Gestörtes Sexualverhalten beim Hund

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Gestörtes Sexualverhalten beim Hund

Allgemeines zum Verhalten

Gestörtes Sexualverhalten beim Hund kommt nicht selten vor. Ob Junghund oder adulter Hund, Rüde oder Hündin. Dabei spielen Alter und unterschiedliche Kontexte keine Rolle. Um das entsprechende Verhalten richtig einordnen zu können, sollte man genau hinschauen und die jeweilige Situation betrachten.

Wie entsteht ein gestörtes Sexualverhalten beim Hund?

Sexualverhalten gehört zum normalen Verhaltensrepertoire von Hunden. Wenn ein Rüde sich also für eine läufige Hündin interessiert und umgekehrt, dann ist dies erst einmal vollkommen natürlich. Bei manchen Hunden nimmt das Sexualverhalten jedoch teilweise sehr heftige Ausmaße an. So gibt es Rüden, die alles daran setzen, um zu ihrer Herzensdame zu gelangen und, die jede Gelegenheit nutzen zu entwischen. Ohne Leine oder unbeaufsichtigt sind sie dann unter Umständen ganz schnell weggelaufen. Es werden diverse Fluchtversuche unternommen, wenn es die jeweilige Situation ermöglicht. Dabei können sie auch in gefährliche Situationen gelangen, wenn sie z. B. kopflos Straßen überqueren. In der Wohnung kann es durch die Fluchtversuche auch zur Zerstörung von Möbeln, Türen oder Fenstern kommen.

Gestörtes Sexualverhalten bei Rüden

Hunde können sehr erfinderisch sein, um hinauszugelangen. Kommt der Rüde nicht aus dem Haus, gehört häufig auch die Vokalisation zum gezeigten Repertoire. Dazu gehören winseln, jaulen, fiepen, wimmern oder bellen. Der Rüde ist frustriert und leidet sehr. Er zeigt unruhiges Verhalten, frisst und schläft unter Umständen nicht mehr und ist sehr gestresst. Auch der tägliche Spaziergang wird so zur Herausforderung für Hund und Mensch. Der Rüde wird alles versuchen, um zur läufigen Hündin zu kommen. Für manch einen Hundehalter kann der Hund in dem Moment schwer zu bändigen und schier unkontrollierbar sein.

Gestörtes Sexualverhalten bei der Hündin

Befindet sich eine Hündin in der Läufigkeit, kann sie verschiedene Verhaltensweisen an den Tag legen. Neben Unruhe oder dem Verweigern von Signalen, kann auch sie den Versuch unternehmen, wegzulaufen. Schließlich sucht die Hündin den passenden Rüden für die Verpaarung und flirtet sprichwörtlich mit ihnen. Mitunter zeigen Hündinnen eine erhöhte Aggressionsbereitschaft gegen andere Hündinnen. Der Zyklus von Hündinnen ist sehr komplex. Und einige Hündinnen haben mit teils starken Symptomen zu kämpfen. So kann nach der Läufigkeit das Gesäuge anschwellen und sogar Milch einschießen. Auch versuchen manche Hündinnen Wurfhöhlen zu bauen und beginnen Spielzeuge oder Kuscheltiere wie Welpen umher zu tragen.

Bei beiden Geschlechtern wird dieses Sexualverhalten nur in bestimmten Phasen gezeigt. Die Läufigkeit einer Hündin nimmt nicht nur Einfluss auf sie selbst, sondern auch das andere Geschlecht ist betroffen. Bereits in der Pubertät, einer Phase, in der sich Hunde vom Welpen zum Junghund und dann in Richtung adulter Hund entwickeln, werden beide Geschlechter von Hormonen beeinflusst. Wie ausgeprägt das Sexualverhalten dann letztlich gezeigt wird, ist von Hund zu Hund unterschiedlich.

Aufreiten: Stress oder gestörtes Sexualverhalten beim Hund?

Wichtig ist es, sexuell motiviertes Verhalten von anderen Motivationen abzugrenzen. Wenn es beispielsweise um das Aufreiten eines Hundes geht, egal ob bei einem anderen Hund oder bei einem Menschen, wird dieses sehr oft als Sexualverhalten eingestuft. Dabei ist es sehr häufig nur der Versuch des Hundes, seinen Stress durch diese Übersprungshandlung auszugleichen. Zeigen Junghunde das Aufreiten, kann es sich genauso gut um ein Spiel handeln. Wie ganz viele Verhaltensweisen, wird nämlich auch das Sexualverhalten während des Spielens fleißig geübt und trainiert. Allerdings kann es beim Aufreiten am Menschen, auch um ein umgelenktes Verhalten handeln. Heißt, nimmt der Rüde eine läufige Hündin wahr und kann nicht zu ihr gelangen, reitet er alternativ am Menschenbein auf. Dieses Sexualverhalten entsteht aus der Erregung heraus und kann sogar zur Masturbation führen.
Hier sollte also immer genau der Kontext betrachtet werden in welchem der Hund das Verhalten zeigt, um es richtig einordnen zu können.

Tipps für den Alltag

Neigen Rüde und Hündin dazu sich aktiv auf Partnersuche zu begeben, steht Sicherheit ganz oben auf der Liste. Das bedeutet, den Hund schon vorm Öffnen der Haustür anzuleinen, um ein Weglaufen zu vermeiden. Während dieser Phase könnten auch Spazierwege gewählt werden, die etwas entfernter liegen, um so noch mehr Stress für den Hund zu vermeiden. Wird ein Rüde sehr aufdringlich, ist es wichtig, der Hündin in diesem Moment Schutz anzubieten. Sie braucht solche Situationen nicht alleine zu meistern, sondern sollte Halt und Sicherheit vom Hundehalter erfahren.

Bei sehr vielen Hunden hilft es in dieser Phase für Ablenkung in Form von Beschäftigung zu sorgen. Hier können, je nach Hund, körperliche Aktivitäten sinnvoll sein, aber auch Schnüffelspiele oder Tricks. Erlaubt ist, woran der Hund Spaß hat und worauf er sich einlässt.
Auch ist es wichtig als Halter in aufreibenden Situationen ruhig zu bleiben. Die Stimmungsübertragung spielt bei dieser Problematik eine große Rolle. Schließlich ist gerade das Thema Sexualverhalten, beispielsweise das Aufreiten der Rüden, für viele Hundehalter ein recht unangenehmes Thema. Häufig reagieren sie gestresst, beschämt, genervt oder aufgebracht. Es ist also entscheidend, sich selbst keinen Stress aufzubauen und wohl überlegt die nächsten Schritte anzugehen.

Das gilt auch für die schwere Zeit während der Pubertät, wo gesteigertes Sexualverhalten des Hundes vorkommt. Hier sind fundiertes Hintergrundwissen, Geduld und Konsequenz gefragt, denn schnell wird in diesem Zusammenhang von Kastration gesprochen. Jedoch solltest du dich vor diesem Schritt ausführlich informieren und mit deinem Tierarzt und Hundetrainer über diese Thematik sprechen. Denn je nach Kontext kann vielleicht auch eine andere Lösung der bessere Weg sein.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften. Als Dozentin ist Kristina Ziemer-Falke sehr gefragt und deutschlandweit auf Seminaren und Vorträgen zu Themen rund um den Hund anzutreffen.


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