Leben im Teich: Was tummelt sich da?

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Frosch im TeichIm Sommer die Füße im selbst angelegten Gartenteich hängen und die Seele baumeln zu lassen kann etwas sehr Entspannendes und Beruhigendes sein. Manchmal hat man sich vielleicht auch schon auf die Suche nach dem Entwicklungsstand der gesetzten Pflanzen gemacht und dabei festgestellt, dass nicht nur Pflanzen und Tiere im Teich sind, die man dort bewusst eingebracht hat, sondern eine Fülle an Lebendigem. Insbesondere zahlreiche Insektenlarven finden sich in einem Biotop rasch ein und besiedeln den künstlich angelegten Lebensraum und verändern auf natürliche Art und Weise dieses Ökosystem. Der Wunsch, die tierischen Kleinlebewesen kennen zu lernen und so das Zusammenspiel zwischen Fressen und Gefressenwerden näher zu beleuchten, ist vielleicht auch bei dir vorhanden. Dieser Beitrag liefert einen kleinen Überblick über ein paar Wirbeltiere und die häufigsten Insektenordnungen, die im Teich vorkommen können. Falls du genauer Bescheid wissen möchtest, empfehle ich dir die entsprechende Literatur zu besorgen. Aber für eine grobe Zuordnung sind die folgenden Bestimmungshilfen ausreichend.

Typische tierische Bewohner

Einige Wirbeltiere lassen sich leicht anhand ihrer Körperextremitäten erkennen. Bei Fischen, egal ob alt oder jung, fehlen die Gliedmaßen und Flossen sind zu erkennen. Lurche haben zu Beginn noch keine Füße und entwickeln diese erst im Laufe ihrer aquatischen Larvenzeit. Hier lassen sich Schwanzlurche (Salamander, Molche) leicht von Froschlurchen (Frösche, Kröten, Unken) unterscheiden, da sich bei den Schwanzlurchen erst die Vorderbeine und dann die Hinterbeine entwickeln. Bei den Froschlurchen ist es genau umgekehrt. Die Froschlurchlarven (und nur diese) nennen wir Kaulquappen. Eines der wenigen Reptilien, das in heimischen Gewässern vorkommt bzw. dort auf Jagd geht, ist die Ringelnatter, eine für Menschen gänzlich ungefährliche Schlange, die leicht an den gelben Halbmondflecken am Hinterkopf erkannt werden kann. Die Europäische Sumpfschildkröte ist zwar ebenfalls ein Reptil, aber sie ist so selten und bedroht, dass man sie wohl nicht zufällig mal schnell daheim entdeckt.

Bei den Wirbellosen beschränke ich mich auf ein paar häufiger vorkommende Ordnungen der Insekten. Insekten, auch als Kerbtiere bekannt, haben stets 6 Beine. So lässt sich auch das Synonym Hexapoda erklären, was Sechsfüßer bedeutet. Die meisten Lebewesen dieser Tierklasse leben an Land, einige haben sich im Lauf der Evolution aber an ein Leben im Wasser angepasst, zumindest während ihrer Entwicklungszeit als Larve. Im Wasser lebende Käfer sind relativ leicht zu bestimmen, da sie sich äußerlich eher wenig von ihren Verwandten an Land unterscheiden.

Insektenlarven, die sich im Wasser befinden, haben teilweise verschiedenste Anpassungserscheinungen entwickelt, die sich für das Überleben vorteilhaft erwiesen haben. Die einzelnen Ordnungen lassen sich anhand bestimmter Merkmale leicht voneinander unterscheiden. Die Bestimmung einzelner Arten ist häufig nur Experten möglich und für den alltäglichen Gebrauch nicht zwingend erforderlich. Ich finde es persönlich schon erfreulich, wenn man die ganze Fülle an Tieren grob einordnen und verorten kann.

Libellenlarven

Erwachsene Libellen zählen zu den besten Fliegern im Insektenreich und gelten als gefräßige Räuber. Doch nicht nur die Erwachsenen haben einen gehörigen Appetit, auch die Larven, die teilweise mehrere Jahre im Wasser verbringen, bevor sie sich zur Imago, dem erwachsenen Insekt, häuten.

Hier lassen sich zwei Gruppen voneinander unterscheiden, nämlich die Großlibellenlarven und die Kleinlibellenlarven. Die Larven der Kleinlibellen sind neben der geringeren Größe auch mit drei Kiemenblättchen ausgestattet, die am Hinterleib anhängen und eine Atmung unter Wasser ermöglichen. Die Großlibellenlarven haben am Hinterleib 5 kurze „Schwanzstacheln“ (die nicht stechen!) und eine eher gedrungene, eher kräftige Körperform, bei mehr Größe.

Eintagsfliegenlarven

Die erwachsenen Eintagsfliegen fristen tatsächlich nur ein sehr kurzes Dasein, das wenige Stunden bis Tage dauert und ausschließlich der Fortpflanzung dient. Nicht einmal die Nahrungsaufnahme ist ihnen möglich. EintagsfliegeAls Larven überdauern sie aber teilweise bis zu drei Jahre im Wasser, ehe sie sich der Vermehrung widmen. Die meisten Eintagsfliegenlarven lassen sich leicht an ihren drei Schwanzfäden erkennen, die am Hinterleib anhängen. Am Hinterleib selbst befindet sich meist Fächerkiemen, die zur Atmung notwendig sind. Mit den „echten“ Fliegen haben die Eintagsfliegen übrigens überhaupt nichts zu tun! Die meisten Eintagsfliegenlarven ernähren sich von Algen und Detritus.

Köcherfliegenlarven

Die Larven der Köcherfliegen haben eine interessante Lebensweise entwickelt: Aus Pflanzenresten und/oder Steinen und/oder Schneckenhäusern bauen sie sich einen Unterschlupf („Köcher“), Köcherfliegeden sie mit sich herumschleppen und der ihnen als Schutz vor Fressfeinden dient. Diese Bauwerke werden mithilfe eines Sekretfadens zusammengehalten, den die Larven spinnen. Die meisten Köcherfliegenlarven stehender Gewässer ernähren sich hauptsächlich von Algen und Detritus.

Zweiflüglerlarven

Die Zahl der Zweiflügler, die im Wasser leben, umfasst über 1500 Arten, sodass die Erwähnung sämtlicher Familien zu weit führen würde. Häufig und als lästig empfunden werden die Larven der Stechmücken, deren Weibchen uns im Sommer über piesacken und uns teilweise den Schlaf rauben. Die Larven sind zur Entwicklung auf Wasser angewiesen, kommen aber mit kleinsten Wasseransammlungen zurecht, wie z. B. mit der gefüllten Regentonne oder der Dauerpfütze auf dem Flachdach. Die Larven hängen meist senkrecht an der Wasseroberfläche, wo sie mit ihrem Hinterleib Luft aufnehmen und mit ihrem Vorderteil das Wasser auf der Suche nach Nahrung filtrieren.

Netzflüglerlarven

Die Schlammfliegen zählen zu den Netzflüglern und zeichnen sich durch lange, gegliederte und behaarte Hinterleibsanhänge aus, den Tracheenkiemen. Die Larven leben im Schlamm und erbeuten andere Kleinlebewesen. Meist kriechen sie nur am Gewässergrund herum, sie können aber auch durch Krümmungen ihres Hinterleibs recht gut schwimmen.

Weitere Wirbellose, die leicht zu erkennen sind, sind die Schnecken. Da du im Magazin aber ohnehin einen ausführlichen Artikel dazu findest, gehe ich hier nicht näher darauf ein.

Diese Übersicht ist wirklich nur ein kleiner Überblick und soll bei der Bestimmung der Teichbewohner behilflich sein. Um die Tiere aufzuspüren und besser beobachten zu können, empfehle ich dir die Anschaffung von mehreren Becherlupen und einem etwas größeren Wasserbehälter (eine Kunststoffbox ist ausreichend), sowie ein Küchensieb, um im Schlamm zu wühlen und mithilfe von Pinseln die Insektenlarven sorgsam und schonend in ein Behältnis zu überführen. Bei der Berührung mit bloßen Händen werden viele Kleinlebewesen möglicherweise verletzt!

Fressen und gefressen werden

Im Teich frisst ein Tier das andere. Das ist ganz natürlich und auch nicht bedenklich. Normalerweise stellt sich hier mittelfristig ein gewisses Gleichgewicht ein. Künstlich eingesetzte oder natürlich eingeschleppte Fische bringen dieses zunächst mit ziemlicher Sicherheit durcheinander. Ist der Fischbesatz aber nicht übermäßig stark, kann sich auch hier wieder eine stabile Balance etablieren. Die Kleinstlebewesen im Teich stellen nämlich eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan deiner Fische dar. Bedenke hier aber, dass sie damit auch eine Nahrungskonkurrenz für andere Teichbewohner wie beispielsweise Lurche darstellen! Und deine Fische sind ebenso ein Glied in der Nahrungskette und könnten auch gefressen werden. Ringelnattern oder Graureiher finden mitunter Gefallen an einem fischigen Leckerbissen.

 

Für Kinder und neugierig gebliebene Erwachsene ist die Teicherkundung eine spannende Sache, nach der man vermutlich immer wieder wissen möchte, wie es denn um die Flora vor der Haustür bestellt ist. Eine beeindruckende Vielfalt an verschiedensten Lebewesen findet sich auf engstem Raum ein. Und auch hier sieht man: In der Natur wird jeder Lebensraum genutzt und jede ökologische Nische früher oder später besetzt! Einfach faszinierend!

 


Michael Freund ist hauptberuflich Lehrer an einer bayerischen Mittelschule mit einem Faible für die belebte Natur. In seinem Studium absolvierte er Biologie als Didaktikfach. Nebenbei engagiert er sich als Autor für diverse Zeitschriften und ist tatkräftiges Mitglied in verschiedenen Vereinen, unter anderem bei den „Sukkulentenfreunden Passau“.


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