Urzeitkrebse (Triops) im Portrait

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Urzeitkrebs

Ihren Namen tragen sie zu Recht: die Urzeitkrebse der Gattung Triops. Denn seit mehr als 200 Millionen Jahren sollen sie schon nahezu unverändert auf der Erde. Auch wenn neuere Untersuchungen das Alter auf maximal 70 Millionen Jahre legen, waren sie doch Zeitgenossen der Dinosaurier und überstanden deren Untergang. Zwei Arten werden vor allem gepflegt.

Steckbrief
Name: Amerikanischer Schildkrebs, Triops longicaudatus (T. l.) und Sommerschildkrebs Triops cancriformis (T. c.)
Systematik: Kiemenfußkrebse
Größe: 5-6, selten bis zu 8 cm (T. l.) und 6-8, selten bis zu 11 cm (T. c.)
Herkunft: T. l.: USA bis auf Alaska, Kanada, Galapagos, Mittel- und Südamerika, Westindien, Japan, Korea; T. c.: Europa, auch Deutschland
Haltung: einfach
Aquariengröße: ab 12 Liter (30 cm)
pH-Wert: 7-9
Wassertemperatur: 24-30 °C (T. l.) und 20-24 °C (T. c.)

Wissenswertes über Urzeitkrebse

Wissenschaftliche Bezeichnung

Triops longicaudatus und T. cancriformis

Andere Bezeichnungen

Keine; allerdings gibt es Unterarten und selten gehaltene weitere Arten mit ähnlichem Aussehen

Systematik

Unterstamm: Crustacea (Krebstiere)
Klasse: Branchiopoda (Kiemenfußkrebse)
Ordnung: Notostraca (Rückenschaler)
Familie: Triopsidae (Urzeitkrebse)
Gattung: Triops
Art: Amerikanischer Schildkrebs, Triops longicaudatus (T. l.) und Sommerschildkrebs Triops cancriformis (T. c.)

Größe

Der Amerikanische Schildkrebs wird meist bis zu etwa 6 cm lang, in Ausnahmefällen auch 8 cm. Der Sommerschildkrebs kann deutlich größer werden, normal sind bis zu 8 cm, aber auch bis 11 cm lange Exemplare sind nicht selten.

Farbe

Der Schild kann beige, grünlich, bläulich oder fast rosafarben sein. Aufällig sind die beiden großen Augen am vorderen Schildende. Dazwischen liegt verdeckt ein drittes Auge, mit dem Helligkeitsunterschiede erfasst werden können. Die Unterseite kann deutlich farbiger sein, mit teils kräftigen Rottönen.

Herkunft

T. l.: USA bis auf Alaska, Kanada, Galapagos, Mittel- und Südamerika, Westindien, Japan, Korea; T. c.: Europa, auch Deutschland. Besiedelt werden kleine, stark besonnte und oft nur wenige Wochen existierende Kleinstgewässer (Pfützen), in Deutschland oft in den Überschwemmungsbereichen von Flüssen.

Geschlechtsunterschiede

Bei T. l. gibt es verschiedene Arten der Fortpflanzung. Oft bestehen die Populationen nur aus Weibchen, die befruchtete Dauereier ablegen. Dann gibt es Zwitter, bei denen also zwei Tiere vorhanden sein müssen, und schließlich gibt es Populationen, bei denen Männchen und Weibchen vorhanden, aber nicht unterscheidbar sind. Bei T. l. sind fast alle Exemplare Zwitter, die sich selbst befruchten. Ein Tier ist also bereits ein Zuchtansatz.

Fortpflanzung

Die Eier werden in Sand abgelegt. Aus ihnen können schon die kleinen, noch freischwimmenden Nauplien schlüpfen. Die meisten Eier brauchen aber eine Trockenphase, angepasst an die natürlichen Gegebenheiten, nämlich in austrocknenden Pfützen zu leben. Die Eier (eigentlich Cysten, weil der Embryo hier schon mit der Entwicklung begonnen hat, aber dann pausiert, bis die Bedingungen wieder besser sind) sind ca. 1-1,5 mm groß. Sie können mit dem Sand entnommen (bei einigen Arten mit farbigen Eiern kann man sie auch rein ernten) werden. Dann werden sie sehr gut getrocknet und in der Gefriertruhe aufbewahrt. Nach drei bis vier Tagen entstehen aus den Nauplien kleine Triops, die ihre Länge täglich verdoppeln. Das Wachstum ist enorm, nach 8-14 Tagen sind sie geschlechtsreif. Sie können dann täglich bis zu 200 Eier ablegen.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung ist nicht hoch, zwischen sechs und vierzehn Wochen sind normal. Das ist eine Anpassung daran, dass ihre Lebensräume austrocknen.

triops urzeitkrebs

Wissenswertes zur Haltung

Ernährung

Triops sind Allesfresser. Den Nauplien reicht man Spirulina-Algen oder Staubfutter (Infusorien). Nach drei Tagen kann Flockenfutter für Zierfische, nach fünf Tagen ergänzt durch Frost- und (gefrier)getrocknetes Lebendfutter gereicht werden.

Gruppengröße

Ein erwachsenes Tier sollte etwa zwei bis drei Liter Platz haben. Jungtiere können viel dichter gehalten werden. Da sie sich häufig häuten müssen und dann einen weichen Panzer haben, ist ein gewisser Kannibalismus normal und kaum zu verhindern.

Aquariengröße

Schlupfbecken für Cysten brauchen nur wenige Liter, Haltungs- und Zuchtaquarien sollten mindestens 12 l haben. Nach oben sind natürlich kaum Grenzen gesetzt.

Beckeneinrichtung

Die Schlupfaquarien haben keine Dekoration. Wichtig für die geschlechtsreifen Tiere ist eine dünne Schicht feinen Flusssands auf dem Bodengrund. Einige Pflanzen sorgen für einen verringerten Schadstoffgehalt der starken Fresser, eine Belüftung sorgt für ausreichend Sauerstoff. Eine Beleuchtung ist sinnvoll, darf aber das Wasser nicht aufheizen.

Urzeitkrebse vergesellschaften

Es ist durchaus möglich, Urzeitkrebse mit anderen Krebsarten zu vergesellschaften (etwa mit dem Echten Kiemenfuß (Branchipus schaefferi), mit dem sie auch in der Natur zusammen vorkommen). Am besten ist aber die Haltung im Artenaquarium.

Erforderliche Wasserwerte

Zum Schlupf brauchen die Cysten sehr sauberes, weiches Wasser (sogenanntes „Destilliertes Wasser“, Umkehrosmose- oder Regenwasser). Erwachsene Tiere sind sehr unempfindlich, wegen des hohen Stoffwechsels (etwa 40 % des Körpergewichts werden pro Tag gefressen) sollte alle zwei Tage die Hälfte des Wassers gewechselt werden.

Bemerkungen

Im Handel ist vor allem T. l., seltener T. c. Aber bei Spezialisten sind auch andere, manchmal relativ farbige Arten zu bekommen, die in Haltung und Zucht gleiche Ansprüche haben. Im Spielzeughandel sind verschiedene Experimentierkästen erhältlich, die alles erforderliche Zubehör enthalten. Allerdings sind bei einigen von ihnen Artemia-Krebse enthalten, die in Salzwasser gehalten werden müssen, eine ähnliche Entwicklung durchlaufen, aber viel kleiner bleiben (knapp 2 cm) und schwieriger in der Haltung sind.


Harro Hieronimus ist seit früher Jugend Aquarianer. Er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Lebendgebärende Zahnkarpfen e. V. und der Internationalen Gesellschaft für Regenbogenfische e. V.. Außerdem unterstützt er durch seine Mitgliedschaft in der Gesellschaft für Ichthyologie e. V. und dem Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz e. V. die wissenschaftliche Beschäftigung mit Fischen sowie den Biotop- und Artenschutz. Ein gutes Dutzend Bücher und zahllose Artikel im Bereich der Süßwasseraquaristik wurden bereits von ihm veröffentlicht.


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