Salzbehandlung: Wann und wie ist sie sinnvoll?

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Salzbehandlung beim Koi

Salzbehandlung beim Koi. Foto: Dr. Sandra Lechleiter

Salz ist eines der ältesten und wirksamsten Medikamente, um Fische zu behandeln. Im Gegensatz zu modernen Therapeutika hat Salz sehr viele verschiedene positive Wirkungen auf den Fisch und seine Umwelt.

Die Nebenwirkungen solltest du kennen, aber sie sind vergleichsweise gering.

Wichtig ist natürlich auch, dass nicht alle Zierfische gleichermaßen salztolerant sind. Du solltest nicht denken, dass man mit Salz alle etwa 3000 im Handel befindlichen Zierfischarten gleichermassen behandeln kann.

Der Grund ist naheliegend: Zierfische unterscheiden sich genauso deutlich wie Löwe und Antilope.

Die wichtigste Frage zuerst: Tut Salz den Fischen weh?

Besorgte Fischfreunde fragen mich sehr häufig, ob Salz den Fischen weh tue. Die Antwort ist eindeutig NEIN! Du solltest bei deinen Bedenken nicht von uns auf die Fische schließen. Bei uns Menschen verursacht Salz in Wunden deutliche Schmerzen.

Fische haben keine Haut wie wir, sondern sind von einer Schleimhaut überzogen. Ihre Haut und Kiemen sind mit unseren Mund- und Nasenschleimhäuten vergleichbar.

Beim Essen von Salzstangen tut uns Menschen das Salz im Mund ja auch nicht weh. Ganz im Gegenteil: Viele schwören zu Recht bei Nebenhöhlenentzündungen oder Halsschmerzen auf die schleimlösende und antibakterielle Wirkung von Kochsalz.

Wenn man von „Salz“ redet…

… dann ist Kochsalz ohne Jod oder Fluor gemeint. Also einfachstes Natriumchlorid. Am besten auch ohne die Stoffe, die es rieselfähig halten.

Im Zoohandel gibt es sehr gute salzhaltige Produkte, die eine noch etwas effektivere Wirkung gegen Bakterien haben. Dazu zählen:

Diese sind stärker als normales Kochsalz. Deswegen solltest du sie so anwenden, wie die Firmen es in ihrer Anleitung vorschreiben. Meersalz für die Meerwasseraquaristik kannst du natürlich für Kurzzeitbäder ebenso verwenden.

Ein einfacher Wirkstoff – viele Wirkungen

Salz hat in den verschiedenen Dosierungen und Anwendungsarten unterschiedliche Wirkungen auf den Fisch:

  • Die bekannteste ist die antibakterielle, antiparasitäre und schleimlösende Wirkung. Keine Angst: Salz regt nur den Schleimfluss auf der Schleimhaut an. Es führt nicht dazu, dass die Fische ihre Schleimhaut verlieren. Ganz im Gegenteil: Durch die Bildung von frischem Schleim erhalten sie einen intakten Schutz vor Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten. Diese werden zusammen mit dem „alten“ Schleim von der Körper- und Kiemenoberfläche entfernt. Das ist insgesamt für den Fisch und seine Atmung eine wichtige Wirkung.
  • Salz kann jedoch noch mehr: Deine Süßwasserfische sind mit ihren Körperzellen salziger als Süßwasser. In sie dringt deswegen laufend Wasser ein, vor allem an den Kiemen. Die körpereigene Entwässerung der Fische verhindert, dass sich die Körperflüssigkeiten ständig verdünnen und die Zellen dadurch aufquellen. Zum einen scheiden Süßwasserfische viel eingedrungenes Wasser über ihre Nieren aus. Ihr Harn besteht praktisch aus reinem Wasser. Außerdem nehmen sie Salze aus dem Wasser an den Kiemen auf und sorgen mit diesen Salzen dafür, dass der Salzgehalt in den Zellen konstant bleibt. Bei Meerwasserfichen sieht das genau umgekehrt aus: Sie verlieren Wasser über ihre Oberfläche und Kiemen. Sie müssen folglich ständig Wassen trinken, um nicht auszutrocknen.
  • Wenn du einen kranken Süßwasserfisch in ein Salzbad setzt, dann erhält sein Organismus eine Pause von der energiezehrenden Wasserausscheidung. Dies entlastet die Niere und den ganzen Energiehaushalt. Der Erfolg wird deutlich: Der Fisch wird ruhiger und entspannter, die Sauerstoffversorgung im Körper verbessert sich, Stress wird abgebaut, Appetit kommt auf. Salzbäder können so eine echte Wellnesswirkung entfalten. Auch die Wundheilung kann damit verbessert werden. Besonders wichtig ist, die entschleimende Wirkung an den Kiemen. Sie funktionieren nach einem Salzbad deutlich effektiver. Die Sauerstoffsituation im Köper verbessert sich, während sich der Energieaufwand für die Atmung verringert.
  • Im Teich oder Hälterungsbecken kann Salz die Nitritgiftigkeit für die Fische senken, das Ablaichen verhindern und den Algenwuchs bremsen. Dort kannst du mit Salz die Umwelt beeinflussen und für die Fische verbessern. Nur solltest du in deinem Teich nicht dauerhaft mit hohen Salzkonzentrationen arbeiten, denn sonst wird die Wirkung immer schlechter.

Und wo sind nun die Nachteile oder Nebenwirkungen?

Salz schädigt den Biofilter und kann im neuen Becken das Einlaufen des Filters verzögern. Die Bakterien im Biofilter müssen sich erst an die Salzkonzentrationen gewöhnen, also salztolerante Mutationen ausbilden. Dafür ist das Nitrit bei einlaufenden Becken dann für die Fische nicht so schädlich – für diese Anwendung von Salz solltest du daher die Vor- und Nachteile unbedingt abwägen, am besten zusammen mit einem erfahrenen Ratgeber.

Salz ist schädlich für Pflanzen. Nicht nur Aquarienpflanzen, auch Seerosen und andere schöne Teichpflanzen leiden unter Salzzugaben in den Teich. Gieße daher auch nicht den Rasen und die Bäume mit dem aufgesalzenem Teichwasser! Auch hier musst du vorher abwägen, ob eine Salzzugabe in den Teich notwendig ist.

Salz hat zusammen mit einigen Teichmedikamenten unerwünschte Wechselwirkungen. Führe die Behandlung nicht durch, wenn du dir nicht darüber klar bist, ob ein bestimmtes Medikament in einem aufgesalzten Becken angewandt werden darf.

Salz kann nur aus dem Wasser herausverdünnt werden, es wird nicht abgebaut oder verbraucht. Wenn man erst mal eine gewisse Menge Salz im Becken hat, dauert es lange, bis man wieder echtes Süßwasser hat. Wer also nicht gut Wasser wechseln kann oder sehr große Teiche hat, sollte sich das vor der Salzzugabe gut überlegen.

Du siehst: Die Nebenwirkungen beziehen sich überwiegend auf die Anwendung von Salz im Fischbecken selbst, also als Dauerbad. Im Kurzzeitbad sind solche Probleme natürlich nicht vorhanden.

Wann sind Salzbäder sinnvoll?

Salzkurzzeitbäder helfen kranken, lustlosen Fischen, bei denen noch nicht so genau bekannt ist, was sie quält. Besonders gut wirken die Salzbäder gegen:

  • Schleimhauttrübungen
  • Kiemenprobleme
  • Appetitverlust
Hausschliem

Bei entzündeten Kiemen- und Schleimhäuten ist eine Salzbehandlung bei manchen Fischen sinnvoll. Foto: Dr. Sandra Lechleiter

Du kannst die Salzbehandlung besonders bei Koi, Goldfischen ohne Schleierschwanz, Diskus und allen lebendgebärenden Zahnkarpfen (Guppy, Platy, Schwertträger usw.) im Krankheitsfall anwenden.

Sieht man schon weiße Pünktchen auf der Haut der Fische, dann kann ein kurzes Salzbad die Wirkung der gängigen Medikamente verbessern. Verwende das Salz dann jedoch nur als Kurzzeitbad und nicht im Becken.

Wichtig! Bade den Patienten nicht in Salz, wenn der Fang sehr lange dauert und sehr viel Stress auslöst! Dadurch kann es zu plötzlichen Todesfällen kommen. Ein guter Kescher und Übung beim Fischfang sind daher eine absolut wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Salzbadbehandlungen!

Koi vor der Salzbehandlung fangen

Behutsamer Koi-Fang mit einem Kescher und Umsetzschlauch vor einer Salzbehandlung. Foto: Dr. Sandra Lechleiter

Und wann sind sie nicht sinnvoll?

Alle Fischarten, die keine beschuppte Schleimhaut haben, vertragen kein Salz (z. B. Schmerlen). Auch praktisch alle Welse sind dafür bekannt, dass man sie nicht in Salz baden darf.

Fische aus Wildfängen aus den Weichwasserregionen der Welt (z.B. Südamerika, Ostasien) sind in der Regel nicht so salztolerant wie europäische Nachzuchten aus Hartwasserregionen. Daher ist es wichtig zu wissen, aus welchem Wasser die Patienten kommen, wenn du mit ihnen ein Salzbad vorhast.

In einigen Gegenden kann auch beim Händler eine völlig andere Leitfähigkeit des Haltungswassers vorliegen als bei dir zu Hause. Die Leitfähigkeit macht eine Aussage über den gesamten Gehalt an gelösten Salzen im Wasser. Sie wird mit geeigneten Messgeräten gemessen. Plötzliche große Unterschiede des Salzgehaltes des Wassers können beim Einsetzen neuer Fische zu Fischsterben führen.


Sandra Lechleiter

Dr. med. vet. Sandra Lechleiter ist seit über 20 Jahren als Fachtierärztin für Fische mit der Haltung von Zierfischen aller Art und ihren Erkrankungen beschäftigt. Der Beginn war eine Stelle im Fischgesundheitsdienst  mit  Schwerpunkt  „Speisefische“. Der Wunsch, das Wissen über die Pflege und Gesundherhaltung von Zierfischen bei den Fischhaltern zu verbessern, stammt sicher aus dieser Zeit.
Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt in der Fischtierarztpraxis ist daher die Fortbildung und Weiterbildung von Zierfischhändlern, Privathaltern und Tierärzten. Daher sind viele Artikel in Fach- und Hobbyzeitschriften und mittlerweile fünf Bücher, eine Koikrankheiten App und ein Online-Lexikon der Koimedizin erschienen. Etwa 50 Webinare und mittlerweile vier Vetinare sind eine gute Ergänzung dieser Tätigkeit.


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