Barsoi im Rasseportrait

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Barsoi im RasseporträtHerkunft und Rassegeschichte

Der Barsoi ist ein großer Windhund aus Russland. Er ist eine der edelsten Erscheinungen der Hundewelt. Seine ursprüngliche Bezeichnung lautet: Russkaya Psovaya Borzaya, russischer Jagdwindhund. „Borzaya“ ist das russische Wort für Windhund und hiervon leitet sich der Name „Barsoi“ ab. Der Barsoi ist ein Sichtjäger und wird seit vielen Jahrhunderten für die Jagd eingesetzt. Rotwild, Rehe, Hasen, Antilopen, Füchse und Wölfe zählen zu den Gejagten.

Die damalige Jagd war grundlegend anders als heute. Die Jäger hatten keine weitreichenden, präzisen Gewehre. Sie waren auf die Windhunde angewiesen, die meist als Gruppe das Wild hetzen und stellen sollten, bis der Jäger zu Pferd nahe genug herankommen konnte. Die Jagd mit den Barsoi war im alten Russland bis zur Oktoberrevolution das Privileg des Hochadels. Fürsten und Zare unterhielten große Zwingeranlagen mit bis zu 500 Hunden. Hier wurden Barsoi und andere Jagdhunde über Jahrhunderte hinweg professionell und systematisch gezüchtet. Sie wurden in der Zucht verbessert und ausgebildet.

Die Wurzeln der Barsoi liegen vermutlich in den alten europäischen Windhunden, die schon seit Jahrtausenden bei Völkern wie den Kelten gezüchtet wurden. Diese Aussage wird unterstützt durch eine umfassende Gen-Analyse aus dem Jahr 2017. Dort wurden mehr als 100 Hunderassen mit mehr als 13.000 Hunden durch ein Team von Genetikern um Heidi Parker analysiert. Der Barsoi wird hier genetisch exakt zwischen Greyhound und Irischem Wolfshund gestellt, die die alte europäische Windhundlinie typischerweise repräsentieren.

Schon die alten russischen Fürsten schätzten ihre Barsoi als persönliche Begleiter. Diese Vollblutwindhunde und zupackenden, für das Wild äußerst gefährlichen Jäger, sind zugleich sanftmütige, verständnisvolle, harmonische Partner ihrer Menschen und Familienmitglieder. Der Barsoi zählt zu den ältesten Hunderassen überhaupt. 1956 wurde der Barsoi offiziell von der Fédération Cynologique Internationale anerkannt, was nur als formaler Akt zu sehen ist. In Deutschland wird der Barsoi vom Deutschen Windhundzucht- und Rennverband betreut, der dem VDH angeschlossen ist. Hier wird auch die Möglichkeit geboten, dass diese Windhunde, etwa beim Coursing, ihr meist ausgeprägtes Bedürfnis nach schnellem Laufen ausleben können. In Deutschland sind Barsoi zwar eher selten, erfreuen sich aber einer stabilen Liebhaberschaft. Zwischen 100 und 170 Welpen fallen im Jahr unter dem Dach des VDH.

Beschreibung

Barsoi haben den typischen Körperbau eines großen Windhundes. Mit einer Widerristhöhe bis zu 85 Zentimetern sind sie eine beeindruckende, und zugleich höchst elegante, edle Erscheinung. Ein Barsoi besticht durch ausgeglichene, harmonische Proportionen. Bei diesem Hund geht diese faszinierende Erscheinung nicht zulasten der körperlichen Leistungsfähigkeit oder Gesundheit. Auch wenn die Entwicklung bei manchen, deren Linien einseitig auf das Ausstellungswesen optimiert wurden, tendenziell in diese negative Richtung geht. Der offizielle Standard beschreibt den Barsoi:

Großer, aristokratisch aussehender Hund mit trockenem und gleichzeitig robustem Körperbau, leicht länglich gebaut. Hündinnen sind meist etwas länger als Rüden. Starker, aber nicht massiger Knochenbau. Die Knochen sind ziemlich flach. Trockene, gut entwickelte Muskulatur, besonders auf den Oberschenkeln, jedoch nicht hervortretend. Die Harmonie der Formen und der Bewegung sind von überragender Bedeutung.

Sein Haar ist seidig, weich und geschmeidig; gewellt oder kurze Locken bildend. Auf Kopf, Ohren und Gliedmaßen ist das Haar satiniert, kurz und gut am Körper anliegend. Ansonsten hat er reichlich Haare. Die Kombination aller Farben, außer blau und braun, ist erlaubt. Barsoi sind große Hunde mit einer Widerristhöhe von 75 bis 85 Zentimetern bei Rüden und  68 bis 78 bei Hündinnen. Diese Maße werden als wünschenswert angegeben. Ein Gewicht legt der Standard nicht fest.

Charakter und Wesen

Barsoi sind Vollblut-Wind- und Jagdhunde und schmusige Couch-Potatoes zugleich.  Das ist ein erstaunlicher Widerspruch, der dennoch Realität ist. Barsoi sind Sprinter und Jäger. Das sollte man immer im Bewusstsein halten. Mit ihren wachen Sinnen scannen die sanften Hunde ganz still die Peripherie. Ihr Verhalten kann sich dann schlagartig ändern. Ein paar Hundert Meter sprinten sie dem Wild dann in wenigen Sekunden nach. Der Hund muss also vorher unter Kontrolle gebracht sein.

In der Regel wird man seinen Barsoi in der offenen Natur an der Leine führen müssen – es sei denn sie sind ausgesprochen gut erzogen und haben eine innige Bindung zu Herrchen und Frauchen und umgekehrt. Sie müssen sich in ihren Hund hineindenken und rechtzeitig die „Zügel“ anziehen. Das kann auch ganz still und lautlos geschehen. Barsoi sind sehr sozial und haben ein gutes Gruppenverhalten.

Auf der Rennstrecke oder bei der Jagd hingegen können sie zu ehrgeizigen Kämpfern werden. Hat sich ein Barsoi beim Laufen ausgepowert, so geht er leichtfüßig an der Leine. Als Begleiter sind sie ausgesprochen feinfühlig und warmherzig. Der Standard formuliert das Wesen des Barsoi so:

Im Alltagsleben zeigt der Barsoi ein ruhiges und ausgeglichenes Wesen. Im Angesicht von Wild erregt er sich rasch. Er hat einen scharfen Blick und kann sehr weit sehen. Seine Reaktionen sind ungestüm.

Der Barsoi ist sehr menschenbezogen und anhänglich. Er ist aufmerksam, intelligent und hat nur wenig Aggressionspotenzial. Sozial sehr anpassungsfähig, lässt er sich sehr gut erziehen. Ein Barsoi, der seine natürlichen Anlagen zum Laufen einigermaßen ausleben kann, ist ein hervorragender Begleiter und Familienhund.

Haltung

Grundsätzlich ist der Barsoi gut zu halten. Das setzt aber zwingend voraus, dass er regelmäßig die Gelegenheit bekommt ausgiebig frei zu laufen. Dann ist er in seinem Element. In unserer Gesellschaft gibt es wenig Möglichkeiten, einen Hund ohne Leine frei laufen zu lassen. In manchen Regionen gibt es spezielle Anlagen, wo Windhunde ihrem Laufbedürfnis nachkommen können. Der Barsoi läuft am besten beim Coursing hinter einer Kaninchenattrappe. Mit einem solch glücklichen Hund kann man dann beruhigt nach Hause gehen.

Er ist kaum je aggressiv und bellt nur selten. Barsoi sind sehr sauber, haaren und riechen kaum. Der Barsoi ist im besten Sinne ein anspruchsloser Hund, den man sehr verwöhnen kann. Er will seinem Menschen alles recht machen. Darüber hinaus hat man die Option, sich mit seinem Barsoi im Rennsport zu engagieren. Für die Aktiven dieser Szene gibt es kein schöneres Hobby. Es ist eine besondere Einheit von Mensch und Hund und eine sehr, sehr alte. Mit einer Gruppe Barsoi zusammen spazieren zu gehen oder diesen Hunden beim Laufen zuzuschauen, ist schon ein erhabenes Gefühl.

Leute, die sich einen Barsoi primär des Prestiges wegen anschaffen wollen, sollten bedenken, was sie den armen Hunden antun würden. Es ist gut, wenn Herrchen und Frauchen stolz auf ihre Hunde sind. Fragen des Prestiges sollten aber keine entscheidende Rolle spielen.

Erziehung

Ein Barsoi lässt sich sehr gut erziehen. Zur hundgerechten Beschäftigung und körperlichen Auslastung bieten Windhundvereine die Möglichkeit, mit Barsoi an Coursings teilzunehmen. Bei seiner Erziehung sollte man lediglich die meist ausgeprägten jagdlichen Ambitionen im Hinterkopf haben.

Pflege und Gesundheit

Der Barsoi ist pflegeleicht. Regelmäßig bürsten reicht.

Rassetypische Krankheiten

Barsoi sind eine robuste Hunderasse, solange sie nicht zu sehr auf Schönheit im Ausstellungswesen gezüchtet werden.

Ernährung

Barsoi legen Wert auf eine hochwertige und abwechslungsreiche Ernährung. Besonders in der Wachstumsphase ist eine genau bedachte Ernährung notwendig, die fachkundiger Anleitung bedarf.

Lebenserwartung

Ein gesund gezüchteter Barsoi hat eine Lebenserwartung von etwa 12 Jahren.

Barsoi kaufen

Willst du dein Leben mit einem Barsoi verbringen? Kannst du diesen Windhund regelmäßig frei laufen zu lassen? Idealerweise hast du Freude am Windhundrennsport. Deinen Welpen solltest du nur bei einem Züchter kaufen, der dem Deutschen Windhundzucht- und Rennverband angeschlossen ist oder du schaust dich nach einem Barsoi in Not um. Hunde dieser Rasse kosten um 2000 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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