Folge meinem Blick

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Folge meinem Blick

Für wen ist dieser Trick etwas?

Hunde sind in der Lage, unsere Gesten zu verstehen und nicht nur auf einstudierte (Wort-)Signale zu reagieren. Sie reagieren auch auf körpersprachliche Signale und Blicke des Halters. So können Hunde z. B. auch dem Blick des Menschen in die Ferne folgen. Schwierig ist dies jedoch für Hunde, die gelernt haben, den Blickkontakt zu ihrem Menschen zu suchen und zu halten. Ihnen fällt es schwer, nun wegzuschauen und dorthin zu gucken, wo der Mensch hinguckt. Generell ist dieser Trick eine schöne Übung und stellt für alle Hunde eine anspruchsvolle Denkaufgabe dar, bei der sie herausfinden müssen, was von ihnen erwartet wird. Damit der "Folge meinem Blick!" klappt, sollte dein Hund bereits auf einen Marker, z. B. den Clicker, konditioniert sein.

Wie bringe ich meinem Hund "Folge meinem Blick!" bei?

Am besten beginnst du, indem du mit deinem Vierbeiner das sogenannte „free Shaping“, auch „freies Formen“ genannt, übst. Es ist eine sehr fordernde Art des Tricksens und eine wunderbare Art der kognitiven Auslastung. Beachte jedoch, dass es für deinen Hund recht anstrengend sein wird. Sinn des Shapens ist es, dass dein Hund allein überlegt, was von ihm gefordert wird. Er muss selbstständig ausprobieren, was genau von dir belohnt wird. Dein Hund bietet Einiges an und du formst das Verhalten von außen, indem du im genau richtigen Moment belohnst. Damit du wirklich punktgenau deinem Hund über das richtige Verhalten Rückmeldung geben kannst, nutzt du dein Markersignal, z. B. den Clicker. Das freie Formen fördert dabei die Kreativität deines Vierbeiners und stärkt sein Selbstbewusstsein.

Schritt 1- Jedes Verhalten lohnt sich

Wenn du mit dem freien Formen anfängst, ist es sehr wichtig, von Anfang an ein Start- und ein Endritual zu etablieren. So weiß dein Hund genau, wann ihr beginnt und er Verhalten anbieten soll und wann das Training beendet ist und er sich wieder entspannen kann. Ein Startritual könnte z. B. sein, dass du drei Mal hintereinander clickst und dein Hund jedes Mal ein Leckerchen bekommt, ohne dass er etwas tun muss. Dies bringt deinen Hund schon in eine positive Erwartungshaltung und er wird motiviert sein, etwas mit dir zu machen. Dann sagst du z. B. „Leg los!“ und das Training beginnt. Als Endritual könntest du sagen „Schluss“ und dann Clicker und Kekse wegräumen. Überlege dir ein Ritual für den Start und das Beenden des freien Formens, das zu dir und deinem Hund passt.

Da das neue Training sehr anspruchsvoll und intensiv ist, solltest du nur in kurzen Einheiten trainieren. Lege dir viele kleine Leckerlis bereit und setze dich mit deinem Hund in einen ruhigen Raum, sodass es keine weiteren Reize gibt, die euch stören könnten. Beginnt nun mit deinem Startritual. Danach machst du einfach mal gar nichts – was deinen Hund sicher erstmal irritieren wird. Schließlich gibst du ihm normalerweise Anweisungen, was er tun soll. Die Leckerlis werden ihn aber so interessieren, dass er früher oder später beginnen wird, irgendein Verhalten zu zeigen. Er will ja, dass es wieder clickt. Vielleicht stupst er dich mit der Pfote an, legt sich hin oder macht einen Schritt vor oder zurück etc. Jedes Verhalten, das dein Hund anbietet, darfst du sofort mit dem Clicker markieren und mit Futter belohnen.

Bei diesem Schritt hast du also noch kein bestimmtes Ziel im Kopf, sondern es geht nur darum, dass dein Hund aktiv irgendein Verhalten anbietet und ins Tun kommt. Hat dein Hund leichte Startschwierigkeiten, bietet sich anfangs eine Hilfestütze an, wie beispielsweise ein Spielzeug oder ein anderer Gegenstand, den du auf dem Boden platzierst. Jetzt kannst du zu Beginn jede Interaktion mit dem Gegenstand belohnen.

Schritt 2 – Folge meinem Blick

Gehe erst zum eigentlichen Trick über, wenn dein Hund Schritt 1 schon richtig gut umsetzt und dir aktiv Verhalten anbietet. Nun hast du ein genaues Ziel und weißt, wie das Verhalten deines Hundes aussehen soll: Du schaust zur Tür und dein Hund folgt deinem Blick und schaut dort ebenfalls hin. Du befindest dich mit deinem Vierbeiner in der Ausgangssituation, d. h. euer Startritual habt ihr gerade hinter euch und er weiß, dass er nun an der Reihe ist, etwas auszuprobieren. Schaue von deinem Hund weg und bewusst und auffällig zur Tür. Belohne jede noch so kleine Tendenz deines Hundes, ebenfalls in diese Richtung zu schauen. Wendet er den Blick von dir ab, wenn du ihn abwendest: Click - Leckerli. Dreht er den Kopf Richtung Tür: Click – Keks. So gibst du ihm weitere Hinweise auf das, was zu tun ist, bis er am Ziel angelangt ist und ebenfalls zur Tür schaut, wenn du es tust.

Tipp

Es ist besonders wichtig, dass du beim freien Formen wirklich jeden kleinen Schritt belohnst, um deinem Hund genug Hinweise zu geben und ihn natürlich auch bei Laune zu halten und zu motivieren. Erhält er kaum Feedback, wird er womöglich frustriert die Lust verlieren. Achte also darauf, dich sehr, sehr kleinschrittig vorzuarbeiten und möglichst oft clicken zu können. Stockt das Training, wähle kleinere Zwischenschritte, die du belohnen kannst.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.


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