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Leonberger im Rasseportrait

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LeonbergerHerkunft und Rassegeschichte

Der Leonberger ist ein sehr großer, stattlicher Hund. In seinem Kopf und seiner Ausstrahlung erinnert er an einen Bernhardiner und Löwen zugleich. Und das ist kein Zufall, denn der Bernhardiner zählt zu den Ahnen des Leonbergers. Der Leo, wie ihn seine Freunde nennen, ist eine junge und zugleich alte Hunderasse. Alt ist diese Rasse, weil sie bereits seit 1846 gezielt nach Standard gezüchtet wird. Der Leo zählt somit  zu den ältesten Hunderassen der modernen Rassehundezucht. Zugleich ist er eine junge Hunderasse; denn er entstand erst zu jener Zeit. Die meisten anderen Rassehunde haben eine lange Vorgeschichte und entstanden aus alten Arbeitshunde Rassen.

Der Leonberger jedoch hat eine andere, einmalige Geschichte. Zwischen 1820 und 1850 war der Bernhardiner in ganz Europa in Mode gekommen. Die Heldentaten des legendären Bernhardiners Barry am Pass des Großen St. Bernhard in den Alpen hatten eine große Wirkung. Barry hatte nachweislich mehr als 40 Menschen vor dem Schneetod bewahrt. Überall wollte man diese tollen Hunde und es waren (und sind) ja wirklich tolle Hunde.

Züchter und Händler konnten die große Nachfrage nicht decken. Zugleich wurden hohe Preise für einen Bernhardiner Welpen gezahlt. So halfen nicht wenige Hundehändler aus dem südwestdeutschen Raum kurzerhand nach. Sie paarten Bernhardiner mit sehr großen Hündinnen der Region. Die Welpen, die wie ein Bernhardiner aussahen, wurden als solche verkauft, für die anderen gab es jedoch bestenfalls ein paar Kartoffeln von einem Bauern. Hundehandel war – wie heute noch – ein lukratives Geschäft und manche verkauften hunderte Welpen im Jahr und wurden damit reich.

So wie der Leonberger Stadtrat und Hundehändler Heinrich Essig. Der kam auf eine kluge Idee und machte aus der Not eine Tugend. Er kreierte aus den Welpen, die er nicht als Bernhardiner vermarkten konnte, eine Marke. Statt sie zu verschenken, hat er die Welpen für gutes Geld verkauft. So entstand der Leonberger. Inspiriert durch den Löwen im Wappen seiner Heimatstadt bekam diese neue Hunderasse das Erscheinungsbild eines Löwen. Seine Hunde erhielten von der neidischen Konkurrenz den Spitznamen Leonhardiner. Auch in der offiziellen Hundewelt blieben diese Mischlinge lange unbeachtet. So erwähnt der damals allseits anerkannte Kynologe Ludwig Beckmann in seinem zweibändigen Werk „Die Rassen des Hundes“ von 1895 den Leonberger nicht einmal. Gesundheitlich gesehen ist eine solche genetisch heterogene Abstammung von Vorteil.

Der Leonberger sollte in jeder Hinsicht zu einem Erfolg werden. Heute zählt er zu den Urgesteinen in der Welt der Rassehunde, den kein Hundefreund missen will. Im Jahr 1895 wurde der „Internationale Klub für Leonberger Hunde“ gegründet, der die offizielle Anerkennung des Leonbergers als Rasse schnell durchsetzte. 1948 folgte dann der „Deutsche Club für Leonberger Hunde e.V.“ mit Sitz in Leonberg, der noch heute den Leonberger im VDH und weltweit vertritt. Der Leonberger hat eine einmalige, imposante und zugleich freundliche, ruhige, eine einfach souveräne Ausstrahlung. Sein Äußeres erinnert tatsächlich an einen Löwen und auch sein Wesen ist majestätisch, friedvoll und voll familientauglich.

Beschreibung

Der Leonberger ist ein eindrucksvoller Großhund mit einer Widerristhöhe bei Rüden zwischen 72 und 80 und Hündinnen zwischen 65 und 75 cm. Ein Gewicht ist nicht vorgeben. Es werden jedoch um die 80 Kilogramm sein. Der Standard beschreibt seine Erscheinung als:

Dem ursprünglichen Verwendungszweck entsprechend ist der Leonberger ein sehr großer, kräftiger, muskulöser und doch eleganter Hund. Ihn zeichnen harmonischer Körperbau und selbstbewusste Ruhe bei durchaus lebhaftem Temperament aus. Besonders der Rüde ist mächtig und kraftvoll.

Sein Fell soll mittelweich bis derb, reichlich lang, anliegend sein. Der Leo hat dabei eine kräftige Unterwolle. Die Formen seines Gebäudes sollen erkennbar sein. An Hals und Brust soll das Fell, besonders bei Rüden, eine Mähne bilden. Das Fell hat eine löwengelbe, rote, rotbraune Farbe und alle Kombinationen zwischen ihnen, aber immer mit schwarzer Maske. Zugunsten dieser Löwenoptik wurden die Erbanlagen hinsichtlich Gesundheit und Langlebigkeit vernachlässigt.

In einer von der Universität Wien veröffentlichten Untersuchung  wurden 7582 Leonberger-Würfe zwischen 1932 und 2009 ausgewertet. „Als durchschnittliches Todesalter wurde für den Leonberger ein Alter von 7,55 Jahren ermittelt.“ Im Zeitraum der Untersuchung hatte sich binnen der letzten drei Jahrzehnte die Lebenserwartung sogar um 1,5 Jahre verringert. Bei gesunder Zucht wären 10 bis 12 Jahre normal. Die Zucht hat diese Alarmzeichen erkannt und setzt damit nun wieder mehr auf Gesundheit und Verlängerung der Lebenszeit dieser tollen Hunde.

Charakter und Wesen

Das Gemüt eines Leonbergers ist fromm wie ein Lamm. Mit ihm zusammen sein zu dürfen, ist für den Menschen Entschleunigung pur. Das Wesen wird im Standard beschrieben:

Als Familienhund ist der Leonberger unter den heutigen Wohn- und Lebensbedingungen ein angenehmer Partner, der ohne Schwierigkeiten überallhin mitgenommen werden kann und der sich durch ausgesprochene Kinderfreundlichkeit auszeichnet. Er ist weder scheu noch aggressiv. Als Begleithund ist er ein angenehmer, folgsamer und furchtloser Begleiter in allen Lebenssituationen.

Zur geforderten Wesensfestigkeit gehören vor allem: Selbstsicherheit, souveräne Gelassenheit, mittleres Temperament (u.a. auch Spieltrieb), Bereitschaft zur Unterordnung, gute Lern- und Merkfähigkeit und Lärmtoleranz. Das Wesen des Leonbergers beeindruckt jeden Hundefreund.

Wer einmal Leonberger Hunde näher kennengelernt hat, ist für immer von ihnen in den Bann gezogen. Es gibt kaum etwas, das diesen Riesen aus der Fassung bringen könnte. Seine sehr hohe Reizschwelle wie stoische Gelassenheit sind der notwendige Gegenspieler seiner enormen Kraft. Diese beiden Pole charakterisieren somit das Wesen des Leonbergers. Hier und da ist er etwas dickköpfig. Da hilft nur gutes Zureden und Bitten, dann wird er für sein Herrchen oder Frauchen alles tun. Als Familienmitglied zeigt er sich jedoch ausgesprochen liebenswert. Er sucht die Nähe zu seinen Menschen. Ihnen ist er ein verlässlicher Beschützer. Der Leonberger ist ein echt cooler Typ, ein faszinierender Hund!

Haltung

Der Leonberger ist schon aufgrund seiner Größe kein leicht zu haltender Hund. Von seinem Wesen her stellt er sehr geringe Ansprüche. Ein täglicher Spaziergang, einmal in der Woche gebürstet, das war es schon. Er braucht keinen großen Garten, aber ein Garten ist schon hilfreich. Ihn nimmt er gerne in Besitz. Eine kleine Etagenwohnung im x-ten Stock wäre daher nichts für ihn. Er passt auch nicht in jedes Auto. Bedenken sollte man: Wenn er nass geworden ist, ist auch gleich das ganze Auto oder der Flur nass. Mit Hitze kann der Leo umgehen, sollte dann aber nicht gefordert werden. Kälte ist ihm allerdings lieber. Der Leonberger ist ein cooler Freund und kein Objekt für Leistungsjunkies.

Man sollte auch bedenken, dass Großhunde in unserer heutigen Gesellschaft nicht selten auf Ablehnung stoßen. Manche Menschen haben schlicht Angst vor einem Riesen wie dem Leo, selbst wenn er sich – wie bei ihm normal – vorbildlich benimmt. Auch deshalb ist von seiner Haltung in der Großstadt eher abzuraten.

Man sollte ein ausreichendes Budget haben, um viel gutes Futter und im Zweifelsfall auch den Tierarzt bezahlen zu können. Zudem sollte man vor dem Kauf bedacht haben, was zu tun ist, wenn der Hund einmal krank ist und 80 kg und mehr womöglich getragen werden müssen. Nicht zuletzt gibt es viele ganz praktische Dinge, die den Alltag tiefgreifend beeinflussen. Hier sollte man sich wirklich fachkundig machen und ehrlich in den Spiegel schauen, ob alle Voraussetzungen für ein glückliches Zusammenleben mit Leonberger Hunden vorhanden sind. Wer das bejahen kann, befindet sich in einer beneidenswerten Hundehalter-Lage. Der Leonberger ist eine Sünde wert.

Erziehung

Man sollte sich vor Augen halten, dass bei einem ausgewachsenen Leo die Leine bloß symbolisch Kontrolle darstellt. Der Leonberger hat locker die Kraft, das andere Ende der Leine beliebig zu lenken. Aber er will es nicht. Der Leonberger ist im Grunde leicht zu erziehen. Nur seinen Dickkopf muss man hier und da mit konsequenter Milde brechen. Er will Herrchen und Frauchen folgen und tut das auch sehr zuverlässig. Es ist elementare Pflicht eines Leonberger-Halters schon beim Welpen auf eine konsequente Erziehung zu achten. Denn allein diese und nicht die Leine ermöglicht die wunderbaren Spaziergänge in der Natur, die gemeinsam mit diesem coolen Vierbeiner zu Balsam für die Seele des Hektik gewohnten Menschen werden. Der große Hund darf niemals per Schläge oder Kasernenhof Methoden „erzogen“ werden. Denn das würde das genaue Gegenteil von Erziehung bewirken und in einem Desaster enden.

Pflege und Gesundheit

Die Pflege eines gesunden Leos ist unproblematisch. Einmal pro Woche das Fell bürsten reicht.

Rassetypische Krankheiten

Wie bei den meisten Großhunden sehen wir Hüft- oder Ellbogendysplasie. Osteosarkom, der häufigste Knochentumor bei Hunden, ist beim Leonberger ebenfalls besonders häufig.

Ernährung/Futter

Er braucht viel und hochwertiges Futter. Hilfreich ist ein hochgestellter Napf, um dem Risiko von Magendrehung entgegenzuwirken. Auf das Gewicht ist ebenfalls immer zu achten.

Lebenserwartung

Früher lag die Lebenserwartung eines Leonbergers bei 12, heute bei 7 – 9 Jahren. Die Zucht arbeitet daran, die natürlich mögliche Lebensdauer eines gesunden Hundes wieder zu erreichen. Sie wird hier von einem Forschungsprojekt der Tierärztlichen Hochschule Hannover begleitet.

Leonberger kaufen

Die Anschaffung eines Leos sollte langfristig und gut überlegt sein. Du solltest Genau prüfen, ob du alle Vorraussetzungen mitbringst, um gemeinsam viele schöne Jahre mit diesem Riesen verbringen zu können. Sucht du einen Welpen, so solltest du vor allem darauf achten, dass die Hunde nicht zu massig gezüchtet wurden. Frage nach den Ahnen, ihren Krankheiten, ihrem erreichten Lebensalter. Du solltest dich vor Ort bei einem Züchter umschauen, der dem Deutschen Club für Leonberger Hunde angeschlossen ist. Seriös gezüchtet kostet ein Leonberger etwa 2.000 Euro.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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