Katzen zusammenführen – Freunde fürs Leben? Teil 2

293
0

 

Katzen zusammenführen

Im ersten Teil des Artikels hast du gelernt, dass Katzen fremden Katzen typischerweise mit Misstrauen begegnen, dass schlechte Erfahrungen miteinander zu vermeiden sind, wenn man Freundschaft zwischen den Katzen fördern möchte. Außerdem hast du Hinweise für die Auswahl einer passenden Partnerkatze bekommen.

Jetzt kommen einige praktische Tipps für die Zusammenführung.

Das Willkommenszimmer

Bereite ein Willkommenszimmer für den Neuankömmling vor. Es enthält gemütliche Rückzugsmöglichkeiten, Wasser und Futter, Katzenklo und Kratzgelegenheit.

Hier kann sich die neue Katze von der Aufregung der Reise erholen und dich etwas besser kennenlernen.

Bitte wähle als Willkommenszimmer eines, dass für deine Bestandskatze/n nicht so wichtig ist.

Die Tür des Willkommenszimmers bleibt dabei zunächst geschlossen, bis die neue Katze wirklich entspannt und wohlig wirkt. Erst dann kann die erste Begegnung zwischen deinen Katzen erfolgen, sofern auch deine Bestandskatze entspannt mit der neuen hinter der Tür wirkt.

Gesicherte Begegnung

Katzenzusammenfuerung mit Herz und VerstandAm besten bereitest du für die erste Begegnung zwischen den Katzen eine Sicherung vor. Montiere eine (selbstgebaute) Gittertür oder ein Katzennetz im Türrahmen. Die Katzen können sich durch diese Barriere sehen, aber es kann nichts schiefgehen. Schlimmstenfalls düst eine der Katzen zur Barriere oder eine flieht, aber es kann keine Verfolgung und keinen Kampf geben. Du stellst so also sicher, dass deine Katzen keine dramatisch schlechte Erfahrung miteinander machen können. Das ist die halbe Miete auf dem Weg zur Freundschaft!

Gestalte anfangs zeitlich auf einige Minuten begrenzte gesicherte Begegnungen. Jede Katze wird dabei durch einen ihr zugeteilten Menschen unterstützt, der ihr Leckereien anbietet und ruhige Stimmung verbreitet. Leckereien gibt es auch dann, wenn gefaucht, geknurrt oder ängstlich bzw. böse geguckt wird. Das Ziel der Leckerchengabe ist es in diesem Moment, die Stimmung zu verbessern und damit freundliche Kommunikation wahrscheinlicher zu machen. Die Botschaft soll lauten: „Wenn du diese Katze siehst, passieren für dich tollste Dinge!“

Gib den Katzen gerade bei den ersten Kontakten die Möglichkeit, sich mit mehreren Metern Abstand zueinander zu sehen. Fünf bis sechs Meter dürfen es gerne sein, wenn das machbar ist. Mehr wären noch besser!

Die erste Begegnung ohne trennende Sicherheitsbarriere erfolgt erst, wenn mehrere Treffen an der Barriere entspannt und freundlich abgelaufen sind. Wichtig ist dabei, dass du beobachten kannst, dass die Katzen an der Barriere wirklich in Kontakt miteinander gehen. Schauen sie sich überhaupt nicht an oder gehen aus dem Sichtkontakt heraus, ist das kein gutes Zeichen, auch wenn es friedlich wirkt. Vermeiden es die Katzen auch nach mehreren Tagen mit zahlreichen Kontaktmöglichkeiten, miteinander wirklich in Kontakt zu kommen, dann hol dir bitte Unterstützung durch eine Verhaltensberatung.

Erste direkte Begegnung

Katzen zusammenführen

Versuche den Katzen für die erste Begegnung ohne schützende Barriere viel Platz zu geben. Ein großes Wohnzimmer mit offenen Zimmertüren in der ganzen Wohnung bietet mehr Rückzugs- und Fluchtoptionen als ein geschlossenes kleines Zimmer. Und diese Optionen können Sicherheitsgefühl geben und damit zur Entspannung beitragen.

  1. Öffne die Tür zwischen den Katzen weit, so dass sie nicht am Türschlitz aufeinandertreffen. Atme tief durch und verbreite gemeinsam mit einer helfenden Person entspannte gute Laune.
  2. Verbessere die Stimmung wieder mit Leckerchen, beruhigenden Worten oder bei jungen Katzen auch ruhigen Spielangeboten. Lockt die Katzen damit nicht zueinander, sondern helft ihnen  ausreichend großen Wohlfühlabstand zueinander zu finden, wenn es kurzzeitig etwas angespannt wird. Wenn ihnen der Sinn danach steht,  können sie sich von alleine wieder annähern.
  3. Beende die Begegnung während alles einigermaßen entspannt ist. Gib den Katzen anschließend eine Ruhepause – das war sehr aufregend und anstrengend für sie – bevor du ein paar Stunden später oder am nächsten Tag die nächste direkte Begegnung arrangierst.
  4. Wiederhole diese Begegnungen so oft, bis die Katzen mehrmals gelassen und neugierig-freundlich miteinander umgehen. Dann sind sie soweit, dass sie über längere Zeiträume in deiner Anwesenheit schon zusammen bleiben und sich besser kennenlernen können.

Eingliederung in einen Mehrkatzenhaushalt

Möchtest du eine Katze in einen bestehenden Mehrkatzenhaushalt integrieren oder mehrere neue Katzen zu einer bereits vorhandenen aufnehmen, dann führe die eben beschriebenen Begegnungsschritte bitte jeweils einzeln mit zwei Katzen zur Zeit durch. Das ist zwar aufwändig, sichert dich aber gegen zwei große Risiken, die eine Zusammenführung sehr erschweren können: Trifft eine einzelne Katze auf zwei oder mehr bereits miteinander vertraute Katzen, dann ist die Gefahr der Verunsicherung und damit Überreaktionen recht hoch. Ein weiteres Risiko ist die umgerichtete Aggression, bei der anstelle des gruseligen Neuzugangs die eigentlich geliebte oder akzeptierte Mitkatze attackiert wird.

Hol dir frühzeitig Hilfe!

Bei der Gestaltung einer Zusammenführung legst du die Grundsteine für die künftige Beziehung. Es lohnt sich also, dabei möglichst durchdacht und sorgsam vorzugehen. Eine professionelle Katzenverhaltensberaterin kann dir schon bei der Planung wertvolle Hinweise geben, ganz besonders auch dann, wenn du eigentlich gar nicht weißt, wie deine Katze auf eine andere Katze reagieren könnte. Sie kann dir helfen, ein gutes Willkommenszimmer zu wählen und eine praktikable Barriere zu entwerfen. Vor allem kann sie dir konkrete Anleitungen geben, wie du Leckerchen und ähnliches einsetzen kannst, um wirklich effektiv die Stimmung zu verbessern. Es gibt dabei einige Details zu beachten, die den Rahmen dieses Artikels sprengen würden.

Bitte hol dir Unterstützung, wenn du mehr als zwei Katzen miteinander bekannt machen möchtest. Je mehr Katzen beteiligt sind, desto komplexer wird die Gestaltung.

Und bitte engagiere spätestens dann eine Verhaltensberaterin, wenn die Zusammenführung nicht so einfach läuft, wie du erwartet hast, und eine der Katze große Angst zeigt bzw. es zu Jagden und Angriffen kommt. Deine Katzen müssen jetzt nichts auskämpfen! Sie müssen schnellstmöglich aufhören, sich als Feinde zu betrachten, wenn es noch eine Chance auf Freundschaft geben soll.

Welche Maßnahmen für solche Situationen hilfreich sind, lässt sich leider nicht pauschal sagen. Das ist abhängig davon, was hinter dem Verhalten der Katzen steht:

  • Handelt es sich um territoriale Aggression?
  • Spielt Frustration eine Rolle?
  • Kommt es zu umgerichtetem Jagdverhalten oder verhält sich eine Katze defensiv aggressiv?
  • Hat die ängstliche Katze zu recht Angst, weil sie bedroht wird?
  • Wie stark sind die Erregungslevel der beteiligten Katzen?
  • Was bräuchten sie, um ansprechbar und offen sein zu können?

Du solltest wissen: Man kann nicht jede Zusammenführung zu einem Erfolg führen. Deshalb solltest du immer einen guten Plan B bereithalten für den Fall, dass du die Zusammenführung aufgeben musst. Aber es gibt für schwierige Vergesellschaftungen Zusammenführungsverfahren, die mit ausreichend viel Zeit und Belohnungsmöglichkeiten tolle Ergebnisse hervorbringen können. Dafür müssen sie aber rechtzeitig zum Einsatz kommen.

Ausblick

Was für eine Zusammenführung hilfreich ist, kann eine andere zum Scheitern verurteilen. Bedenke, dass die Zusammenführungsschritte immer zu den Individuen passen müssen, zu ihren bisherigen Erfahrungen, ihren aktuellen Gefühlen sowie deinen persönlichen Lebensumständen.
Es lohnt sich wirklich, in die Zusammenführung von Katzen Zeit und Expertise zu investieren.

Sind vier, sechs oder acht Wochen behutsame Zusammenführung wirklich zu lang, wenn du durch fünf, zehn oder fünfzehn Jahre anschließende Katzenfreundschaft belohnt wirst?

Du investierst dabei gleichzeitig auch in die Lebensqualität deiner Katzen, sowohl während der Vergesellschaftung als auch im späteren Zusammenleben.


Christine Hauschild lebt mit ihrem Kater in Hamburg. Sie betreibt dort seit über 10 Jahren die Katzenschule Happy Miez und berät Halter in allen Fragen rund um das (Problem-)Verhalten ihrer Katzen. Zusätzlich zu ihrer Arbeit als Katzenverhaltensberaterin bietet sie Seminare und Fortbildungen an. Außerdem ist sie Verfasserin mehrerer Katzenratgeber.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.