Hund vegan ernähren

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Hund vegan ernähren

Es gibt immer mehr Menschen, die sich vegan ernähren. Doch kann man auch seinen Hund vegan ernähren? Einst waren sie echte Fleischfresser, aber im Laufe der Domestikation verwandelten sie sich zum Allesfresser. Sie können sehr gut Nährstoffe aus pflanzlicher Nahrung erschließen. Dennoch ist eine vegane Ernährung nicht immer zu empfehlen. Wir wägen im Folgenden ab, wie sinnvoll eine vegane Ernährung für Hunde ist.

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Gründe, seinen Hund vegan zu ernähren

Klimakrise, Treibhausgase, Massentierhaltung, Allergien und Unverträglichkeiten haben dazu geführt, dass eine zunehmende Anzahl von Menschen auf eine vegane Ernährung umgestiegen ist. Da ist es naheliegend, sich auch über die Ernährung seines Hundes Gedanken zu machen. Denn er ist es, der oftmals am meisten Fleisch in der Familie vertilgt und so für einen nicht unerheblichen CO2-Pfotenabdruck sorgt.

Wer einen Beitrag für weniger Tierleid und ein besseres Klima leisten möchte, hat verständlicherweise Interesse daran, dies auch bei der Fütterung seines Hundes zu berücksichtigen.

Selbiges gilt, wenn Hunde an Futtermittelallergien oder Unverträglichkeiten leiden. Hierfür ist keineswegs Getreide der Hauptgrund. Ebenso kommen tierische Proteine in Frage, die eine komplette Futterumstellung auf eine vegane Ernährung notwendig machen können.

Gründe, seinen Hund nicht vegan zu ernähren

Ob Mensch oder Tier – für eine gesunde Ernährung ist weniger entscheidend, was wir speziell essen, sondern welche Nährstoffe sich darin befinden. Hunde haben einen genau definierten Anspruch unterschiedlicher Nährstoffe. Ein hochwertiges Hundefutter versucht diesen bestmöglich zu erfüllen. Dies gelingt allerdings nicht mit nur einem einzigen Futter.

Das ist der Grund dafür, weshalb es unter anderem Welpenfutter, Adult-, Senior-, Diät- oder Sensitiv-Hundefutter gibt. Jedes ist optimiert auf die individuellen Ansprüche. Besonders hoch sind diese bei Welpen, säugenden Hündinnen und sportlich beanspruchten Hunden. Da veganes Futter bei der Erfüllung dieser Nährstoffansprüche an seine Grenzen kommen kann, ist eine vegetarische und/oder (teilweise) fleischliche Ernährung zu bevorzugen.

Selbiges kann auch für jeden anderen Hund gelten, denn jede Rasse und jedes Tier reagiert unterschiedlich auf eine Futterumstellung. Ob du deinen Hund zufriedenstellend vegan ernähren kannst, kann daher nicht pauschal beantwortet werden.

Welche Vorurteile gibt es bezüglich veganer Hundeernährung?

Seinen Hund vegan zu ernähren, stößt bei vielen Hundehaltern auf strikte Ablehnung. Dies sind typische Gründe dafür:

Hunde sind Fleischfresser

Unsere Hunde stammen vom Wolf ab. Bei ihm handelt es sich um einen klassischen Fleischfresser. Doch im Gegensatz zu ihm, fand beim Hund in der nunmehr bereits mehrere tausend Jahre andauernden Domestikation eine Ernährungsanpassung statt. Der Grund ist ganz einfach. Fleisch stand bei ihnen nur bedingt auf dem Speiseplan. Stattdessen erhielten sie von unseren Vorfahrendie unterschiedlichsten Essensreste. Darauf hat sich ihr Verdauungssystem mit entsprechenden Enzymen eingestellt und ist nunmehr weit besser in der Lage, pflanzliche Nahrung als Nährstofflieferant zu nutzen, als dies bei Wölfen der Fall ist.

Barfen ist gesünder als vegane Ernährung

Leider stellen Tierärzte häufig fest, dass bei gebarften Hunden Nährstoffmängel vorliegen. Dies zeigt, dass eine Ernährung mit Schwerpunkt Fleisch keineswegs eine zuverlässige Nährstoffversorgung mit sich bringt. Nur wer sich intensiv mit den Ansprüchen auseinandersetzt, idealerweise mit einem Ernährungsexperten einen Futterplan erstellt und regelmäßig Untersuchungen beim Tierarzt durchführt, kann sich beim Barfen sicher fühlen. Nicht anders ist dies bei einer veganen Ernährung des Hundes der Fall. Diese birgt dieselben Gefahren!

Der Darm des Hundes ist zu kurz

Tatsächlich ist der Darm des Hundes mit seiner früheren Auslegung als Fleischfresser kürzer als bei Pflanzenfressern. Der Grund hierfür ist, dass Fleisch schneller verwertet werden kann als pflanzliche Nahrung. Dies gilt allerdings nur im Vergleich zu unbehandeltem Gemüse, Getreide oder Obst. Als Rohkost sind diese oft nur ein ungenügender Nährstofflieferant, zerkleinert und/oder gekocht sieht dies dagegen ganz anders aus!

Ist eine vegane Ernährung des Hundes artgerecht und gesund?

Bei Katzen sind sich so gut wie alle Ernährungswissenschaftler einig: Eine vegane Ernährung ist nicht artgerecht. Bei Hunden gehen die Meinungen deutlich auseinander und die Ansichten ändern sich zunehmen. Während dies vor ein paar Jahren noch verpönt war, haben Klimakrise und Massentierhaltung dazu geführt, die Sache differenzierter zu betrachten und zu überprüfen.

Die University of Winchester und Griffith veröffentlichten im Jahr 2022 eine gemeinsam durchgeführte Studie, die sie an 2600 Hunden durchgeführt hatten. Leider war die Verteilung mit 13 Prozent veganer, 33 Prozent Barf- und 54 Prozent konventioneller Ernährung nicht einheitlich. Zudem soll auch die Altersverteilung nicht hundertprozentig vergleichbar gewesen sein.

Dennoch lässt das Ergebnis aufhorchen: Die Hunde wurden auf 22 spezifische Gesundheitsstörungen untersucht. Die wenigsten Erkrankungen wiesen mit 36 Prozent vegan ernährte Hunde auf. Es folgten gebarfte Hunde mit 43 Prozent, vor konventionell ernährten mit 49 Prozent. Man kann also keinesfalls pauschal sagen, eine vegane Ernährung des Hundes sei nicht artgerecht.

Wie kann ich meinen Hund vegan ernähren?

Es besteht die Möglichkeit, für den Hund vegan zu kochen, doch dies bedarf eines umfangreichen Wissens. Der Nährstoffbedarf des Hundes ist in Bezug auf Proteine, Fette, Öle, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe sehr umfangreich. Ohne Fachwissen ist eine Mangelernährung vorprogrammiert.

Viele lebensnotwendige Nährstoffe befinden sich in Fleisch bzw. tierischen Produkten. Eine vegetarische Ernährung lässt unter anderem die Verwendung von Eiern, Quark und Käse zu, eine vegane schließt aber selbst diese Zutaten aus. Übrig bleiben ausnahmslos pflanzliche Bestanteile wie Hirse, Kürbis, Hafer, Linsen, Dinkel, Bohnen, Erbsen, Karotten, Spinat, Kartoffeln, Reis, Chiasamen, Pastinaken und verschiedene Obstsorten.

Erweitert werden kann der Speiseplan durch Öle, Kräuter und Mineral- sowie Vitaminpulver. Mit entsprechendem Fachwissen und einer regelmäßigen Überprüfung der Blutwerte ist es möglich, den Hund durch eigenes Kochen artgerecht vegan zu ernähren. Weniger umständlich und mit weniger Risiko behaftet ist es, wenn du dich für ein hochwertiges veganes Hundefutter entschließt, das eine optimale Nährstoffzusammensetzung aufweist.

Welche Unterschiede gibt es bei der Ernährung von Hunden?

Welpen haben einen vergleichsweise hohen Energiebedarf. Dieser hängt mit ihrem Wachstum und dem ausgelassenen Spiel zusammen. Welpenfutter ist daher protein- und fettreicher als ein Futter für erwachsene Hunde. Da die biologische Wertigkeit pflanzlicher Proteine an tierische nicht immer herankommt, stellt eine vegane Ernährung von Welpen eine große Herausforderung dar. Im Sinne einer bedarfsgerechten Rundumversorgung wird daher bei Welpen von einer veganen Ernährung abgeraten.

Selbiges gilt auch für trächtige und säugende Hündinnen, ebenso wie für sportlich stark beanspruchte Tiere. Außerdem sollte in bestimmten Situationen Rücksicht auf Senioren und kranke Hunde genommen werden. Haben sie beispielsweise nur eingeschränkten Appetit, so muss mit einer kleinen Futtermenge ihr kompletter Nährstoffbedarf gedeckt werden, was mit veganem Futter schwieriger zu bewerkstelligen ist.

Zur Sicherheit solltest du immer einen Tierarzt konsultieren, der sich mit Ernährungsfragen gut auskennt und dich unterstützen kann.

Worauf sollte ich achten, wenn ich meinen Hund vegan ernähren möchte?

Eine gemeinsame Studie der Universitäten Winchester und Griffith hat gezeigt, dass vegan ernährte Hunde nicht zwingend krankheitsanfälliger sind als andere. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die vegane Ernährungsform mit nur 13 Prozent der Probanden in der Minderzahl war und es sich nicht um eine Langzeitstudie handelte. Die zirka 2600 Hunde standen lediglich für etwas mehr als ein Jahr unter Beobachtung.

Nichtsdestotrotz macht die Studie vielen Hundehaltern Hoffnung, die sich selbst bereits vegan ernähren und dies nach Möglichkeit auch für ihren Hund umsetzen möchten. Empfehlenswert ist es, dies zuerst mit einem fundierten Tierarzt zu besprechen. Er kann dir sagen, wie der Gesundheitszustand deines Hundes ist und ob er veganes Futter für vertretbar hält.

Spricht aufgrund der konstitutionellen Verfassung deines Hundes nichts gegen eine vegane Ernährung, solltest du den Übergang extrem langsam umsetzen. Mische lediglich eine kleine Menge unter das übliche Futter und steigere den Anteil in den nächsten Wochen auf etwa 50 Prozent. Besprich dich mit deinem Tierarzt, wann eine Zwischenkontrolle sinnvoll ist. Diese solltest du abwarten, bevor du eine weitere Erhöhung vornimmst.

Achte stets auch selbst auf Veränderungen bei deinem Hund:

  • Ist er fit wie eh und je?
  • Funktioniert die Verdauung?
  • Frisst er gerne und gut?
  • Zeigen sich Haut- oder Fellprobleme?

Kann vegane Ernährung bei Allergien hilfreich sein?

Für eine Allergie kommen zahlreiche Gründe in Frage. Auslöser sind vor allem Umweltreize und Parasiten. Erst an dritter Stelle stehen Allergien durch Futtermittelbestandteile. Hier wiederum ist nicht etwa Getreide der Hauptauslöser, sondern häufig eine bestimmte Fleischsorte für eine allergische Reaktion verantwortlich. Zumeist handelt es sich um ein spezielles Protein, das in Verbindung mit einer bestimmten Tierart steht.

Kann dieses identifiziert werden, kann ein Umstieg auf eine andere Fleischsorte das Problem lösen. Manchmal gestaltet sich dieser Prozess sehr langwierig und schwierig. Kristallisiert sich heraus, dass tierische Proteine der Auslöser zu sein scheinen, kann durchaus ein Umstieg auf eine vegane Ernährung die erhoffte Lösung darstellen.


Thomas BrodmannThomas Brodmann Seit über 20 Jahren als freier Journalist und Tierfotograf tätig. Thomas schrieb bereits für zahlreiche bekannte Tiermagazine und veröffentlichte 2017 sein Buch "Unser Hund fit und gesund", in dem er wertvolle Tipps rund um die Ernährung und Gesundheit von Hunden gibt.


Quellen

  • Murray et al. (1999): Evaluation of selected high-starch flours as ingredients in canine diets
  • Kiemer, L.A. (2020): Vegan diet and its effects on the dog’s health
  • Erik Axelsson (2013): The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet
  • Andrew Knight (2022): Vegan versus meat-based dog food
  • Cathérine Simon (2016): Immer mehr Hunde reagieren allergisch auf Fleisch
  • PETA: Studie über den Gesundheitszustand vegetarisch ernährter Hunde
  • Deutscher TierschutzbundSemp (2014): Vegan nutrition of dogs and cats
  • Niels Jungbluth (2019): Ökobilanz von Pferden und anderen Haustieren

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