Komondor im Rasseportrait

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Komondor

Komondor

Hütehunde
Herkunft Ungarn Lebenserwartung ca. 10 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde Funktion Hütehunde
Größe Große Hunderassen Häufige Krankheiten Belastungen durch das Zottenfell
Gewicht 40-60 kg Felllänge lang
Charakter/Wesen mutig, wachsam Fellfarbe elfenbeinfarben
Besonderheiten

alte Hunderasse

Herkunft und Rassegeschichte

Der Komondor ist ein ehemaliger Hirtenhund aus Ungarn. Seine Vorfahren arbeiteten als Herdenschutzhunde und Treibhunde. Heute ist die Rasse vor allem durch das extreme Fell bekannt. Der ganze Körper samt Kopf ist dicht mit Zotten behangen. Diese bilden sich aus altem und lebendem Haar im Laufe des Erwachsenwerdens heraus und werden immer länger. Deshalb können die erwachsenen Hunde vor lauter Behang ohne Hilfe kaum sehen.

Die Beweglichkeit ist eingeschränkt, die Haut kann nicht richtig atmen und die Thermoregulation ist zumindest bei Hitze beeinträchtigt. Angeblich sollen die Hunde mit diesem Fell in der Puszta gearbeitet haben, wo es durchaus sehr heiße Sommer gibt. Zudem soll das zottige Fell vor Wolfsbissen schützen.

Diese Erklärungen halten allerdings keiner genaueren Betrachtung stand. Es gibt keine einzige weitere Herdenschutzrasse, die auch nur annähernd über einen solchen Behang verfügt. Herdenschutzhunde wie Kangal, Owtscharka oder Pyrenäenberghund, die wahrscheinlich viel intensiver mit Wölfen zu tun hatten und haben, verfügen alle über ein normales, gesundes Fell.

Auf alten Fotos und Zeichnungen sieht man die Komondorok (ungarisch Mehrzahl für Komondor) im Übrigen ausnahmslos ohne das angeblich typische Zottenfell. Auch Graf von Bylandt zeigt in seinem 2-bändigen Werk über die Hunde der Welt, das 1895 erschien und 1904 neu aufgelegt wurde, vier Fotos von erwachsenen Komondorok. Sie haben alle ein normales Fell. Als Behaarung eines Komondors wird wörtlich genannt: „Ziemlich lang, glatt, rauh, dicht und derb, manchmal gewellt, was kein Fehler ist, aber nicht wirklich gelockt.“ Also ein glattes oder gewelltes Fell, keine Andeutung von Zotten. Diese fehlen auch in den anderen älteren Beschreibungen.

Der Schweizer Kynologe Hans Räber vermutet in seiner „Enzyklopädie der Rassehunde“, dass Komondor wie Kuvacz nach 1900 aus diesen ursprünglichen Hunden herausgezüchtet wurden. Wahrscheinlich hat man einen Gendefekt, der die Zotten hervorruft, züchterisch kultiviert. Für die gemeinsame Abstammung von Komondor und Kuvacz sprechen auch die Ergebnisse einer umfassenden Gen-Analyse über mehr als 100 Hunderassen mit mehr als 13.000 Hunden durch ein Team von Genetikern um Heidi Parker. Diese sieht eine ganz enge genetische Verwandtschaft von Komondor und Kuvacz; allerdings keinerlei Nähe zu asiatischen Hunden, von denen der Komondor angeblich abstammen soll. 1954 wurde der Komondor offiziell von der Fédération Cynologique Internationale anerkannt. In Deutschland wird er vom Klub für Ungarische Hirtenhunde im VDH betreut, wo etwa ein Dutzend Welpen jedes Jahr registriert werden.

Beschreibung

Der Komondor ist ein großer Hund, der sofort durch sein üppiges Haarkleid ins Auge sticht. Das ursprünglich normale mittellange Fell wurde durch ein extremes Zottenfell als typisches Merkmal dieses ehemaligen Hirtenhundes ersetzt. Auf alten Abbildungen jedoch wird die Rasse durchweg mit einem normalen Fell gezeigt, mittellang, mit mäßig behaartem Kopf und insbesondere mit freien Augen. Der offizielle Standard beschreibt sein Äußeres:

Der Komondor ist groß gewachsen und kräftig gebaut. Die gewinnende äußere Erscheinung und die würdevolle Haltung wecken im  Beobachter Ehrfurcht, eventuell auch Angst. Er ist von Natur nicht einschmeichelnd. Der robuste Körper ist mit verfilztem, zottigem, durchwegs dichtem, langem Haar bedeckt. Der Körper bildet von der Seite gesehen ein vom Quadrat geringfügig abweichendes, liegendes Rechteck. Der dicht behaarte Kopf überragt den Körper.

Als Fellfarbe ist elfenbeinfarben vorgeschrieben. Die Rute wird hängend getragen. Rüden sollen eine Widerristhöhe von mindestens 70 Zentimetern vorweisen, Hündinnen von mindestens 65 cm. Als Gewicht werden dabei für Rüden 50 bis 60 Kilogramm und für Hündinnen 40 bis 50 Kilogramm vorgeschrieben.

Charakter und Wesen

Der Komondor ist im Kern seines Wesens immer noch ein Hirtenhund, genauer ein Herdenschutzhund. Seine auf den ersten Blick etwas behäbige Erscheinung kann täuschen. Denn der Komondor kann blitzschnell sein, enorme Energie und dabei große Lebensfreude entwickeln. Heute wird er kaum noch in der Hüte- oder Treibarbeit eingesetzt, da er aufgrund seines extremen Fells diese Arbeit nicht mehr machen könnte.

Deshalb wird die Rasse schon lange nur noch als Begleithund gezüchtet. Das muss kein Nachteil sein. Er findet sich vielmehr uneingeschränkt in seine heutige Rolle als Familienhund ein. Heute behütet er seine Menschenfamilie im besten Sinne. Bei aller Friedfertigkeit weiß er jedoch im Zweifelsfall, seine Familie zu beschützen. Der offizielle Standard beschreibt sein Wesen:

Er ist von unerschütterlicher Tapferkeit  bei der Bewachung  und der Verteidigung der ihm anvertrauten Viehherde, seines Besitzes und des Hauses seiner Herren. Er greift lautlos und verwegen an und betrachtet sein Revier als ihm gehörend, in dem er kein fremdes Lebewesen duldet. Seine Grundhaltung ist misstrauisch. Tagsüber liegt er gerne so, dass er sein Areal kontrollieren kann. Während der Nacht ist er ständig in Bewegung.

Haltung

Der Komondor ist von seinem Charakter her ein bewegungsfreudiger Hund. Er will die Einbindung in die Familie und kann sich in diese auch anstandslos einordnen, fachkundige Erziehung vorausgesetzt. Der Komondor kann ein liebevolles Mitglied der Familie und toller Partner für Kinder sein. Der Komondor ist sehr wachsam und bellt gerne. Er fordert seine Halter nicht, will aber regelmäßige Beschäftigung. Denn hat er zuviel Langeweile, kann er seine Energie am Mobiliar auspowern.

Der Komondor benimmt sich auf Reisen anstandslos. Auch im Restaurant oder Hotel benimmt er sich vorbildlich. Es sollte aber nicht zu heiß sein. Zudem ist ein so großer Hund mit soviel Fell nicht überall gern gesehen. Die Hunderasse braucht extrem viel Fellpflege. Man muss ständig auf der Hut sein, dass es nicht allzu sehr verschmutz. So ist man in seiner Bewegungsfreiheit in der Natur eingeschränkt. Wenn das Fell einmal nass geworden ist, braucht es aufgrund der dichten weichen Unterwolle nicht selten Tage, um zu trocknen. Insgesamt ist die Fellpflege die größte Herausforderung eines Komondor-Halters.

Erziehung

Der Komondor lässt sich gut erziehen, ist aber kein Hund, der nur auf Befehle wartet, um sie dann umgehend auszuführen. Er ist offen und ehrlich und arbeitet gerne mit Herrchen und Frauchen zusammen. Aber er ist eigenständig und zuweilen etwas stur. Die Kunst liegt darin, das richtige Maß an Konsequenz und Führung zu finden. Die entscheidende Grundlage ist deshalb immer eine enge emotionale und vertrauensvolle gegenseitige Bindung. Er hat einen starken Charakter, ist dabei friedfertig mit einer sehr hohen Reizschwelle für Aggressivität. Das macht es Herrchen und Frauchen leicht, diesen kräftigen Hund zu führen.

Pflege und Gesundheit

Ein Komondor braucht aufgrund seines extremen Zottenfells eine höchst intensive Pflege.

Rassetypische Krankheiten

Das extreme Zottenfell ist eine Belastung für die Lebensqualität der Hunde und sollte unter Tierschutzaspekten abgelehnt werden.

Ernährung

Ein Komondor ist in seiner Ernährung unproblematisch. 

Lebenserwartung

Ein Komondor hat nach einer Statistik des britischen Kennel Clubs eine durchschnittliche Lebenserwartung von 9 Jahren und 2 Monaten.

Komdondor kaufen

Wenn du dich für einen Komondor Welpen interessierst, solltest du darauf eingestellt sein, dass das Zottenfell einerseits einen sehr hohen Pflegeaufwand mit sich bringt und zum anderen weitgehende Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit bedeutet. Deshalb solltest du nach einem Züchter suchen, der seine Hunde nicht allzu sehr auf extreme Äußerlichkeiten und Championate im Ausstellungswesen orientiert. Welpen dieser Hunderasse kosten ca. 1.500 Euro.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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