Teichfischfütterung im Überblick

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Teichfischfütterung: Teichfische richtig fütternEine gute Ernährung ist eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit deiner Fische. Die Auswahl des passenden Futters entscheidet sich je nach Verwendungszweck. Als Richtwert für die Tagesration gilt: Nicht mehr als 1% des Fischgewichts füttern. Bei sehr hohen oder niedrigen Temperaturen reicht sogar noch weniger. Erfahre hier mehr über die richtige Teichfischfütterung.

Ganzjahresfutter: Diese Futtertypen gibt es

In Abhängigkeit von der Form kann man drei verschiedene Hauptfuttertypen für Ganzjahresfutter unterscheiden: Pelletfutter findet meist für Koi und Goldfische Anwendung. Teichsticks sind in der Regel für alle Teichfischarten geeignet – genau wie die Flocken, die aber vor allem für Jungtiere und sehr kleine Fische empfehlenswert sind.

Pelletfutter

Ganzjahresfutter für Koi und Goldfische in Form von Pellets hat einen höheren Fett- und Eiweißgehalt. Für Koi empfehlen sich min. 8% Fett und zwischen 34-38% Eiweiß. Der höhere Fettgehalt sorgt für eine gute Energieversorgung bei Wassertemperaturen von 20-4°C. Viel Fett steigert aber auch den Kaloriengehalt. Deswegen kannst du davon bedeutend weniger füttern als von Flocken oder Teichsticks. Pelletfutter eignet sich für größere Fische oder solche, die noch stark wachsen können.

Füttern solltest du dieses Futter nur, wenn eine leistungsstarke Filteranlage im Teich vorhanden ist. Denn Koifutter kann durch den hohen Proteingehalt das Wasser und den Filter sehr belasten. Daher ist es wichtig, nicht zu viel davon zu füttern.

Teichsticks

Markenfutter-Teichsticks sind allgemein zur Ernährung der meisten Teichfischarten gut geeignet. Sie bieten auch kleineren Fischmäulern eine gute Futtergröße und sind durch den hohen Getreideanteil zudem schmackhaft. Der Nährstoffgehalt ist eher gering, ebenso der verwertbare Anteil an Eiweiß. Das macht sie preisgünstig und verhindert eine stärkere Wasserbelastung. Daher sind Teichsticks auch für Biotopteiche gut geeignet – jedoch nur, wenn die Fische im Teich auch Naturfutter finden können, das sie mit essentiellen Nährstoffen und Vitaminen versorgt.
Teichsticks enthalten fast kein Fett, was sie lange lagerfähig macht. Der Vitamingehalt nimmt wie in jedem Futter ab, sobald du die Futtertüte öffnest und Luft zutritt. Achte auch hier darauf, das Futter gut verpackt und trocken zu lagern.

Flocken

Flocken ähneln in ihrer Zusammensetzung den Sticks – nur sind sie plattgewalzt. Besonders gut geeignet sind Flocken für Fischbrut und Jungfische mit kleinen Mäulern. Sie verlieren durch ihre große Oberfläche jedoch schnell wasserlösliche Vitamine und belasten das Wasser, wenn sie sich auflösen. Daher solltest du sie sparsam verfüttern. Achte bei der Fütterung darauf, dass alles schnell gefressen wird. Im Teich verbleibendes Futter belastet sonst den Teich und kann beispielsweise zu Algenproblemen führen.

Spezialfutter

Spezialfutter gibt es für verschiedene Zwecke. Mit diesen Futtersorten kannst du beispielsweise auf die speziellen Bedürfnisse von Fischen im Wachstum eingehen oder die Farbgebung deiner Fische unterstützen. Auch besondere Naschereien sind für deine Fische ab und an mal erlaubt – aber in Maßen!

Farbfutter

Koi und Goldfische zeigen ihre rote Farbe besonders schön, wenn ab und an ein Farbfutter gefüttert wird. Es enthält Spirulina, Karotinoide, Paprika und andere Stoffe, die die rote Farbe vertiefen. Um Missverständnisse zu vermeiden: Farbfutter kann die Qualität der roten Haut verbessern, aber es kann den Fisch nicht dazu bringen, rote Farbe zu bilden. Vorsicht: Gibst du zu viel Spirulinafutter, wird das Weiß der Fische gelblich oder orange.

Powerfutter (Wachstumsfutter)

Viel Eiweiß (über 40%) und Fischöl (10-18%) lassen junge Koi gut wachsen. Dazu musst du jedoch einen höheren Pflegeaufwand des Teiches und des Filters einplanen. Auch ist das Wachstum temperaturabhängig. Daher solltest du die Ration für die Koi stets an die Temperaturen anpassen. Füttere nicht zu viel! Fehler bestrafen die Koi mit schlechten Wasserwerten. Und du vergeudest nur gutes Futter, das nicht gefressen wird und deshalb verdirbt. Ein leistungsstarker Filter ist natürlich erforderlich. Stimmen die Rahmenbedingungen, können Koi mit dem passenden Futter erstaunliche Größen erreichen.

Erwachsene Koi brauchen kein Powerfutter mehr – es belastet ihren Organismus stark und lässt die Koi unnötig verfetten. Häufig sind dann zudem Kiemenprobleme wegen des hohen Eiweißgehaltes zu beobachten.

Snacks und Leckerbissen

Leckerbissen kaufen wir alle gerne für unsere Haustiere. Für Fische sind dies Seidenraupenpuppen, Gammarus (gefriergetrocknete Bachflohkrebse) oder Mückenlarven. Es gibt gelegentlich einzelne Fische, die auf diese Futtertiere mit Hautentzündungen reagieren. Deshalb nur maßvoll füttern und bei Auffälligkeiten auf eine solche Snack-Fütterung verzichten. Im Handel gibt es Futterpasten oder Knabbersticks, die auf Getreidebasis hergestellt sind. Damit kann man insbesondere Koi handzahm machen und wenig Schaden anrichten. Vorsicht: Zu große Mengen Snacks machen die Fische ungesund fett!

Im Urlaub: Futterautomat oder Nachbar?

Futterautomaten sind für berufstätige Teichfreunde eine interessante Lösung. Achte bei der Anschaffung darauf, dass das Futter nicht bloß senkrecht ins Wasser fällt. Es sollte vielmehr über die Teichfläche verteilt wird. Andernfalls bekommen nur die dicken und großen Fische etwas ab und kleinere, scheue Fische müssen hungern. Auch das Verletzungsrisiko beim Fressen nimmt durch diese Maßnahme ab. Da Fischfutter bei sommerlichen Temperaturen schnell verdirbt, solltest du maximal die Ration für 2 Tage einfüllen.

Doch was macht man im Urlaub? Mein Vorschlag: Lass’ deine Nachbarn nur dann füttern, wenn sie selbst einen Fischteich haben. Menschen ohne Teicherfahrung füttern gerne mal zu viel. Das macht die Fische krank und die Wasserqualität leidet. Die Erholung des Urlaubs wäre schnell dahin, wenn man sich direkt danach mit einem Alptraum im Teich konfrontiert sieht. Der hilfsbereite Nachbar darf stattdessen lieber alle 2 Tage den Futterautomaten füllen. Und er sollte unbedingt nachsehen, ob der Filter und, falls vorhanden, auch die Sauerstoffanreicherung läuft – besonders im Sommer!


Sandra Lechleiter

Dr. med. vet. Sandra Lechleiter ist seit über 20 Jahren als Fachtierärztin für Fische mit der Haltung von Zierfischen aller Art und ihren Erkrankungen beschäftigt. Der Beginn war eine Stelle im Fischgesundheitsdienst  mit  Schwerpunkt  „Speisefische“. Der Wunsch, das Wissen über die Pflege und Gesundherhaltung von Zierfischen bei den Fischhaltern zu verbessern, stammt sicher aus dieser Zeit.
Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt in der Fischtierarztpraxis ist daher die Fortbildung und Weiterbildung von Zierfischhändlern, Privathaltern und Tierärzten. Daher sind viele Artikel in Fach- und Hobbyzeitschriften und mittlerweile fünf Bücher, eine Koikrankheiten App und ein Online-Lexikon der Koimedizin erschienen. Etwa 50 Webinare und mittlerweile vier Vetinare sind eine gute Ergänzung dieser Tätigkeit.


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