Anti-Stress-Hunde

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Anti-Stress-HundHunde haben erwiesenermaßen viele positive Effekte auf uns Menschen. Sie bringen uns dazu regelmäßig an die frische Luft zu gehen, mit ihnen große Spazierrunden zu drehen und helfen uns dabei, leichter in Kontakt mit anderen Menschen zu treten. Als Therapie-oder Begleithunde werden Vierbeiner bereits seit langer Zeit geschätzt, um ihren Einfluss auch in der sozialen Arbeit mit Menschen zu nutzen. Heute werden Hunde auch gezielt an Orten eingesetzt, an denen Menschen erhöhtem Stress oder Ängsten ausgesetzt sind. Diese „Anti-Stress-Hunde“ sind – vor allem in den USA – besonders beliebt an größeren Flughäfen.

Was ist die Aufgabe eines Anti-Stress-Hundes?

Der Job eines Anti-Stress-Hundes ist es, gestressten Personen die Möglichkeit zu geben, wieder ruhiger zu werden, tief durchzuatmen und ihre Angst für einen Moment zu vergessen. Die Hunde lassen sich von Menschen streicheln, kuscheln und schenken dabei Nähe und Ruhe. Sie begleiten ihren Halter durch den Flughafen und halten Ausschau nach Menschen, die den Dienst des Einsatzhundes in Anspruch nehmen wollen. Diese Arbeit ist niccht zu unterschätzen! Für den ein oder anderen mag es nach dem Traum eines jeden Hundes klingen, Streicheleinheiten ohne Ende zu bekommen. Doch bereits eine Stunde ist sehr anstrengend für einen Anti-Stress-Hund.

Anforderungen an einen Anti-Stress-Hund

Obwohl Streicheleinheiten ganz toll klingen, bedeutet es für einen Hund unter bestimmten Umständen eine Menge Stress. Insbesondere, wenn sie diese an einem belebten, vollen Flughafen bekommen. Hier rennen die Menschen von A nach B, schieben sich mit ihren Rollkoffern dicht an den Hundepfoten vorbei und missachten den Individualabstand des Hundes immer wieder. Zudem ist es für viele Hunde nicht selbstverständlich, sich von fremden Menschen streicheln zu lassen. Umso anspruchsvoller ist es, sogar offen auf Personen zu zu gehen und immer freundlich zu reagieren, egal wie die Menschen sich dem Hund nähern. Ob Kind, Frau, Mann, ältere oder behinderte Person – ein professioneller Anti-Stress-Hund sollte immer freundlich sein. Das bedeutet, dass ein Hund im Einsatz top sozialisiert sein muss, sowohl im Umgang mit Menschen, als auch bei Begegnungen mit Artgenossen, denn auch die sind an Flughäfen häufig anzutreffen. Und ein sich in die Leine werfender, bellender oder generell Aggressionen zeigender Vierbeiner macht bestimmt keinen vertrauenserweckenden Eindruck auf die Menschen, die eigentlich mit diesem Hund kuscheln sollten, um ihre Ängste zu verlieren.

Es braucht also einiges, um souverän mit solchen Situationen umzugehen. Der Anti-Stress-Hund sollte deshalb besonders stressresistent und betont „cool“ sein. Eine enge Bindung zu seinem Halter ist die grundlegende Basis für das Vertrauen. Das benötigt er, um sich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen. Solange sein Mensch an seiner Seite ist, ist seine Welt in Ordnung und ihn kann nichts oder niemand stressen.

Den eigenen Hund ausbilden lassen

In Deutschland sind Anti-Stress-Hunde leider noch nicht sehr verbreitet. Den eigenen Hund für den Einsatz als Anti-Stress-Hund professionell ausbilden zu lassen beziehungsweise einen offiziellen Einsatzort für ihn zu finden, ist deshalb schwierig. Bei uns gibt es auch ganz besonders strikte Vorschriften, um die Sicherheit und Gesundheit aller Bürger wahren zu können. Dein Vierbeiner begleitet dich verlässlich an öffentliche Plätze, wie beispielsweise in den Baumarkt, in öffentliche Verkehrsmittel oder die volle Innenstadt an einem Samstag? Dann bringt er gute Voraussetzungen für den Job als Anti-Stress-Hund mit. Selbstverständlich ist es allerhöchste Priorität, dass dein Hund sich von fremden Menschen problemlos anfassen lässt und deren Nähe zulässt.

Achte immer darauf, ob dein Vierbeiner Stressanzeichen zeigt oder dir deutlich zu verstehen gibt, dass er sich in der Situation unwohl fühlt. Dann ist es deine Aufgabe als Halter, ihn sofort aus der Situation zu nehmen. So senkst du seinen Stresspegel. Wenn du mit deinem Vierbeiner gerne einen „Einsatz“ übernehmen möchtest, solltest du dich in Ruhe informieren, wo freundliche Hunde willkommen und geschätzt sind.

Vielleicht wäre die Besuchshundausbildung etwas für dich und deinen Vierbeiner? Bedenke aber, dass du hier kein Geld bekommen würdest, sondern stets ehrenamtlich arbeiten würdest. Das Strahlen in den Augen der Personen und die Lebensfreude, die der eigene Hund auslöst, sind dafür aber glatt mehr wert und geben eine Menge zurück!


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften. Als Dozentin ist Kristina Ziemer-Falke sehr gefragt und deutschlandweit auf Seminaren und Vorträgen zu Themen rund um den Hund anzutreffen.


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