Was Katzen an uns nervt – die Top 3

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Was Katzen nervt

Eins ist klar: wir lieben unsere Katzen sehr – und doch können sie manchmal sicherlich an unserem Nervenkostüm zerren, wenn sie uns in ihrer charmant aufdringlichen Art von ihren Wünschen zu überzeugen. Wie sieht es aber aus Sicht der Katze mit unseren Gewohnheiten aus? Stößt unser Verhalten immer auf Miezis Wohlwollen? Die bittere Wahrheit ist: leider nein! Hier kommen die Top 3 der Dinge, die unsere Katzen an UNS nervt.

Top 1 - Hey, hör auf mit dem Gekrabbel!

Die Hand in das weiche Fell einer Katze zu graben, sie nach Herzenslust zu streicheln und zu bobbeln, - wer macht das nicht gern?! Dabei übersehen wir manchmal, dass unsere Flauschbälle zwar weiterhin bei uns kuscheln, aber eben nicht dauernd von uns angefasst werden möchten. Wie löst deine Katze dieses Missverständnis auf? Steht sie auf und geht einfach oder bekommst du meist unerwartet einen beherzten Pfotenhieb von ihr, wenn du beim heimischen Couchen allzu unbeachtet ihr Pelzchen krabbelst? Je nach Temperament und zurückliegenden Erfahrungen fällt die Lösung deiner Katze vielleicht (mittlerweile) grober aus als es deine Haut aushält und du hast – zack – eine Kralle in der Hand. Deine Katze ist gerade ebenso genervt von dir wie du – vermutlich – durch den Hieb. Die Lösung? Übt gemeinsam, wieder freundlich miteinander umzugehen. Kuschelt ihr zusammen auf der Couch, streichle deine Katze bewusst nur ein oder zwei Mal über das Köpfchen und nimm deine Hand wieder einen Moment zurück. Beobachte die Körpersprache des Tiers! Verlagert sie ihr Gewicht in deine Richtung? Schaut sie zu dir auf und kommt vielleicht mit ihrem Kopf in Richtung deiner Hand? Dann scheint sie deine Berührung genossen zu haben und etwas mehr davon zu wollen. Streichle sie erneut wenige Male und beobachte, wie sich deine Katze weiterhin verhält. Zuckt ihre Schwanzspitze ein wenig (oder sogar schon deutlich), wackeln ihre Ohren oder drehen sie sich um? Verlagert sie ihren Körper nun von dir weg? Dann ist ihr deine Berührung schon etwas unangenehm und du solltest diesen Wunsch respektieren. So lernt ihr beide, besser bzw. freundlicher aufeinander zu achten.

Top 2 – Falsches Spiel!

Katzen sind leidenschaftliche, lebenslange Jäger. Egal, ob bei der Jagd nach einer lebenden Maus oder im Spiel mit einer Attrappe, üben sie täglich ihre Fähigkeiten, der Beute aufzulauern, um ihr im perfekten Moment den Garaus zu machen. Eine (gesunde) Katze jagt bzw. spielt lebenslang und doch haben viele Halter den Eindruck, dass die eigene Katze kaum zu einem „richtigen“ Spiel zu motivieren sei. Dabei liegt es meist nicht daran, dass deine Katze keine Lust auf ein aufregendes Spiel hätte, sondern vielmehr daran, dass sie die Art deines Spiels vermutlich eher nervt oder einfach nicht zu ihrem natürlichen Bedürfnis passt. Eine erwachsene Katze liebt es, ihrer Beute aufzulauern. Sie spürt an feinen Nervenzellen an ihren Pfoten, in welche Richtung sich die Maus in ihrem Versteck bewegt und passt den Moment ab, in dem sie mit möglichst nur einem Pfotenhieb erfolgreich ist. Der kleine Jäger ist darauf spezialisiert, dass seine Beute sich vor ihm versteckt, sich wenig und fast lautlos bewegt oder aber meist in unerreichbarer Höhe auf dem Geäst flattert und ihr nur ein winziger Moment der Schwäche oder Unachtsamkeit bleibt, um den Vogel in Bodennähe zu fangen.

Und wie spielen wir oft mit der Katze? In wilden Bewegungen fuchteln wir minutenlang vor ihrem Näschen hin und her und sind alles – aber keine real wirkende Beute. Das übergroße und kunterbunte Spielzeug flattert unmittelbar vor Miezis Nase oder bewegt sich hektisch vor ihren Pfoten. Mal ehrlich – welche Maus oder welcher Vogel würde sich so vor ihrem natürlichen Feind aufführen? Als sei das nicht schon nervig genug, erwarten wir mitunter von der kleinen Snackfresserin langatmige Spieleinheiten – möglichst nur ein Mal am Tag und dafür besonders lange. Wir wundern uns, warum unsere Katze nach ein paar Minuten gelangweilt (oder erschöpft) das Spielfeld verlässt. Dabei liegt das in der Natur der Katze: viele kleine Jagdeinheiten über den Tag verteilt statt einer einzigen längeren Sequenz.

Versuche also lieber, mehrere kürzere Spieleinheiten in euren Tag zu integrieren und dein Spielzeug dabei beuteähnlich zu bewegen. Hier kannst du dich zum Katzen-Bespaßer Nummer eins einlesen.

Top 3 – Versteh mich doch!

Sicherlich sind Katzen mitunter Meister darin, sich ihr Leben angenehm zu gestalten und aus dem „Guten“ noch eine Spur „super gut“ raus zu pfoteln. Sie benötigen (und schätzen) Rituale und Grenzen, an denen sie sich orientieren können – und immer wieder ausloten können. Andererseits haben sie selbstverständlich individuelle Bedürfnisse, die erfüllt werden sollten. Leider sind wir Menschen wiederum oft nicht so gut darin, diese Bedürfnisse zu erkennen und rechtzeitig (!) zu erfüllen. So kommt es in vielen Haushalten zu Frust auf beiden Seiten, wenn die Miez so gegen halb drei in der Frühe ein ausgiebiges Maunzkonzert in Bettnähe veranstaltet und als Entlohnung gern ihren Hunger gestillt bekäme – und du als Mensch die allzu schrägen Töne nicht gut mit deinem Schlafbedürfnis unter einen Hut bekommst. Beide Bedürfnisse sind berechtigt – deine Katze ist jedoch meist darauf angewiesen, dass du ihres wahrnimmst und erfüllst. Ich bekomme sehr schnell schlechte Laune, wenn ich hungrig bin – und du? Deine Katze jedenfalls ganz sicher. Mehrere kleine, frische Mahlzeiten kommen dem Bedürfnis deiner Katze entgegen. Für die Fütterung in Abwesenheit (dazu zählt für deine Katze auch dein scheinbar unendlicher Schlaf) gibt es Futterspiele oder -automaten (auch für Nassfutter).

Wie tickt deine Katze und inwiefern kommst du dem nach – zu ihren Konditionen?

Immer wieder geht es in meinen Beratungen um die Übersetzung der individuellen Bedürfnisse der Katze, deren Wahrnehmung durch ihre Menschen und Einbettung in den ganz eigenen Alltag. Viele, eher kürzere Spieleinheiten – und ebenso viele und kleine Mahlzeiten, regelmäßiger frischer Input und die Wahrung der persönlichen Grenzen und Momente von Nähe kommen nicht nur deiner Katze entgegen und entspannen euer gemeinsames Leben, sondern sind meist ganz leicht in deinen eigenen Tagesablauf zu integrieren. Finde eine gute Mischung aus konzentrierter Aufmerksamkeit nur für deine Katze zu Zeiten, in denen du dich ganz auf sie einlassen kannst und Angeboten zur solitären Beschäftigung oder auch kurzen Interaktion mit dir, wenn beim Kochen beispielsweise eine ungekochte Nudel nicht im Topf landet, sondern quer über den Küchenboden fliegt und deine Katze dieser merkwürdigen Beute einen kurzen Moment hinterher jagt.


Carmen Schell, Inhaberin von Cattalk®, ist als ausgebildete Tierpsychologin (ATN) mit dem Fachgebiet Katze im Rhein-Main-Gebiet, überwiegend rund um Darmstadt und Frankfurt sowie im Online-Coaching tätig. Sie bietet professionelle Unterstützung bei allen Fragen zu der Haltung und Problemverhalten von Samtpfoten. Neben der persönlichen Beratung gibt sie regelmäßig Vorträge und bundesweite Seminare für interessierte Laien und Profis. Ihr Herz hat die Autorin besonders an Katzen aus dem Tierschutz verloren und engagiert sich ehrenamtlich im regionalen Tierschutz.


 

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