Tolle Auslastung für den Hundesenior

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HundeseniorHunde sollen ausgelastet werden. Darüber sind wir uns alle einig. Ein Hobby fördert den Hund, sowohl kognitiv, als auch körperlich. Das gilt auch für die Seniorenliga. Hier gibt aber einige Besonderheiten, die du im Blick halten solltest, wenn dein Hund alt wird. Schauen wir uns die Auslastung für Senioren daher mal in Ruhe an:

Was versteht man unter Auslastung?

Die Auslastungen für deinen Hund sollten 4 Bereiche bedienen. Dazu gehören:

  • Geistige Auslastung
  • Körperliche Auslastung
  • Soziale Auslastung
  • Rassespezifische und charakterliche Auslastung

Diese vier Bereiche gehören zusammen und ergeben bei jedem Hund (s)eine ganz individuelle Mischung, eben ein Grundbedürfnis. Dieses Grundbedürfnis wird durch seine Lebensumstände weiter geformt, je nach Erfahrungen, die der Hund in seiner Umwelt macht. Das bedeutet, dass sich Bedürfnisse im Lauf der Zeit verändern können. Weitere Merkmale, die bei der Wahl einer Auslastung mit einfließen sollten, sind die anatomischen Möglichkeiten des Hundes. Einige Hunde haben Probleme mit ihren Gelenken, andere damit genügend Sauerstoff zu bekommen. Folglich sollte erstere Gruppe keine Sportarten mit abrupten Tempi- oder Richtungswechsel durchlaufen und auch ein gesundes Warm-up sollte stattfinden. Die zweite Gruppe hingegen sollte eine Auslastungsart erlernen, die sie nicht so sehr körperlich hochfahren lässt, dass das Kreislaufsystem überfordert wird.
Du siehst, es macht Sinn, sich seinen Hund genau anzuschauen, um eine Auslastung zu finden, die dir und deinem Hund Spaß macht und möglichst alle Grundbedürfnisse bedient, damit es eine spannende und ausgleichende Aktivität neben dem Alltag wird.

Woran bemerkst du, dass dein Hund Senior wird?

Es gibt so das gewisse Gefühl, dass man sein Alter betrachtet und sich dieser geschriebenen Zahl entsprechend gar nicht wahrnimmt – auch bei uns Menschen. Es gibt eine Faustregel beim Hund, die besagt, dass um das 7. Lebensjahr herum, eine Veränderung des Stoffwechsels stattfindet und die Seniorenzeit eingeleitet wird. Dies ist aber nur ein Richtwert. Es gibt viele Hunde, denen man erst Jahre später diese Veränderung anmerkt und umgekehrt auch die, die schneller altern. Die Schnauze ergraut, die Ruhezeiten werden länger und die Kondition lässt langsam nach.

Die Funktionen der Sinnesorgane können schwächer werden, oftmals bemerkt man es erst in fortschreitenden Stadien, da Hunde diese Mängel sehr gut ausgleichen können. Da dem Körper weniger Energie zur Verfügung steht, baut sich langsam die Muskulatur ab, was bei größeren Rassen deutlich zu erkennen ist. Jedoch können Hunde auch im Alter noch sehr gut lernen. Sie brauchen vielleicht etwas länger, doch ihr Lerndurst hört nie auf, besonders, wenn es Spaß macht. Gemeinsamen Aktivitäten steht somit nichts im Wege.

Worauf sollte geachtet werden, wenn du mit deinem Hundesenior nach einer Auslastungsmöglichkeit suchst?

Wenn du es richtig gut machen willst, dann gehst du vorab zum Tierarzt deiner Wahl und lässt deinen Hund körperlich untersuchen. So hast du einen Anhaltspunkt und einen Status quo, in welche Richtung eure neue Auslastung gehen kann. Dann lass euer gemeinsames Leben Revue passieren und überlege, an welchen Aktivitäten dein Hund viel Freude hatte, denn auch da lässt sich für die Zukunft gut anknüpfen.

Manche Verhaltensweisen sind über die Jahre so normal geworden, dass sie einem nicht mehr wirklich bewusst sind. Stress ist ein Energiefresser. Achte bei deinem Senior darauf, dass er während eurer Quality-time durch positiven Stress beflügelt wird, aber negativer Stress von ihm fern bleibt. Sollte es dennoch so sein, solltest du anstrengende Aktivitäten ausfallen lassen, denn der Körper benötigt viel Kraft und Ruhe, sich wieder zu regenerieren. Reagiere flexibel auf die tagesaktuellen Bedürfnisse deines Hundes. Je nach Seniorenalter könntest du an den Tagen, an denen ihr Auslastung betreibt, den vorherigen Spaziergang etwas verkürzen.

Tolle Auslastungsmöglichkeiten, können sein…

Wasser

Das Element Wasser ist für jeden Senior, der Wasser liebt, nicht nur eine angenehme Planscherei, sondern es trainiert die Muskeln und der Hund fühlt sich leicht und locker im Wasser. Eventuelle Schmerzen können sich unter Umständen verbessern und dein Hund gewinnt an Lebensfreude.
Damit sind nicht nur öffentlichen Gewässer gemeint, auch Physiotherapeuten bieten unterschiedliche Wassertherapien an. Eine Idee für kalte Tage.

Nasenarbeit

Hunde sind mit einer außergewöhnlichen Riechfähigkeit ausgestattet, die variabel eingesetzt werden kann. So kann an Schlechtwettertagen das Suchen nach versteckten Leckerchen im Zuhause eine spannende Tätigkeit sein. Fährtensuche beansprucht den Senior in seinen vier Grundbedürfnissen und er wird kognitiv ausgelastet. Willst du die Fährtensuche mit deinem Senior so umsetzten, dass es auch wirklich alle Sinne beansprucht, suche dir einen Trainer, der dich darin anleitet, wie man es richtig macht.

Clicker

Wenn du bisher den Clicker noch nicht zum Einsatz gebracht hast, scheu dich nicht, jetzt damit zu beginnen. Auch hier der Rat, sich einen Hundetrainer zur Unterstützung zu suchen, damit dieses effektive Hilfsmittel korrekt eingesetzt werden kann. Mit Hilfe des Clickers kannst du deinen Vierbeiner Wäsche sortieren lassen, Spielzeuge unterscheiden lernen und apportieren lassen, verschiedene Gegenstände anzeigen lassen, Gegenstände aufstöbern und vieles mehr.

Aktivitäten in einer Gruppe

Auch Senioren benötigen soziale Kontakte mit Artgenossen. Je nach Persönlichkeitstyp haben sie vielleicht noch Lust an einem gesetzten Spiel oder sie bevorzugen eine Auslastung, die mit anderen Mensch-Hund-Teams auf einem Hundeplatz stattfinden, es jedoch nicht dringlich zu direktem Kontakt kommt.

Kursangebote wie:

  • Hoopers
  • Longieren
  • Agility für Senioren
  • Dummytraining

sind Vorschläge, die eine ausgleichende und kognitive Auslastung für deinen Senior sein können.

Fazit
Alles, was den täglichen Alltagstrott verlässt und eine angepasste, aktive Unternehmung mit Spaß und Freude einbringt, lässt deinen Senior mit Freude am Leben alt werden. Wichtig dabei ist nur eines, genau zu schauen, worin die Talente und Freuden deines Hundes liegen und welche Dauer so eine Auslastung deinem Hund gesundheitlich gut tut.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.


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