Checkliste für Nymphensittichhalter

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Checkliste NympfensittichAllgemeines zum Nymphensittich

Der aus Australien stammende Nymphensittich ist ein kleiner Papagei und zählt zur Familie der Kakadus. Dies erkennst du an ihrer typischen Federhaube. Der Nymphensittich ist der kleinste Vertreter der Kakadufamilie und erreicht eine Größe von etwa 30 cm lang und ein Gewicht von 70 bis 100 g. In seiner Heimat lebt der Nymphensittich in großen Schwärmen. Im trockenen Inland von Australien sind die Tiere ständig unterwegs auf der Suche nach Wasser und Nahrung. Trotz ihrer stetigen Wanderungen leben die geselligen Tiere in lebenslangen Partnerschaften.

Gedanken vor der Anschaffung

Bevor die gefiederten Freunde bei dir einziehen können, solltest du dir über die folgenden Punkte Gedanken machen:

  • Kann ich für die nächsten 15 bis 20 Jahre die Verantwortung für die Tiere übernehmen?
  • Habe ich genug Zeit und Spaß daran mich täglich mit den Vögeln und ihrer Pflege zu beschäftigen?
  • Stört es mich, wenn überall Federstaub, Federn und Körner unter den Füßen knirschen?
  • Habe ich geräuschempfindliche Nachbarn?

Besorge dir so viel Information wie möglich, wenn dich diese grundlegenden Fragen nicht abschrecken. Lies Bücher zum Thema und suche Kontakt zu anderen Nymphensittichhaltern.

Der Käfig

  • Je größer der Käfig ist, desto besser! Ein Nymphensittichpaar braucht eine Käfiggröße von mindestens 150 x 80 x 100 cm. Die Länge und Breite des Käfigs sind dabei wichtiger als die Höhe.
  • Die Käfiggitter sollten zinkfrei und nicht mit Plastik ummantelt sein.
  • Wähle den Standort so, dass die geselligen Nymphensittiche am Familienleben teilnehmen. Und das am besten auf Augenhöhe.
  • Vermeide Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung.
  • Ein Standort in der Küche ist ungeeignet, da Teflondämpfe von Pfannen sehr giftig für Vögel sind.
  • Noch besser als ein Käfig ist allerdings eine Voliere oder ein ganzes Vogelzimmer.
  • Falls du einen Garten oder Balkon hast, kannst du die Voliere auch dort aufstellen. Dann ist im Winter allerdings ein frostfreies Schutzhaus nötig.

Die Einrichtung

Bei der Einrichtung deiner Voliere sind deiner Phantasie kaum Grenzen gesetzt.

  • Mit den verschiedensten Naturmaterialien kannst du deinen Lieblingen immer wieder neue spannende Unterhaltung bieten. Als Sitzäste eignen sich Naturäste von ungespritzten Obstbäumen, Haselnussbäumen und Weiden.
  • Am besten verwendest du Äste unterschiedlicher Dicke um einseitige Belastungen der Füße zu vermeiden.
  • Alle ein bis zwei Wochen sollten die Äste ausgetauscht werden.
  • Ein beliebtes Material zum beknabbern ist Kork. Daran können sich die Krummschnäbel wunderbar austoben.
  • Aber auch einfache Dinge, wie Zeitungspapier oder kleine Kartons werden gerne zerlegt.
  • Aus Weidenästen kannst du deinen Vögeln mit etwas Übung auch kleine oder größere Kugeln flechten.
  • Verzichte bei der Einrichtung auf Plastiksitzstangen, denn diese können zu Sohlenballengeschwüren führen.
  • Plastikvögel und Spiegel täuschen einen echten Partner vor und führen zu Frustration, sowie durch ständiges, übermäßiges füttern des Spiegelbildes häufig zu Kropfentzündungen.
  • Leicht zu reinigende Wasser- und Futternäpfe aus Edelstahl vervollständigen die Einrichtung.
  • Auch wenn die Einrichtung der Voliere deinen Nymphensittichen schon eine gute Unterhaltung bietet, ist regelmäßiger Freiflug und eine adäquate Beschäftigung ein Muss für die Gesunderhaltung.

Fütterung

Die Fütterung deiner gefiederten Freunde ist nicht allzu kompliziert, aber es gibt einige wichtige Dinge die du beachten solltest:

  • Die meisten als Haustiere gehaltenen Papageien sind viel zu dick. Genau wie bei uns Menschen ist Übergewicht sehr ungesund und kann zu Stoffwechselerkrankungen und Gelenkproblemen führen.
  • Wie für andere Papageienarten gibt es auch für Nymphensittiche spezielle Körnermischungen. Diese sollten möglichst wenig Sonnenblumenkerne enthalten, da diese sehr fetthaltig sind. Auch fettreduzierte Körnermischungen sollten nicht in unbegrenzter Menge angeboten werden. In der Papageienfütterung hat es sich bewährt etwa 5% vom Körpergewicht pro Tag und Vogel anzubieten. Bei einem 100g schweren Vogel sind das 5g! Am besten du wiegst die benötigte Menge einmal ab um ein Gefühl dafür zu bekommen. Da Papageien wahre Feinschmecker sind ist es wichtig auf keinen Fall mehr Körner anzubieten, da sich die intelligenten Tiere dann nur die fetthaltigen wohlschmeckenderen Sorten heraussuchen und die gesünderen liegen lassen.
  • Neben der Fütterung mit Körnern gibt es auch die Möglichkeit Nymphensittiche mit Pellets zu ernähren. In diesen Futtermitteln sind alle Nährstoffe ausgewogen in jedem Pellet enthalten, so dass eine einseitige Ernährung vermieden werden kann.
  • Eine Portion Obst, Gemüse und Salat runden die gesunde Mahlzeit für deine Vögel ab. Geeignet sind zum Beispiel Apfel, Banane, Traube, Orange, Melone, Papaya, Mango, Birne, Kiwi, Erdbeeren, Himbeeren, Paprika, geriebene Möhren, Mais, Staudensellerie, Zucchini, Romanasalat, Feldsalat, Rucola, Endiviensalat und Löwenzahn.
  • Da Frischfutter schnell verdirbt, solltest du die Reste nach etwa sechs Stunden aus der Voliere entfernen.
  • Um es den Tieren nicht allzu leicht zu machen, kannst du Körner und Obst auch gerne an verschiedenen Stellen im Käfig verteilen, oder es sogar in Spielzeug verstecken.
  • Immer zur freien Verfügung  stehen sollte frisches Wasser. Ebenso wie eine Sepiaschale zur Versorgung mit Kalzium und ein Gritstein zur Zerkleinerung der Körner im Vogelmagen.

Der kranke Nymphensittich

Auch bei bester Pflege kann es passieren, dass deine Nymphensittiche einmal krank werden. Leider ist es so, dass Vögel ihre Krankheitssymptome sehr lange nicht zeigen. Dies ist ein angeborenes Verhalten, um in der Natur keine Fressfeinde auf sich aufmerksam zu machen. Ein krankes Tier ist schließlich leichte Beute. Daher sollte man mit einem kranken Vogel schnellstmöglich einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen, also am besten noch am gleichen Tag.

Dass es deinem kleinen Freund nicht gut geht, erkennst du zum Beispiel an folgenden Symptomen:

  • Das Gefieder ist aufgeplustert.
  • Die Augen sind halb geschlossen.
  • Der Papagei frisst nicht mehr.
  • Er wippt mit dem Schwanz, atmet schwer oder entlastet ein Bein.

Ein Vogel der aufgeplustert auf dem Boden sitzt, ist so schwer krank, wie ein Hund der auf der Seite liegt.

Der Transport zum Tierarzt erfolgt am besten in einer kleinen abgedunkelten Transportbox, die kein unnötiges Spielzeug oder viele Sitzstangen enthält.

Schütze den Patienten vor Zugluft und decke die Kiste mit einem dicken Handtuch ab. Die Dunkelheit wirkt beruhigend und verhindert dass dein Nymphensittich umherflattert.


Christine Lange lebt seit ihrer frühen Kindheit mit Wellensittichen, Unzertrennlichen und  Hunden zusammen. Etwas später kam noch die Begeisterung für die Aquaristik dazu. Mittlerweile hat sich die tierische Familie noch um Hühner, Schildkröten und einige Papageien erweitert.
Nach dem Studium der Veterinärmedizin in Gießen arbeitete sie vier Jahre in der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische in Gießen. In ihrer Doktorarbeit beschäftigt sie sich mit bakteriellen Erkrankungen bei Zierfischen im Großhandel. Seit 2016 arbeitet sie in der Zierfischpraxis von Dr. Sandra Lechleiter und in der Bestandsbetreuung von Aquarium Dietzenbach.


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