Finnischer Lapphund im Rasseportrait

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Finnischer Lapphund

Finnischer Lapphund

Hütehunde
Herkunft Finnland Lebenserwartung 12+ Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 5: Spitze und Hunde vom Urtyp Funktion Hütehunde
Größe Mittelgroße Hunderassen Häufige Krankheiten Keine
Gewicht 13-25 kg Felllänge mittellang
Charakter/Wesen aufgeweckt, mutig, ruhig, gutmütig Fellfarbe verschieden
Besonderheiten

Keine

Herkunft und Rassegeschichte

Der Finnische Lapphund ist ein kerniger Urtyp des Hundes. In seiner Heimat Finnland wird er Suomenlapinkoira genannt, was auch sein offizieller Name ist. In Deutschland nennen ihn seine Freunde kurz Lappi. Er entstammt ursprünglich den Hütehunden für die Rentierherden der Samen. Lappland, das Siedlungsgebiet der Samen, erstreckt sich über weite Teile des Nordens der skandinavischen Halbinsel. Es ist keine einfache Aufgabe, die schnellen und wendigen Rentiere in den rauen Landschaften um den Polarkreis zu hüten. So entstand über viele Jahrhunderte ein äußerst robuster, zuverlässiger Arbeitshund. Neben der Hütearbeit begleitete der Suomenlapinkoira seine Menschen bei der Jagd. In den Lagern bewachte und behütete er die lange Zeit noch als Nomaden lebenden Familien der Samen. In den Zelten wärmte er seine Menschen in der Nacht.

Dieser heute bei uns kaum bekannte Hund zählt jedoch zu den ältesten in der Literatur beschriebenen Hunderassen. Schon der große schwedische Naturforscher Carl von Linné beschreibt den Lapphund um 1750 mit größter Anerkennung, um nur ein Beispiel anzuführen. Um 1900 wurde der Lapinkoira von finnischen und schwedischen Hundefreunden aus der Stadt als Begleithund entdeckt. Da war er schon sehr selten geworden. Zunächst gab es das Problem, die richtigen Hunde zu finden, um einen Zuchtstamm nach den Vorstellungen der modernen Rassehundezucht aufzubauen. Denn der Suomenlapinkoira war bei jedem Stamm der Samen ein wenig anders und wie bei allen alten Rassen in sich recht vielfältig.

Eine erste Rassedefinition wurde 1945 durch den Finnischen Kennel Club erstellt. Da nannte man ihn noch Lappländischen Hütehund. 1955 erfolgte die offizielle Anerkennung durch die Fédération Cynologique Internationale. Im Jahre 1967 wurde der Name in Lapphund umgeändert. 1993 bekam er seinen heutigen Namen Finnischer Lapphund. Wie der Name so änderte sich auch die Bestimmung dieses urigen und uralten Hundetyps. Aus dem Hüte- und Jagdhund machte die moderne Rassehundezucht einen Begleiter. Das Aussehen wurde vereinheitlicht und sein Fell wurde deutlich länger. Trotzdem ist er der kernige Hund geblieben, wie er schon seit Jahrtausenden als Partner der Samen lebte.

In Deutschland wird die Rasse züchterisch vom Deutschen Club für Nordische Hunde im VDH betreut. Dieser hoch spannende, urige Hund erfreut sich mit Recht und glücklicherweise in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. Nachdem lange Jahre kaum einmal ein Wurf in Deutschland gefallen war, sehen wir inzwischen um die 50 Welpen, die pro Jahr unter dem Dach des VDH fallen.

Beschreibung

Der Finnische Lapphund ist ein mittelgroßer Vertreter von Hunden des Urtyps. Er ist ein klassischer nordischer Hund, der noch heute seine frühere Aufgabenstellung als Hütehund der Rentierherden, Jagd- und Wachhund erahnen lässt. Seine Ausstrahlung ist beeindruckend souverän. Der heutige Lappi hat ein langes, wetterunempfindliches, robustes Fell. Es ist ein doppeltes Haarkleid mit rauem Deckhaar. Es darf nicht lockig sein. Rüden tragen zudem reichlich Mähne. Alle Farben des Fells sind erlaubt, jedoch soll eine Grundfarbe klar erkennbar sein.

Der Finnische Lapphund hat eine Widerristhöhe von etwa 49 Zentimetern bei Rüden und 44 cm bei Hündinnen. Es gilt, dass der Typ wichtiger sei als die Größe. Ein Gewicht schreibt der Standard nicht vor. Seine Ohren stehen meist aufrecht. Die Rute ist von mittlerer Länge und reichlich mit langem Haar versehen. In der Bewegung soll die Rute über dem Rücken oder zur Seite gekrümmt, in der Ruhe kann sie hängend getragen werden. Der offizielle Standard beschreibt den heutigen Finnischer Lapphund so:

Etwas  kleiner als mittelgroßer, im Verhältnis zu seiner Größe kräftig gebauter Hund, dessen Körperlänge die Widerristhöhe leicht übertrifft.

Charakter und Wesen

Der Finnischer Lapphund ist von seinem Wesen her ein typischer Hund des Nordens geblieben. Er vereint Urwüchsigkeit und Vertrautheit gegenüber seinen Menschen in besonderer Form. Der Lappi ist kein „Einmannhund“, aber Fremden gegenüber zunächst zurückhalten. Diese kündigt er gewöhnlich laut bellend an. Er ist ein herzliches Mitglied der gesamten Familie. Er hat die Qualitäten eines Arbeitshundes und die eines Familienhundes zugleich. Das setzt allerdings gewisse Haltungsbedingungen voraus (siehe unten). Der Finnische Lapphund trägt in sich noch die Wesensmerkmale, die ihn als vielseitigen Helfer des Volks der Samen über Jahrtausende unverzichtbar gemacht haben. So kann man verstehen, dass sich dieser urwüchsige Hund heute in der modernen Welt problemlos zurecht findet und sogar erfolgreich als Assistenz- oder Therapiehund eingesetzt wird.

Der Lappi ist ein großartiger, unkomplizierter und gelehriger Begleiter, der ein cooles, uriges, souveränes Wesen ausstrahlt. Er ist sehr friedfertig. Insgesamt ist in den Lapphunden noch einiges an Jagdtrieb lebendig. Das ist aber individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Jedenfalls sollte es in der Regel mit etwas Hundeverstand gut kontrollierbar sein. Der offizielle Standard beschreibt sein Wesen kurz als: „Aufgeweckt, mutig, ruhig und lernbegierig. Friedfertig und vertrauenswürdig.“ Der Lappi ist ein großartiger Freund, der eine viel größere Bedeutung in der Hundewelt verdient hat. Der Finnischer Lapphund streichelt die Seele seines Herrchens und Frauchens.

Finnischer Lapphund Welpe

Haltung

Der Finnische Lapphund lässt sich gut erziehen und führen. Er ist sehr bereitwillig und verzeiht auch einmal Fehler. So eignet er sich wie kaum sonst ein nordischer Hund auch für einen engagierten Anfänger. Der Finnische Lapphund ist kein Hund für eine Etagenwohnung. Ein Haus mit Garten sollte es idealerweise sein. Denn der Lappi hält sich gerne draußen auf, wo er auch schonmal die Nacht verbringen will oder sich im Winter gerne einrollt und dann einschneien lässt. Ein tolles Erlebnis. Der Garten sollte freilich nicht als Ziergarten gedacht sein. Denn die Lappis graben gerne und buddeln sich schon einmal eine kleine Höhle.

Lappis haben noch die Anlagen eines Hütehundes und können diese Arbeit heute noch ausüben. Im Gegensatz zu vielen anderen ehemaligen Hütehunderassen ist er aber anspruchslos und braucht keine ständige Beschäftigung. Allerdings nimmt er Herausforderungen gerne an, so auch in den verschiedenen Disziplinen des Hundesports. Lappis machen sich sehr gut als Fährtenhunde. Das üppige Haarkleid des Finnischen Lapphundes bedarf besonders während des Fellwechsels im Frühjahr und Sommer intensiver Fellpflege. Dann besonders sind Wohnung, Auto und Kleidung voll von seinen langen Haaren, selbst wenn man ihn nun täglich ausbürstet. Lappis sind sehr familienorientiert und ausgesprochen kinderfreundlich. Sie sind hervorragende Begleiter und bringen zugleich ein Stück wilde Natur in unser Leben.

Erziehung

Der Finnische Lapphund ist sehr lern- und wissbegierig und uns Menschen zugewandt. So lässt er sich gut erziehen. Du musst allerdings die Herausforderung annehmen, ja lieben, dich auf diesen urwüchsigen, selbstbewussten Hund mental einzulassen, seine Welt ein stückweit in dich aufzunehmen. Gerne werden sie dann ihr Herrchen und Frauchen nicht nur akzeptieren, vielmehr ihnen innig zugewandt und treu ergeben sein. Man muss sich auf das Erlebnis mit diesen selbstbewussten, typisch nordischen Wach- und Hütehunden voll einlassen. Durch liebevolle aber konsequente Erziehung muss deinem Lappi schon vom Welpenalter an seine Stellung in der Familie klargemacht werden. Ideal ist, wenn du mit deinem Lapphund im Hundesport oder in der Fährtenarbeit aktiv bist. So kannst du dieses wunderbare Erlebnis einer innigen Bindung zwischen Mensch und Hund, zumal einem so urigen, hautnah erleben.

Pflege und Gesundheit

Das üppige, doppelte Haarkleid des Finnischen Lapphundes bedarf besonders während des Fellwechsels im Frühjahr und Sommer intensiver Pflege.

Rassetypische Krankheiten

Der Finnische Lapphund ist eine robuste Hunderasse. Aufgrund der sehr kleinen Zuchtbasis solltest du auf Inzucht achten und die Ergebnisse der Tests auf Veranlagung zu Erbkrankheiten. Diese werden von seriösen Züchtern gerne vorgelegt.

Ernährung/Futter

Der Finnische Lapphund ist in seiner Ernährung unproblematisch.

Lebenserwartung

Die Rasse hat nach Angaben des Kennel Clubs eine Lebenserwartung von über 12 Jahren.

Finnischen Lapphund kaufen

Wenn du dich für einen Finnischen Lapphund interessierst, solltest du dich bei einem Züchter vor Ort informieren, der dem Deutschen Club für Nordische Hunde angeschlossen ist. Du solltest hier langfristig planen, denn Welpen aus seriöser Zucht – und nur solche solltest du kaufen – sind schwer zu bekommen.  Ein Welpe dieser Rasse kostet etwa 1.200 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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