Eingewöhnung von Fischen im Aquarium

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Eingewöhnung von Fischen im Aquarium

Beim Kauf und beim Einsetzen von Zierfischen kann man bereits eine ganze Menge falsch machen. Wenn Du jedoch einige Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigst, so kannst Du Dich viel eher daran erfreuen, dass Deine neuen Tiere gesund und munter in Deinem Aquarium herumschwimmen. So gelingt die Eingewöhnung von Fischen im Aquarium.

Augen auf schon beim Fischkauf!

Du bist wirklich gut beraten, wenn Du bereits beim Kauf der gewünschten Zierfische sehr gut die Augen offen hältst. Man kann sehr vielen Problemen von Vornherein aus dem Weg gehen, wenn man sich die Tiere im Verkaufsaquarium zuvor sehr genau ansieht. Zeigen alle Fische ein normales Verhalten und spreizen die Flossen in natürlicher Weise ab? Haben Sie einen guten Ernährungszustand oder sind sie sehr abgemagert? Zeigen irgendwelche Fische Anzeichen einer Erkrankung? Wenn ja, dann solltest Du von vornherein die Finger davon lassen. Kaufe nur offensichtlich gesunde Fische und nehme Dir für deren Beobachtung etwas Zeit.

Quarantäne ist immer besser

Grundsätzlich kann niemand mit Sicherheit sagen, ob ein frisch erworbener Fisch völlig gesund ist. Die meisten Zierfische im Zoofachhandel sind, auch wenn es sich um Nachzuchten handelt, Importe. Auch wenn man es einem Fisch nicht ansieht, können jederzeit Krankheitserreger und Parasiten vorhanden sein, mit denen ein gesundes Tier gewöhnlich gut zurechtkommt. Unter Stress – und der Fang und Transport in einem Transportbeutel sowie die Umgewöhnung an eine neue Umgebung sind solche Stressfaktoren – können sich Schwächeparasiten schnell massenhaft auf neu erworbenen Fischen vermehren.
Insofern ist eine Quarantäne in einem separaten Quarantäneaquarium immer die beste und sicherste Lösung, um neu erworbene Fische unterzubringen und ein Einbringen von Krankheiten ins Gesellschaftsaquarium zu verhindern. Mindestens eine Woche lang sollte man die Fische darin für sich alleine pflegen und genau beobachten, ob sie sich normal verhalten und Futter annehmen. Mir ist aber bewusst, dass nicht alle Aquarianer ein eigenes Quarantäneaquarium aufstellen können. Solltest Du das nicht können, dann ist die zuvor angesprochene sehr genaue Beobachtung beim Kauf umso wichtiger.

Nach dem Kauf Transportbeutel schützen!

Wenn Du Dir neue Zierfische im Zoofachhandel anschaffst, so sind diese gewöhnlich in einem Transportbeutel verpackt. Du solltest sehr genau darauf achten, dass die Fische den Transport zu Dir nachhause gut überstehen. Der Beutel sollte deshalb durch eine Umverpackung (z.B. aus Zeitungspapier) vor Licht und Wärmeverlust geschützt sein. Dies ist insbesondere in der kalten Jahreszeit umso wichtiger. Dann ist es auch besonders wichtig, dass die Tiere so schnell wie möglich zu Dir geschafft werden, damit das Wasser nicht auskühlt. Kritisch sind meist Wassertemperaturen von weniger als 18 °C. Dann kann es bei wärmeliebenden Fischen zu Verlusten kommen. Weiterhin solltest Du auch noch darauf achten, dass der Beutel und die sich darin befindenden Fische nicht zu stark geschüttelt werden, denn das verursacht weiteren Stress.

Was passiert bei einem langen Transport im Transportbeutel?

Bei einem relativ kurzen Transport vom Zoohändler Deines Vertrauens zu Deinem Aquarium, kühlt das Aquarienwasser vielleicht ein bisschen aus, aber es passieren im Transportbeutel noch keine großen Veränderungen.
Anders verhält es sich jedoch, wenn die Tiere für viele Stunden in einem Transportbeutel verbleiben, beispielsweise bei einem längeren Transport oder wenn man die Tiere online bestellt. Dann finden im Wasser chemische Prozesse statt, die es in Folge unbedingt zu beachten gilt. Denn die Tiere geben Stoffwechselprodukte ans Wasser ab, die je nach pH-Wert des Wassers als Ammonium oder Ammoniak im Wasser vorhanden sind. Im Aquarium würden Sie durch nitrifizierende Bakterien schnell in Nitrit und dann weiter in Nitrat umgewandelt werden, das weniger fischgiftig ist und letztendlich durch den regelmäßigen Wasserwechsel entfernt werden muss.

Fische im Aquarium eingewöhnen

Im Fischtransportbeutel kann diese Umwandlung nicht stattfinden und deshalb finden wir lediglich Ammonium bzw. Ammoniak vor. Das Verhältnis ist vom pH-Wert des Wassers abhängig. Bei einem hohen pH-Wert ist das sehr fischgiftige Ammoniak in der Überzahl, während ein niedriger pH-Wert das unschädlichere Ammonium verstärkt auftreten lässt. Glücklicherweise erhöht sich durch die Atmung der Fische im Beutel auch der Kohlendioxidwert ständig, die entstehende Kohlensäure senkt den pH-Wert glücklicherweise zusätzlich ab.
Wenn wir allerdings den Beutel nach einem langen Fischtransport und vielen anzunehmenden Stoffwechselprodukten öffnen, sollte es schnell gehen, die Fische aus dem Transportwasser zu entfernen. Denn das Kohlendioxid entweicht, der pH-Wert steigt an, Ammonium wandelt sich in Ammoniak um und vergiftet unter Umständen die Fische.

Wie setze ich die Tiere am besten ein?

Zuallererst solltest Du dafür sorgen, dass die Wassertemperatur im Beutel an diejenige im Aquarium angepasst wird, denn zu hohe Temperaturunterschiede beim Umsetzen können den Fischen sehr stark schaden. Lege den Beutel deshalb einfach ungeöffnet auf die Wasseroberfläche, bis sich das Wasser im Beutel etwa gleich warm anfühlt.
Viele Aquarianer entleeren den Beutelinhalt mit Fischen dann in einem Eimer und lassen über einen im Durchmesser reduzierten Luftschlauch Wasser aus dem Aquarium in dieses Gefäß tropfen, so dass sich die Wasserwerte ganz langsam und schonend angleichen. Theoretisch wäre diese Tröpfchen-Methode eine gute und sehr schonende Idee, die jedoch so lange dauert, dass sich die Fische bis zu einer ausreichend großen Vermischung anfänglich bereits durch den hohen Ammoniakgehalt vergiftet haben können.

Robuste Fische einsetzen

So hart es sich auch anhört, aber für robuste Fische ist da das sofortige Abgießen durch einen Fangkescher und sofortige Überführen ins Aquarium die deutlich schonendere Methode. Das kontaminierte Wasser solltest Du in den Ausguss gießen.

Empfindliche Zierfische einsetzen

Wie verfährt man aber mit empfindlicheren Zierfischen, die dabei Schaden nehmen können, da sie einen krassen Wechsel von Härte und pH-Wert unter Umständen nicht vertragen? Für diese Fische (beispielsweise einige Zwergbuntbarsche) kannst Du Dir eines von mehreren angebotenen Produkten aus dem Zoofachhandel anschaffen, um Ammoniak zu eliminieren. Hast Du dieses Mittel nach dem Öffnen des Beutels hinzugefügt und eine Vergiftung verhindert, ist die Tröpfchen-Methode zur Angleichung der Wasserwerte die bei weitem beste Methode. Überschüssiges Wasser im Eimer wird immer wieder abgegossen bis die Fische fast in reinem Aquarienwasser schwimmen und herausgefangen und überführt werden können.

Aquarium beim Einsetzen der Tiere am besten abdunkeln

Beim Einsetzen von neuen Fischen stellen ihnen die bereits im Aquarium lebenden Tiere mitunter nach und können sie verletzen. Dies kannst Du jedoch leicht verhindern, indem Du das Aquarium sofort abdunkelst und die Tiere zur Ruhe kommen lässt.

Fazit zur Eingewöhnung von Fischen im Aquarium

Wie Du siehst, kann man bereits bei der Anschaffung und beim Einsetzen von Fischen eine ganze Menge Fehler machen, die aber einfach zu verhindern sind. Wenn Du allerdings einige Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigst, wirst Du mit großer Wahrscheinlichkeit keine größeren Probleme mit Deinen Neuankömmlingen haben.


Ingo Seidel ist seit seiner Kindheit von der Natur begeistert und bekam im Alter von sechs Jahren sein erstes Aquarium. Sein Spezialgebiet sind die Welse, aber als engagierter Mitarbeiter im Zierfischgroßhandel hat er mittlerweile sehr gute Kenntnis von den meisten Süßwasserfischen erlangt. Er ist Autor unzähliger Berichte in Aquarienzeitschriften und veröffentlichte mittlerweile auch diverse Fachbücher. In der Internationalen Gemeinschaft Barben-Salmler-Schmerlen-Welse war er jahrelang Leiter der Sparte Welse, aktuell ist er dort Redakteur des BSSW-Reports.


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