Inkubationszubehör & das Ausbrüten der Eier

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Inkubationszubehör

Nachdem wir uns in einem anderen Beitrag intensiv mit den Inkubator- und Inkubationsarten sowie geeigneten Brutbehältern beschäftigt haben, folgt hier der zweite Teil zum Thema Reptilien-Nachwuchs: Wir beschäftigen uns dabei vor allem mit Inkubationszubehör wie geeigneten Substraten, dem leidigen Schimmelproblem und dem Betrieb des Inkubators bis zum Schlupf der Tiere.

Wichtigstes Inkubationszubehör: geeignetes Substrat

Da während der Zeitigung (wird synonym für Inkubation verwendet und bezeichnet die Zeit bis zum Ausschlüpfen) bestimmte Ansprüche an das Substrat gestellt werden, solltest du hier nicht zum normalen Bodengrund greifen. Stattdessen solltest  du dir spezielle Eizeitigungssubstrate ansehen, die ideal für den Einsatz im Inkubator geeignet sind. Diese Substrate sollten nicht nur gut Feuchtigkeit aufnehmen können, sondern dürfen auch nicht zu stark verschlammen oder an den Eiern kleben. Ganz besonders wichtig ist auch, dass sie einen möglichst neutralen pH-Wert haben, der dem von Wasser ähnelt (pH 7).

Vermiculite

Das am häufigsten verwendete Reptilien-Brutsubstrat ist Vermiculite, ein Tonmineral, das keimfrei ist, nicht verrottet und eine große Feuchtigkeitsbindekapazität aufweist. Diese Eigenschaften machen es zum idealen Brutsubstrat für Reptilieneier, die ein hohes Feuchtigkeitsbedürfnis haben. Ein Problem mit Vermiculite kann allerdings auftreten, wenn man es zu stark befeuchtet oder eine zu feine Körnung wählt: In diesem Fall sackt es zusammen und „verschlammt“. Dadurch nehmen die Eier zu viel Feuchtigkeit auf, der Embryo geht ein. Außerdem kann es passieren, dass durch das am Ei klebende Substrat der nötige Sauerstoffaustausch nicht mehr stattfinden kann; die Eier verfaulen aufgrund von Sauerstoffmangel. Hat man diese Schwierigkeit der richtigen Feuchtigkeitsdosierung allerdings im Griff, stellt Vermiculite ein tolles Brutsubstrat dar. Ein Grundsatz lautet, dass das Substrat nur feucht sein darf, nicht nass: Wenn man es zwischen den Fingern zerdrückt, darf kein Wasser heraustropfen.

Acadamia Lehmerde

Ein anderes, immer beliebter werdendes Substrat ist die japanische Acadamia Lehmerde. Dieses natürliche Substrat stammt entstammt der Bonsaipflege und hat im Vergleich zur herkömmlichen, schweren Bonsaierde den Vorteil, dass sie beim Wässern nicht so stark verschlammt: Eine ideale Eigenschaft für ein Brutsubstrat.

Wie Vermiculite auch wird es in unterschiedlichen Qualitäten und Körnungen angeboten, zusätzlich in der ungebrannten oder gebrannten Version. Empfehlenswert ist vor allem die gebrannte Version, da sie sehr formbeständig und (trocken gehalten) sehr lange haltbar ist. Der pH-Wert von rund 6,7 trägt zusätzlich zur Inkubations-Eignung bei, ebenso der gut funktionierende Luftaustausch im Substrat. Zu bemängeln ist lediglich, dass es eine höhere Nachfeuchtungs-Rate als bei anderen Substraten gibt. Ideal ist deshalb eine Kombination aus Vermiculite und Lehmerde, da bei diesem Mix die Feuchtigkeit besser gehalten werden kann.

Darüber hinaus gibt es Torf-Sand-Gemische, die als Brutsubstrat genutzt werden; weniger oft findet man Erde, diverse Moose oder Torf.

Schimmel im Gelege verhindern

Beim Legen kommen die Eier in Kontakt mit Bodensubstrat, welches sich an die Schale anheftet. Unter bestimmten Umständen kann es dazu kommen, dass dieses Substrat zu schimmeln beginnt und zur lebensbedrohlichen Gefahr für den Embryo wird. Diesem Problem kann man entgegenwirken, wenn man das Inkubationssubstrat mit Aktivkohle mischt. Dieser Stoff kommt ursprünglich aus der Aquaristik, wo es für die Wasserreinigung und -Filterung genutzt wird. Man muss allerdings sehr vorsichtig dosieren, da die Aktivkohle erst dem Substrat und dann den Eiern zuverlässig Feuchtigkeit entzieht: Je mehr Aktivkohle in den Bodengrund gemischt wird, desto schneller trocknet der Brutbehälter aus.

Grundsätzlich gilt es, mit Schimmel befallene Eier schnell vom übrigen Gelege zu trennen, damit er sich nicht weiter ausbreitet. Allerdings solltest du mit dem Entsorgen warten, denn auch aus verschimmelten Eiern können gesunde Jungtiere schlüpfen; das Ei also vorsorglich in Quarantäne packen und abwarten, ob sich wirklich mit der Zeit noch etwas im Inneren tut. Nicht immer kann man von der Optik der Eier auf den Ausgang der Zeitigung schließen.

Die Zeitigung im Inkubator

Bei der Vorbereitung des Inkubators und dem „Transfer“ der Eier vom Terrarium in den Brutkasten musst du vorsichtig und vor allem hygienisch vorgehen, damit es nicht schon im ersten Stadium zu Infektionen und Parasiten kommt. Der Inkubator sollte dabei vor direkter Sonneneinstrahlung und der Einwirkung von Heizkörpern geschützt aufgestellt werden.

Nachdem das Weibchen die Eiablage in Ruhe abgeschlossen hat und der Inkubator eingelaufen bereit steht, sollte man die Eier vorsichtig aus dem Gehege entfernen und im Brutbehältnis platzieren – entweder im Substrat oder auf einem geeigneten Gitterrost. Da die Eier während der Zeitigung noch wachsen, sollte man die Abstände groß genug wählen. Wichtig beim Umsetzen ist, dass die Eier 24 Stunden nach der Ablage nicht mehr gedreht werden dürfen: Die Keimscheibe, aus der sich der Embryo entwickelt, wandert in dieser Zeit zur Eidecke und haftet sich dort an, der Dottersack sinkt zu Boden: Dreht man das Ei jetzt, wird der Embryo vom eigenen Dottersack erdrückt. Zwar gibt es Gegenstudien und Tests, bei denen das Drehen keinen Schaden angerichtet hat, aber sicher ist sicher.

Damit die Inkubation problemlos verläuft, solltest du die Eier regelmäßig auf Schädlinge wie Schimmel, Pilze und Parasiten kontrollieren und ebenso die Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Auge behalten. Ist die Luftfeuchte zu gering, sollte man das Substrat mit Hilfe einer kleinen Spritzte nachfeuchten; das Wasser darf allerdings nie direkt mit den Eiern in Kontakt kommen. Zwischendurch kann man auch für einige Sekunden den Deckel des Inkubators öffnen, um für genügend Frischluftzufuhr zu sorgen.

Der Schlupf

Endlich ist es soweit, die Kleinen sind bereit zum Schlüpfen. Das erkennst du schon einige Tage vorher, wenn sich an den Eierschalen kleine Flüssigkeitsperlen bilden, die Schale glasig wird und leicht einfällt: Das ist kein Grund zur Sorge.

Um die Schale zu knacken besitzen die Schlüpflinge einen Eizahn am Oberkiefer, mit denen die Schale aufgebrochen wird. Ist der Kopf befreit, verbleiben sie erstmal in dieser Position, um Kraft zu schöpfen. In dieser Ruhephase wird auf Lungenatmung umgeschaltet und der Dottersack in die Leibhöhle aufgenommen, von dem das Tier noch einige Tage lang zehrt. Auch wenn der gesamte Schlupfvorgang mehrere Stunden dauert, sollte man nicht eingreifen, da man dadurch das Überleben des Kleinen riskiert. Erst, wenn er selbstständig stehen kann, den Dottersack vollkommen in die Leibeshöhle aufgenommen hat und sich im Brutbehälter umherbewegt, solltest du ihn in das Aufzuchtterrarium umsetzen.

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