Katzenjammer – Wenn die Katze extrem viel miaut

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KatzenjammerDie eine Katze ist fast immer still, die andere kommentiert alles, was sie tut und sieht. Die Bandbreite an alltäglichem Miau-Verhalten, die Katzen an den Tag legen, ist enorm. Das gleiche gilt für die Töne, die Katzen dabei von sich geben und die von zartem Pieps-Miau bis zum markerschütternden Grölen reichen können. Es gibt, was das Miauen angeht, große individuelle Unterschiede.

Klein-Kätzchen-Kommunikation

Wenn deine Katze dich anschaut und miaut, macht sie damit in der Regel auf ein Bedürfnis aufmerksam. Sie hat einen Wunsch und hofft, dass du den erfüllen wirst. Damit fällt sie ein wenig in ein Klein-Kätzchen-Verhalten zurück. Denn normalerweise kommunizieren so Katzenwelpen mit ihren Müttern, wenn sie hungrig nach Nahrung oder Nähe und Wärme sind. Erwachsene Katzen hingegen verständigen sich vor allem non-verbal miteinander, nur das Gurren kommt als freundlicher Laut häufiger zum Einsatz. Die meisten Laute erwachsener Katzen im Umgang miteinander dienen der Abwehr, wie z.B. Knurren oder Fauchen.

Wie viel Miau ist normal?

Die Grenze zwischen lebensfrohem Gemaunze mit dem Menschen und exzessivem Miauen, das Ausdruck von Unbehagen sein kann, verläuft fließend. Manche Menschen etablieren mit ihren Katzen regelrechte „Unterhaltungen“, bei denen beide abwechselnd Laute von sich geben. Ein harmloser Spaß. Besonders orientalische Rassen wie z.B. die Thai-Katze, aber auch so manche Hauskatze bringen eine genetisch verankerte Neigung zum Miauen mit und äußern sich grundsätzlich häufiger als stillere Artgenossen.

Grundsätzlich ist es in Ordnung, wenn deine Katze mit einem Miau ein Bedürfnis kundtut und um Abhilfe bittet. Und natürlich ist es völlig okay, wenn sie dich mauzend begrüßt oder nach ihrer Heimkehr „berichtet“, was sie draußen alles erlebt hat.

Kritisch wird es, wenn deine Katze beim Miauen nicht gut gelaunt und optimistisch wirkt, sondern Zeichen von Anspannung dazukommen. Das wäre der Fall, wenn sie dabei unruhig ist, schwer zur Ruhe kommt, gar kein Bedürfnis hat, dessen Erfüllung sie dann auch glücklich macht. Wenn aus dem vereinzelten Miauen dann ein häufiges Miauen oder ein Dauermiauen wird, dann musst du dringend rausfinden, ob ein größeres Problem dahinter steckt. Dies sind mögliche Knackpunkte:

Langeweile & Lerneffekte

Katzen haben vielfältige Bedürfnisse nach Ansprache und Beschäftigung. Als Wohnungskatzen sind sie da völlig auf ihre Menschen angewiesen. Und vielleicht kennst du das selbst: Wenn man erstmal richtig gelangweilt ist, fällt es schwer, selber auf  gute Ideen zu kommen. Deine Katze wird sich in dieser Situation vermutlich an dich wenden und ein wenig herumquaken in der Hoffnung, dass du sie erlöst. An dieser Stelle greift dann oft eine spezielle Dynamik. Wir Menschen reagieren nämlich meist genau dann, wenn die  Katze uns miauend „anspricht“. Aber wir reagieren nicht auf sie, wenn sie sich angenehm ruhig verhält. In ganz kurzer Zeit kannst du so – unbeabsichtigt – deine Katze dazu bringen, mehr zu miauen. Sie lernt dabei, dass sie gefüttert, bespielt, bespaßt wird oder auch einfach nur ein wenig Aufmerksamkeit bekommt, wenn sie miaut.

Wenn sich so etwas bei euch eingeschlichen hat, dann musst du das Ruder wieder in die Hand nehmen. Der beste Weg dafür ist es, dass du ganz frühzeitig deiner Katze alle möglichen Angebote machst, so dass sie dich nicht mehr darum bitten muss. D.h. zum Beispiel: Du bemerkst, dass deine Katze aus einem Nickerchen aufwacht. Dann wird vermutlich gleich eine aktive Phase folgen. Also ist jetzt der Moment, zur Spielangel zu greifen und deine Katze zu einem Spielchen einzuladen. Oder wenn du weißt, dass deine Katze immer großen Hunger hat, wenn sie abends von draußen rein kommt, dann bereite ihr das Futter, bevor sie beginnt zu quengeln.

Einsame Katze

Deine Katze miaut vor allem, wenn du nicht da bist oder du dich hinter einer geschlossenen Zimmertür aufhältst? Dann hat deine Katze vermutlich Schwierigkeiten damit, diese Art der Trennung zu bewältigen.katze einsam Viele Katzen sind heutzutage sehr eng auf ihre Menschen bezogen und haben damit das ihnen nachgesagte unabhängige Wesen verloren. Solche Katzen fühlen sich oftmals verunsichert oder auch frustriert, wenn sie nicht bei ihrem Menschen sein dürfen. Falls das auf deine Katze zutrifft: Überprüfe bitte dringend, wieviel Zeit sie wirklich mit dir und anderen Bezugspersonen verbringen kann. Gibt es mindestens 10-12 Stunden Gesellschaft? Und sind ausreichend viele Stunden da, um wirklich mit ihr zu spielen und zu kuscheln? Ist es wirklich nötig, nachts die Schlafzimmertür zu schließen und ihr das gemeinsame Ruhen zu verwehren?

Kranke Katze

Es kann aber auch sein, dass das starke Miauen deiner Katze Ausdruck einer Erkrankung ist. Auch wenn Katzen Schmerzen meist gut verstecken, gibt es verschiedene Krankheiten, die sich oftmals in verstärktem Miauen äußern. Dazu gehören z.B. Schilddrüsenüberfunktionen, Nierenerkrankungen oder Bluthochdruck. Wenn es also weitere Anzeichen von Unwohlsein gibt (z.B. struppiges Fell, veränderter Appetit oder Erbrechen) oder wenn deine Katze älter als 8 Jahre ist, wenn das starke Miauen beginnt, dann lass deine Katze gründlich in der Tierarztpraxis deines Vertrauens durchchecken. Bei Seniorenkatzen, die viel Miauen, liegen fast immer (auch) körperliche Ursachen zugrunde. Außerdem kann starkes Vokalisieren auch ein Anzeichen von beginnender Demenz sein.

Ängstliche Katze

Bei dementen Katzen, aber auch bei anderen Katzen, die unter Ängsten leiden, trifft man oft eine besondere Art des Vokalisierens an:  Die Katze miaut dann nicht direkt ihren Menschen an, sondern sie kauert oder sitzt in einem Zimmer und miaut bzw. schreit regelrecht in den Raum hinein. Bei gesunden Katzen erlebt man dieses Verhalten oft nach gravierenden Veränderungen im Alltag der Katze, die diese nicht bewältigen kann (z.B. ein Umzug). Bitte probiere in diesen Fällen unbedingt aus, ob Ansprache und Nähe deiner Katze helfen, auch wenn sie dann lernt, dass sie mit dem Mauzen etwas bewirkt. Das Miauen ist in diesem Fall wirklich Ausdruck großer Not und die Behebung der akuten Not hat Vorrang!

Ausblick

Dies sind nur einige von verschiedenen Gründen, warum Katzen beginnen, sehr intensiv zu miauen. Als Halterin ist es nicht immer leicht zu verstehen, was die eigene Katze wirklich umtreibt, weil man zu nah dran ist. Bitte scheue deshalb nicht, dir ggf. Hilfe durch professionelle Katzenverhaltensberatung zu holen, wenn du alleine nicht schnell überzeugende Verbesserungen für dich und deine Katze erzielst.

 


Christine Hauschild lebt mit ihrem Kater in Hamburg. Sie betreibt dort seit über 10 Jahren die Katzenschule Happy Miez und berät Halter in allen Fragen rund um das (Problem-)Verhalten ihrer Katzen. Zusätzlich zu ihrer Arbeit als Katzenverhaltensberaterin bietet sie Seminare und Fortbildungen an. Außerdem ist sie Verfasserin mehrerer Katzenratgeber.


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