Hund vegetarisch ernähren

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HUnd vegetarisch ernähren

Die Anzahl der Menschen, die sich vegetarisch ernähren, wächst kontinuierlich. Doch kann man auch einen Hund vegetarisch ernähren? In den meisten Fällen durchaus, denn Hunde haben sich im Laufe der Domestikation auf die Verwertung pflanzlicher Kost eingestellt. Dennoch ist eine vegetarische Ernährung des Hundes nicht in jedem Fall empfehlenswert.

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Kann man einen Hund vegetarisch ernähren?

Die Meinungen bezüglich einer vegetarischen Ernährung beim Hund sind oft vorgefertigt. Bei vielen gilt er – als Nachfahre des Wolfs – immer noch als typischer Fleischfresser. Zwar wird er in dieser Gruppe weiterhin geführt, doch inzwischen wäre es passender, ihn als Allesfresser zu bezeichnen. Denn in den vielen tausend Jahren des Zusammenlebens mit uns Menschen bestand sein Futter keineswegs nur aus Fleisch. Wer überleben wollte, musste auch mit Speiseresten, altem Brot, Kartoffeln und Getreideprodukten klarkommen.

Schwedische Forscher konnten nachweisen, dass sich der Verdauungsapparat des Hundes darauf eingestellt hat. Hunde können Getreidestärke aufgrund bestimmter Enzyme deutlich besser verstoffwechseln als Wölfe. Von daher ist es grundsätzlich durchaus möglich, einen Hund vegetarisch zu ernähren. Es bedarf allerdings eines umfangreichen Wissens, um Hunde mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.

Gründe, seinen Hund vegetarisch zu ernähren

Die Klimakrise und Massentierhaltung sind in aller Munde. Dies hat dazu geführt, dass viele Menschen ihren Fleischkonsum deutlich eingrenzen oder im Zuge einer vegetarischen Ernährung völlig einstellen. Der größte Fleischverzehrer im Haushalt ist jedoch zumeist der Hund.

Vor allem Vegetariern stellt sich daher die Frage, ob sie zur Verbesserung der Nutztierhaltung und des Klimas nicht auch ihren Hund mit einem vegetarischen Futter ernähren können. Das würde den CO2-Pfotenabdruck von Hunden deutlich verbessern. Mit dem entsprechenden Fachwissen ist dies möglich und kann zudem bei einer Futtermittelallergie oder Unverträglichkeit sogar die Lösung des Problems darstellen.

Gründe, seinen Hund nicht vegetarisch zu ernähren

Auch wenn Hunde als Allesfresser bezeichnet werden können, so liegt ihr Fokus auf Fleisch. Daraus beziehen sie vielerlei lebensnotwendig Nährstoffe. Diese können zwar zum größten Teil auch anderweitig zur Verfügung gestellt werden, jedoch nicht immer in der gleichen Wertigkeit. Bei einem gesunden erwachsenen Hund kann dies ohne weiteres ausreichen, doch in bestimmten Lebenssituationen erweist sich das als schwierig.

Gemeint sind Lebensphasen, in denen ein erhöhter Energie- bzw. Nährstoffbedarf besteht. Das ist zum Beispiel der Fall:

  • in der Wachstumsphase
  • bei trächtigen und säugenden Hündinnen
  • bei sportlich stark beanspruchten Hunden
  • bei erkrankten Tieren

Hierfür bieten viele Futterhersteller nicht umsonst spezielles Futter an, das auf die erhöhten Ansprüche eingeht. Ein vegetarisches Hundefutter kann in diesen Situationen an seine Grenzen stoßen. Davon abgesehen kann aber auch nicht jeder gesunde erwachsene Hund vegetarisch oder gar vegan ernährt werden. Bei manchen klappt dies, bei anderen aufgrund individueller oder rassespezifischer Zusammenhänge nicht.

Ist eine vegetarische Ernährung artgerecht und gesund?

Um einen Hund gesund zu ernähren, muss sein Nährstoffbedarf an Proteinen, Fetten, Ölen, Kohlenhydraten, Mineralstoffen und Vitaminen gedeckt sein. Mit Hilfe welcher Nahrungsmittel dies geschieht, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass die Versorgung gewährleistet ist.

Bei veganer Ernährung stellt dies eine hohe Anforderung dar, bei vegetarischer ist dies ein wenig einfacher. Das liegt daran, dass zwar in beiden Fällen kein Fleisch als Nahrung in Frage kommt, vegetarisches Hundefutter darf jedoch tierische Produkte in Form von Eiern, Quark oder anderer Milchprodukte enthalten. Das macht die Nährstoffversorgung auf der einen Seite einfacher, doch nicht bei jedem Hund ist garantiert, dass er diese Produkte verträgt.

Es lässt sich daher nicht pauschal sagen, dass eine vegetarische Ernährung des Hundes artgerecht und gesund ist. Für die einen trifft dies zu, bei anderen wiederum nicht. Wichtig ist, sie dem Hund nicht aufzuzwängen, weil die eigene Vorstellung sich diesen Weg wünscht. Verträgt er vegetarisches Futter nicht oder kann er mit diesem nicht vollumfänglich ernährt werden, sollte zumindest teilweise Fleisch auf dem Speiseplan stehen.

Wie ernähre ich meinen Hund vegetarisch?

Ohne fundiertes Fachwissen solltest du nicht selbst den Kochlöffel schwingen und für deinen Hund vegetarisch kochen. Welche Folgen dies haben kann, sehen Tierärzte immer wieder bei Hunden, die gebarft werden, also hauptsächlich rohes Fleisch enthalten. Sehr schnell kann es hierbei zu einer Mangelernährung kommen, obwohl – oder gerade weil – Fleisch der Hauptbestandteil der Nahrung darstellt.

Dieses allein genügt nicht, um Hunde mit allen lebenswichtigen Nährstoffen zu versorgen. Nicht minder ist diese Gefahr bei einer vegetarischen Ernährung. Wer selbst kochen möchte, sollte mit Unterstützung eines erfahrenen Tierarztes einen Ernährungsplan erstellen und regelmäßig Checks beim Hund durchführen lassen.

Als Zutaten für die vegetarische Küche kommen unter anderem Kürbis, Kartoffeln, Linsen, Bohnen, Erbsen, Spinat, Eier und Quark in Frage. Darüber hinaus dienen pflanzliche und tierische Öle sowie Kräuter, Vitamin- und Mineralstoffpulver als Ergänzung für eine artgerechte Ernährung.

Tipp: Statt selbst zu kochen, ist es wesentlich unkomplizierter, wenn du auf ein hochwertiges vegetarisches Hundefutter zurückgreifst. Aber auch dann solltest du deinen Hund beobachten, ob es zu Futterverweigerung, Schlappheit, Verdauungs- oder Fellproblemen kommt. Sie können ein Anzeichen dafür sein, dass der Hund das vegetarische Futter nur bedingt verträgt. Mische es anfänglich lediglich zu einem kleinen Teil unter das bisherige Hundefutter und steigere den Anteil sehr langsam. Solltest du dir unsicher sein, sprich bitte mit deinem Tierarzt.

Ist eine vegetarische Ernährung gut für die Umwelt?

Für die Produktion von Fleisch wird eine unverhältnismäßig große Menge an Ressourcen benötigt. Etwa die Hälfte aller durch die Lebensmittelproduktion entstandenen Treibhausgasemissionen stammen von tierischen Produkten. Es braucht ein Vielfaches an Wasser und Land, um Nutztiere zu ernähren und aus ihnen Fleisch zu gewinnen im Vergleich zum Anbau von pflanzlicher Nahrung.

Schon die Reduzierung des Fleischanteils in Hundefutter um ein Viertel, die vermehrte Nutzung von Innereien und ein geringerer Anteil an purem Muskelfleisch könnte die CO2-Emmision um 50 Prozent reduzieren. Bei rein vegetarischer Ernährung erhöht sich dieser Wert nochmals deutlich.

Kann vegetarische Ernährung bei Allergien helfen?

Eine vegetarische Ernährung kann in bestimmten Fällen hilfreich bei einer Allergie sein. Allerdings sollte man wissen, dass Allergien eine Vielzahl von Ursachen zu Grunde liegen kann. Zumeist sind Umweltreize und Parasiten dafür verantwortlich.

Erst an dritter Stelle folgen Futtermittelallergien. Innerhalb dieser können Auslöser für eine Allergie unter anderem tierische sowie pflanzliche Proteine sein. Stellt sich heraus, dass eine bestimmte Fleischsorte der Verursacher ist, könnte sowohl der Umstieg auf eine andere Sorte wie auch auf rein vegetarische Ernährung die Probleme beheben.

Welche Studien gibt es über vegetarische Hundeernährung?

2013 veröffentlichten schwedische Wissenschaftler der Universität Uppsala eine Studie, die die DNA-Unterschiede von Wölfen und Hunden aufzeigte. Sie entdeckten 122 Gene, die sich von der DNA von Wölfen unterscheiden. Darunter befindet sich auch das Verdauungsenzym „Amylase“. Dieses ermöglicht die Verdauung und Verstoffwechslung von Stärke aus pflanzlichen Nahrungsmitteln. Es stellte sich heraus, dass Hunde diesbezüglich deutlich besser aufgestellt sind. Ihr Verdauungsapparat hat sich während der Domestikation an ein vielfältiges Nahrungsangebot angepasst, das sich durch die unterschiedlichen Speisereste des Menschen ergab.

Das zeigte auch eine bereits im Jahr 1999 durchgeführte Studie: Hierbei wurde die Verdaulichkeit von Gerste, Mais, Hirse, Weizen, Reis und Kartoffeln untersucht. Sie lag bei überraschenden 99 Prozent. Die getesteten Hunde konnten die Stärke also fast vollständig verdauen. Bei einer umsichtigen Zusammenstellung sind die Voraussetzungen daher sehr gut, dass ein Hund artgerecht mit einem vegetarischen Futter ernährt werden kann.


Thomas BrodmannThomas Brodmann Seit über 20 Jahren als freier Journalist und Tierfotograf tätig. Thomas schrieb bereits für zahlreiche bekannte Tiermagazine und veröffentlichte 2017 sein Buch "Unser Hund fit und gesund", in dem er wertvolle Tipps rund um die Ernährung und Gesundheit von Hunden gibt.


Quellen

  • Murray et al. (1999): Evaluation of selected high-starch flours as ingredients in canine diets
  • Kiemer, L.A. (2020): Vegan diet and its effects on the dog’s health
  • Erik Axelsson (2013): The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet
  • Andrew Knight (2022): Vegan versus meat-based dog food
  • Cathérine Simon (2016): Immer mehr Hunde reagieren allergisch auf Fleisch
  • PETA: Studie über den Gesundheitszustand vegetarisch ernährter Hunde
  • Deutscher TierschutzbundSemp (2014): Vegan nutrition of dogs and cats
  • Niels Jungbluth (2019): Ökobilanz von Pferden und anderen Haustieren

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