Kornnatter: Bunt gefärbte Würgeschlangen

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KornnatterDie Kornnatter ist vermutlich die am häufigsten in Terrarien gehaltene Schlange. Als Gründe lassen sich dazu anführen, dass sie auffällig und schön gefärbt, verhältnismäßig einfach in der Haltung, ungiftig, ungefährlich und sehr friedfertig ist. Auch in Schulen dient dieses Reptil häufig als Exempel für Würge- und Kletterschlangen. Zahlreiche Arbeitsgemeinschaften kümmern sich im Bildungsbereich um diese wechselwarmen Nordamerikaner.

Der Name „Kornnatter“ rührt vom englischen Wort „corn“, zu deutsch „Mais“ her. Hierzu gibt es zwei Erklärungsansätze, die beide sinnvoll und einleuchtend erscheinen. Zum einen gelten Kornnattern als Kulturfolger und halten sich häufig in der Nähe landwirtschaftlicher Anwesen und den angrenzenden Feldern auf, zum andern sind die Schlangen häufig auffällig bunt gefärbt, wie der „Indianermais“.

In diesem Beitrag wirst du über ein paar biologische Basics informiert und findest einige wichtige Hinweise zu Haltung und Pflege.

Beschreibung

Die Kornnatter (Pantherophis guttatus) ist eine ungiftige Würgeschlange. Sie gehört zu Nattern, mit biologischem Fachbegriff Colubridae. Sie ist in Nordamerika beheimatet. Die durchschnittliche Körperlänge beträgt 120 bis 150 cm. Somit zählt sie zu den mittelgroßen Taxa. Da sich die natürliche Verbreitung der Kornnatter über weite Gebiete des Ostens der Vereinigten Staaten erstreckt, ist die Art in ihrem Erscheinungsbild sehr vielfältig. Den Körperbau der Kornnatter kann man als schlank bezeichnen. Der Kopf ist nur wenig vom restlichen Körper abgesetzt. Wie andere Nattern auch hat die Kornnatter große, runde Pupillen. Diese wird von einem braunen Irisring eingeschlossen. Die Bauchschuppen sind an ihren seitlichen Rändern deutlich nach oben geknickt, sodass ein sicheres Klettern ermöglicht wird.

Natürliche Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Kornnatter erstreckt sich entlang der Ostküste der Vereinigten Staaten. Es reicht von den südlich gelegenen Florida Keys bis in den Bundesstaat New York im Norden. Im Westen geht das Verbreitungsgebiet bis in die Bundesstaaten Mississippi, Tennessee und Louisiana hinein. Innerhalb dieser Areale, die sich klimatisch teils deutlich unterscheiden, bewohnt die Kornnatter die unterschiedlichsten Lebensräume. Die Habitate liegen knapp über dem Meeresspiegel bis hinauf in höhere Lagen von über ca. 750 m. Die Kornnatter ist hinsichtlich ihrer Ansprüche an den Lebensraum nicht wählerisch und bevölkert sowohl sommerfeuchte Laub- und Nadelwälder als auch Busch- und Graslandareale sowie Feuchtgebiete. Sie gilt als Kulturfolger und ist häufig in der Nähe menschlicher Siedlungen zu finden.

Kornnattern

Lebensweise

Kornnattern sind zwar meist nachts oder in der Dämmerung aktiv, wo sie ungestört auf Jagd gehen könne, ohne selbst zu leicht als Beute zu landen. Teilweise kann man sie aber auch tagsüber an exponierten Stellen beim Sonnenbad beobachten. Wenn die Kornnatter nicht auf Nahrungssuche oder zu Zwecken der Fortpflanzung unterwegs ist, verbringt sie viel Zeit in Verstecken, verborgen unter Laubstreu, Rindenmulch, Felsen sowie in hohlen Baumstämmen und Höhlen. Kornnattern gehen nicht nur am Boden auf Nahrungssuche, sondern auch in Bäumen, wo sie Vögel erbeuten oder deren Nester plündern. Als geschickte Kletterer bereitet dies keine größeren Schwierigkeiten. Im Wasser hingegen findest du selten Kornnattern, wenngleich sie auch gute Schwimmer sind.

Eine Vielzahl an Kornnattern begibt sin der kalten Jahreszeit in eine Winterruhe. Man kann teilweise mehrere Dutzend Exemplare beobachten, die sich an geeigneten Stellen einfinden, um gemeinsam zu überwintern. Diese Ruhephase dauert bis zu vier Monate. In dieser Zeit nehmen die Kriechtiere keine Nahrung zu sich.

Kornnatter sind fleischfressende Würgeschlangen, die als Opportunisten ein breites Nahrungsspektrum vorweisen. Dazu zählen kleine Säugetiere (Mäuse, Ratten), Reptilien, Amphibien und Vögel. Zusätzlich zu den Wirbeltieren werden auch Vogeleier verspeist.

Wenn eine Kornnatter ein Beutetier mit dem Maul fixiert hat, dann schlingt sie ihren sehr muskulösen Körper mehrmals um die Beute und erhöht damit den Druck auf die inneren Organe ihres Opfers so lange, bis der Tod eintritt. Das erbeutete Lebewesen wird als Ganzes verschlungen.

Haltung und Pflege

Diese Schlangenart ist ungiftig und hat keinen Schutzstatus, d. h., sie darf ohne Genehmigung einer Behörde gehalten werden. Zahlreiche Nachzuchten sind problemlos in ausgewählten Zoohandlungen und bei Spezialisten zu erhalten.

Kornnattern werden in einem fest abgeschlossenen Terrarium aus Holz oder Glas gehalten, welches über eine ausreichende Luftzirkulation verfügt, um der Schimmelbildung und der Ausbreitung von feuchtigkeitsliebenden Krankheitserregern vorzubeugen.

Eine beliebte Formel zur Berechnung der Mindestgröße des Terrariums lautet wie folgt:

Körperlänge in cm * (1 x 0,5 x 1) = Länge xTiefe x Höhe in cm

Um der natürlichen Lebensweise der Schlange gerecht zu werden, solltest du auf mehrere Versteckmöglichkeiten achten (sowohl im Warmbereich als auch im kühleren Bereich des Terrariums). Da Kornnattern gerne klettern, sollte das Terrarium mit vielen Klettermöglichkeiten ausgestattet sein. Dabei ist auf eine ausreichende Stabilität zu achten, da sich die Kletterschlangen ansonsten evtl. verletzen. Das Terrarium muss auf jeden Fall über einen kleinen bis mittelgroßen Wasserbehälter verfügen, da Kornnattern bevorzugt aus größeren Wasseransammlungen trinken (insbesondere nach dem Verschlingen eines Beutetiers). Solltest du die Kornnatter im Wasserbecken vorfinden, kann dies bedeuten, dass du die Tiere zu trocken hältst und sie so versuchen, die benötigte Feuchtigkeit aufzunehmen. Normalerweise gehen Kornnattern nicht so gerne ins Wasser.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor für das Wohlbefinden dieser Reptilien ist die Temperatur.

Tagsüber sollte diese 24-27 °C betragen. Nachts sollten die Temperaturen ungefähr um 5 °C fallen. Der Mindestwert für die Nachttemperaturen, außerhalb der Winterruhe, liegt bei mindestens 18 °C.

Im Terrarium muss es mindesten ein Versteck geben, das nicht so stark erhitzt wird.

Kornnatter

In der Regel reichen Strahler aus, um die gewünschte Temperatur zu erreichen. Bodenheizungen sind nur erforderlich, wenn das Terrarium ansonsten zu kühl platziert ist. Durch die Beleuchtung lässt sich auch ein Tag-Nacht-Rhythmus inklusive saisonaler Schwankungen simulieren, was der Haltung mehr Natürlichkeit verleiht und von den Tieren gut angenommen wird.

Auch die Luftfeuchtigkeit ist ein wichtiger Gelingensfaktor in der Haltung. Kornnattern bevorzugen eine trockene Haltung. Es reicht vollkommen aus, das Terrarium 2-3 Mal in der Woche mäßig mit lauwarmen Wasser zu besprühen. Du solltest die Tiere auf keinen Fall direkt ansprühen!

Auch den Bodengrund solltest du trocken halten. Ein dauerfeuchter Boden begünstigt die Ausbildung von Hautproblemen, wie z. B. Pilzerkrankungen. Geeignete Terrariensubstrate sind beispielsweise feinkörniges Borkenstreu (Korngröße 8 – 12 mm), Rindenmulch sowie in Blöcken gepresste Terrarienerde.

Bei der Fütterung solltest du ein paar Hinweise beachten: Kornnattern fressen lebende Beute, aber auch gefrorene Beute, die logischerweise aufgetaut werden muss. Als Terrarientiere fressen Kornnattern Mäuse oder kleine Ratten, je nach Größe der Schlange.

Fazit

Kornnattern sind zu Recht beliebte Schlangen. Sie sind wunderschön anzusehen, spannend zu beobachten, relativ einfach zu halten und werden nicht allzu groß. Vor der Anschaffung solltest du dich aber ganz intensiv mit Fachliteratur auseinandersetzen, denn Kornnattern sind hoch entwickelte Tiere, die teilweise über 20 Jahre alt werden. Das solltest du auf jeden Fall bei Anschaffungsüberlegungen berücksichtigen.


Michael Freund ist hauptberuflich Lehrer an einer bayerischen Mittelschule mit einem Faible für die belebte Natur. In seinem Studium absolvierte er Biologie als Didaktikfach. Nebenbei engagiert er sich als Autor für diverse Zeitschriften und ist tatkräftiges Mitglied in verschiedenen Vereinen, unter anderem bei den „Sukkulentenfreunden Passau“.


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