Beschäftigung von Papageien

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Papagei beschäftigen Allgemeines zu Papageien

Papageie gehören zu der Ordnung der Vögel. Es lassen sich die eigentlichen Papageie und Kakadus, die eine aufstellbare Federhaube besitzen, unterscheiden.
Innerhalb dieser zwei Familien gibt es etwa 350 Arten und 850 Unterarten.

Verbreitet haben sich die Papageie ursprünglich auf allen Kontinenten, außer Europa und der Antarktis. Auch wenn sich Papageien in ihrer Größe, ihrer Farbe und ihren Lebensräumen unterscheiden, haben sie doch einige wichtige Dinge gemeinsam: es sind hochintelligente Tiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die intellektuellen Fähigkeiten von Graupapageien in etwa denen eines dreijährigen Kindes entsprechen. Beeindruckend, oder?

Papageien in der freien Natur

Wenn du dir überlegst, wie du deine Papageien am besten artgerecht beschäftigen kannst, lohnt sich ein Blick auf die natürlichen Verhaltensweisen freilebender Papageien.

Im wesentlichen beschäftigen sich Papageien in der freien Natur mit drei Dingen:

  • Futtersuche,
  • sozialer Interaktion,
  • Gefiederpflege.

Dies alles findet entweder mit dem Partner, der Gruppe oder innerhalb eines großen Schwarmes statt.

Dabei sieht der Tagesablauf in etwa so aus:

  • Morgens nach dem aufstehen wird das Gefieder in Ordnung gebracht.
  • Anschließend fliegen die Papageien von ihren Schlafbäumen los, um ihre Futterplätze in einigen Kilometern Entfernung aufzusuchen.
  • Nach dem Frühstück ist es Zeit die sozialen Kontakte zu pflegen.
  • Nach dem anschließenden gemeinsamen Mittagsschlaf begeben sich die Tiere nachmittags erneut auf Futtersuche.
  • Abends fliegen sie gemeinsam zu ihren Schlafplätzen zurück.
  • Nach dem letzten Spielen und Gesprächen putzen sie sich noch einmal (gerne auch gegenseitig mit dem Partner).
  • Anschließend begeben sich die Tiere zur Nachtruhe.

Probleme der Haltung in menschlicher Obhut

Wie du bereits gelesen hast, sind Papageien also schwer beschäftigte Tiere, die viel unterwegs sind. Diese Verhaltensweisen sind Papageien angeboren, sie liegen ihnen quasi im Blut. Und das ist auch bei den Tieren so, die schon seit vielen Generationen in Gefangenschaft leben.

Vielleicht erkennst du schon das Problem bei der Einzelhaltung von Papageien im Käfig. Das geht nahezu immer schief. Denn es ist, als wenn man ein dreijähriges Kind in eine leere Ecke setzt und erwartet, dass es dort den ganzen Tag friedlich sitzen bleibt.

  • Die Futtersuche, die in der Natur mehrere Stunden in Anspruch nehmen würde, ist in fünf Minuten oder weniger erledigt.
  • Die soziale Interaktion fällt bei einzeln gehaltenen Tieren sogar komplett weg.
  • Der Papagei beginnt schlimmstenfalls, sich selbst kahl zu rupfen, da ihm keine weitere Beschäftigung bleibt.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, solltest du den Tagesablauf deiner Vögel so natürlich und abwechslungsreich wie möglich gestalten.

Der wichtigste Punkt ist ein adäquater Sozialpartner: 

  • Also ein Vogel der gleichen Art,
  • möglichst im ähnlichen Alter,
  • und des entgegengesetzten Geschlechts.

Auch wenn es immer wieder gerne behauptet wird: Der Mensch kann einen Vogelpartner niemals ersetzen, auch nicht wenn man sich täglich mehrere Stunden mit dem Vogel beschäftigt!

Stelle dir vor, du wärst auf einer einsamen Insel, nur mit einer Gruppe Kaninchen. Sicherlich wärst du dann nicht alleine, aber auf Dauer mit Sicherheit sehr einsam.

Futtersuchspiele

Ein wichtiger Tagesordnungspunkt deiner Vögel ist die Futtersuche. Damit sie damit möglichst viel Zeit verbringen, musst du dir immer wieder etwas neues einfallen lassen.

  • Im Käfig oder in der Voliere kannst du das Futter zum Beispiel an verschiedenen Orten unter einer Zeitung verstecken. Tolle Futterverstecke sind auch Klopapierrollen, die mit Küchenrolle ausgestopft sind, sowie ausgehöhlte Kokosnüssen. Es gibt auch spezielles Papageienspielzeug, in dem man das Futter verstecken kann.
  • Obst und Gemüse kannst du auf kleine Zweige aufspießen und an verschiedenen, schwer erreichbaren Stellen aufhängen.

Wenn deine Vögel zahm sind kannst du das Futter natürlich auch in deinen Händen verstecken, oder gemeinsam mit ihnen auf die Suche gehen.

Spielzeug

Papageienspielzeug gibt es mittlerweile aus den verschiedensten Materialien. Du kannst es fertig kaufen oder auch selbst basteln. Geeignet sind unbehandelte Naturstoffe wie Holz, Bauwolle, Kork und Leder, aber auch Acryl und Metall.

Am beliebtesten sind häufig Spielsachen, die sich so richtig schön zerstören lassen oder die besonders bunt sind. Probier am besten aus, was deine Vögel am liebsten mögen, da auch Papageien unterschiedliche Vorlieben haben.

Verwende keine Spiegel und Plastikvögel!

Training

Eine gute Möglichkeit dich mit deinen Vögeln zu beschäftigen, ist das gemeinsame Training. Papageien lassen sich mindestens genauso gut trainieren wie Hunde.

Sie können alle möglichen Tricks lernen, aber auch ganz viele sehr nützliche Dinge wie:

  • das freiwillige Einsteigen in eine Transportkiste
  • oder der Gang auf die Waage zur regelmäßigen Gewichtskontrolle.
  • Das Kommen auf Zuruf (Kann sehr praktisch sein, falls dein Vogel doch mal versehentlich durch ein geöffnetes Fenster entwischt ist!).

Ganz gleich, was du deinen Vögeln beibringst, ob Purzelbaum oder Rückruf, es fordert und fördert deine Tiere. Falls du intensiver in das Papageientraining einsteigen möchtest, gibt es sogar Workshops, die du mit deinen Vögeln besuchen kannst.

Freiflug

Papageien brauchen ihren täglichen Freiflug, um gesund zu bleiben. Zum einen macht es den Tieren einfach richtig viel Spaß zu fliegen, zum anderen hält es sie fit. Der gesamte Körper des Vogels ist auf das Fliegen eingerichtet, daher ist es notwendig zu fliegen.

  • Überprüfe den Raum, in dem die Vögel fliegen dürfen, auf verschiedene Gefahrenquellen.
  • Schließe alle Fenster und Türen.
  • Entferne giftige Pflanzen und alle Dinge die nicht zerstört werden dürfen. Die Neugier und die Lust am Knabbern und Probieren macht nämlich vor nichts halt.
  • Decke alle wassergefüllten Gefäße, wie Aquarien oder Vasen ab, damit die Vögel nicht ertrinken.
  • Sichere alle Kabel und Steckdosen, um Stromunfälle zu vermeiden.
  • Egal wie lieb oder desinteressiert sie sonst an den Vögel sind, lass Hunde oder Katzen während des Freifluges nicht in den Raum.

Trotz aller Vorsicht – Beaufsichtige beim Freiflug immer deine Vögel. Die kreativen und intelligenten Tiere werden nämlich mit Sicherheit irgendetwas finden, was du vergessen hast zu sichern.


Christine Lange lebt seit ihrer frühen Kindheit mit Wellensittichen, Unzertrennlichen und  Hunden zusammen. Etwas später kam noch die Begeisterung für die Aquaristik dazu. Mittlerweile hat sich die tierische Familie noch um Hühner, Schildkröten und einige Papageien erweitert.
Nach dem Studium der Veterinärmedizin in Gießen arbeitete sie vier Jahre in der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische in Gießen. In ihrer Doktorarbeit beschäftigt sie sich mit bakteriellen Erkrankungen bei Zierfischen im Großhandel. Seit 2016 arbeitet sie in der Zierfischpraxis von Dr. Sandra Lechleiter und in der Bestandsbetreuung von Aquarium Dietzenbach.


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