Norwegischer Lundehund im Rasseportrait

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norwegischer lundehund

Norwegischer Lundehund

Jagdhunde
Herkunft Norwegen Lebenserwartung oft nur 7 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 5: Spitze und Hunde vom Urtyp Funktion Jagdhunde
Größe Kleine Hunderassen Häufige Krankheiten Lundehundsyndrom
Gewicht 6 - 7 KG Felllänge dicht, rau, kurz
Charakter/Wesen agil, freundlich Fellfarbe Kombination weiß - braun
Besonderheiten

Einzigartige Merkmale; Lundehundsyndrom

Rassenmerkmale und Erscheinungsbild

Wie sieht ein Norwegischer Lundehund aus?

Der Norwegische Lundehund ist ein kleiner Hund mit vielen einzigartigen Besonderheiten. Auf den ersten Blick kommt der fast grazil gebaute, nur entfernt an einen Spitz erinnernde Norweger eher unscheinbar daher. Dahinter verbirgt sich jedoch eine der spannendsten Hunderassen überhaupt. Der Name "Lundehund" leitet sich ab vom Lundevogel, besser als Papageientaucher bekannt (Fatercula arctica-artica). Er ist ein Spezialist für die Jagd auf diese Vögel, wenn sie in langen Röhren an den steilen Felsklippen Norwegens brüten. Lundehund-Kennerin Nicole Kamphausen bringt seine Besonderheiten auf den Punkt:

  • An jedem Fuß sind sechs Zehen ausgebildet, wobei oft eine siebente Zehe im Ansatz vorkommt.
  • Er kann die Ohren so dicht verschließen, dass der Gehörgang vor Staub und Feuchtigkeit geschützt ist.
  • Er hat Genickgelenke, die ihn in die Lage versetzen, seinen Kopf soweit zurückzubeugen, dass der Scheitel den Rücken berührt. 
  • Darüber hinaus verfügt er über außergewöhnlich bewegliche Schultergelenke, die es ihm ermöglichen, die Vorderbeine vollkommen zur Seite zu führen.

Das ist einmalig in der Hundewelt. Evolutionär hat sich besonders seine Wirbelsäule in dieser einzigartigen Weise entwickelt, weil es für den hochspezialisierten Jäger lebensrettend ist, wenn er sich in den engen Erdgängen mit der Beute im Maul umdrehen muss. Der offizielle Standard beschreibt seine Erscheinung so: "Der Norwegische Lundehund ist ein rechteckiger Spitzhund, klein, geschmeidig, relativ leicht, mit deutlichem Geschlechtsgepräge." Die sehr beweglichen Ohren sind aufgerichtet und spitz. Die Rute wird über dem Rücken oder auch hängend getragen. Er hat ein dichtes, raues Deckhaar mit weiche Unterwolle. Das Haar ist kurz am Kopf und an den Vorderseiten der Läufe. Reichere Behaarung am Hals und an den Schenkel-Rückseiten. Dichte Behaarung der Rute, jedoch keine Fahne. Seine Farbe besteht immer aus einer Kombination mit weiß, rotbraun bis fahlbraun mit schwarzen Haarspitzen und weißen Abzeichen. Rüden sollen eine Widerristhöhe von 43 bis 47 Zentimetern vorweisen, Hündinnen von 41 bis 45. Das Gewicht soll bei Rüden zwischen 14 und 18, bei Hündinnen 12 und 16 Kilogramm liegen.

Wie alt wird ein Norwegischer Lundehund?

Der Lundehund hat leider eine sehr geringe Lebenserwartung von meist nur 6 oder 7 Jahren. Der Grund: In der Population dieses einzigartigen Hundes ist ein einzigartiger Gendefekt verbreitet, siehe unten.

Wesenszüge und Charaktereigenschaften

Welchen Charakter hat ein Norwegischer Lundehund?

Der Lundehund ist sehr aktiv und liebt es, mit seinen Menschen gemeinsam Herausforderungen zu meistern. Er ist kein Couch-Potatoe. Der Lundehund ist ein sehr freundlicher, dem Menschen zugewandter Familienhund. Er gilt als ausgesprochen kinderlieb. Der offizielle Standard beschreibt sein Wesen kurz als: "Aufmerksam,  energisch, lebhaft." Trotz der weitgehenden Anpassung an seine ursprüngliche Aufgabe ist der etwas eigenwillige Lundehund durchaus ein lebhafter, fröhlicher und menschenfreundlicher Begleithund für die heutige Zeit mitten in Europa. Er liebt ausgedehnte Wanderungen. Der Norwegische Lundehund ist durchaus für ambitionierte, aktive Anfänger geeignet.

Herkunft & Geschichte

Wo kommt der Norwegische Lundehund ursprünglich her?

Der Norwegische Lundehund ist eine sehr alte Hunderasse. Er ist eine der sieben norwegischen Hunderassen. Dieser kleine Hund war über Jahrhunderte hinweg die Lebensversicherung breiter Teile der norwegischen Bauern und Fischer an den Küsten der Nordsee und ihrer Fjorde. An den extrem steilen Klippen konnte alleine dieser Hund Jagd auf die brütenden Papageientaucher machen. Diese bauen ihre Nisthöhlen über drei Meter tief in die Klippen hinein. Für den Menschen und selbst für Füchse unerreichbar. Durch den Fischreichtum fett gefressen, sind diese Vögel sehr nahrhaft. Eine wahrhaft fette Beute. Die Lunde wurden eingesalzen und als Wintervorrat in Holzfässern gelagert. Durch die Arbeit der Lundehunde konnten die Menschen über den Winter kommen. Überdurchschnittliche Hunde fingen auf einem Jagdgang 80 Vögel. Verbürgt ist eine Einzelleistung von 130 Stück. Diese Arbeit leisteten die Hunde weitgehend selbständig. Nachdem sich die Ernährungslage im 20. Jahrhundert wesentlich verbessert hatte, wurde der Lundehund arbeitslos. Der 2. Weltkrieg und Staupe-Epidemien gaben ihm den Rest. Er starb fast aus. Aus den Restbeständen wurde dann eine neue Population aufgebaut. Es waren nur ganz wenige Exemplare. So war Inzucht ein - zu wenig beachtetes - Problem. Ein meist tödlicher Gendefekt (siehe unten) konnte sich schnell verbreiten - bedingt durch züchterische Ignoranz dieser Gefahr gegenüber. So ist es heute leider so, dass es kaum noch Exemplare gibt, die frei von diesem schwerwiegenden Gendefekt sind. Dieser wurde inzwischen durch die Arbeit von Professor Distl von der Tierärztlichen Hochschule Hannover nachgewiesen und sogar ein Gentest hierzu entwickelt. Aufgrund der heutigen Misere in der Zucht dieses tollen, so einzigartigen Hundes ist von der Anschaffung eines Lundehundes derzeit abzuraten. 1965 erfolgte die offizielle Anerkennung der Rasse durch die Fédération Cynologique Internationale. In Deutschland wird der Lundehund züchterisch vom Deutschen Club für Nordische Hunde im VDH betreut. Welpen fallen aber nur ganz selten, gesunde so gut wie nie.

Beliebte Mixe

Mixe mit Norwegischem Lundehund gibt es so gut wie nicht.

Pflege, Gesundheit und Krankheiten

Wie viel Pflege braucht ein Norwegischer Lundehund?

Ein Norwegischer Lundehund braucht während des Fellwechsels etwas Pflege. Der Lundehund ist heute eine der am schlimmsten von erblich bedingten Krankheiten gebeutelten Hunderassen. Man nennt die Krankheit Lundehundsyndrom oder Lundehund-Gastroenteropathie. Der Gendefekt manifestiert sich als schwerwiegende Magen-Darm-Krankheit, die die Hunde regelrecht auszehrt und meist zu einem frühen, oft qualvollen Tod führt. Heute gibt es kaum Hunde, die noch frei von diesem Gendefekt sind.

Wissenswertes über die Ernährung des Norwegischen Lundehundes

Der Norwegische Lundehund ist aufgrund seines verbreiteten Gendefektes sehr anspruchsvoll in seiner Ernährung - besonders wenn sich das Lundehundsyndrom manifestiert hat.

Überlegungen vor der Anschaffung

Aufgrund der heutigen Misere in der Zucht dieses tollen, so einzigartigen Hundes ist von der Anschaffung eines Lundehundes derzeit abzuraten.

Norwegischer Lundehund Erziehung und Haltung

Passt ein Norwegischer Lundehund zu mir?

Der Norwegische Lundehund ist ein freundlicher, temperamentvoller Hund. Er will die Einbindung in die Familie und kann sich in diese auch anstandslos einordnen. Ideal ist ein Haus mit Garten auf dem Land. Das ist aber kein Muss. Er kann auch in einer Wohnung in der Stadt gehalten werden, vorausgesetzt du beschäftigst dich täglich intensiv mit ihm. Der Norwegische Lundehund ist ein liebevolles Mitglied der Familie und toller Partner für Kinder. Er begrüßt Besuch freundlich und stürmisch. Er ist ausgesprochen pflegeleicht - von der gesundheitlichen Situation einmal abgesehen. Viel wichtiger ist es, dass Mensch wie Hund gemeinsames Interesse an viel Bewegung und Erkundungen in der Natur haben. Der Norwegische Lundehund ist kein Couch-Potatoe. Er lässt sich sehr gut erziehen. Er ist offen und ehrlich und arbeitet gerne mit Herrchen und Frauchen zusammen.

Interessantes, Wissenswertes & Extras

Der Norwegische Lundehund ist eine einzigartige Besonderheit in der Hundewelt. Leider ist er aufgrund von Fehlentwicklungen in seiner Zucht auch von einer einzigartigen, schweren Erbkrankheit gebeutelt.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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