Deerhound im Rasseportrait

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Deerhound

Deerhound

Familienhunde
Herkunft Schottland Lebenserwartung unbestimmt
FCI-Standard FCI Gruppe 10: Windhunde Funktion Familienhunde
Größe Große Hunderassen Häufige Krankheiten Keine
Gewicht 36 - 46 KG Felllänge rauhaar, struppig
Charakter/Wesen Sichtjäger und sanfter Freund Fellfarbe dunkles blaugrau, grau oder gestromt, gelb
Besonderheiten

keine

1.Herkunft und Rassegeschichte

Der Deerhound oder Scottish Deerhound gehört zu den ältesten und edelsten Hunderassen der Welt. Er ist ein imposanter Wind- und Jagdhund. Zusammen mit seinem Cousin, dem etwas größeren Irish Wolfhound, zeigt er einen unverwechselbaren, stark beeindruckenden Hundetyp. Er hat den Körperbau eines großen, sehr kräftigen Greyhounds und zugleich ein raues, struppiges Fell.

Wie sein Name schon andeutet, war er der Jagdhund des schottischen Hochadels auf Rotwild. Der Deerhound musste stets schnell, mutig und kräftig genug sein, um einen ausgewachsenen Hirschen anzugreifen und zumindest solange zu stellen, bis der Jäger ihm mit der Lanze erlegte. Der Deerhound jagte für den Hochadel auch anderes Wild, wie Elche oder Wildschweine. Die Jagden erfolgten in den rauen schottischen Highlands. Die Hunde mussten schnell, stark, ausdauernd und zugleich ausgesprochen robust und widerstandskräftig sein. So wurden sie später auch zur Ausrottung der Wölfe eingesetzt.

Neue Schusswaffen ermöglichten es, Hirsche problemlos vom Weitem zu erlegen. Mit dem Niedergang der klassischen Jagd des Hochadels und den neuen Waffen, verlor der Deerhound an Bedeutung und ging schließlich fast verloren. Britische Hundefreunde, wie der große Maler Edwin Landseer, engagierten sich nach 1800 für seinen Erhalt. Das gelang glücklicherweise sehr gut.

Ein Team von Genetikern um Heidi Parker untermauern, in genetischen Studien, aus dem Jahr 2017, dass der Deerhound eng mit dem Irischen Wolfhound verwandt ist.  Noch heute strahlt der Deerhound alleine durch seine Erscheinung, die Verhältnisse des Altertums und Mittelalters in den Highlands aus.

Es gibt kaum beeindruckendere Hunde. In Deutschland erschienen sie erstmals in den 1920er Jahren, verschwanden dann aber wieder. Seit den 1970er Jahren haben sie auch in Deutschland einen festen Platz gefunden. Der Deutsche Windhundzucht- und Rennverband betreut diese Windhunde und ermöglicht ihnen, ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Coursing, nachzugehen. Zwischen 60 und 100 Welpen fallen im Jahr unter dem Dach des VDH.

2. Beschreibung

Der Deerhound hat den typischen Körperbau eines großen Windhundes. Darüber trägt er sein markantes, raues, drahtiges, nässeabweisendes Haarkleid.

Der offizielle Standard beschreibt seine Erscheinung wie folgt:

„Der Deerhound ähnelt einem rauhaarigen Greyhound von größeren Ausmaßen und stärkerem Knochenbau. Der Körperbau ruft den Eindruck einer einzigartigen Kombination von Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer hervor, die erforderlich sind, um einen Hirsch niederzureißen; dennoch ist seine allgemeine Haltung von edler Würde geprägt.“

Mit einer Widerristhöhe ab 71 Zentimetern bei Hündinnen und 79 bei Rüden haben sie ein beeindruckendes Auftreten. Hündinnen sollen etwa 36, Rüden etwa 45 Kilogramm auf die Waage bringen. Ansonsten gilt zum Haarkleid:

„Struppig, aber nicht übermäßig viel Haar. Wolliges Haar nicht zulässig. Das korrekte Haarkleid ist dicht, anliegend, zottig, fühlt sich harsch oder steif an. An Rumpf, Hals und Hinterhand harsch und drahtig, etwa 7-10 cm lang; an Kopf, Brust und Bauch viel weicher. Leichte Haarfranse an der Innenseite der Vorder- und Hinterläufe.“

Er soll etwa 7 bis 10 Zentimeter lang sein. An Farben sind dunkles blaugrau, grau oder gestromt und gelb erlaubt. Weiße Stellen sind unerwünscht. Leider hat sich auf den Ausstellungen eingebürgert, dass die Hunde mindestens 10% zusätzliche Widerristhöhe zeigen sollen. Eine solche Tendenz zum Gigantismus schadet der Gesundheit der Hunde und macht die schwierige Wachstumsphase noch schwieriger.

3. Charakter und Wesen

Der Deerhound ist Wind- und Jagdhund. Aber er ist noch viel mehr. Er ist ein feinfühliger Freund, der unbedingt den engen Anschluss an seine menschliche Familie braucht. Er zeigt ein hohes Einfühlungs- und Anpassungsvermögen an seine Menschen. Dieser so starke und schnelle Jäger, ist seinen Menschen gegenüber äußerst sanftmütig, gelassen und frei von jeder Aggressivität – was für eine Faszination. Er ist liebenswürdig und geduldig mit Kindern. Dabei zeigt er immer einen gewissen Stolz. Wegen seiner Intelligenz und Feinfühligkeit merkt er jede ungerechte Behandlung. Das tut ihm weh.

Der Deerhound ist ein äußerst angenehmer Begleiter und gut zu führen. Beim Reitsport oder Joggen ist er ebenfalls ein idealer Begleiter. Angesichts seiner jagdlichen Veranlagung, setzt das eine gute Erziehung und enge Bindung an sein Herrchen oder Frauchen voraus, die ihn jederzeit abrufen können sollten.

Mit diesen Hunden durch die Natur zu ziehen, ist ein unvergleichbares Erlebnis. Ein Deerhound, der seine natürlichen Anlagen zum Laufen ausleben kann, ist ein hervorragender Begleiter und Familienhund. Für ein harmonisches Zusammenleben ist es deswegen wichtig, dass der der Deerhound seinen elementaren Bedürfnissen nachkommen kann. Dazu zählt eben das Laufen, idealerweise das Jagen nach einer Hasenattrappe beim Coursing.

Der offizielle Standard beschreibt seinen Charakter wie folgt:

„Sanft und freundlich. Gehorsam und leicht zu erziehen, da er bestrebt ist, zu gefallen. Fügsam und ausgeglichen, niemals misstrauisch, aggressiv oder scheu. Zeigt sich mit ruhiger Würde.“

4. Haltung

Die größte Herausforderung in der Haltung eines Deerhounds ist die Wachstumsphase. Hierfür bedarf es unbedingt fachkundiger Begleitung, um ihn körperlich nicht zu über- und unterfordern und die Menge und Qualität seines Futters richtig zu bestimmen. Ist diese Phase gemeistert, so zeigt sich der große Windhund als ausgesprochen robust und anpassungsfähig.

Er kann in einer Wohnung, wie auch draußen gehalten werden. Unbedingte Voraussetzungen sind dabei:

  • Er braucht den engen Anschluss an seine Menschen
  • regelmäßiger Auslauf

Wenn du seinen Bedürfnissen als Windhund, der eben täglich laufen will, nachkommen kannst und du dich auf sein spezielles Wesen einlassen willst,  erlebst du ein wundervolles, einmaliges, herrliches Stück der jahrtausend alten Partnerschaft von Mensch und Hund. Zudem kannst du dich an der urigen Eleganz und der enormen Schnelligkeit deines Deerhounds erfreuen.

Suche hierbei unbedingt den Anschluss an den Deutschen Windhundzucht- und Rennverband, der auch artgerechte Möglichkeiten zum Bewegen, speziell zum Coursing, bietet. Idealerweise ist der Windhundesport für dich eine Leidenschaft oder wird dazu. Wenn du die Möglichkeit hast, artgerecht mit einem oder mehreren Deerhounds zusammenzuleben, ist das ein großes Erleben und Glück.

5. Erziehung

Der Deerhound ist sehr gut erziehbar. Grundlage ist ein enges Vertrauensverhältnis zu Herrchen und Frauchen. Der Deerhound will die Führung durch seine Menschen. Mit Unterwerfung kann man diesen stolzen, wie feinfühligen Hund nur brechen. Eine gute Erziehung öffnet ihm zudem Freiheiten, sodass er auch ohne Leine mit dir durch die Natur ziehen kann. Halte dabei immer selbst nach Wild Ausschau, um deinen Deerhound im Zweifelsfall an die Leine zu nehmen.

6. Pflege und Gesundheit

Der ausgewachsene Deerhound ist ein pflegeleichter Hund. Regelmäßiges Bürsten reicht.

Rassetypische Krankheiten

Erwachsene Deerhounds sind eine robuste Hunderasse.

7. Ernährung/Futter

Deerhounds benötigen eine hochwertige und abwechslungsreiche Ernährung. Besonders in der Wachstumsphase ist fachkundige Begleitung unerlässlich.

8. Lebenserwartung

Die Lebenserwartung eines Deerhounds ist schwer zu bemessen. Es gibt Exemplare, die nur sechs Jahre schaffen, während andere bei bester Fittness, 12 und mehr Jahre erreichen.

9. Kauf

Willst du mit dem Deerhound leben? Prüfe zuerst, ob du die Möglichkeit hast, diesen Windhund regelmäßig frei laufen zu lassen.

Idealerweise hast du Freude am Coursing.

Kaufe deinen Welpen bevorzugt bei einem Züchter, der dem Deutschen Windhundzucht- und Rennverband angeschlossen ist. Die Kosten liegen bei ca. 2.500 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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