Afghanischer Windhund im Rasseportrait

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Afghanischer Windhund

Afghanischer Windhund

Familienhunde
Herkunft Afghanistan/Großbritannien Lebenserwartung gut 12 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 10: Windhunde Funktion Familienhunde
Größe Große Hunderassen Häufige Krankheiten Keine
Gewicht ca. 25 kg Felllänge gut behaart
Charakter/Wesen Sichtjäger und sanfter Freund Fellfarbe alle Farben erlaubt
Besonderheiten

Herkunft und Rassegeschichte

Der Afghanische Windhund ist ein mittelgroßer bis großer Windhund, der aus Afghanistan stammt, aber seit mehr als einhundert Jahren von Großbritannien züchterisch betreut wird. In Afghanistan jagte er ursprünglich für und im Auftrag seiner Menschen auf Bergziegen. Besonders in der Hochgebirgswelt musste er diese Jagd weitgehend selbständig ausführen. Darüber hinaus machte er sich in den Lagern und Dörfern als Wachhund nützlich. Die Vorfahren des heutigen Afghanischen Windhundes sollen auf diese Art einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung der Familien geleistet haben. Daher war und ist ihr Ansehen dort sehr hoch. Dort werden sie liebevoll Tazi genannt. In seinem Ursprungsgebiet kennt man drei Varianten: Bergland-, Flachland- und sogar den Kurzhaar-Afghanen. Letzteren bekommt man in Europa höchst selten zu Gesicht. Auf den Hundeausstellungen fallen Afghanische Windhunde hingegen durch eine äußerst üppige, unnatürliche Haarpracht auf. Der Afghane zählt zur Gruppe der orientalischen Windhunde. Wie die meisten Windhunde blickt er auf eine sehr lange Geschichte zurück. Sie begleiten den Menschen in Europa, Asien und Nordafrika seit mehr als 10.000 Jahren. Die Berichte von den vielfältigen, anspruchsvollen Aufgaben Afghanischer Windhunde werden unterstützt durch eine umfassende Gen-Analyse aus dem Jahr 2017. Dort wurden mehr als 100 Hunderassen mit mehr als 13.000 Hunden durch ein Team von Genetikern um Heidi Parker analysiert. Der Afghanische Windhund wird hier genetisch neben optisch ganz andere Hunde wie den Anatolischen Hirtenhund oder den Kuvasz gestellt, die sich als Hirten- und Herdenschutzhund für den Menschen nützlich machen. Die ersten dokumentierten Afghanischen Windhunde kamen um 1890 nach England. Sie wurden oft als Persischer Greyhound angesprochen. Erst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts begann in England die so genannte Reinzucht des Afghanischen Windhundes. 1932 wurde der erste Afghane im Deutschen Windhundzuchtbuch eingetragen. Mittlerweile scheint sich die Population in eine Show- und eine Rennlinie aufgespalten zu haben, was eigentlich von den Freunden dieser Windhunde wie vom VDH und dem Deutschen Windhundzucht- und Rennverband offiziell als unerwünscht galt. Denn das ist sehr zu bedauern, denn nichts ist schöner, als solche eleganten Hunde auch noch äußerst schnell und sportlich zu sehen, eben „Leistung und Schönheit“. Es ist das Dilemma der Show-Zucht und letztlich auch eine Frage des Tierschutzes, wenn sie immer wieder dazu tendiert, das Wohl und die Lebensqualität der Hunde vermeintlichen Schönheitsidealen und Championaten zu opfern. Das zeigt sich bei den Show-Afghanen besonders krass. Hier sehen wir als Ausstellungs-Champions Hunde mit extrem üppigem, bis zum Boden reichenden, seidigem Fell, das ein normales Laufen unmöglich macht. 1961 wurde der Afghanische Windhund offiziell von der Fédération Cynologique Internationale anerkannt. In Deutschland wird der Afghanische Windhund vom Deutschen Windhundzucht- und Rennverband und dem Deutschen Afghanen-Rassezuchtclub betreut, die dem VDH angeschlossen sind. Hier wird auch die Möglichkeit geboten, dass diese Windhunde etwa beim Coursing ihr meist ausgeprägtes Bedürfnis nach schnellem Laufen ausleben können. Zwischen 120 und 200 Welpen fallen im Jahr unter dem Dach des VDH.

Beschreibung

Afghanische Windhunde haben den typischen Körperbau eines mittelgroßen bis großen Windhundes. Er trägt zudem ein langes Haarkleid oder Befederung, wie es die Fachwelt nennt. Der offizielle Standard beschreibt die Erscheinung des Afghanischen Windhunds: „Vermittelt den Eindruck von Stärke und Würde, dabei Schnelligkeit und Kraft in sich vereinigend. Der Kopf wird stolz erhoben getragen.“ Mit einer Widerristhöhe bis zu 74 Zentimetern können sie beeindruckende und zugleich höchst elegante Erscheinungen sein. Ein Gewicht legt der Standard nicht fest. Der Afghane besticht durch ausgeglichene, harmonische Proportionen und Bewegungen von äußerster Eleganz. Es wundert nicht, dass sich das Show-Wesen besonders dieses Hundes angenommen hat. Hier gilt heute neben extremer Fellfülle ein seidigen Haarschopf, „top-knot“ genannt, der von der Stirn nach hinten lang getragen wird, als erwünscht. Mittlerweile wird der Haarschopf bei den Hundeshows nach Art eines Pudels sogar toupiert. Ansonsten gilt zum Haarkleid des Afghanen: „Haar an dem Vorgesicht kurz. Ohren und Läufe gut behaart. Die Vordermittelfüße dürfen kahl sein. Das Haarkleid muss sich natürlich entwickeln. Jeder Hinweis auf Schneiden oder Scheren ist zu bestrafen.“ Glücklicherweise sind alle Farben erlaubt.

Charakter und Wesen

Afghanische Windhunde sind auch heute noch Vollblut-Wind- und Jagdhunde. Zugleich sind sie schmusige Couch-Potatoes und anschmiegsame Begleiter. Das ist ein faszinierender Widerspruch, aber es ist Realität. Zunächst einmal sind sie wie alle Windhunde auch Jäger. „Die Seele eines Windhundes will laufen“. So lautet ein Grundsatz, den jeder Halter eines Windhundes beherzigen muss. Ein solches Temperament kommt schnell mit den Gegebenheiten einer dicht besiedelten Gesellschaft in Konflikt. Zumal der Afghane nicht gerade für einen sicheren Abruf bekannt ist. „Lässt man ihn beim Spaziergang von der Leine, kann er sehr schnell außer Sichtweite rennen und kommt zunächst fast nie auf Ruf oder Pfiff zurück, ehe er selbst der Meinung ist, dass es nun für ihn reicht.“ Heißt es in der Rassebeschreibung des VDH. Hier äußert sich das Erbe seiner ursprünglichen Verwendung (siehe oben), die Selbstständigkeit erforderte. Als Halter oder Halterin eines Afghanen solltest du daher Hundeerfahrung oder zumindest viel Einfühlungsvermögen für die Hunderasse mitbringen. Du solltest auch bereit sein und die Möglichkeit haben, regelmäßig einen Coursing- oder Windhunderennplatz aufzusuchen, wo der sportliche Hund auch mal ohne Leine sein Element, das Laufen, ausleben kann. Der Afghanische Windhund ist sehr sozial. Als Begleiter ist er ausgesprochen feinfühlig und warmherzig. Der Standard formuliert das Wesen des Afghanischer Windhunds so: „Der östliche bzw. orientalische Ausdruck ist für die Rasse typisch. Der Afghane schaut jemanden an und durch ihn hindurch. Würdevoll und zurückhaltend, mit einem gewissen leidenschaftlichen Ungestüm.“ Zuhause liebt er es, lange auf einem möglichst plüschigen Sofa zu dösen – da sammelt er seine inneren Kräfte für das nächste Rennen. Der Afghanische Windhund ist sehr menschenbezogen und anhänglich. Er hat kaum Aggressionspotenzial. Ein Afghanischer Windhund, der seine natürlichen Anlagen zum Laufen ausleben kann, ist ein hervorragender Begleiter und Familienhund.

Haltung

Der Afghanische Windhund gilt als sehr umgänglicher Familienhund, der gut mit Kindern zurecht kommt – kennt er den Umgang von klein an. Wenn man seinen Bedürfnissen als Windhund, der eben täglich laufen will, nachkommen kann und will, wenn man sich auf sein spezielles Wesen einlassen will, so erlebt man ein Stück Jahrtausende alter Partnerschaft von Mensch und Hund. Zudem kann man sich an der Eleganz und der enormen Schnelligkeit dieser Windhunde erfreuen. Er hat keinen Schutz- oder Hütetrieb, bellt kaum und ist ansonsten problemlos zu. Hat der Afghane sein tägliches Laufen hinter sich, so fühlt er sich auch in einer Wohnung wohl. Afghanische Windhunde sind sehr sauber, haaren und riechen kaum. Zuweilen heißt es, dass sie ein Stück weit das Wesen einer Katze hätten. Nicht selten müssen jedoch Show-Afghanen ein eher elendes Leben führen. Da man ihnen als Show-Quality ein überlanges, seidiges Fell angezüchtet hat, fürchten viele Besitzer, dass es beim Laufen in der Natur verschmutzen oder gar Schaden nehmen könnte. Diese armen Hunde dürfen dann bestenfalls auf der Veranda oder 100qm gepflegtem Rasen ein paar Runden drehen. Die Eleganz der Hunde lockt nicht selten falsche Freunde an. Das üppige Haarkleid dieses Windhundes bedarf einer lebenslangen intensiven Pflege. Da solltest du schon einen Kämmtisch und Spaß daran haben, den Hund mindestens zweimal in der Woche intensiv zu kämmen, solltest du ein Show-Afghanen haben.

Erziehung

Der kanadische Psychologie-Professor Stanley Coren stellte 1994 einen Index für die Intelligenz der Hunde auf. Der Afghanische Windhund belegte dabei den letzten Platz. Wenn man sich die Arbeit von Coren etwas genauer anschaut, so stellt man fest, dass hier eine sehr einseitige Sicht auf die Intelligenz beurteilt wird. Als intelligent werden hier diejenigen Eigenschaften eines Hundes definiert, die ihn als willigen Befehlsempfänger des Menschen auszeichnen. Eigenständiges Denken und Handeln eines Hundes werden eher bestraft. So wundert das schlechte Abschneiden dieses selbständigen Einzeljägers, der sich in abgeschiedenen Regionen Afghanistans stundenlang zurechtfinden muss, nicht mehr. Eckhard Grün, der um 1955 drei Jahre lang Afghanistan bereist hat, berichtet zu deren Arbeit in ihrer Heimat: „Gehorsam ist wenig gefragt, denn der ein Wild hetzende Hund hat sich ohnehin jeder menschlichen Einwirkung entzogen.“ Und es war ja gerade die Aufgabe des Afghanischen Windhundes, diese selbstständige, oft über Stunden andauernde Jagd zum Erfolg zu bringen. Diesen Hintergrund solltest du bei der Führung eines Afghanen im Hinterkopf haben. Der Afghanische Windhund lässt sich aber viel besser erziehen als es seine Geschichte vermuten lässt. Zur artgerechten Beschäftigung und körperlichen Auslastung bieten Windhundvereine die Möglichkeit, mit Windhunden wie dem Afghanen an Coursings oder Rennen teilzunehmen. Und intelligent ist er ebenfalls – eben eigenständig. Das macht gerade einen Teil seiner Faszination aus. Und Vorsicht: „Sie sind in der Lage, Menschen zu ihrem Dienstpersonal umzufunktionieren, ohne dass sie es bemerken. Und was das Eigenartige ist, dass Windhund-Menschen es sich für ihre Lieblinge gerne gefallen lassen!“ beschreibt die profunde Kennerin der Windhunde Dr. Margrit Miekeley

Pflege und Gesundheit

Der Afghanische Windhund ist ursprünglich ein pflegeleichter Hund. Regelmäßiges Bürsten reicht. Das gilt natürlich nicht für die Exemplare der Show-Linien, die nicht selten intensivste Fellpflege benötigen.

Rassetypische Krankheiten

Afghanische Windhunde sind eine robuste Hunderasse solange die Hunde nicht zu sehr auf vermeintliche Schönheit im Ausstellungsring gezüchtet werden. Durch Inzucht und in der Showzucht hat sich eine Reihe von Krankheiten etabliert.

Ernährung

Afghanische Windhunde legen Wert auf eine hochwertige und abwechslungsreiche Ernährung.

Lebenserwartung

Ein gesund und nicht für das Show-Wesen gezüchteter Afghanischer Windhund hat eine Lebenserwartung von etwa 12 Jahren.

Einen Afghanischen Windhund kaufen

Willst du dein Leben mit einem Afghanischen Windhund verbringen, solltest du zunächst prüfen, ob du die Möglichkeit hast, diesen Windhund regelmäßig frei laufen zu lassen. Idealerweise hast du Freude am Windhundrennsport. Deinen Welpen solltest du bevorzugt bei einem Züchter kaufen, der dem Deutschen Windhundzucht- und Rennverband oder dem Deutschen Afghanen-Rassezuchtclub 1988 angeschlossen ist und nicht am Show-Wesen orientiert ist. Die Kosten liegen bei ca. 1200 Euro.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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