Otterhound im Rasseportrait

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otterhound

Otterhound

Jagdhunde
Herkunft Großbritannien Lebenserwartung 10 - 13 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 6: Laufhunde, Schweisshunde und verwandte Rassen Funktion Jagdhunde
Größe Mini Hunderassen Häufige Krankheiten
Gewicht etwa 50 Kilogramm Felllänge mäßig lang (4 bis 8 cm)
Charakter/Wesen sanftmütig, zielstrebig, eigensinnig Fellfarbe alle bei Laufhunden anerkannten Farben
Besonderheiten

seltener Urtyp mit einmaligem Charakter

Rassenmerkmale und Erscheinungsbild

Wie sieht ein Otterhound aus?

Der Otterhound ist unverkennbar. Er ist ein Urtyp des Jagdhundes, speziell der Schweiß- und Laufhunde. Seine Verwandtschaft mit dem Bloodhound oder St.Hubertushund ist unverkennbar. Du kannst ihn dir als einen Bloodhound mit rauem, drahtigen Haar vorstellen. Der deutsche Name - Otterhund statt Otterhound - ist etwas verfälschend, da Hound eine speziellere Bezeichnung als Hund darstellt. Als typischer Hound (= Jagdhund, der dem Wild hinterher hetzt) mit seinen großen Ohren, seinen warmherzigen Augen und seinen schlaksigen Bewegungen kommt er sympathisch rüber. Er ist ein absolut cooler Typ, den du sofort herzen willst. Hinter dieser coolen Erscheinung verbirgt sich ein Jagdhund voller Feuer. Der Otterhound ist ein großer Hund mit etwa 61 bis 69 Zentimetern Widerristhöhe und einem Gewicht von etwa 50 Kilogramm. Rüden sind größer und schwerer als Hündinnen. Der Standard beschreibt seine Erscheinung so: "Großformatiger Hund mit geraden, korrekt gestellten Gliedmaßen, rauhaarig, mit majestätischem Kopf, kräftigem Körper und mit lockerem raumgreifendem Bewegungsablauf. Raues Stockhaar und große Pfoten sind wichtige Merkmale. Freies Gangwerk." Sein Haarkleid ist mäßig lang (4 bis 8 cm), dicht, rau, hart, undurchlässig, von abgebrochenem Aussehen. Er zeigt eine deutlich vorhandene Unterwolle; bei Unterwolle und Deckhaar kannst du eine leicht ölige Textur feststellen. Angeblich soll das Fell wenig haaren. Neben dem öligen Fell hat er noch eine weitere Besonderheit: Schwimmfüße. Im Standard heißt es zu seinen Vorderpfoten: "Sie sind kompakt können aber gespreizt werden. Die Zwischenzehenhaut muss gut sichtbar sein." Die Ohren hängen wie bei allen Hounds.

Wie alt wird ein Otterhound?

Der Otterhound hat laut American Kennel Club eine Lebenserwartung von 10 bis 13 Jahren.

Wesenszüge und Charaktereigenschaften

Welche Eigenschaften hat ein Otterhound?

Der Otterhound hat ein bedächtiges, ruhiges, äußerst sanftmütiges Wesen, das für uns Menschen Entschleunigung pur ausstrahlt. Ihm fehlt jegliche Nervosität. Allein seine Ausstrahlung tut "in der Seele gut". Seine Ruhe behält er allerdings nur, solange er keine Fährte in der Nase hat. Bei der Jagd entfaltet sich die ganz anderes Seite seines Wesens: Der Jagdhund. Der Otterhound kann immer noch seiner seit Urzeiten angestammten Arbeit nachgehen und will es auch. Er hat einen starken Spurtrieb und eine große Liebe zum Wasser. Er hat ein starkes Bedürfnis nach täglicher, ausgiebiger Bewegung in der Natur. Er liebt Wasser aller Art und ist ein hervorragender Schwimmer. Ansonsten ist er ein anschmiegsamer, gut führbarer Freund und Partner. Der Meutenhund hat eine hohe soziale Kompetenz. Der offizielle Standard beschreibt sein Wesen so: "Freundlich und ausgeglichen. Jegliche Anzeichen von Aggressivität oder Nervosität sollten streng bestraft werden." Der Otterhund ist ein hoch leistungsfähiger Arbeitshund nach dem Motto "in der Ruhe und Zielstrebigkeit liegt die Kraft". Dieses Wesen macht ihn zu einem guten Familienhund, der allerdings auch recht eigensinnig sein kann. In dieser Eigensinnigkeit liegt aber ein weiteres Element des besonderen Charmes von Hunden wie dem Otter- oder dem Bloodhound. Diese Eigensinnigkeit wird jederzeit durch das sanftmütige, treue Wesen dieser Hunde überlagert. Es macht ihn für Kinder zu einem idealen und unermüdlichen Spielpartner. Es gibt kaum eine andere Hunderasse, die ich so unbedenklich auch einmal ohne Aufsicht mit Kindern spielen lassen würde. Durch seine hohen Ansprüche an artgerechte Bewegung ist er allerdings kaum als Anfängerhund zu empfehlen.

Herkunft & Geschichte

Wo kommt der Otterhound ursprünglich her?

Der Otterhound ist ein klassischer Jagdhundtypus, der seit mehr als tausend Jahren uns Menschen begleitet. Seine Spezialisierung auf den Otter, genauer den Fischotter ist seit 800 Jahren belegt. Früher waren Fischotter in ganz Europa weit verbreitet. Als Adel und Kirchen begannen, Fischteiche anzulegen, bediente sich der Otter gerne an diesen. Diese wurden dann gnadenlos bejagt. Nebenbei brachte so ein Otter dann noch einen guten Pelz und eine fette Mahlzeit ein. Über die Jahre entstand so schon ganz früh der spezialisierte Otterjäger. Er konnte so gut schwimmen, dass er den Otter sogar durchs Wasser nachjagen konnte. Er konnte so gut riechen, dass er eine Spur auch noch nach Tagen verfolgen konnte. Beim Verfolgen des Geruchs eines Otters auf dem Land, wird eine Fährte „drag“ genannt, im Wasser „wash“. Ein Otterhound kann ein drag bis zu zwölf Stunden verfolgen und wenn er einem wash folgt, dann kann er bis zu fünf Stunden schwimmen. Zusätzlich zu seinem öligen Haar hat er daher Schwimmfüße entwickelt. "Hound" steht für Jagdhunde bei der Hetzjagd, meist Meutehunde; beim Otterhound waren es die Fischotter. Nachdem diese schließlich in weiten Teilen Europas ausgerottet waren, schrumpfte auch die Population des Otterhounds ganz massiv. Er konnte aber überleben als Meutehund bei der allgemeinen Jagd und insbesondere aufgrund seiner hervorragenden Fährtenarbeit. Der Otterhound ist eng verwandt mit dem Bloodhound was durch alte Schriften und durch genetische Studien wie die eines Teams von Genetikern um Heidi Parker 2017 untermauert wird. Der Otterhound ist immer noch einzigartig was die Leistungsfähigkeit seiner Nase angeht. Zudem hat er ein herrliches Wesen, das ihn als hervorragenden Begleithund auszeichnet. 1974 wurde er als eigenständige Rasse weltweit anerkannt. In Deutschland wird er vom Verein Basset Hound Club von Deutschland e.V., zuchtbuchführender Verein für die Rassen Basset Hound und Otterhound betreut. Dieser interessante, einmalige Hund ist leider in unseren Breiten eine sehr seltene Hunderasse. In der Regel fallen nur hier und da einmal Welpen. Es gibt Jahre, in denen nicht ein einziger Otterhound-Welpe unter dem Dach des VDHs registriert wird. Das ist schade, denn diese fantastische, historische Hunderasse hat viel mehr Interesse verdient.

Beliebte Mixe

Mixe von Otterhound mit anderen Hunderassen oder Mischlingen sind sehr selten.

Pflege, Gesundheit und Krankheiten

Wie viel Pflege braucht ein Otterhound?

Der Otterhound ist nicht immer pflegeleicht. Er geht gerne ins Wasser, sei es auch noch so groß oder klein. In seinem zottigen Fell sammelt sich dann alles Mögliche. Aber er haart nur wenig. Die großen, herunterhängenden Ohren sind zuweilen problematisch. Da der Otterhound heute eine sehr seltene Hunderasse darstellt, solltest Du Inzucht im Auge behalten.

Wissenswertes über die Ernährung des Otterhound

Der Otterhound frisst gerne viel und schnell. Du musst das Risiko der Magendrehung im Auge behalten. Natürlich ist hochwertiges Futter gut für seine Gesundheit und er schmeckt es auch. Wie die meisten Hunde mag er einen fleischigen Rinderknochen und frisches Fleisch. Ein Otterhound eignet sich sehr gut zum Barfen.

Aktivitäten mit dem Otterhound

Als gelernter Schweiß- und Jagdhund braucht der Otterhound regelmäßige, artgerechte Herausforderungen idealerweise in der Natur. Er ist der ideale Hund für Sportarten wie Mantrailing und macht sich auch ganz hervorragend in der professionellen Rettungsarbeit wie auch ganz allgemein als Schweißhund.

Überlegungen vor der Anschaffung

Suchst du einen Otterhound-Welpen solltest du dich sehr lange vor der geplanten Anschaffung vor Ort mit einem seiner wenigen Züchter in Verbindung setzen, die dem Verein Basset Hound Club im VDH angeschlossen sind. Der Züchter sollte keine Inzucht betreiben, was Du anhand des Stammbaums abschätzen kannst, wenn dort kein Name doppelt auftaucht. Der Züchter sollte seinen Wurf per Foto gut dokumentiert haben. Du solltest Dir den Wurf zusammen mit der Mutterhündin, nach Absprache, vor Ort anschauen können.

Otterhound Erziehung und Haltung

Wie sollte man einen Otterhound erziehen und halten?

Der Otterhund wohnt idealerweise mit dir in einem Haus auf dem Land mit Garten. Er ist kein Wohnungshund. Er ist ein ausgesprochen spannender Begleiter auf Spaziergängen und Wanderungen durch die Natur. Du musst seinen Jagdtrieb im Auge haben und die Körpersprache und das Denken dieses seit tausenden von Jahren auf die Spurarbeit optimierten Hundes genau kennen. So kann man ihn rechtzeitig abrufen und umgekehrt sogar ohne Leine problemlos laufen. Ansonsten kann er im Nuh hinter einer Fährte verschwunden sein. Er ist immer noch ein Arbeitshund. Neben der Jagd leistet er hervorragende Arbeit im Rettungswesen und der Fährtenarbeit. Sein starker Drang zum Wasser ist ihm angeboren. Damit musst du leben wollen. Sprich auch, wenn er sich noch mal kurz vor der Heimfahrt oder dem Eingang zum Haus in einem schlickigen Teich suhlt. Entsprechend solltest du im Auto und im Haus eingestellt sein. Er ist nichts für pingelige Desinfektionsfanatiker. Im Auto empfiehlt sich eh eine entsprechend Große Box aus Aluminium. Der Otterhound ist ein zutiefst freundlicher und lernwilliger Vierbeiner, der es dem Menschen leicht macht, ihn zu erziehen und mit ihm zu arbeiten. Er will und braucht diese Führung. Er ist aber kein Hund, der auf Befehle von Herrchen oder Frauchen nur wartet. Man kann ihn nicht abrichten. Er führt immer ein gewisses Eigenleben. A und O der Erziehung ist liebevolle Konsequenz. Er lernt solche Regeln schnell, ist aber auch intelligent genug, jede Inkonsequenz zu erkennen und bei Bedarf auszunutzen. Die Führung muss auf der Basis inniger Bindung zwischen Hund und Halter erfolgen. Seinen Eigensinn darfst du keineswegs brechen wollen. Du musst ihn so respektieren und im Stillen deine Freude daran haben, wenn er mit cooler Miene sein eigenes Ding macht.

Interessantes, Wissenswertes & Extras

Der seltene Otterhound ist ein markanter Urtyp des Jagdhundes. Entsprechend braucht er Beschäftigung in der Natur und besonders am Wasser. Zugleich ist er ein warmherziger Familienhund. Ein cooler, eigenwilliger Typ.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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