Puli im Rasseportrait

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Puli

Hütehunde
Herkunft Ungarn Lebenserwartung 12-15 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde Funktion Hütehunde
Größe Kleine Hunderassen Häufige Krankheiten keine
Gewicht 10-15 kg Felllänge lang
Charakter/Wesen lebhaft, kinderlieb Fellfarbe schwarz, grau, falb, weiß
Besonderheiten

keine

Herkunft und Rassegeschichte

Der Puli ist ein ehemaliger Schäfer- und Treibhund aus Ungarn. Sein Revier waren die Schafherden in den Weiten der Puszta. Hier diente er über Jahrhunderte als ausgesprochen kluge, rechte Hand der Hirten. Die arbeitenden Pulik (ungarisch Mehrzahl von Puli) der Puszta waren hochbeiniger und hatten vor allem nicht die üppige Zotten-Behaarung, die ihnen die Rassehundezucht in den letzten Jahrzehnten als angeblich typisch angezüchtet hat.

Der große Schweizer Kynologe Hans Räber schreibt in seiner „Enzyklopädie der Rassehunde“: „Eine lange Pusztabehaarung, wie sie der Standard heute fordert, war für den Dienst bei der Herde ungeeignet. Sie hätte die Bewegungsfreude des Hundes eingeengt und ihn bei der Erfüllung seiner Arbeit behindert.“ Die Gräfin von Hagen zeigt in ihrem Buch „Die Hunderassen“ von 1933, Fotos von Pulik. Sie haben auf den Bildern zwar zottiges Haar, jedoch in Maßen. Vor allem sind sie mit freien Augen abgebildet. Sie berichtet, dass die intelligenten, flinken Pulik neben der Schäferarbeit, hervorragende Wächter und Jagdhelfer seien.

In einer umfassenden Gen-Analyse im Jahr 2017 über mehr als 100 Hunderassen mit mehr als 13.000 Hunden durch ein Team von Genetikern um Heidi Parker, wird der Puli genetisch zwischen die Gruppe um den Schnauzer und den Pudel gestellt. Eine genetische Nähe zu asiatischen Hunden, wie sie die offizielle Rassebeschreibung unterstellt, wird nicht bestätigt. 1954 wurde der Puli offiziell von der Fédération Cynologique Internationale anerkannt. In Deutschland wird er vom Deutschen Puli Klub und vom Klub für Ungarische Hirtenhunde im VDH betreut. Zwischen 10 und 50 Welpen werden jedes Jahr im VDH registriert.

Beschreibung

Der Puli ist ein kleiner, lebendiger Hund, der zunächst durch sein üppiges Haarkleid ins Auge sticht. Das ursprünglich bestenfalls mittellange, zottige Fell wurde durch ein extrem üppiges, oft bis zum Boden reichendes, als vermeintlich typisches Merkmal dieses ehemaligen Schäferhundes, ersetzt. Es soll aus Zotten oder Schnüren bestehen. Auf alten Abbildungen werden Pulik durchweg mit einem normal gewachsenen Fell gezeigt, zottig, mit mäßig behaartem Kopf und insbesondere mit freien Augen. Der offizielle Standard beschreibt sein Äußeres, wie folgt:

Hund von mittlerer Größe und fester Konstitution. Er hat einen quadratischen Körperbau mit feiner, nicht zu leichter Knochenstruktur. Der etwas hagere Körper ist in allen Teilen gut bemuskelt.

Zum Fell wird ausgeführt:

Die Gestaltung der einzelnen Körperteile ist schwer zu beurteilen, weil der ganze Körper von einem stark entwickelten, zur Bildung von Zotten und Schnüren neigenden Haarkleid bedeckt ist. Es ist zweckmäßig den Hund während des Richtens abzutasten. Die Kopfbehaarung ist so üppig, dass sie den Kopf rund erscheinen lässt und die Augen abschirmt.

Eine solche Bestimmung eines Standards ist tierschutzrelevant. Wie darf es sein, dass man eine Kopfbehaarung fordert, die die Augen abschirmt? Wolliges, ständig wachsendes Haar ist an sich keine Qualzucht, sofern es regelmäßig gekürzt wird, wie etwa beim Pudel. Beim Puli oder Komondor wird das aber oft unterlassen, vor allem, wenn er ausgestellt ­werden soll, und das ist dann eher als „Qualhaltung“ anstatt Qualzucht zu qualifizieren. Der Hund hat dann zwar immer noch den Geruchssinn und den Tastsinn mit den Vibrissen – das sind die Tasthaare an der Schnauze – zur Verfügung, dennoch ist die züchterische Behinderung des Sehvermögens eine unzulässige Verirrung.

Rüden sollen eine Widerristhöhe von 39 bis 45 Zentimetern vorweisen, Hündinnen von 36 bis 42 cm. Als Gewicht werden für Rüden 13 bis 15 Kilogramm und für Hündinnen 10 bis 13 Kilogramm vorgeschrieben.

Charakter und Wesen

Der Puli ist im Kern seines Wesens immer noch ein Schäferhund. Er wird jedoch schon lange nur noch als Begleithund gezüchtet. Das muss kein Nachteil sein. Er findet sich vielmehr uneingeschränkt in seine heutige Rolle als Familienhund ein. Heute bewacht und behütet er seine Menschenfamilie und deren Wohnung im besten Sinne. Er ist ausgesprochen clever, gelehrig und agil.

Die Gräfin von Hagen berichtet 1933 in ihrem Buch „Die Hunderassen“ über ein Gespräch eines ungarischen Schäfer über seine Pulik. Dieser ist voll des Lobes und bezeichnet die Pulik als seine rechte Hand. Sie seien intelligenter als jeder Junge aus dem Dorf. Er weist mit ein paar kurzen Worten beiläufig seinen Puli an, die Schafherde zu holen. Dieser eilt wie ein Blitz davon. Einige Zeit später sieht man von weitem die Herde kommen, zügig aber geordnet und ohne Panik. Ein ungarisches Sprichwort bestätigt diesen Bericht. Dort heißt es: „Ein Puli ersetzt zwei Arbeiter“. Diese kleinen Hunde sind noch heute ein Energiebündel mit einer ausgesprochenen Leistungsfähigkeit und -bereitschaft. Der Puli ist sehr wachsam und meldet Ankömmlinge zuverlässig.

Haltung

Von seinem Wesen her ist der Puli ein bewegungsfreudiger Hund. Er will die Einbindung in die Familie und ordnet sich anstandslos ein, fachkundige Erziehung vorausgesetzt. Der Puli ist ein liebevolles Mitglied der Familie und toller Partner für Kinder. Er fordert seine Halter nicht, will aber regelmäßige Beschäftigung. Hat er zuviel Langeweile kann er seine Energie am Mobiliar auspowern.

Puli im Rasseporträt

Der gut erzogene Puli benimmt sich auf Reisen anstandslos. Auch im Restaurant oder Hotel benimmt er sich vorbildlich. Es sollte nicht zu heiß sein. Der Puli braucht viel Fellpflege. Man muss ständig auf der Hut sein, dass es nicht allzu sehr verschmutzt. So ist man in seiner Bewegungsfreiheit in der Natur eingeschränkt. Wenn das Fell einmal nass geworden ist, braucht es lange, um zu trocknen. Das liegt an der dichten Unterwolle. Die Fellpflege ist die größte Herausforderung eines Puli-Halters. Ansonsten stellt er keine besonderen Ansprüche an seine Haltung. Mit viel Fürsorge und Beschäftigung ist er problemlos in einer Etagenwohnung zu halten.

Erziehung

Der Puli lässt sich sehr gut erziehen. Er freut sich, zusammen mit seinen Menschen etwas erleben zu können. Er ist offen und ehrlich und arbeitet gerne mit Herrchen und Frauchen. Der kleine, quirlige Hund muss vom Welpen an mit liebevoller Konsequenz erzogen werden. Die Kunst liegt darin, das richtige Maß an Konsequenz und Führung zu finden. Die entscheidende Grundlage ist immer eine enge emotionale und vertrauensvolle gegenseitige Bindung. Fühlt er sich ungerecht behandelt, kann er sich schon einmal beleidigt zurückziehen. Lässt man ihm zuviel Freiraum, so kann er sich schon einmal berufen fühlen, die Kinder der Familie zu behüten und nach seinem Geschmack zu treiben. Die Erziehung und Führung des Pulis ist in der Regel kein Problem und ist auch für ein weniger hundeerfahrenes Herrchen oder Frauchen gut machbar sein.

Pflege und Gesundheit

Ein Puli braucht aufgrund seines extremen Zottenfells eine höchst intensive Pflege.

Rassetypische Krankheiten

Das extreme Zottenfell ist eine Belastung für die Lebensqualität und ein artgerechtes Leben dieser Hunde.

Ernährung

Ein Puli ist in seiner Ernährung unproblematisch.

Lebenserwartung

Ein Puli hat eine Lebenserwartung von 12 bis 15 Jahren.

Puli kaufen

Wenn du dich für einen Puli interessierst, stelle dich darauf ein, dass das Zottenfell einen hohen Pflegeaufwand mit sich bringt. Suche nach einem Züchter, der seine Hunde nicht allzu sehr auf extreme Äußerlichkeiten und Championate im Ausstellungswesen orientiert und Pulik mit mäßiger Behaarung züchtet. Hunde dieser Rasse kosten um 1000 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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