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Boxer im Rasseportrait

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BoxerHerkunft und Rassegeschichte

Der Boxer, offiziell „Deutscher Boxer“ genannt, stammt von den alten Molossern und Bullenbeißern ab, die es seit Jahrtausenden gibt. In Europa waren Bullenbeißer überall verbreitet. Als Treibhunde für Rinderherden und Saupacker bei der mittelalterlichen Jagd auf wehrhaftes Wild mussten sie sich beweisen. Sie bewachten große Anwesen. Der Übergang zu den Metzgerhunden war fließend. In England hatten Bullenbeißer zusätzlich die Aufgabe, das Volk als Gladiator bei den Tierkämpfen zu belustigen. Aus diesen Bullenbeißern der Insel wurden die Bulldoggen, die Vorfahren des heutigen Bulldogs. Während der Bulldog bereits seit 1864 als anerkannter Rassehund mit niedergeschriebenem Standard auch Deutschland eroberte, blieben die Bullenbeißer des Kontinents bis 1900 quasi namenlos.

Erst 1904 stellte man einen Standard für den „Deutscher Boxer“ auf. Es ist überliefert, dass 1895 versuchsweise eine Klasse für deutsche Bullenbeißer bei einer Hundeausstellung ausgeschrieben wurde. Nur ein einziger Hundehalter wagte es, seinen Hund in den Ring zu schicken. Es war „Mühlbauers Flocki“, die später die Nummer Eins des Boxer Stammbuchs werden sollte. Im selben Jahr wurde der erste Boxer-Klub in München gegründet, der auch heute noch den Boxer im VDH vertritt. Daneben hat sich 1951 der Internationaler Boxer-Club mit Sitz in Hamburg ebenfalls im VDH etabliert. Seit 1924 ist der Deutsche Boxer als Diensthunderasse anerkannt. Doch seine Beliebtheit als Familienhund, seine ausgesprochene Liebenswürdigkeit, wurde ihm später zum Verhängnis: Statt seine besonderen Fähigkeiten als Arbeitshund zu nutzen, wurde er mehr und mehr zum nervösen Schönling verzüchtet. Aus dem kräftigen und gelassenen Molosser wurde tendenziell ein Windhund mit platter Nase. Doch ist man inzwischen dabei, diese Fehlentwicklungen zu korrigieren.

Beschreibung

Der Deutsche Boxer ist ein mittelgroßer, glatthaariger, kräftiger Hund. Die Muskulatur ist trocken und ausgeprägt. Kopf und Gebäude sind die eines Molossers, nicht die eines Windhundes. Ein Boxer sollte noch an die alten Bullenbeißer erinnern, von denen er abstammt. Der Kopf sollte weitgehend frei von Falten sein. Der Fang darf nicht zu kurz sein. Die ideale Größe liegt bei 55 cm bei einem Gewicht zwischen 25 und 30 KG. Sein Haar ist kurz, hart, glänzend und dicht anliegend. Als Farben sind gelb oder gestromt standardgemäß. Gelb kommt in verschiedenen Tönen vor, von hellgelb bis dunkel hirschrot. Weiße Abzeichen sind erlaubt.

Charakter und Wesen

Der Deutsche Boxer wurde von Anfang an als Arbeitshund konzipiert. Hier hat er sich über Jahrzehnte hervorragend bewährt. Auch heute noch ist der Boxer eine der nur zehn offiziell als Diensthunde anerkannten Hunderassen. Jedoch wird er im Schutz-, Zoll- oder Polizeidienst nur noch selten eingesetzt. Für die harten Anforderungen professioneller Arbeit ist er zu nervös geworden. Zudem ist er den Anforderungen dieser Arbeit gesundheitlich nicht mehr gewachsen. Das ist sein Tribut an die Show-Zucht, die ihre Championate auf den Ausstellungen nach dem Exterieur, nach vermeintlicher Schönheit vergibt. Heute taugt er als Begleiter – das allerdings ganz hervorragend – und bestenfalls Akteur im Hundesport.

Phasenweise wurde ihm seine Schnauze geraubt. Aus Tierschutzgründen hat die FCI, Weltverband der Hundezucht eingegriffen und Richtlinien erlassen, die Mindestlängen für die Schnauze des Boxers vorschreiben. Trotzdem erinnert der heutige Boxer in seiner Erscheinung und teils auch schon in seinem Wesen kaum noch an seine direkten Vorfahren, die Bullenbeißer vor gut 100 Jahren. Der Boxer wird immer schlanker und hochbeiniger gezüchtet, fast schon zu einem brachyzephalen Windhund gemacht. Glücklicherweise hat er sich sein herrliches Wesen noch weitgehend erhalten können. Er ist ein äußerst liebevoller und kraftvoller Kumpel zugleich. Es gibt kaum einen Hund, den man so bedenkenlos mit Kindern spielen lassen kann, wie den Boxer – natürlich bei Kleinkindern immer nur unter Aufsicht, wie bei jedem Hund.

Dabei kann seine freundliche Erscheinung in mutiger Entschlossenheit kehren, wenn es gilt, seine Lieben zu beschützen. Die Leistungen des Boxers als wachsamer und mutiger Behüter und Beschützter seiner Familie sind legendär. Der Boxer ist ein Familienhund par Excellence. Er behütet seine Familie jedoch nie aufdringlich oder einschränkend. Der Boxer ist sehr anhänglich und treu. Er ist ihr ein äußerst liebevoller, heiterer und zuvorkommender Partner. Allerdings ist der immer noch ein Sportler, der arbeiten will und kann. Im tiefsten Inneren seines Herzen bleibt der Boxer immer, auch im hohen Alter noch, das Kind, das jederzeit zu einem Spielchen aufgelegt ist. Seine Art ist offen und ehrlich ohne jede Tücke. Man muss sein Temperament mit viel Einfühlungsvermögen kontrollieren können, um für beide eine glückliche Partnerschaft zu ermöglichen.

Haltung

Der Deutsche Boxer ist ein gutmütiger und problemlos zu haltender Begleiter. Er stellt keine besonderen Anforderungen an die räumlichen Bedingungen. Der Umgang ist einfach, jedoch zeitaufwendig. Denn er hat einen starken Bewegungsdrang und braucht sehr viel Auslauf. Hierfür müssen Herrchen und Frauchen nicht nur Zeit aufbringen, sie sollten es auch lieben, zusammen mit ihm lange Spaziergänge zu machen, zu Joggen, zu Wandern. Sehr gut macht er sich auch als Begleitung am Fahrrad. Es macht viel Freude, mit diesem lebendigen, freundlichen Hund durch die Natur zu streifen. Gut erzogen kann er auch ohne Leine geführt werden. Sein Jagdinstinkt ist gut steuerbar. Der Boxer ist ein ausgesprochener Familienhund. Lediglich sein lebendiges Wesen sollte im Haushalt zuweilen etwas Toleranz beanspruchen dürfen.

Erziehung

Der Deutsche Boxer ist sehr gut erziehbar. Er will lernen, versteht seine Menschen sehr gut und hat keine Macken oder Tücken, die nur in der Hand eines erfahrenen Halters kontrollierbar wären. Sein freundliches Wesen, seine Arglosigkeit und extrem hohe Reizschwelle für Aggressivität machen ihn auch für engagierte Anfänger geeignet. Zu Bedenken ist allerdings, dass er zuweilen stürmisch sein kann, recht kräftig ist und somit ans andere Ende der Leine eine Hand gehört, die ihn im Bedarfsfall auch bändigen kann. Der Boxer zählt zu den Hunderassen mit der längsten Kindheit. Sie werden erst richtig erwachsen sein, wenn sie drei Jahre alt sind. Das gibt auch die Chance, eventuelle Versäumnisse in der Erziehung bis zu einem gewissen Grad zu korrigieren.

Pflege und Gesundheit

Die Pflege des Boxers stellt keine besonderen Anforderungen. Das früher verbreitete Sabbern der Boxer gehört längst der Vergangenheit an.

Fellpflege

Das Fell ist ausgesprochen pflegeleicht. Einmal in der Woche Bürsten reicht.

Rassetypische Krankheiten

Der Boxer hat unter etlichen durch Fehler der Zucht ausgebreiteten Erbkrankheiten zu leiden insbesondere hinsichtlich Herz, Nieren (JRD), Rückenmark (Wobbler-Syndrom), Rückgrat oder Epilepsie. Ferner wird viel zu häufig Inzucht betrieben.

Ernährung/Futter

Der gesunde Boxer stellt keine besonderen Ansprüche an seine Ernährung. Oft sind sie hastige Fresser. Je nach Krankheit und Fitness kann eine diätische Ernährung angesagt sein.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung des Boxers hängt stark von seiner Zucht ab. Auf „Schönheit“ mit viel Inzucht produzierte Hunde wie auch Welpen aus Hundefabriken schaffen nicht selten kaum 9 Jahre. Nach einer Statistik des britischen Kennel-Clubs ist seine durchschnittliche Lebenserwartung zwischen 2004 und 2014 von 10 Jahren und 3 Monaten auf 9 Jahre weiter abgesunken. Gesund gezüchtete Boxer, die noch als Molosser erkennbar sind, haben eine Lebenserwartung von 12 bis 15 Jahren.

Boxer kaufen

Man sollte sich direkt bei einem Züchter umschauen, der kräftige, nicht zu schlanke und nicht zu hohe Boxer züchtet. Die Eltern sollten eher Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Man sollte sich den ganzen Wurf anschauen und darauf achten, dass Inzucht nicht übertrieben wurde. Als Faustregel gilt: In der Ahnentafel sollte kein Ahne doppelt vorkommen. Man sollte sich auch im Tierheim vor Ort und bei den Boxer-Notinitiativen umschauen. Bitte keinen Welpen aus zwielichtiger Quelle über das Internet kaufen. Für einen Boxer Welpen muss man 1000 – 1400 Euro einplanen.

 

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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