Landseer im Rasseportrait

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Landseer

Landseer

Wachhunde
Herkunft Deutschland Lebenserwartung 10-12 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer - Molosser - Schweizer Sennenhunde Funktion Wachhunde
Größe Riesige Hunderassen Häufige Krankheiten Hüftgelenksdysplasie, Magendrehung
Gewicht unbekannt Felllänge mittellang
Charakter/Wesen intelligent, freundlich, ruhig, wachsam, gutmütig Fellfarbe weiß-schwarz
Besonderheiten

Therapiehund, geringer Jagdtrieb, seltene Hunderasse

Herkunft und Rassegeschichte

Der Landseer ist zusammen mit dem Neufundländer an der Ostküste Kanadas entstanden. Die große Insel Neufundland, die dort vorgelagert ist, gab seinen Vorfahren den Namen. Erst vor gut 100 Jahren wurden die Wege des Landseers von denen des Neufundländers getrennt. Grund war, dass man seine schwarz-weiße Fellfarbe erhalten wollte. Dazu später mehr. Dass er von den Hunden der Wikinger aus präkolumbianischer Zeit abstamme, aus Spanien oder von Hunden der Indianer, sind Legenden, die ohne Belege stehen. Laut der aktuellen genetischen Karte der Hunderassen einer internationalen Forschergruppe um Heidi G. Parker von 2017 besteht hingegen eine enge Verwandtschaft zu den Retrievern, die wie der Labrador aus derselben Gegend stammen. Wahrscheinlich kamen die Vorfahren des Landseers respektive Neufundländers mit den ersten europäischen Siedlern nach Nordamerika.

Die großen Hunde bewährten sich in dem eiskalten Wasser des Nordatlantik als wichtige Helfer der Fischer und Robbenjäger und machten sich gelegentlich ebenso bei der Jagd auf Bären und größeres Wild nützlich. Zudem transportierten Neufundländer oder Landseer Lasten und selbst als Zughund sollen sie sich verdient gemacht haben. Die Arbeit mit den Fischern im extrem rauen Klima war ausgesprochen anspruchsvoll. Der Landseer musste mitdenken, er musste an den Netzen schwere Arbeit verrichten, er rettete immer wieder Schiffbrüchigen das Leben. So entwickelte er die Besonderheiten seines Wesens und seines Körperbaus. Er brachte Erstaunliches im Dienste der Menschen zustande. Mit den Kabeljau-Schiffen kamen Landseer bzw. Neufundländer schon im 18. und frühen 19.Jahrhundert immer wieder nach England. Hier kam er aufgrund seiner eindrucksvollen Leistungen schon früh zu Ruhm.

Der berühmte Dichter Lord Byron setzte 1808 seinem geliebten Landseer Boatswain ein eindrucksvolles Denkmal. Er ließ die Worte in seinen Grabstein meißeln: „An dieser Stelle ruhen die Gebeine von einem, welcher Schönheit besaß ohne Eitelkeit, Stärke ohne Übermut, Mut ohne Wildheit, und alle Tugenden des Menschen ohne seine Laster“. Hier kommt die charakterliche Größe dieser Hunde zum Ausdruck, die noch heute erlebbar ist. Der Maler Sir Edwin Landseer verewigte seine schwarz-weißen Neufundländer um 1830 mehrfach in Öl. Überhaupt gibt es einige Hinweise, dass die als Neufundländer oder Canis Terra novae bereits um 1700 dokumentierten Hunde überwiegend schwarz-weiß waren und sich erst später die heute für den Neufundländer typischen rein schwarzen oder braunen durchsetzten. Der schwarz-weiße Typ kam in England aus der Mode. Schweizerische und deutsche Kynologen und Züchter holten jedoch die letzten guten Hunde aus England und bauten damit eine kontinental-europäische Zucht auf.

Um diese schwarz-weißen Neufundländer zu retten, erklärte man sie um 1900 zu einer eigenen Hunderasse, die nach ihrem berühmten Maler „Landseer“ benannt wurde. So blieb der Hundewelt dieser alte Hundetyp mit großer Geschichte erhalten. Seit dieser Zeit werden Neufundländer und Landseer getrennt gezüchtet. Später sollen Kuvasz und Pyrenäenberghunde eingekreuzt worden sein, um die weiße Grundfarbe zu stabilisieren. In Deutschland wird der Landseer durch zwei Zuchtvereine betreut. Der „Deutsche Landseer Club“ wurde 1976 als weltweit erster Spezialzuchtverein für Landseer gegründet. 1981 kam der „Verein von Landseerfreunden und -züchtern in Deutschland“ hinzu. 1960 wurde der Landseer (europäisch-kontinentaler Typ) offiziell von der Fédération Cynologique Internationale anerkannt. Gut 300 Welpen fallen pro Jahr unter dem Dach des VDH.

Beschreibung

Der Landseer ist ein Großhund. Auf den ersten Blick ist er – unabhängig von der Fellfarbe – vom Neufundländer kaum zu unterscheiden. Tatsächlich soll der Landseer ein wenig größer, Schlanker, etwas hochbeiniger und quadratischer sein. So schreibt der Standard:

Der Landseer soll den Eindruck eines großen, starken, harmonisch gebauten Hundes hervorrufen. Er steht, besonders was den Rüden anbetrifft, auf höheren Läufen als der schwarze Neufundländer.

Auch der Kopf unterscheidet sich, denn der Kopf des Landseers hat eine etwas längere Schnauze und ist nicht so massig wie der des „Teddys“ aus Neufundland. Laut Standard sollen Rüden eine Widerristhöhe von etwa 72 bis 80 und Hündinnen von 67 bis 72 Zentimetern vorweisen. Das Haarkleid soll mit Ausnahme des Kopfes, lang, möglichst schlicht und dicht sein und sich bei der Berührung fein anfühlen. Das Deckhaar ist durchsetzt mit Unterwolle, aber nicht so dicht wie beim schwarzen Neufundländer. Sein Fell ist wasserabweisend. Die Grundfarbe des Haares ist ein klares Weiß mit zerrissenen schwarzen Platten. Der Kopf ist dabei schwarz.

Charakter und Wesen

Das Wesen von Landseer und Neufundländer ist sehr ähnlich, wobei ersterer als etwas agiler gilt. Schon die bloße Erscheinung des Landseers hat eine entspannende, beruhigende. Der Landseer strahlt majestätische Gelassenheit aus. Er ist charakterlich so stabil, wie er äußerlich wirkt. Er hat ein freundliches gutmütiges Wesen. Das sollte aber nicht täuschen: Er weiß sehr wohl zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, was er allein schon durch sein stilles aber umso entschlosseneres Auftreten unmissverständlich unterstreichen kann. Notfalls verteidigt er seine Familie mit aller Entschlossenheit. Kläffen hat er nicht nötig, um sich Gehör zu verschaffen. Zu seinen Freunden ist er ausgesprochen freundlich und zugewandt.

Der Landseer hängt sehr an seiner Familie und liebt Kinder über alles. Er will die Erziehung und braucht sich unbedingt. Denn als kraftvoller Großhund ist er immer stärker als das andere Ende der Leine. Zuweilen hat er einen Dickkopf, doch nach einer freundlichen Bitte von Herrchen und Frauchen tut er alles – gute Erziehung vorausgesetzt. Der Landseer beeindruckt durch die Einheit zweier scheinbar unvereinbarer Pole: einerseits strahlt er Ruhe und Gemächlichkeit aus, andererseits kann er in Windeseile unter schwierigsten Bedingungen Menschen vor dem Ertrinken retten. In aller Regel sind Landseer ausgesprochene Wasserratten. Sie sind hervorragende Schwimmer, was sie gerne und mit Stolz vorführen. Es ist ein fantastisches Erlebnis, mit ihnen morgens früh einsam in einem Natursee schwimmen zu gehen. Noch heute arbeitet der Landseer als Wasserrettungshund. Obwohl in Deutschland und der Schweiz beheimatet ist er auch hier eine sehr seltene Erscheinung geblieben.

Haltung

Der Landseer ist kein Hund für die Stadt oder eine Etagenwohnung. Ausgedehnte Spaziergänge mag er, jedoch ist Wasser für ihn das Größte. Das sollte man ihm zu jeder Jahreszeit gönnen. Das heißt aber auch, dass er danach nicht unbedingt auf einem weißen Sofa abgelegt werden sollte. Wie jeder Großhund ist beim Landseer eine artgerechte Haltung recht aufwändig. Alles muss groß und viel sein.

Wegen seiner Kraft und den hohen auch fachlichen Anforderungen an seine Haltung ist er für Anfänger nicht geeignet, selbst wenn er sich gut erziehen und führen lässt. Er ist ein toller Familienhund. Gerne schläft er mal draußen, selbst bei Wind und Wetter. Zwingerhaltung ist tabu, aber eine Hundehütte als Rückzugsmöglichkeit in einem großen Garten gefällt ihm schon. Wichtiger ist für ihn der enge Anschluss an seine Familie. Er ist ein ruhiger Vertreter, aber zugleich auch ein Sportler, insbesondere ein Wassersportler. Was er nicht braucht, sind Joggen, Leistungssport oder Aktivitäten bei Hitze. Nach dem Sport darf dann gerne geschmust werden.

Erziehung

Der Landseer lässt sich sehr gut erziehen. Er ist intelligent, interessiert und versteht schnell, was er darf und was nicht. Er lässt es zuweilen etwas gemächlich angehen, aber ein wenig motiviert ist er sehr kooperativ und bemüht, Herrchen und Frauchen Freude zu machen. Schon dem Welpen muss glasklar und ohne Ausnahme gezeigt werden, wo der Hammer hängt. An der Führung durch seine Menschen darf es keine Zweifel geben, wie auch nicht an der innigen Beziehung zu.

Man muss immer im Hinterkopf haben, dass dieser Hund der Stärkere ist und Führung nur über deren zweifelsfreie Anerkennung funktioniert. Doch mit Lob und Konsequenz erreicht man bei ihm im Grunde alles. Auf Basis einer guten Erziehung kann man den Landseer sogar sehr gut ausbilden. Viele Landseer werden als Rettungshunde im Wasser, aber auch an Land, eingesetzt. Hierzu kann er bei den Vereinen Wasserarbeitsprüfungen absolvieren.

Pflege und Gesundheit

Haltung und Pflege des Landseers sind aufwändig wie bei allen Großhunden. Das wetterfeste, dichte Fell sollte regelmäßig mit einer Spezialbürste gestriegelt werden. Er sollte nicht geschoren oder getrimmt werden.

Rassetypische Krankheiten

Hunde der Rasse Landseer neigen wie alle Großhunde zu Hüftgelenksdysplasie, Magendrehung. Aufgrund ihres Körperbaus und des dichten Fells vertragen sie Hitze nicht gut.

Ernährung/Futter

Wie alle Großhunde braucht der Landseer viel und gutes Futter. Besonders in der Wachstumsphase bedarf es einer fachkundigen Ernährungsplanung. Hilfreich ist ein hochgestellter Futternapf, um dem Risiko von Magendrehung entgegenzuwirken. Auf das Gewicht sollte immer genau geachtet werden.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung liegt zwischen 10 und 12 Jahren.

Landseer kaufen

Einen Welpen solltest du nur vor Ort bei einem Züchter kaufen, der einem der beiden Landseer-Vereine im VDH angeschlossen ist. Welpen dieser Rasse kosten zwischen 1.500 und 2.000 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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