, aber selten. Im Verlauf der Krankheit greift das Virus bei seinem Wirt das zentrale Nervensystem an. Es kommt zu einer Entzündung des Gehirns, was sowohl beim Menschen als auch beim Tier schwere neurologische Symptome zur Folge hat. Mit Tollwut infizierte Wildtiere können die Scheu gegenüber Menschen verlieren, jedoch plötzlich zubeißen.

Mittels einer Tollwutimpfung kann man Hund und Katze vor der Krankheit schützen. Viele Länder Westeuropas gelten als tollwutfrei. Ein Risiko kann jedoch bestehen, wenn Tiere aus Regionen eingeführt werden, in denen Tollwut noch verbreitet ist.

Borreliose

Die Borreliose wird durch den Stich einer infizierten Zecke übertragen. Beim Blutsaugen dringen die Bakterien Borrelia burgdorferi über den Speichel der Zecke in den Körper ein.
Nach der Infektion entsteht eine Rötung an der Einstichstelle, die jedoch durch das Fell des Vierbeiners leicht zu übersehen ist. Während Katzen meist keine Symptome haben, können bei Hunden einige Monate nach der Infektion unspezifische Beschwerden entstehen.

Bei Menschen führt die Infektion häufig zu grippeähnlichen Symptomen und einer Hautrötung um die Einstichstelle der Zecke. In seltenen Fällen kann sie jedoch auch zu schwereren Symptomen führen. Um das Risiko einer Infektion bei sich selbst und dem Haustier zu verringern, können geeignete Maßnahmen zum Zeckenschutz getroffen werden.

Behandlung von Zoonosen beim Menschen

Grundsätzlich ist bei Beschwerden eine medizinische Abklärung notwendig, sodass eine individuelle Therapie angesetzt werden kann. Die Behandlung richtet sich dabei nach Erreger und Gesundheitszustand.
Außerdem besteht in vielen Ländern für eine Reihe an Zoonosen eine Meldepflicht. Diese dient dazu, mögliche Ausbrüche frühzeitig zu erkennen und Infektionsketten nachzuvollziehen. Meldepflichten bestehen ebenfalls für Tierärztinnen und Tierärzte.

Das Zusammenführen von Informationen aus verschiedenen Bereichen ist ein wichtiger Aspekt des One Health Ansatzes. Dieser erkennt an, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt eng miteinander verbunden ist und betrachtet diese Komponenten ganzheitlich. Deshalb setzt One Health auf ein Zusammenspiel unterschiedlicher Sektoren und Disziplinen, um die Gesundheit aller zu fördern.

Häufige Fehler im Umgang mit Zoonosen

  • Unzureichende Hygiene im Alltag
  • Vernachlässigung von Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen und Parasitenprophylaxe
  • Verzehr von nicht durchgegartem Fleisch
  • Biss und Kratzwunden nicht richtig versorgen
  • Selbstdiagnosen und das nicht ernst nehmen von Symptomen
  • Naher Kontakt mit streunenden Tieren, zum Beispiel auf Reisen

FAQs: Häufige Fragen zu Zoonosen

Sind Zoonosen häufig?

Ja, bei dem überwiegenden Teil an Infektionskrankheiten handelt es sich um Zoonosen.

Können gesunde Haustiere Zoonosen übertragen?

Ja, viele Tiere können Erreger in sich tragen, ohne selbst durch diese krank zu werden. Diese Tiere bilden das Reservoir für den jeweiligen Erreger.

Sind Katzen eine häufige Quelle für Zoonosen?

Die meisten Katzen sind gesund und stellen keine Gefahr für den Menschen dar. Sie sind eine potenzielle Quelle, jedoch lässt sich das Risiko mit richtiger Vorsorge gut kontrollieren.

Können Hunde Zoonosen auf Menschen übertragen?

Ja, Hunde und viele andere Tierarten können Zoonosen auf Menschen übertragen.

Welche Symptome können Zoonosen beim Menschen verursachen?

Zoonosen können beim Menschen eine Vielfalt an Symptomen auslösen. Welche das sind, hängt von der jeweiligen Krankheit ab. Die Symptome können sich unter anderem in Hautveränderungen, Fieber, Kopfschmerzen und Atemwegsbeschwerden äußern.

Wie kann ich mich und mein Haustier vor Zoonosen schützen?

Durch verschiedene Maßnahmen kann man sich selbst und sein Haustier vor Zoonosen schützen. Dazu zählen unter anderem eine gute Hygiene, die Durchführung medizinischer Vorsorgemaßnahmen, und ein vorsichtiger Umgang mit rohen tierischen Lebensmitteln.

Wie werden Zoonosen beim Menschen behandelt?

Eine Behandlung erfolgt abhängig vom Erreger der Zoonose und dem eigenen Gesundheitszustand in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Sind Kinder besonders gefährdet?

Ja, weil ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Daher gehören sie neben älteren Menschen, Schwangeren und immungeschwächten Menschen zur Risikogruppe.

Fazit: Informiert handeln, statt Angst zu haben

Zoonosen sind ein Teil unseres Zusammenlebens mit Tieren und sollten ernst genommen werden.
Dabei kann festgehalten werden:

  • Mit den richtigen Präventionsmaßnahmen können sich Haustierhalter hierzulande gut vor Zoonosen schützen.
  • Durch einfache Hygienemaßnahmen lässt sich das Risiko für viele Zoonosen wirksam verringern.
  • Ein verantwortungsvoller Umgang mit Tieren ist nicht nur eine Frage des Tierwohls, sondern auch des Gesundheitsschutzes.

Zoonosen machen sichtbar, wie eng die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt miteinander verknüpft ist und geben Anlass, unseren Umgang mit Tierhaltung, Tiertransporten und dem Konsum tierischer Lebensmittel kritisch zu hinterfragen.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung.


Julia Zimdars

Julia Zimdars, Tiermanagerin (B.Sc.)

Mit ihrem Bachelor of Science in Tiermanagement und einer Spezialisierung auf Gesellschaftstiere bringt Julia fundiertes Fachwissen in Ethologie, Tierphysiologie und Tierethik mit. Ihr Wissen verbindet sie mit praktischer Erfahrung aus ihrem ehrenamtlichen Engagement im Tierheim. Im ZooRoyal Magazin schreibt sie über Tiergesundheit, Verhalten und artgerechte Haltung von Hunden, Katzen und Kaninchen. Dabei bereitet sie auch komplexe Themen verständlich, praxisnah und stets tierwohlorientiert auf.

Quellen

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