Mag sie das wirklich? So machst du Streichelangebote angenehm! (2)

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Mag sie das wirklich

Im ersten Teil dieses Artikels haben wir uns damit beschäftigt, wie du erkennst, ob eine Katze die Streicheleinheiten genießt. Außerdem hast du die typischen Streichel-Missverständnisse kennengelernt: Schnurren, um die Beine streichen, den Bauch präsentieren oder sich in die Nähe legen – dies sind nicht zwingend Kuscheleinladungen einer Katze an dich.Nun schauen wir noch einmal näher hin:

  • Was sind klare Anzeichen dafür, dass eine Katze nicht gestreichelt werden möchte?
  • Wie kannst du freundlich nachfragen, ob ihr gefällt, was du machst?
  • Und falls du es mit einer eher rabiaten Katze zu tun hast: Wie kannst du ihr beibringen, dir freundlich mitzuteilen, dass es erstmal reicht?

Klare Indizien für „Ich mag nicht (mehr)“

Eine genießende Katze zeigt dir immer wieder, dass ihr das Kuscheln gerade wirklich gefällt. Eine tiefenentspannte Katze wird sich vielleicht nicht mehr intensiv in deine Hand drücken, aber sie wird kleine schmiegende Bewegungen machen, sich strecken oder wohlig seufzen. Woran kannst du aber erkennen, dass ein Streichelangebot nicht gut ankommt oder die Kuschelrunde nun beendet werden könnte – ohne dass die Katze erst nach dir schlagen muss?

Das klarste Anzeichen dafür, dass eine Katze deine Streichelstimmung nicht (mehr) teilt, ist: Sie steigt nicht darauf ein. Sie bleibt völlig passiv. Vielleicht wendet sie auch den Kopf von dir ab. Falls sie gleichzeitig schnurrt, dann kannst du davon ausgehen, dass sie aufgeregt oder unsicher ist. Deshalb gilt: Wenn deine Katze nicht binnen zwei bis drei Sekunden auf dein Streichelangebot einsteigt, dann hör bitte wieder auf.

Ob du nun gerade beginnst zu streicheln oder ob inmitten einer ausgiebigen Kuschelsession: Achte auf den Schwanz deiner Katze. Beginnt die Schwanzspitze zu zucken? Oder bewegt die Katze den ganzen Schwanz? Das kann das Signal dafür sein, dass sie deine Berührung nicht (mehr) angenehm findet. Es ist Zeit, die Berührung zu verändern oder ganz aufzuhören.

Einige Katzen drücken ihr Unbehagen bzw. ihre Verärgerung darüber, bedrängt zu werden, durch ein kurzes Schnaufen aus. „Hhmmmpf!“ Dieser Unmutslaut, der dem von uns Menschen recht ähnlich ist, fällt bei Katzen sehr leise aus. Wenn du ihn wahrnimmst, stoppe das Streicheln. Sonst ist Gefahr in Verzug.

Hör also genau hin, wenn du im Streichelkontakt mit einer Katze bist. Dann entgeht es dir auch nicht, wenn deine Katze, die bis eben noch wohlig mit dir gekuschelt hat, aufhört zu schnurren. Dies ist dann ein sicheres Anzeichen dafür, dass die Kuschelstunde nun ein Ende haben kann.

Frag nach: „Magst du noch?“

Wenn du richtig Punkte machen möchtest bei deiner Katze oder beim Kennenlernen einer fremden Katze, dann fragst du immer wieder nach, ob sie noch möchte. Das ist ganz einfach:

  • Als allererstes sprich die Katze an, um Kontakt aufzunehmen. Wirst du ignoriert? Kommt kein Blick in deine Richtung? Dann ist jetzt nicht der Moment, um mehr Nähe herzustellen.
  • Wenn sie dich aber anschaut, blinzele sie langsam an, um deine freundliche Absicht zu signalisieren. Ist der Blick der Katze zu dir freundlich-weich oder blinzelt sie sogar zurück, dann kannst du zu ihr gehen.
  • Halte ihr nun kurz deine Hand zum Beriechen hin. Etwa ein bis zwei Zentimeter vor die Katzennase. Weicht die Katze daraufhin mit dem Kopf aus, dann nimm die Hand einfach wieder weg und versuche es später erneut.
  • Wirst du einfach kurz beschnuppert oder schmiegt die Katze sich von allein sofort gegen deine Hand, beginnst du sie mit den Fingerspitzen an der Wange zu kraulen.
  • Höre nach zwei bis drei Sekunden wieder auf und halte deine Hand kurz passiv in unmittelbarer Nähe zum Katzenköpfchen. Dadurch fragst du nach: „Möchtest du, dass ich weitermache? Dann gib mir ein Zeichen!“
  • Wenn die Katze gerne weiter gestreichelt werden möchte, zeigt sie das. Sie wird sich an deine Hand schmiegen, dich anschauen oder sonst irgendwie in den aktiven Kontakt mit dir gehen. Dann kannst du die nächste Runde einläuten, einige Sekunden lang streicheln und dann wieder durch Innehalten mit der Hand neben der Katze nachfragen.
  • Falls die Katze auf deine Nachfrage nicht reagiert, kannst du davon ausgehen, dass es für den Moment genug ist. Dann ist die Streicheleinheit jetzt zu Ende.

Bitte widerstehe dem Impuls, die Katze davon überzeugen zu wollen, dass es doch so schön sein könnte, jetzt von dir gestreichelt zu werden. Das fällt oft schwer. Aber weniger ist oft mehr. Wenn du die Signale einer Katze lesen kannst und beherzigst, wird sie dich als vertrauenswürdigen und angenehmen Menschen kennen lernen. Genau das ermöglicht es ihr vielleicht, sich dir gegenüber im Laufe der Zeit mehr zu öffnen.

Stopp-Signal an die Katzenpfote

Wenn es dir schwerfällt, die oft subtilen Hinweise deiner Katze rechtzeitig zu erkennen, und deine Katze sich deshalb – je nach Charakter – zurückzieht oder dir häufiger eine wischt, dann bring ihr doch einfach ein freundliches, plakatives Stoppsignal bei!

  • Beobachte deine Katze bei den nächsten Streicheleinheiten dahingehend, was für Bewegungen sie dabei häufiger macht, die du gut wahrnehmen kannst. Das könnte eine deutliches Wegdrehen des Kopfes, eine bestimmte Streckbewegung oder ein kurzes Putzen sein. Eine solche Bewegung kann das Stopp-Signal für deine Katze werden.
  • Wie kannst du zum Beispiel aus dem kurzen Putzen so ein Stopp-Signal machen? Indem du ab sofort, wann immer deine Katze sich kurz putzt, während du sie gerade streichelst, deine Hand vollständig zurückziehst und das Streicheln beendest. Bleibe einfach ruhig und passiv bei deiner Katze sitzen. Falls sie dich nun überrascht anschaut und dich anschließend ganz klar zum Weiterstreicheln auffordert, darfst du noch einmal weitermachen. Folgt keine Aufforderung, bleibst du völlig passiv.
  • Wenn du wirklich jedes Mal deine Streichelaktivität einstellst, wenn deine Katze sich kurz putzt, dann lernt sie das im Zuge von vielen Wiederholungen: „Nanu, wenn ich mich putze, dann hört mein Mensch immer auf mich zu berühren. Die allermeisten Katzen schaffen es, daraus den Schluss zu ziehen: „Oh hey, das heißt: Wenn ich möchte, dass mein Mensch aufhört, mich zu streicheln, dann muss ich mir nur kurz über die Pfote schlecken!“ Und schon hat diese Katze ein ganz individuelles Stopp-Signal, das ihr Mensch auch wirklich versteht.

Wenn deine Katze ein solches Stopp-Signal lernt, erleichterst du ihr die Kommunikation mit dir. Vorbei sind die Zeiten, in denen du – wenn auch aus Versehen – ihre kleinen, feinen Hinweise übersiehst. Deine Katze kann sich dir auf diese friedlich-freundliche Art verständlich machen. Sie muss nicht ihre Krallen auspacken, um dich zu stoppen. Sie muss aber auch nicht weggehen, sondern kann im Anschluss an das aktive Kuscheln die passive Nähe zu dir genießen.


Christine Hauschild lebt mit ihrem Kater in Hamburg. Sie betreibt dort seit über 10 Jahren die Katzenschule Happy Miez und berät Halter in allen Fragen rund um das (Problem-)Verhalten ihrer Katzen. Zusätzlich zu ihrer Arbeit als Katzenverhaltensberaterin bietet sie Seminare und Fortbildungen an. Außerdem ist sie Verfasserin mehrerer Katzenratgeber.


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