Katzenschwanz: Stimmungsbarometer der Katze

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Katzenschwanz

Vielleicht hast du auch schon gehört, dass der Katzenschwanz eine Art Stimmungsbarometer ist, an dem wir – und andere Lebewesen – ablesen können, wie sich das Tier aktuell fühlt. Es ist einerseits ein gut sichtbares Merkmal, gleichzeitig birgt es Potential für Missverständnisse. Der gegensätzliche Einsatz des Schwanzwedelns ist eines der bekanntesten Konfliktpotentiale zwischen Hunden und Katzen, bei dem es die größte Übersetzungsarbeit der verschiedenen Tierarten benötigt. Während beim Hund ein ausladendes, überschwängliches Wedeln der Rute meist ein Zeichen der freudigen Begrüßung ist, kommt bei der Katze als Signal „Ich bin kurz vorm Explodieren – halte besser Abstand“ an. Ein Übersetzungsfehler, den die Tiere jedoch mit ein wenig Übung und Unterstützung durch uns lernen können.

Körpersprache von Tieren

Wir selbst tun allerdings ebenso gut daran, die Körpersprache der Samtpfoten zu beachten und Rücksicht darauf zu nehmen. Ohren und Katzenschwanz sind für uns optisch gut wahrnehmbar und mit etwas Training verständlich zu deuten.

Aufrechter Katzenschwanz

Zur freundlichen Begrüßung tapsen uns Katzen gern mit aufrechtem Schwanz entgegen. Wie eine kleine Fahne knicken sie meist das obere Ende ein wenig ab und signalisieren damit ein freundliches „hallo“. Kommt deine Katze ohne geknicktes Ende auf dich zu gesaust, freut sie sich ganz besonders über eure Begegnung. Läufst du nun auch noch Richtung Futterschrank, könnte zu dem senkrecht aufgestellten Schwanz noch ein leichtes Zittern hinzukommen, ergänzt mit aufgeregtem Tippeln auf den Hinterpfoten. Die Katze ist völlig aus dem Häuschen, freut sich auf ein großes Festmahl – oder eine andere, besonders beliebte Belohnung!

Zackig schlagende Schwanzspitze

Beginnt sie wiederum, zunächst ganz leicht und etwas zackig mit der Schwanzspitze zu schlagen, solltest du aufmerksam werden und hinterfragen, was du gerade tust. Streichelst du das Tier unentwegt? Bist du ihr sehr nahe – während ihr ein wenig Abstand lieber wäre? Deine Fellnase zeigt dir, dass sie etwas stört. Ignorierst du dieses Zeichen, kann es im nächsten Schritt in ein zackiges Wedeln übergehen – gefolgt von einem beherzten Pfotenhieb, um ihrem Unmut Nachdruck zu verleihen.

Nicht selten höre ich in meiner Beratungspraxis, dass man eben noch die neben sich ruhende Katze friedlich streichelte und scheinbar aus dem Nichts eine Kralle in der Hand hatte. Was war geschehen? Häufig kommt es zu diesen Situationen, wenn wir die Katze beiläufig streicheln und nicht darauf achten, ob der nahe Kontakt überhaupt noch angenehm für sie ist. Vielleicht ist uns bereits entgangen, dass sie mit einer leichten Gewichtsverlagerung von uns weg gezeigt hatte, dass sie zwar noch bei uns liegen, aber nicht mehr unbedingt berührt werden möchte. Mit einem leichten Schwanzschlagen wollte sie diesen Wunsch wiederum – ganz kätzisch freundlich - verdeutlichen. Nimm Rücksicht und respektiere die Grenze des Tiers. Das ist nicht nur viel liebenswerter, sondern schützt dich zudem vor ihren Krallen.

Schwanzschlagen

Manchmal schlägt der Minitiger in gleichmäßigen, überschwänglichen Bewegungen während einer ausgiebigen Schnurr-Kraul-Session mit uns mit dem Schwanz. Auch hier bedeutet das Schwanzschlagen eine gute Portion Aufregung und je nach Temperament könnte diese Situation in einem, für uns unangenehmen Nahkampf ausgehen. Die Katze umfasst unsere Hände, klammert sich mit ihren Krallen daran fest und tritt kräftig mit den Hinterpfoten zu. Haia! Was ein Spaß – für die Katze, in der Regel weniger für uns. Sie ist in eine katzentypische Rauferei übergangen, in der sie vor lauter Adrenalin nicht mehr wahrnehmen kann, dass unser lautes Aufkreischen bei Weitem nicht von dem Spaß zeugt, den sie aktuell vermutlich hat. Wir sind zu ihrer Beute geworden – und die muss natürlich gefangen und ordentlich vermöbelt werden.

Die Lösung auch hier: achte auf ein zackiges, ggf. hektischeres Schlagen des Schwanzes oder dessen Spitze und stoppe unmittelbar deine Interaktion mit dem kleinen Raufbold oder lenke bestenfalls auf ein geeignetes Spielzeug um.

Übrigens: schlägt der Schwanz eher langsam und gemächlich, deutet das auf Konzentration hin. Du siehst es beispielsweise, wenn die Katze vor einem neuen Activity Board sitzt und überlegt, wie sie an die Leckereien darin kommt. Beim Tricktraining oder spannenden Beobachten deutet das gleichmäßige Schlagen ebenfalls auf Konzentration hin – (meist) kein guter Zeitpunkt, den kleinen Professor durch eine Berührung aus dem Konzept zu bringen.

Puschelschwanz

Puschelt der Schwanz zur Klobürste auf, ist oberste Alarmstufe gegeben. Deine Katze regt etwas furchtbar auf – sie ist kurz vor der Explosion! Ein an der Schwanzwurzel gestreckter und schließlich senkrecht abfallender gepuschelter Katzenschwanz deutet auf eine offensive Aggression hin – also einen drohenden Angriff. Er wird häufig im Kontakt mit fremden Artgenossen gezeigt oder aber zwischen bereits bekannten Rivalen. Die Katze ist bis in die Pfotenspitzen angespannt und könnte jeden Moment zum Angriff übergehen. Zeigt sie dir gegenüber das Verhalten, signalisiere ihr mit einem langsamen Blinzeln, dass du es freundlich meinst. Schau leicht an ihr vorbei und entferne dich vorsichtig, ohne dem Tier dabei den Rücken zuzudrehen. Vermeide unbedingt hektische Bewegungen, denn diese können ebenso wie eine schnelle Flucht einen Angriff auslösen.

Versteckter Schwanz

Versteckt die Samtpfote wiederum ihren Schanz zwischen ihren Hinterläufen oder schlängelt ihn seitlich eng an ihren Körper, hat sie große Angst und möchte ebenfalls mehr Abstand. Ihre Ohren klappen dabei seitlich an die Wangen, ihre Schnurrhaare sind eng am Gesicht angelegt – in größter Angst sind Katzenschwanz, Ohren und Schnurrhaare meist kaum noch sichtbar.


Carmen Schell, Inhaberin von Cattalk®, ist als ausgebildete Tierpsychologin (ATN) mit dem Fachgebiet Katze im Rhein-Main-Gebiet, überwiegend rund um Darmstadt und Frankfurt sowie im Online-Coaching tätig. Sie bietet professionelle Unterstützung bei allen Fragen zu der Haltung und Problemverhalten von Samtpfoten. Neben der persönlichen Beratung gibt sie regelmäßig Vorträge und bundesweite Seminare für interessierte Laien und Profis. Ihr Herz hat die Autorin besonders an Katzen aus dem Tierschutz verloren und engagiert sich ehrenamtlich im regionalen Tierschutz.


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